Echtzeit-Kompositions-Maschinen? Sequentix P3, Octopus ...

Dieses Thema im Forum "mit Sequencer" wurde erstellt von mc4, 5. Februar 2008.

  1. mc4

    mc4 -

    Dieses Jahr habe ich damit begonnen meinen Ideal-Sequencer zu entwickeln.
    Sequencer hier als Bezeichnung für eine Echtzeit-Kompositions-Maschine, die mir hilft meine musikalischen Themen weiterzuentwickeln, mich inspiriert und Ideen liefert und gemeinsam mit mir improvisiert.

    Auf KVR gibt es einen thread dazu (englisch)
    http://www.kvraudio.com/forum/viewtopic.php?t=204723

    Für meine Grundlagenforschung würde ich gerne mal live Einblick in andere real-existierende Sequencer bekommen. Der P3 und der Octopus sind Maschinen mit großartigen Ideen.
    Meine Bitte wäre: Hat einer von Euch im Raum München einen Sequentix P3 oder einen Genoqs Octopus und die Möglichkeit mir diesen
    vorzuführen? Würde mich freuen.

    Frank
     
  2. Jens Groh

    Jens Groh aktiviert

    Re: Echtzeit-Kompositions-Maschinen? Sequentix P3, Octopus .

    Interessantes Vorhaben, schon die Beschreibung gefällt mir!
    Ich grüble auch manchmal über "die" Ideal-Impro-Software nach, die vermutlich bei mir was ganz anderes wäre als ein Step-Sequencer, mehr so eine Ambient-o-Matik...
    Wenn es unseren monatlichen Münchener "Spinnerzirkel" noch gäbe, hätte ich dich mal eingeladen. Wir haben damals ne Menge AlgoComp-Sachen überlegt und gemacht und uns gegenseitig angeregt. Ist jetzt alles privater geworden.
    Vielleicht ergibt sich ja auch so mal ein Kontakt. Ich werde, soweit die Zeit reicht, ab und zu ein Auge auf deine Aktivitäten werfen.
    Gruß von Jens aus München
     
  3. mc4

    mc4 -

    Re: Echtzeit-Kompositions-Maschinen? Sequentix P3, Octopus .

    Danke Jens, für die netten Worte. Tatsächlich sollte ein 'Sequencer' eben der Erfüllungsgehilfe für die schnelle Umsetzung der eigenen Ideen und verlängerter elektronischer Arm für die konventionelle Arbeitsweise sein.

    Wie ich bis herausgehört habe, gibt es völlig verschiedene Vorgehensweisen bei der Entwicklung von Musik. Jeder geht da anders heran 'und das ist gut so' ( TM), denn echte Kreativität läßt sich nicht in Geschäftsprozesse zwängen.

    Trotzdem gibt es natürlich Gemeinsamkeiten, egal ob jemand seinen Song damit beginnt eine knarzende Basslinie in Groove zu versetzen oder sich ans Piano setzt und Akkord-Progressionen 'durchführt'. Diese Gemeinsamkeiten versuche ich zu finden um die Basis für eine universelle Musikmaschine zu entwickeln. Wir sprechen hier von Hardware.
    Meine persönliche Vorliebe geht zu schrittbasierten Geräten weil ich die optisch-taktile Verbindung liebe. Wenn die LED leuchtet und ich gleichzeitig die Musik höre kann ich sagen: Da ist mein musikalisches Fragment. Und ich kann es direkt Durchlauf für Durchlauf anpassen und in die Richtung meiner eigentlichen Idee im Kopf bringen.
    Diese Step-orientierung möchte ich nun erweitern. Ein Schritt soll mehr als nur einen Ton beinhalten können. Er kann ein vorher eingespieltes Motiv sein, ein algorithmisch erzeugtes Arpeggio oder auch nur nützliche Kontrolldaten für die Klangverfeinerung. Ein Step ist quasi wahlfrei abrufbereit und der Zyklus MPS läßt grüßen.

    Es würde mich freuen, hier noch mehr über Eure 'AlgoComp' Vorstellungen zu erfahren und darüber, wie ihr ganz persönlich elektronische Musik baut.
    Vielleicht kann man in München auch mal wieder eine Runde aufbauen, ich wäre dabei.

