Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk

C

changeling

Guest
MOD Ausgelagert aus viewtopic.php?f=19&t=115216 ab dem zweiten Post generell abgehoben vom Urthema, weil Eigenleben bereits erreicht ;-)
Viel Spaß.
__

Mira-Katharina schrieb:
Ist immer die Frage, ob man Einheitsbrei produziert, oder neue Wege geht.
...
in einer anderen meine experimentielle Musik ausbaue.
Tut mir leid, aber was experimentelles habe ich da nicht gehört.

Man kann natürlich auch z.B. ein Pattern mit 107 BPM und eins mit 123 BPM machen, beide übereinander legen und jedem, dem es nicht gefällt sagen, dass sei halt experimentell und es ist nicht verstanden worden.
Solcherlei "experimentelle" Sachen nutzen sich aber schnell ab.

Ich mache dann in 5 Minuten am Modular "experimentelle" Musik:

src: http://soundcloud.com/changeling/2013-02-26-3-module-battle

src: http://soundcloud.com/changeling/2013-05-02-quick-n-dirty

src: http://soundcloud.com/changeling/2013-02-26-vcam-as-a-sequencer

... oder ich gebe einfach zu, dass ich zu lazy war es so umzuformen, dass es gut klingt.
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Man kann natürlich auch z.B. ein Pattern mit 107 BPM und eins mit 123 BPM machen, beide übereinander legen und jedem, dem es nicht gefällt sagen, dass sei halt experimentell und es ist nicht verstanden worden.
Solcherlei "experimentelle" Sachen nutzen sich aber schnell ab.

Ich mache dann in 5 Minuten am Modular "experimentelle" Musik:
Es gibt ja einiges an experimentellen Werken, wie z. B. die mathematisch komponierte Musik, die dann vielleicht für einen Laien anfangs auch nicht viel anders klingt, als dein o. a. Beispiel. Ich bin auch kein großer Fan von kybernetischen Kompositionen oder Musik nach Worten usw., auch wenn sie durchaus einen Reiz haben.
Ob sich experimentelle Musik schnell abnutzt glaube ich nicht, John Cage und Stockhausen beweisen ja das Gegenteil.
Kann Musik nicht auch dann schon experimentell sein, sobald sie die üblichen Songstrukturen verlässt, als nix mit Intro, Spannungsbogen, Hook, Refrain usw.?
 
Re: Jelly

Hah, wir werden schon wieder OT wie im anderen Thread.

Bernie schrieb:
Ob sich experimentelle Musik schnell abnutzt glaube ich nicht, John Cage und Stockhausen beweisen ja das Gegenteil.
Experimentelle Musik ist für mich nur im ersten Moment experimentell. Cage & Stockhausen sind beide schon tot, die sind genauso wenig mehr experimentell wie Wagner oder Bach.
Was dann übrig bleibt ist oft mehr ulkig als musikalisch ernst zu nehmen (gerade bei Cage) und frag mal in einer Fußgängerzone 100 Leute nach Cage oder Stockhausen. Die große Allgemeinheit interessiert sich einen Furz dafür, weil es eben nur als Störfeuer gemacht wurde, um unbedingt anders zu sein. Gute Musik braucht meiner Meinung nach keine Erklärung, damit man sie gut finden kann. Wenn etwas scheiße klingt und mir der Komponist erklären will, dass das alles ganz doll durchgeplant und komponiert wurde, klingt es für mich immer noch scheiße.

Jede Musik war zuerst experimentell. Auch Schlager oder Uffta-Uffta Volksmusik. Wir wundern uns ja z.B. auch nicht mehr über Flugzeuge.

Bernie schrieb:
Kann Musik nicht auch dann schon experimentell sein, sobald sie die üblichen Songstrukturen verlässt, als nix mit Intro, Spannungsbogen, Hook, Refrain usw.?
Nein, weil das alles schon längst durchgenudelt wurde, z.B. mit der Industrial-Bewegung.
 
