Anmerkung zu Roland System 100m (Magazin)

Dieses Thema im Forum "SyntheTisch!" wurde erstellt von Cyborg, 21. März 2010.

  1. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    Hallo
    das Roland 100m ist kein vollwertiges Modularsystem und es gab, zumindest zu der Zeit, als die Module über den Ladentisch gingen, häufig Probleme mit diesen.
    Probleme machte zum einen die Tastatur die auffällig oft "Wackler" hatte. Was Roland damals beworben hatte, also Modul kaufen, in den Rahmen stecken, anschliessen, spielen, so einfach war das dann doch nicht. Wer im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten Module nachgekauft hatte, erwischte mit schlafwandlerischer Sicherheit welche aus verschiedenen Chargen. Da analoge Technik sehr aufwändig ist, was den Abgleich angeht, weil eben dieser Aufwand auch viel Zeit und damit Geld kostet, wurde offensichtlich geschlampt. In der Zeit im Musikladen habe ich bestimmt 30 oder 40 Module mit VCO's verkauft und etliche Kunden beschwerten sich dann über Missklänge weil die Spreizung auseinanderlief. So hatte ich dann später jedem Käufer solcher Module geraten, das ganze System mal vorbei zu bringen um die Spreizung einheitlich korrekt abzugleichen. Einige haben das auch selbst gemacht, andere hatten es nur versucht und dabei dann alles verkurbelt.
     
  2. Moogulator

    Moogulator Admin

    Ein Modularsystem ist dann eins, wenn man jedes Modul frei arrangieren kann. Das kann man. Es ist nicht semimodular.
     
  3. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    Dann ist auch ein Stack von 2 Prophet 10 und 2 Mini-Moog ein Modularsystem weil man jedes Modul in der Anordnung frei arrangieren kann.

    Nein, als vollwertiges Modularsystem werden Synthesizer dann bezeichnet, wenn die einzelnen Funktionsgruppen unabhängig, also ohne werksseitige Verbindungen zur Verfügung stehen. Die Ausnahme bilden Stromversorgung und rudimentäte Vorverkabelungen z.B bei GATE und Keyboard CV, dies aber auch nur dann, wenn diese Vorverkabelungen nicht starr sind. (also abschaltbar, besser: über Schaltklinken automatisch trennend)
    Ich bin mir mit der Beschreibung ziemlich sicher, die stimmte auch schon in den frühen Siebzigern.
    Beim Roland System 100m kann man genau so wenig an alle Funktionen ran wie es beim Studio System 100 der Fall ist. Man hat keine völlig freie Wahl bei den Patches.
     
  4. Moogulator

    Moogulator Admin

    Falsch, du kannst im P5 oder P5 nichts frei arrangieren. Aus einem 100m könnte man einen LFO nehmen man kann auch zB den VCA vor das Filter packen oder eine Filter FM patchen und den Ringmod dahinter abgreifen oder was auch immer, FM machen. auch im fast-eine-Stimme Modul kann man alles umarrangieren. DAS ist wichtig bei modular und das kannst du mit einem Minihaufen nicht, da dessen OSCs weder getrennt steuerbar sind noch das sie abgreifbar sind.

    VCO pitch rein, VCO raus.
    Wenn davon was fehlt oder nur als Pitch vorhanden ist, ist es nicht modular.

    Das man FM machen kann wie bei der Polymod ist natürlich kein Zeichen von Modularität. Ein Xpander oder Matrix12 ist nicht modular. Auch ein Q ist das nicht oder sowas. Ein Origin ist es, weil da ist es eben frei.

    Was ist denn am 100m weniger modular als an einem Moog Modular zB?
    Das es ein Prepatching hat, welches man per Trennklinke umgehen kann?
    Das ist aber höchstmerkwürdig.

    Modular ist, wenn die Bausteine getrennt ansprechbar sind. Deshalb gibt es auch Kompaktmodularsysteme, die zwar nicht aus Modulen bestehen, jedoch vollständig modular ausgeführt sind und nicht nur frei arrangierbar sind im Audio und Modulationsweg sondern vollkommen austauschbar mit einer ggf. Außenwelt.
    Es gibt zB im G2 auch einen Signalrouter für DX7/FM, man könnte sagen: Wieso nicht frei einstellbare OP-Anzahl? Ist ja nicht modular. Aber man kann immer noch mit der Hand patchen. Und das kann man beim 100m auch. Dazu sind es wirklich echte Module und auch wenn sie eng beieinander gebaut sind und es sine Art Dark-Energie darstellen kann mit dem Modul 110 VCO-VCF-VCA, man kann auch hier die Module komplett umbestimmen in Funktion und Position und Modulation. Das erfüllt vollmodularen Tatbestand. Sorry, aber so ist das. Prepatching ist NICHT gleich semimodular.