    Liebe Grüße,
    Frank
     
  4. Jens Groh

    Jens Groh aktiviert

    Re: Echtzeit-Kompositions-Maschinen? Sequentix P3, Octopus .

    Konventionell, das kann Komposition bedeuten, oder auch Improvisation mit dem Instrument. Ich lese bei dir heraus, dass du beides meinst. Und vermutlich - wie ich - denkst, dass die Maschine die beiden Seiten vereinigen kann.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Nix gegen Hardware. Ich denke nur deswegen im wesentlichen an Software, weil die ja auch in der Hardware stecken wird, und man in der Ideenphase prima auf dem Rechner ein Funktionsmodell in Software bauen kann. "Form Follows Function" beim Hardwaredesign, sonst wird das nix, ist meine Meinung. Häufig finde ich aber auch Nur-Software ganz okay, weil es nicht so endgültig ist.
    Ganz verschieden, die einen haben wilde Pseudozufallsgeneratoren in BASIC programmiert, die anderen ihre Ataris zu einem MIDI-Netzwerk verknotet, haben Chaostheorieformeln hergenommen oder astrologische Planetenbeziehungen vertont. Später auch Synthesizeralgorithmen, Bild/Klang-Umwandlungen und so. Klang- und Musikforschung im Experiment. Manche nur für die eigene Erkenntnis, andere waren immer auf die Aufführung aus.
    Ich selbst forsche etwas an Audio-Signalverarbeitung und mache ein bisschen Ambient Music bei einer Improvisationsgruppe mit. (Z.B. heute abend!) Gelegentlich nehme ich dort auch etwas algorithmische Sachen her, also z.B. ein entsprechendes Patch für den Modular-Softsynth, Nodal, Numerology oder früher auch mal was Selbstgebautes.
     
  5. Moogulator

    Moogulator Admin

    Cool, ich hab mal vor JAhren sone Art goldene Regeln aufgestellt, die Genoqs Leute haben da auch viel geschaut (haben sie mir so gesagt) und bin zu dem Schluss gekommen, dass alles stimmt bis auf eins: Man braucht keine MehrspurLEDs, da reicht eine, falls man bisschen sparen will ist das die richtige Ecke dafür, für Drums ist es "nice to have"..

    In meiner sequencer Sektion findest du diese "Regeln"..
    oder im Wiki..
    https://www.sequencer.de/synth/index.php/Seq ... _Sequencer

    Ich will das auch mal überarbeiten, aber es gibt auch hier und im alten Forum einen Perfect Sequencer Diskussionsverlauf, der dir evtl hilft.

    Ich pers. finde die Electribes zzt am nächsten dran.
     
  6. mc4

    mc4 -

    Beats and Divide

    Danke Moogulator, die wiki über den perfekten sequencer habe ich bisher übersehen. Gleich mal durchstöbern...

    Erster Kommentar:
    In meiner Prototyp-Software gibt es 96 PPQ und per Step 2 Funktionen die Beats und Divide heißen. Wie in Deiner Idee! Mit Beats kann man die Dauer des Steps einstellen, ein Beat ist üblicherweise eine Achtel oder Viertel lang, hat dann also 48 oder 96 ticks.

    Divide ist die Anzahl der Trigger per Beat (nicht per Step!),dadurch kann man die Länge eines Steps (Anzahle der Beats) erhöhen und die Trigger bleiben im gleichen Abstand. Wenn man hier die Divisions sehr hoch setzt bekommt man rasend schnelle Rolls. Mit einer weiteren Step-Funktion 'Level.Curve' kann der Roll dieses Steps in der Lautstärke abnehmen uder zunehmen.

    ach ja, Tempo ist üblicherweise 30-240 BPM, kann aber in den Settings
    mit einem Faktor multipliziert werden.x4 ginge dann bis 960 BPMs.

    So jetzt lese ich mal die wiki weiter... :)

    edit: ein divide eines Beats mit 48 ticks Länge ergibt übrigens
    1:48 ticks = 8tel Note
    2:24 ticks = 16tel
    4:12 ticks = 32stel
    8:6 ticks = 64stel
    16:3 ticks = 128stel
    48:1 ticks = 384stel

    bei 120 bpm hat eine Achtel 250ms, die 48er Teilung also ca 5ms per Trigger. Ich bin mir jetzt aber gerade nicht ganz sicher, ob er bei 48 noch triggert, oder ob er mindestens 2 ticks braucht, dann wäre man aber immer noch bei 192stel Noten. :))
     
  7. Moogulator

    Moogulator Admin

    Das Ding im Wiki hab ich auch in der alten Sequencer-Sektion..
    Ist noch etwas aufgelockerter, aber das mach ich noch..