Re: Jelly

Seit wann sind 100 Leute in der Fußgängerzone ein Maßstab? Die kennen genauso wenig Led Zeppelin, Frank Zappa, Klaus Schulze, Aphex Twin und bei Kraftwerk wird es auch schon eng. Da findest Du dann Michael Jackson, Dieter Bohlen und Helene Fischer..
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Gute Musik braucht meiner Meinung nach keine Erklärung, damit man sie gut finden kann. Wenn etwas scheiße klingt und mir der Komponist erklären will, dass das alles ganz doll durchgeplant und komponiert wurde, klingt es für mich immer noch scheiße.
Sehe ich anders.
Es gibt so viele wirklich ganz hervorrragend gute Musikkompositionen, die jedoch sehr vielen Leuten nicht gefällt.
Ich stehe auch nicht so auf Freejazz und Musique Concrete ist auch nicht massenkompatibel, deshalb ist die Musik aber definitiv nicht "schlecht".

Wenn du etwas persönlich total scheiße findest, dann ist das kein Maßstab für Kompositionslehre und wenn kaum einer in der Fußgängerzone den Komponisten oder Interpreten kennt, dann sagt das ganz sicher ebenso nicht viel über die Qualität der Musik aus.

Ich finde es auch gut, wenn der Komponist die Hintergründe über sein Werk erklärt, da man das dann einfach besser verstehen kann.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Wer Pfropfen in den Ohren hat, soll sie einfach behalten, wenn er will.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

changeling schrieb:
Ich mache dann in 5 Minuten am Modular "experimentelle" Musik:
Das ist eben keine experimentelle Musik, sondern modulargeplänkel und genau das ist der Knackpunkt.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Ganz allgemein zum Thema „experimentell“:

Man sollte immer wissen, WAS man hört. Wer eine Schwäche für z. B. Blasmusik oder JMJ hat…warum nicht?
Man sollte aber nicht glauben, damit die Krönung der Musik zu kennen.

Cage, Stockhausen & Co. darf man als Anfänger ruhig mit „Mißtrauen“ begegnen, zieht es dem Anfänger doch erst mal
Schuhe samt Socken aus. Insofern ist eine Starthilfe (gerne schaue ich in das Programmheft der Donaueschinger Musiktage,
von mir spaßhalber „Bedienungsanleitung“ genannt) nicht schlecht, handelt es sich doch (im besten Fall) um neues Ohrenfutter,
für dass der Neuling noch kaum eine Referenz in den angestaubten Gehörgängen hat. Eigentlich beneidenswert!

Die o. e. Bedienungsanleitung wird vielleicht irgendwann mal überflüssig werden, und man wird den einen oder anderen
Lieblingskomponisten bei den sogenannten „Neuen“ nicht nur finden sondern mit etwas Geduld auch nachvollziehen können – oder
auch nicht. Das ist legitim. Aber hierzu muß man sich erst mal wirklich mit der Materie auseinander gesetzt haben.
 
Re: Jelly

Bernie schrieb:
changeling schrieb:
Gute Musik braucht meiner Meinung nach keine Erklärung, damit man sie gut finden kann. Wenn etwas scheiße klingt und mir der Komponist erklären will, dass das alles ganz doll durchgeplant und komponiert wurde, klingt es für mich immer noch scheiße.
Sehe ich anders.
Es gibt so viele wirklich ganz hervorrragend gute Musikkompositionen, die jedoch sehr vielen Leuten nicht gefällt.
Ich stehe auch nicht so auf Freejazz und Musique Concrete ist auch nicht massenkompatibel, deshalb ist die Musik aber definitiv nicht "schlecht".

Wenn du etwas persönlich total scheiße findest, dann ist das kein Maßstab für Kompositionslehre und wenn kaum einer in der Fußgängerzone den Komponisten oder Interpreten kennt, dann sagt das ganz sicher ebenso nicht viel über die Qualität der Musik aus.

Ich finde es auch gut, wenn der Komponist die Hintergründe über sein Werk erklärt, da man das dann einfach besser verstehen kann.

Zum letzten Punkt bringe ich immer wieder gerne eine differente Sichtweise ein: Picasso stand auch nicht vor seinen Bildern und Gemälden und erklärte seine Werke. Mitdenken ist also durchaus erlaubt.
 
