Cabaret Voltaire - AB Brüssel
2026 ist das Jahr, in dem die "älteren Bands", wie die Cabs und auch Front 242. Ich habe mich für's AB entschieden. Der Sound dort ist optimal, satt - nicht mal irgendwie zu laut oder halb-kalibriert. Außerdem ist es einfach eine schöne Arena. Also dann mal hin fahren. Es ist nach diversen Baustellen in Brüssel nicht mehr total einfach, eine Stelle für's Auto zu finden, aber es ist zu schaffen. Die Stadt ist mit Art Deco natürlich einfach in Teilen sehr gut anzusehen. Nie, ohne einige Stunden vorher hin fahren, einplanen und danach ins Konzert, denn das AB ist ja mitten in der Innenstadt gegenüber vom großen Caroline Music Plattenladen.Support - Augusté Vickunaité
Als Vorgruppe ist Augusté Vickunaité mit Tapes und Loops zu sehen. Hatte gar nicht damit gerechnet. Natürlich passt das zu den Anfangszeiten von Cabaret Voltaire. Und los geht es. Sie arbeitet nur mit kleinen Bandmaschinen, kleines Format und Loops.
Cabaret Voltaire - last relief!
Und zur vollen Stunde waren die CABs dran, die Schlange und die Leute sind schon ziemlich ü50, wenige jüngere und etwas viele "Männer", wie oft in elekronischen Stilen. Warum auch immer.
Aber - vergessen, als es los geht - Der Sound ist einfach gut, am Synth steht auch Finlay, der den CRIC gebaut hat (Future Sound Systems), der auch Bristol ist, wo Stephen Mallinder offenbar auch lebt, oder zumindest auch arbeitet als Dozent. Benge an den Drums ist in seiner Solo-Synth Reihe und als Mitspieler bei Wrangler (Mal's Projekt - 3 Leute) für die Drums zuständig. Ja, auch Nag Nag Nag wird handgespielt, mit den Fills von der Hillwood Drummachine (das Video bei 2:30 - Zack NAG NAG NAG, etwas weiter dann "expect nothing" Beat) hat man hinter sich, so auch besonders bei "this is entertainment", in neuem Sound. Eine Band, die nicht stehen bleibt. So muss das sein bei Elektronik.
Sie haben eine sehr gute Songauswahl getroffen, alles gut, alles gut umgesetzt. Die Band besteht auf 4 Leuten, Chris Watson ist leider etwas vorher erkrankt, aber die Leute machen einen guten Job. Auch, wenn sie alle jünger sind als Mal. Er ist vorn, mal als Sänger, mal seitlich mit dem Microkorg und Kaoss Pad. Gearnerds finden, was sie suchen bei dem Set, aber es steht nicht im Vordergrund. Das Intro sind Stahlschläge, die man auch als Songintro kennt, damals war es eine sehr langsam laufende Drummachine, die eine gewisse Magie dadurch strahlte. Man hat also gut überlegt und die Show funktioniert. Ah, der Vocoder von "seconds too late" ist nicht drin, aber ich liebe den Track - trotzdem. Aber - um ehrlich zu sein, alle dieser Tracks habe ich rauf und runter gehört, sie verbinden mich mit der Band, ohne Ausnahme. Wirklich ohne!
Where are they hiding?
Die Cut-Up Videos sind mal retro aber eher so ,dass sie heute passen. Es ist generell einfach eine große Überzeugung im Sound, eine Kraft. Ja - und ein bisschen Kraftwerk sogar, Sheffield sowieso und dazu sind sie genug Pionier, um ganz anders zu sein, denn sie kommen klar von unten, aus dem Industrial zum Synthpop. Ja, Sampling wie "do right" ist drin - Funky ist drin, die Juno-Sequencen "Sensoria" und Co., aber auch so Tracks wie Just Fascination sind anders umgesetzt als das damalige Album, Crackdown zB - mit dem schönen Zapp-Sound ist fast zurückhaltens aber ebenfalls kräftig und lauft dann gut an. Erst dann kommt Mal nach vorn und macht den Gesangspart. Er spielt natürlich auch Bass - wie immer. Und der vierte Mann ganz rechts ist aus meiner Sicht schwerer zu erreichen, der hat die Boutique Rolands und spielt die meisten Parts. Hier ist eine Live-Band am Werk. Auch das ist angenehm, dass hier nicht alles "vom Band" kommt. do right - go to church!!…
Also - obwohl sie 1:25 Stunden etwa gespielt haben, kam es mir so vor, dass man echt gern mehr noch gehabt hätte. Andere machen bei 1h schon schluss, die Zugaben waren natürlich Nag Nag Nag und Sensoria, danach sehr klar - Ende geplant, Musik geht an, geht nach Hause - da hätte man auch nichts herbeiklatschen können, Mal schien glücklich und im Element, vielleicht lange nicht gespielt, aber er hat ja etliche Solo und andere Projekte. Viele haben das nicht mal mit bekommen. Wranglers erstes Album zB, ist super.
Kirk - und was ist mit Kirk? Den habe ich solo beim Incubate in Tilburg gesehen, in einer bestuhlten Location - alle wollten tanzen, er bewarf einen Fotografen mit Zeug, aber die Wahl der Location war nicht ganz glücklich für ihn, er war oder mag sich damals schon nicht mehr gesund gefühlt haben - seine Tracks waren technoid, so wie Western Remixes, weiter gebracht, aber ohne CAB-Songs, einfach anders, nicht Sandoz oder sowas - das war und lieb als Cabaret Voltaire, so wie Mal später auch eine kleine Tour hatte. Diese hier ist jedenfalls eine sehr runde Tour, die Kirk nicht ausklammert, aber auch einen neueren Sound hatte mit allem, was man braucht. Cabaret Voltaire sind aber irgendwie eigentlich nicht Industrial, EBM oder sowas - sie sind eben ihr Ding, sie sind fast mehr Synthpop im eigentlichen Sinne, Crackdown Tracks kommen sehr gut rüber, auch die vom Covenant Album oder Microphonies. Sogar JohnnyYesNo ist richtig passend für die Bühne - auch wenn das sonst eher verhalten war. "Movie Stimmung".
Wie auch immer - gut sich zu bewegen, zu erleben, Spaß zu haben,
man geht in großer Würde, hoffentlich nicht das wirklich letzte Mal, gern mit einigen der neuen Musiker - mit neuen Songs, denn die anderen Projekte sind - wie immer - nicht superkonform, aber absolut richtig in der Welt.
Na dann - ihr habt nur heute die Chance in Amsterdam, danach spielen sie nur noch sehr weit weg oder nie mehr.
Hier geht es zur Ankündigung in Termine.
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