    Heute würde ich Dynamik einer Accent Lösung vorziehen, das mit Accent ist ja nur eine Sparlösung. Tracks müsste es schon einige geben und extern müsste natürlich genauso gut gehen..

    evtl ein Modulationsset bauen können, damit man quasi nur umschaltet und der Seq die Parameternamen kennt, die er dann per Mod Seq oder so beschießen kann.

    Roll-Funktion ist essentiell. Das ist absolut wichtig, sonst ist die Aufflösung nämlich zu niedrig..
     
  8. mc4

    mc4 -

    Dynamik

    Der Z8 (so der vorläufige? codename) bietet nebn der normalen Velocity auf jedem Step einen Lautstärkeverlauf an. Bisher linear, fade-in, fade-out.
    Weiter Kurven folgen. Den Verlauf hört man natürlich nur, wenn der Step durch Divisions geteilt wurde.

    Das selbe Prinzip wende ich auch auf Pitch an. Hier bestimmt die Kurve die Richtung der Töne innerhalb der step-eigenen Skala.
    Mit der Funktion Pitch.Movement werden verschiedene Bewegungsmuster ausgewählt, die dann komplizierte Runs spielen, tonleiterbasiert oder gebrochene Akkorde.

    Das ist der Arpeggio-Teil des Systems. Es gibt noch weiter Funktionen, die die Tonhöhe variieren, zB kann für Grundton und Oktave getrennt ein Zufallswert eingestellt werden.
     
  9. C0r€

    C0r€ -

    Was nimmst du denn da als programmierumgebung? Ist ja auch ne frage wie man das dann auf hardware porten kann. Da wäre C oder C++ sicher vorteilhaft.
     
  10. Moogulator

    Moogulator Admin

    Bietest du das System dann eigentlich auch an? Ich teste das gern und sag dir obs verkaufbar ist. Muss sich halt an Alltagssituationen ausrichten und unbedingt für mehr als nur alte EM geeignet sein ;-)
     
  11. mc4

    mc4 -

    Welche Hardware

    Ich benutze einen AVR, das Sequencing läuft da auch schon rund.
    Zum Entwickeln der verschiedenen Algorithmen gibt es aber einen Software Prototypen für den MAC, weil es die Entwicklung vereinfacht. Ist ein C++ Programm mit einem portablen C Kern, der dann weitestgehend auf den AVR überragen werden kann.
    So hofft man ;-)
     
  12. C0r€

    C0r€ -

    das klingt doch schonmal sehr gut. Und wie simulierts du die ein-und ausgänge. Hast du da ne grafische oberfläche. Das ist ja mit C nicht so einfach.
     
  13. mc4

    mc4 -

    Verkaufen?

    Danke für das Angebot, das ist natürlich hilfreich, wenn sich vorher ein Profi damit beschäftigt. Da werde ich auf Dich zukommen.

    Es wird ein Desktop Produkt geben für ca 300 Euro. Hier sollen möglichst alle Funktionen implementiert sein, aber die Anzahl der Bedienelemente ist aus Kostengründen beschränkt. Vermutlich wird das kein Gerät für Modular-Liebhaber der alten Schule.:)

    Basierend auf diesen Erfahrungen folgt dann das Wunderwerk, ursprünglich nur für mich gedacht, inzwischen denke ich aber, man könnte ein Dutzend davon weltweit verkaufen.
    Dieses Gerät wird kompromisslos sein. Keine Doppelbelegungen, jede Funktion bekommt ihren Regler, verschiedene Kontrollbereiche für Song, Pattern, Motiv.
    Größe und Format etwa wie ein Synclavier oder Synergy GDS,
    statt des Keyboards aber die Bedienfelder für die vielen Algorithmen, die die Step-Sequencer im oberen Teil beeinflussen. Viele Midi und CV Ausgänge. Preis? Sehr teuer, ich hoffe ich kann mir selber einen leisten.
    :shock:
     
  14. mc4

    mc4 -

    Oberfläche

    Weiß jetzt nicht genau, was Du meinst. Der Prototyp ist ein Standalone Sequencer der als grafische Applikation auf dem MAC läuft (kein plugin):

    [​IMG]

    Wenn Interesse besteht, kann ich die Software nächsten Monat schon mal für einen Betatest veröffentlichen.
     