Re: Jelly

Klangreisender schrieb:
Zum letzten Punkt bringe ich immer wieder gerne eine differente Sichtweise ein: Picasso stand auch nicht vor seinen Bildern und Gemälden und erklärte seine Werke. Mitdenken ist also durchaus erlaubt.
Mitdenken ja, aber man kann nicht immer voraussetzen.

Zwischen einem modernen Komponisten und Otto Normalhörer kann eine riesige Kluft sein.
Daher kann eine kleine Brücke ("Hörtipp") nicht schaden. Es sei denn, man will mit Hürden abschrecken.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Wenn man die Motivation "moderner" Maler nicht kennt, wird man aber ein dadaistisches, kubistisches oder surrealistisches Bild nicht wirklich würdigen können. Das sieht dann vielleicht nett aus und ist auch technisch schön gemalt, aber in diesem Fall ist ein leichtes Hintergrundwissen durchaus hilfreich.

Das ist wie Masken aus Neuguinea: wer den Totenkult da nicht kennt, wir die dabei benutzten Masken nicht richtig würdigen können. Ohne Hilfe kann ein Europäer auch den Koran nicht wirklich verstehen und die Bildsprache einer Kirche erschliesst sich einem Moslem oder Buddhisten auch nicht von alleine. Vermutlich ist es sogar so, dass wir heutigen (aus einer Schriftkultur) die Bildsprache eine mittelalterlichen Kirche (aus einer oft analphabetischen Kultur) nicht mehr zu 100% nachvollziehen können, auch wenn bestimmt sogar ein Atheist die Sintflut kennt oder die Passionsgeschichte.
 
Re: Jelly

Zotterl schrieb:
Klangreisender schrieb:
Zum letzten Punkt bringe ich immer wieder gerne eine differente Sichtweise ein: Picasso stand auch nicht vor seinen Bildern und Gemälden und erklärte seine Werke. Mitdenken ist also durchaus erlaubt.
Mitdenken ja, aber man kann nicht immer voraussetzen.

Zwischen einem modernen Komponisten und Otto Normalhörer kann eine riesige Kluft sein.
Daher kann eine kleine Brücke ("Hörtipp") nicht schaden. Es sei denn, man will mit Hürden abschrecken.

Vielleicht sind auch viele Personen zu denkfaul, andere zu ignorant und manche auch nicht in der Lage, generell gesehen. Musikalisch betrachtet, ist nur ein Jazzakkord wohl auch schon Gift für einen Hit, habe ich manchmal den Eindruck.
 
Re: Jelly

Feedback schrieb:
Seit wann sind 100 Leute in der Fußgängerzone ein Maßstab? Die kennen genauso wenig Led Zeppelin, Frank Zappa, Klaus Schulze, Aphex Twin und bei Kraftwerk wird es auch schon eng. Da findest Du dann Michael Jackson, Dieter Bohlen und Helene Fischer
War klar, dass sowas kommt. Whole Lotta Love war auf Platz 1 der deutschen Charts: https://de.wikipedia.org/wiki/Led_Zeppelin/Diskografie
Frank Zappa hat zwei Grammys bekommen und Bobby Brown Goes Down kam bis auf Platz 4 der deutschen Charts.
Aphex Twin war zumindest in den Album-Charts mal vertreten.
Kraftwerk hatten mehrere Top 10 Platzierungen: https://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk/Diskografie

Klaus Schulze fällt da etwas ab, Berliner Schule Kram war in den 70ern aber gar nicht so unbekannt.

Da hätte ich jetzt an Deiner Stelle als Gegenbeispiel deutlich unbekanntere Leute/Bands genannt. Stockhausen und Cage haben aber E-Musik gemacht, während die Genannten zur U-Musik gehören und zudem von den Pionierleistungen her nicht einmal annähernd an die beiden ran reichen.
Deswegen müssen sich Stockhausen und Cage mit Größen wie Bach, Beethoven oder Wagner messen, deren Musik von deutlich mehr Leuten gemocht wird.

