2 Stereo in -> 1 Stereo out

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von denbug, 7. Juni 2008.

  1. denbug

    denbug Tach

    Gibt es für sowas einen einfachen Adapter zu kaufen? Aber einen bei dem das Signal nicht an Qualität verliert und bei dem die Signalquellen nicht in irgendeiner Weise gefährdet werden? Am liebsten ohne ein weiteres Netzteil (also keinen Minimixer).

    Klärt mich doch bitte auf, was es da zu beachten gibt!
    Vielleicht kann mir ja auch jemand sowas gegen eine Spende basteln?
     
  2. Anonymous

    Anonymous Guest

    scheints das du doch nen minimixer willst.
    Man kann aber auch passiv mixen.
    Damit kenn ich mich nicht aus.
    Wahrscheinlich lässt sich das über ein DIY Y-Kabel mit eingelöteten Widerständen realisieren.

    Für so gebastel kann man bei Curetronic nachfragen.
    Er bastelt sicher zu fairen preisen wenn er sonst nicht ausgelastet ist.
    ---> am besten telefonieren, nicht mailen
     
  3. denbug

    denbug Tach

    Sonst vielleicht jemand hier der mir das bauen kann?
     
  4. droelf_

    droelf_ Tach

    Man kann das rein passiv aufbauen mit jeweils einem Widerstand am Ausgang der Signalquellen. Also


    Code:
    Input Links Quelle 1 >-----Widerstand-----o----< Output Links
                                              |
    Input Links Quelle 2 >-----Widerstand-----o
    
    
    Input Rechts Quelle 1 >-----Widerstand-----o----< Output Rechts
                                               |
    Input Rechts Quelle 2 >-----Widerstand-----o
    
    Alle Masseanschlüsse zusammenlöten. Die obigen Widerstände bilden dann mit den Eingangswiderständen des Geräts, das am Ausgang angeschlossen wird, einen passiven Summierer (Mixer). Sollten die Geräte am Eingang keinen gleichspannungsfreien Ausgang haben braucht man noch Trennkondensatoren. Das kannst du einfach feststellen, wenn du die Gleichspannung am Ausgang der Quellen mal misst (natürlich ohne ein Signal/Ton darüber auszugeben).
    Für die Widerstände würde ich mal so um die 10k-Ohm nehmen. Evtl. kann man die noch kleiner machen, aber damit bist du auf der sicheren Seite, was die Belastung der Quellen angeht.
    Achja, da das Dings passiv arbeitet, geht natürlich etwas Pegel verloren (je nach Eingangswiderstand des Geräts am Ausgang eben).
     
  5. denbug

    denbug Tach

    Cool! Wer baut mir sowas? :)
    Gerne per PM mal melden!
     
  6. Ich habe oft über einen handelsüblich Kopfhörer-Verteilstecker (CD out auf 2 Kopfhörerbuchsen, gibts bei Mediamarkt) zwei Stereo-Keyboards angeschlossen und nie Probleme gehabt damit.
    Jetzt sagte jemand aus dem Forum, dass diese Anschlussart den Keyboards schaden könne.

    Also, ich wäre auch bei der Bestellung dabei.
     
  7. droelf_

    droelf_ Tach

    Line-out oder Kopfhörerausgänge kann man prinzipiell auch ohne die Widerstände im Kabel einfach mit so einem Y-Adapter zusammenschalten, weil diese ja auch einen Ausgangswiderstand (allerdings einen sehr niedrigen, Kopfhörer ein paar -zig Ohm, Line-out mehr) haben. Diese Widerstände ersetzen dann quasi die oben eingezeichneten.
    ABER: Normale Line-out-Ausgänge sind dafür gemacht, an recht hochohmige Line-in-Eingänge angeschlossen zu werden, d.h. normalerweise fließt im Betrieb ein sehr kleiner Strom, während dieser bei der Y-Kabel-ohne-Widerstände-Methode schon größer werden kann, da ist halt die Frage, ob die Ausgangsstufe das auf Dauer aushält, evtl. verzerrt sie dann auch o.ä. Was auch noch passieren kann, daß die beiden zusammengeschalteten Ausgänge relativ unterschiedliche Ausgangswiderstände haben, z.B. Gerät A hat 100 Ohm und Gerät B hat 200 Ohm: Verhältnis 2:1. D.h. B hat dann doppelt so viel Pegel wie A. Hat man dagegen zusätzlich die Widerstände im Kabel, addieren die sich ja dazu, (10000 Ohm + 100 Ohm) : (10000 Ohm + 200 Ohm ) = ungefähr immer noch 1:1, also beide Geräte bleiben gleich laut. Bei Kopfhörerausgängen ist das mit der Überlastung etwas weniger schlimm, weil die Kopfhörer selbst ja schon recht niederohmig sind und eine "starke" Belastung des Ausgangs eh normal ist.
    Allerdings ist das alles nur Theorie, in der Praxis funktioniert es halt doch meist ohne Probleme. Und sooo empfindlich dürfen die Ausgangsstufen eh nicht sein: Überall, wo Klinkenstecker verwendet werden, müssen die kurzschlußfest sein, weil es beim Einstecken zu einem kurzen Kurzschluß kommt.