    Das 100er System ist nicht voll modular, du kommst nicht an den LFO und kannst auch nicht alles frei verpatchen. Oder der Voyager, denn an seine Einzelbauteile kommt man nicht in Gänze dran. Das nennt man dann semi oder nicht modular. So wie der MS20, der ebenfalls kein modularer Synthesizer ist.

    Alles andere ist ansich unsinnig in der heutigen Zeit sowieso.
    Es ist ein System offen oder nicht, und wenn einer sowas reinbaut wie im 700er oder 100m, dann ist das GUT, denn ich spar mir was. Wie groß muss das interne Bussystem sein, damit ein Synthesizer kein Modular mehr ist? Das wäre echt absurd. Erinnert dann auch an die Definitionsstreits, was elektronische Musik, Synthesizermusik, richtiger Trance oder wahrer Techno ist. Allerdings kann man darüber eher diskutieren.

    Dein letzter Satz ist leider falsch, denn du kannst definitiv den LFO abgreifen und ihn dem Euro 3HE System geben, oder einen VCO nehmen oder ihn getrennt ansteuern und sozusagen komplett anders nutzen oder positionieren, er kann auch hinter ein Filter gelegt werden oder was man will, beim 100 geht das nicht. DA hättest du Recht, denn der ist nicht nur prepatched, der ist teilweise fest geroutet. Es kommt auf den Zugriff an und den Freiheitsgrad der Baugruppen.
    Deshalb ist es schnell erkennbar, was ein System modular macht und was nicht.

    Also ja, ich würde mich hier auf eine Grundsatzdiskussion einlassen. Ich finde meine Definition korrekt und ist eigentlich Konsens in der Modularwelt.
    Übrigens könnte man sich fragen, ob einige aktuelle Module modular sind - in sich geschlossen. Aber das wäre spitzfindig, da ein Modul ja nur eine Funktion haben muss. Ein VCO-VCf-VCA Modul muss jedoch frei patchbar sein wie als seien es 3. Das ist beim 100m der Fall, beim 100 nicht.
    Das ist die Definition. Alles andere ist inhaltlich falsch. M5 und Arp2600 wären auch so Fälle, wo einige sich noch immer trauen, die falsche Bezeichnung hin zu schreiben. Ein gutes Routing ist kein Hindernis modular zu sein, aber eine fehlende Modulationsbuchse und keinen Ausgang ist eins.
     
  5. island

    island Modelleisenbahner

    Na dann muss ich vor Jahren ein riesen Dussel gehabt haben.
    Ich hatte Anfang der 80ziger ein 100m und über 1,5 Jahre zum Schluss 16 Module samt Keyboard zusammen gekauft.
    Das System war einfach Spitze und ich hatte nie irgendwelche Problem, ob mit den Keyboard oder den Modulen, die
    ich bestimmt ein Duzend mal anders zusammen gestellt habe. Und wenn ich was in meinem leben bereue, dann das ich das System für Apfel und Ei verhökert habe (Depp der ich war).
     
  6. Moogulator

    Moogulator Admin

    Aber dafür wahr.
     
  7. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    Hallo
    ich muss zugestehen, dass ich mich geirrt hatte. Es ist tatsächlich lange her seitdem ich das letzte Mal ein 100m vor mir zu stehen hatte und ich hatte mich auf mein "erinnertes Urteil" über das System verlassen. Warum hatte ich es als "nicht vollwertiges Modular" erinnert? Tja, das waren andere Dinge, die mir dort fehlten, einige Parameter, die man nicht steuern konnte, ein steuerbarer Hochpassfilter ohne den auch BP und BR nicht realisierbar sind usw. Also war mein Einwand, die Module wären teilweise mit nicht trennbaren Vorverkabelungen verbunden, falsch. Da die einzelnen Funktionen aber dann doch separat verwendet werden können, ist das 100m eben doch ein modulares System.


    Ich habe nicht behauptet, das RSS-100 wäre ein modulares System, es ist nur teilmodular.
     

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