Bernie schrieb:
Es gibt so viele wirklich ganz hervorrragend gute Musikkompositionen, die jedoch sehr vielen Leuten nicht gefällt.
Ich stehe auch nicht so auf Freejazz und Musique Concrete ist auch nicht massenkompatibel, deshalb ist die Musik aber definitiv nicht "schlecht".
Schlecht ist Musik, die einem nicht gefällt. Es gibt kein objektives Kriterium für gut & schlecht, das ist alles Geschmackssache. Es gibt objektive Kriterien für gutes Handwerk, z.B. das Arrangement, bei Konservenmusik die Mischung, usw., für die Musik selber aber eben nicht. Deswegen gibt es keine allgemein schlechte oder gute Musik.

Bernie schrieb:
Das ist eben keine experimentelle Musik, sondern modulargeplänkel und genau das ist der Knackpunkt.
Gibt es jetzt ein Komitee, das bestimmt welche Musik experimentell ist oder nicht? Was ist, wenn ich jetzt Stunden daran gesessen hätte und alles ein tolles Konzept gehabt hätte? Vielleicht sogar wie Stockhausen anfänglich alles mühsam auf Tonband zusammen gesetzt worden wäre?
Es klingt genauso, wie ich es haben wollte, sonst hätte ich es nicht aufgenommen und veröffentlicht.

Das ist für mich eben der Witz an der Sache. Da werden Sachen als experimentell gelobt, nur weil einer lang darüber schwafelt, wie er das durchkomponiert hat und andere Sachen, die mit den gewöhnlichen Hörgewohnheiten brechen werden als "Geplänkel", "Gedudel", "rumgefurze" abgetan.
Ist das Kunst oder kann das weg?

Das ist für mich willkürlich und lächerlich.
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Gibt es jetzt ein Komitee, das bestimmt welche Musik experimentell ist oder nicht? Was ist, wenn ich jetzt Stunden daran gesessen hätte und alles ein tolles Konzept gehabt hätte? Vielleicht sogar wie Stockhausen anfänglich alles mühsam auf Tonband zusammen gesetzt worden wäre?
Es klingt genauso, wie ich es haben wollte, sonst hätte ich es nicht aufgenommen und veröffentlicht.

Das ist für mich eben der Witz an der Sache. Da werden Sachen als experimentell gelobt, nur weil einer lang darüber schwafelt, wie er das durchkomponiert hat und andere Sachen, die mit den gewöhnlichen Hörgewohnheiten brechen werden als "Geplänkel", "Gedudel", "rumgefurze" abgetan.
Ist das Kunst oder kann das weg?

Das ist für mich willkürlich und lächerlich.
Es spielt keine Rolle, wie lange du an deiner Komposition gesessen hast, an Stockhausens geniale Meisterwerke wird es nicht heranreichen.
Du solltest dich vielleicht mal etwas mehr mit Stockhausen und Co auseinandersetzen, damit du das etwas besser verstehst und die Unterschiede erkennen kannst.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Als Verfechter der Grau- bzw. Zwischentöne: seht das nicht so schwarz/weiß!

Wo steht geschrieben, daß experimentelle Musik nicht auch mal in die Hose gehen kann?
Im Gegenteil: gerade hier könnte man es öfters erwarten, da der Musiker/Komponist den
bekannten Boden verläßt und nicht mehr in Kategorien wie Strophe/Refrain/Bridge etc.
denkt, sondern versucht sein eigenes Ding durchzuziehen…wie gesagt: versucht.

Dennoch ist mir persönlich dieses Minenfeld lieber, als der zertretene Fußballrasen.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Zotterl schrieb:
Als Verfechter der Grau- bzw. Zwischentöne: seht das nicht so schwarz/weiß!

Wo steht geschrieben, daß experimentelle Musik nicht auch mal in die Hose gehen kann?
Im Gegenteil: gerade hier könnte man es öfters erwarten, da der Musiker/Komponist den
bekannten Boden verläßt und nicht mehr in Kategorien wie Strophe/Refrain/Bridge etc.
denkt, sondern versucht sein eigenes Ding durchzuziehen…wie gesagt: versucht.

Dennoch ist mir persönlich dieses Minenfeld lieber, als der zertretene Fußballrasen.
Ich sag nur: Stockhausen und seine Hubschrauber ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Helikopte ... chquartett
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Bernie schrieb:
Zotterl schrieb:
Als Verfechter der Grau- bzw. Zwischentöne: seht das nicht so schwarz/weiß!