  15. klangsulfat

    klangsulfat Gut druff

    Re: Verkaufen?

    Wo soll ich unterschreiben? ;-) Im Ernst: Sowas fehlt dem Markt. Ein kleine, bezahlbare MIDI-Sequenzerzentrale aus Hardware. Wenig Knöppe, aber durchdachte innere Werte wie z. B. einen Arpeggiator, Chord Memory, Force Scale und solche Sachen. Ist mir wichtiger als viele Knöppe. Und ich bin da sicher nicht der Einzige ...
     
  16. spookyman

    spookyman engagiert

    :D

    Mmmmmmmmh, sieht wirklich vielversprechend aus !

    Ich unterschreibe auch sofort. Da ich ebenfalls NUR mit Apple arbeite (musikalisch)

    Und 300 Euros für einen Desktop Modul, bin ich sofort gerne bereit auszugeben. Du kannst schon fast eine Bestell-Liste vorbereiten...
     
  17. mc4

    mc4 -

    Bezahlbares Desktop Modul

    Danke für die aufmunternden Worte. Für eine Kleinserie ist das Niedrigpreis-Segment auch realistischer, ich hoffe ich liege da richtig
    und der Markt schreit nicht: Mehr Knöbbe! :cool:
     
  18. mc4

    mc4 -

    Das Model

    Der Z8 operiert nicht direkt auf Mididaten sondern separiert die Grundaspekte/Parameter einer Note pitch, gate, level, usw. und macht diese einzeln als auch im Zusammenhang mit einer Automation zugänglich.

    Ein einfaches Beispiel:
    Man nehme ein kleines Motiv in D-moll in 8tel Noten:
    Motiv A siehe Takt 1 und 2
    f-e-d-e-f-e-f-g | f-e-d-e-f ...

    Das ist ein einfaches Pendel-Motiv basierend auf den Tonleiterschritten von D-moll.

    Der Z8 arbeitet jetzt nicht mit absoluten Halbtönen sondern mit einem Index auf beliebige 'pitch sets', der Einfachheit halber Skalen genannt. Für die Maschine sieht das Motiv deshalb so aus:
    2-1-0-1-2-1-2-3 | 2-1-0-1-2 ...

    Nun ändern wir die zugrundeliegenden Skalen. Wir zwingen den ersten Takt zu einem PitchSet mit den Akkordnoten von Bmaj7/Umkehrung1=d basierend(bb,d,f,a) und den zweiten Takt zu A-moll/Umkehrung1=c basierend.
    Motiv B siehe Takt 3 und 4
    a-f-d-f-a-f-a-bb | a-e-c-e-a ...

    [​IMG]

    Voila! Jetzt haben wir das bekannte Thema 'Das Model' von Kraftwerk (Kling Klang 197:cool: durch einfaches Setzen von 2 Werten. Die Kombinationen hier sind endlos.

    http://www.synthware.com/tutorials/Z8/ModelMotiv.mp3

    PS - Bin immer noch interessiert an einer kleinen privaten Präsentation von Sequentix oder Octopus.
     
  19. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: Das Model

    An P3-Nutzern kenne ich hier nur HPL in Wien.
    Wenn Dir Wien nicht zu weit ist, kannste den ja mal per PN fragen. :idea:
     
  20. mc4

    mc4 -

    Re: Das Model

    Danke sonic, für den Tip.

    Wien ist dann doch etwas weit. Ich hatte gehofft diese Maschinen seien weiter verbreitet. Aber hat natürlich auch nicht jeder Besitzer Lust und Zeit für sowas, kann ich verstehen.

    Weiß jemand wieviel von den guten Stücken verkauft wurden?
     
  21. waveformer

    waveformer aktiviert

    Vom P-3 so ca. 250 Stück.
     
  22. klangsulfat

    klangsulfat Gut druff

    251, hätte ich das Ding nur früher entdeckt.
     

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