    korinthenkackmodus off


    Noch was zum Selbstbau, ich bin leider grade weit weg von meinem Bastelkeller, sonst würde ich das ja machen. Aber baut euch das doch selber, ist das wirklich schnell gemacht: 6 Klinkenstecker, ein paar Meter abgeschirmtes Kabel, die 4 Widerstände, Lötkolben+Lötzinn, Bastlermesser zum Abisolieren. Als Lötkolben tut es ob der relativ groben Bratereien an den Steckern auch das 3EUR-Modell aus dem Baumarkt.

    Gruß,
    droelf
     
  8. Vielen Dank für die profunde Erklärung!
    So gut hat mir die Sache noch keiner erklärt.

    Ich werde mal demnächst den hiesigen Elektronikladen aufsuchen, um den Verteiler nachzubauen.

    Was das Anschließen ohne Widerstand angeht:
    Man könnte also zwei recht identische Keyboards über die Kopfhörerausgänge an einen Y-Verteiler anschließen.
    Ich habe das nämlich mit dem Juno 6 und Juno 106 gemacht und es funktionierte einwandfrei.
     
  9. droelf_

    droelf_ Tach

    Also.. ich hab mir jetzt mal beispielhaft den Kopfhörerausgang vom Juno 106 angeschaut. Schaltplan hab ich von hier:


    http://www.hinzen.de/midi/juno-106/manual/juno-serv.pdf


    Den wichtigen Ausschnitt mal hier als Bildchen:


    [​IMG]


    Man sieht, daß am Kopfhöreroutput jeweils ein 220-Ohm-Widerstand dranhängt. Und daß als Verstärker der M5218L verwendet wird, dessen Datenblatt es hier gibt:


    http://pdf1.alldatasheet.com/datasheet-pdf/view/908/MITSUBISHI/M5218.html


    Die wichtigen Sachen aus diesem Datenblatt auch mal hier als Bildchen:


    [​IMG]

    [​IMG]


    Der maximale Ausgangsstrom des Opamps (Verstärker) ist also 50mA. Wobei die Spannung bei Belastung in die Knie geht, wie man an der Kurve im zweiten Bild erkennen kann:
    Bei einer Last von ca. 200 Ohm, d.h. bei Vollaussteuerung des Verstärkers und Kurzschluß direkt am Ausgang ODER bei der Parallelschaltung eines zweiten, genau gleich aufgebauten Kopfhörerverstärkers, der im worst-case genau entgegengesetzt arbeitet, sinkt die maximale Ausgangsspannung auf 7V ab, während ein Strom von 50mA, also genau dem erlaubten Maximum fließt.
    Dann muß man noch schauen, ob die Verlustleistung überschritten wird, denn bei einer Ausgangsspannung von +-7V und einer Versorgungsspannung von +-15V (ist so beim Juno 106 laut Schaltbild) muß die Differenz in Wärme umgesetzt werden. Also 8V Differenz mal 50mA Strom = 400mW, was bei allen Gehäuseformen unter dem zulässigen Maximum liegt (siehe Tabelle, "Power dissipation").

    Kurz und gut, es geht zumindest beim Juno 106 über die Kopfhörerbuchsen ohne was kaputt zu machen. Andere Junos hab ich nicht angeschaut, aber da ist das vermutlich ähnlich, wenn sie annähernd gleiches Baujahr sind.

    Gruß,
    droelf


    EDIT:
    P.S.: Um das Thema wirklich komplett auszuschöpfen noch eine Anmerkung: Bei allen passiven Mixereien hat man wegen der fehlenden Pufferstufe am Ausgang das Problem, daß der relativ hohe Ausgangswiderstand des "Mixers" zusammen mit der Kapazität des nachfolgenden Kabels einen Tiefpass bildet. Das ist bei studioüblichen Kabellängen wohl kein Problem. Grundsätzlich sollte man aber die Y-Weiche mit den Widerständen möglichst nahe am Eingang des folgenden Geräts platzieren (Mixer, Verstärker, whatever). Wann man halt bei nem Liveauftritt nach der Weiche erstmal noch 100m Kabel zum Mixer hat, klingt es sonst dumpf. Die genaue Frequenz dieses Tiefpass kann man ausrechnen, wenn man aus dem Datenblatt des Kabels die Kapazität pro Meter rausliest und das mit der entsprechenden Länge multipliziert und dann einfach die Formel für einen simplen RC-Tiefpass verwendet.
     

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