Wo steht geschrieben, daß experimentelle Musik nicht auch mal in die Hose gehen kann?
Im Gegenteil: gerade hier könnte man es öfters erwarten, da der Musiker/Komponist den
bekannten Boden verläßt und nicht mehr in Kategorien wie Strophe/Refrain/Bridge etc.
denkt, sondern versucht sein eigenes Ding durchzuziehen…wie gesagt: versucht.

Dennoch ist mir persönlich dieses Minenfeld lieber, als der zertretene Fußballrasen.
Ich sag nur: Stockhausen und seine Hubschrauber ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Helikopte ... chquartett

Erkläre mir doch erst mal, wie man ein Instrumentalstück "Eloquenz" nennen kann, Bernie. Das bedeutet ja Redegewandtheit, Sprachfertigkeit. Ich finde, dann müsste man auch einen Sänger hören mit einem Liedtext, der rhetorisch auch noch besonders wertvoll ist. Das wäre dann meiner Meinung nach "rund" und konkret erfassbar. Perfekt damit.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Klangreisender schrieb:
Erkläre mir doch erst mal, wie man ein Instrumentalstück "Eloquenz" nennen kann, Bernie. Das bedeutet ja Redegewandtheit, Sprachfertigkeit. Ich finde, dann müsste man auch einen Sänger hören mit einem Liedtext, der rhetorisch auch noch besonders wertvoll ist. Das wäre dann meiner Meinung nach "rund" und konkret erfassbar. Perfekt damit.
Das ist einfach nur platt gedacht.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Nein, das ist durchdacht und nicht so subtil. Bernie müsste dann zumindest sagen: Damit ist die Sprache der Musik gemeint und meine Fertigkeit darin. So würde ich an seiner Stelle dann argumentieren. Das wäre dann clever von ihm.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Klangreisender schrieb:
Nein, das ist durchdacht und nicht so subtil. Bernie müsste dann zumindest sagen: Damit ist die Sprache der Musik gemeint und meine Fertigkeit darin. So würde ich an seiner Stelle dann argumentieren. Das wäre dann clever von ihm.
Es ist nur ein Teil aus dem Gesamtwerk "Das Lächeln der Bäume" und steht im direkten Kontext zu den anderen 34 Stücken. Es beschreibt den Charakter nur eines Baumes, der sich den anderen gegenüber besonders gut artikulieren kann.
Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, kurzum wird hier das wirken und handeln der Menschheit aus der Sicht der alten Bäume wiedergegeben, mit all ihren Erlebnissen und Erinnerungen.
Das alles zusammen stellt eine Zeitreise über viele hundert Jahre dar.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Ein Märchen also.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Bernie schrieb:
Klangreisender schrieb:
Ein Märchen also.
Nicht wirklich.

Klingt aber so, von der Erklärung her. Ich dachte dabei auch an ein vertontes Kinderbuch. Und ich vermisse, zumindest bei dem, was ich gehört habe, einen richtigen Song. Der Sound ist gut, aber die Stücke klingen wie Hörbeispiele für Klang. Das ist mir zu wenig.
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Märchen? Kleines Anekdötchen:

Vor gefühlten Jahrhunderten* gabs mal eine LP für Kinder von Sergiu Celibidache, eigentlich
eher Dirigent, denn Komponist. Bereich zwischen klassischer Musik und Neue Musik.

Er meinte, dass Kinder besonders offen sind für das Neue, da deren Gehörgänge noch nicht
so zugekleckert sind (und nicht alles ist mit Erwachsenem-Intellekt erfahrbar).
Für damalige Verhältnisse und für Kindesohren, war das tatsächlich ein „Öffner“.
Hatte auch was mit Märchen zu tun.


* Edit: * seufz * habs gefunden: Der Taschengarten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Taschengarten
 
Re: Experimentell? (j/n) OT Grundsatztalk aus Jelly

Klangreisender schrieb:
Bernie schrieb:
Klangreisender schrieb:
Ein Märchen also.
Nicht wirklich.

Klingt aber so, von der Erklärung her. Ich dachte dabei auch an ein vertontes Kinderbuch. Und ich vermisse, zumindest bei dem, was ich gehört habe, einen richtigen Song. Der Sound ist gut, aber die Stücke klingen wie Hörbeispiele für Klang. Das ist mir zu wenig.
Es gibt auch mehrere Stücke, die eine Songstruktur haben, Satyr zum Beispiel.


Ist aber auch nicht anders gewollt, denn bei diesen quadrophonischen Konzerte fliegen viele Klänge quer durch den Raum, das würde mich in einem "normalen" Song eher stören.
Der Fokus liegt also eher auf dem Klang als solches, daher sind das ja auch Klangkunstkonzerte.
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Die große Allgemeinheit interessiert sich einen Furz dafür, weil es eben nur als Störfeuer gemacht wurde, um unbedingt anders zu sein.

Das finde ich tatsächlich ein sehr ignorantes Statement.

Die Neue Musik, als musikalische Richtung, bzw. Konzept wurde nicht gemacht damit die jeweiligen Komponisten unbedingt anders sind.
Dem liegt in ihrem Ursprung, als der allgemein die zweite Wiener Schule um Arnold Schönberg herum gesehen wird, zuersteinmal im sich wegbewegen von althergebrachten harmonischen Strukturen. Da ging es nicht um anders sein in einem Modischen Sinne, sondern um eine ganz gezielte Weiterentwicklung von Denkweisen und Strukturen die in der Musik damals festgeschrieben waren (und im denken vieler heute noch sind). Stichworte Emanzipation der Töne: Jeder Ton sollte gleichberechtigt neben dem anderen stehen können ohne dass einer als stärker (dominate) oder schwächer (subdominate, Tonika) gewertet würde.
Die Geschichte des Andersseins der neuen Musik in D nach dem wk2 geht darauf zurück dass man sagte es könne keine pathetische, eomtionale Musik mehr geben da diese zu Machtzwecken missbraucht werden könne. so z.B. beethovens 9. zum einheizen nach einer Rede von goebbels.
Auch hier stand ein weiterdenken musikalischer Geschichte im Vordergrund und nicht eitles Andersseinwollen.


changeling schrieb:
Gute Musik braucht meiner Meinung nach keine Erklärung, damit man sie gut finden kann.

Klar, II. V. I. verbindungen rafft jeder un 1645(z.b. C Am F G) kommt auch immer gut, muss ich keinem erklären.

changeling schrieb:
Wenn etwas scheiße klingt und mir der Komponist erklären will, dass das alles ganz doll durchgeplant und komponiert wurde, klingt es für mich immer noch scheiße.

ja, Scheisse klingt scheisse, aber: Eine Erklärung hilft (wie hier schon angedeutet wurde) dem interessierten Menschen sehr dabei sich in andere denk- und herangehensweisen hineinzuversetzen und diese zumindest kennenzulernen. gut finden muss man es dann trotzdem nicht.
Cage hat diesen Punkt durch den einsatz deines Würfelsystems schön augfezeigt:
"Meine erwürfeltes klingt genauso wie eure durchstrukturierten seriellen exzesse." (gedachtes zitat)
Aber auch das war nicht das reine experiment, sondern er wollte damit einen Punkt klarmachen und hat damit viel bewegt.

changeling schrieb:
Jede Musik war zuerst experimentell. Auch Schlager oder Uffta-Uffta Volksmusik. Wir wundern uns ja z.B. auch nicht mehr über Flugzeuge.

Das halte ich für quatsch. genau diese musikrichtungen haben sich aus dem was als natürlich empfunden wird entwickelt. das reine gefühl, ohne hirn.
Genau wie das meiste popzeug, da gehört für mich auch jmj dazu, trotz synthburgen ist was er macht vor allem gefühlsmusik.
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Feedback schrieb:
Seit wann sind 100 Leute in der Fußgängerzone ein Maßstab? Die kennen genauso wenig Led Zeppelin, Frank Zappa, Klaus Schulze, Aphex Twin und bei Kraftwerk wird es auch schon eng. Da findest Du dann Michael Jackson, Dieter Bohlen und Helene Fischer
War klar, dass sowas kommt. Whole Lotta Love war auf Platz 1 der deutschen Charts: https://de.wikipedia.org/wiki/Led_Zeppelin/Diskografie
Frank Zappa hat zwei Grammys bekommen und Bobby Brown Goes Down kam bis auf Platz 4 der deutschen Charts.
Aphex Twin war zumindest in den Album-Charts mal vertreten.
Kraftwerk hatten mehrere Top 10 Platzierungen: https://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerk/Diskografie

Klaus Schulze fällt da etwas ab, Berliner Schule Kram war in den 70ern aber gar nicht so unbekannt.

Da hätte ich jetzt an Deiner Stelle als Gegenbeispiel deutlich unbekanntere Leute/Bands genannt. Stockhausen und Cage haben aber E-Musik gemacht, während die Genannten zur U-Musik gehören und zudem von den Pionierleistungen her nicht einmal annähernd an die beiden ran reichen.
Deswegen müssen sich Stockhausen und Cage mit Größen wie Bach, Beethoven oder Wagner messen, deren Musik von deutlich mehr Leuten gemocht wird.
Muss man denn alles erklären? Ich habe mit Absicht die (hier sicher) bekannteren gewählt, auch die kennt fast keine Sau.... :nihao:
Es war kein Gegenbeispiel zu irgendwas, aber wenn in Deiner Fußgängerzone über Musik bestimmt würde gäbe es nur noch Schrott.
 
Re: Jelly

Bernie schrieb:
Es spielt keine Rolle, wie lange du an deiner Komposition gesessen hast, an Stockhausens geniale Meisterwerke wird es nicht heranreichen.
Du solltest dich vielleicht mal etwas mehr mit Stockhausen und Co auseinandersetzen, damit du das etwas besser verstehst und die Unterschiede erkennen kannst.
Das ist ein ziemlich platter Kommentar und hat mit dem was ich sagen wollte nichts zu tun.

argosound schrieb:
Das finde ich tatsächlich ein sehr ignorantes Statement.
Nö, es ist provokant, weil hier sehr viele Stockhausen Liebhaber rum laufen.

argosound schrieb:
Klar, II. V. I. verbindungen rafft jeder un 1645(z.b. C Am F G) kommt auch immer gut, muss ich keinem erklären.
Wie erklärst Du Dir dann die populären Viertöne im Balken/Orient oder sowas wie Gamelan in Indonesien?

argosound schrieb:
Eine Erklärung hilft (wie hier schon angedeutet wurde) dem interessierten Menschen sehr dabei sich in andere denk- und herangehensweisen hineinzuversetzen und diese zumindest kennenzulernen. gut finden muss man es dann trotzdem nicht.
Warum muss ich jetzt an Mörder und Sexualstraftäter denken?

argosound schrieb:
Das halte ich für quatsch. genau diese musikrichtungen haben sich aus dem was als natürlich empfunden wird entwickelt. das reine gefühl, ohne hirn.
Ist ja super, ich halte diese Erklärung nämlich für Quatsch. Es gibt sehr viel gefühlvolle Musik, die kaum jemand hört. Musik und Gefühle kann man meiner Meinung nach gar nicht trennen.
 
Re: Jelly

changeling schrieb:
Bernie schrieb:
Es spielt keine Rolle, wie lange du an deiner Komposition gesessen hast, an Stockhausens geniale Meisterwerke wird es nicht heranreichen.
Du solltest dich vielleicht mal etwas mehr mit Stockhausen und Co auseinandersetzen, damit du das etwas besser verstehst und die Unterschiede erkennen kannst.
Das ist ein ziemlich platter Kommentar und hat mit dem was ich sagen wollte nichts zu tun.
War übrigens nicht gegen dich persönlich gemeint, auf mich und die meisten anderen hier trifft das auch zu.
Es gibt Stücke, an denen er mehrere Jahre gearbeitet hat und das nicht ohne Grund.
Ich bin kein großer Fan von Stockhausen, dennoch sollte man sich etwas mit seinen Arbeiten auseinandersetzen, da sind tatsächlich wahre Juwelen darunter.
 


Neueste Beiträge

News

Zurück
Oben