Juno 6 - Eigenreparatur sinnvoll?

Dieses Thema im Forum "Polyphon" wurde erstellt von smid, 8. Juli 2016.

  1. smid

    smid .

    Guten Tag,

    ich bin neu hier, mein Name ist Andreas und ich habe eine Frage :)

    Mein Juno 6 hat folgende Probleme:
    1. der Bender funktioniert nicht mehr, anfangs waren die beiden "Zuweisungsfader" links daneben unzuverlässig, jetzt geht nichts mehr
    2. der Fader für die LFO-Delay Time ist wirkungslos, ab und zu geht er ganz kurz mal nach dem Umlegen des auto/manual Schalters.

    Nun meine Frage: Ist ein Versuch, das bei meinem Kenntnisstand selbst zu reparieren, sinnvoll?

    Zu meinem Kenntnisstand und meinen Mitteln: Ich habe fortgeschrittene Elektrik-Elektronik Grundkenntnisse, kann Lötstation, Multimeter und analogen Hameg Zweistrahl Oszi bedienen. Mit einem alten Fender Röhrenverstärker komme ich einigermaßen klar. Ich habe aber, wenn ich den Juno 6 aufklappe, erstmal keinen rechten Plan, wo und wie ich anfangen sollte zu messen, um den Fehler zu suchen. Die Komplexität ist da deutlich höher, als bei ein paar Trioden, Pentoden und einer Handvoll Potis.

    Besteht also die Chance, mit einigen Abenden Aufwand und hoffentlich ein bisschen erster Hilfe aus dem Forum hier, den Juno ausreichend zu verstehen, um das selbst hinzukriegen, oder ratet Ihr mir, das lieber einen Profi machen zulassen?

    Was ich bereits versucht habe: Gerät gereinigt, Potis/Fadern/Trimmern einen Hauch Teslanol Oszillin gegönnt, interne Steckkontakte auf Sitz geprüft.

    Was es gebracht hat: Bezgl. der oben genannten Probleme nichts, aber das Knistern und Rauschen im Ausgangssignal ist weg.

    Danke und viele Grüße,
    Andreas
     
  2. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Klar, sicher, kann man machen. Aber hinterher nicht jammern.

    Stephen
     
  3. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Hallo Andreas,

    das ganze klingt von entweder nach kalten Lötstellen oder Haarrissen in den Leiterbahnen zu den Fadern / am Schalter oder nach Schmutz in Fadern und Schalter.

    Ich würde zunächst die Leiterbahnen mit einer Lupe prüfen und die Lötstellen nachlöten.

    Wenn das nichts hilft, dann die Fader auslöten, das Gehäuse öffnen und mit einem in Isopropylalkohol getunkten Q-Tip reinigen, und danach mit dem Teslanol Oszillin schützen (das TO ist wohl hauptsächlich Vasiline, und tut nicht weh - reinigt aber nicht). Bitte kein Kontaktspray in Fader!

    Den Schalter ebenfalls auslöten und dann im ausgelöteten Zustand mit Kontaktspray (diesmal ja: Kontaktspray!) durchpusten


    Bilder von den Fadern (das ist jetzt ein System 100, aber die Fader im Juno-6 sehen ganz ähnlich aus):
    [​IMG]
    [​IMG]

    Viel Erfolg!

    Gruß
    Florian
     
  4. fanwander

    fanwander ||||||||||

    PS: das Servicemanuale findest Du hier: http://www.synfo.nl/servicemanuals/Rola ... _NOTES.pdf
    Dich interessiert das Benderboard auf Seite 7

    Außerdem zum Delay-Time Regler noch der Hinweis: die ist nur nach dem Loslassen aller Tasten und dann erneut Drücken einer Taste wirksame. Wenn Du eine Taste gedrückt hältst, wird keine neue Delay-time für die Modulation der nächsten Stimme ausgegeben!
     
  5. Mit welchem Werkzeug kann man solche Fader am Besten öffnen?
     
  6. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Ich benutze ein altes kleines Küchenmesser oder ein Bastelmesser, dessen Klinge ich unter die Lasche schiebe und diese leicht hochbiege. Danach biege ich sie mit einer Flachzange komplett hoch.

    Wenn das Gehäuse offen ist (und die Leiterplatte und der Schieber heraußen sind), dann fasse ich einmal mit einer kräftigen Flachzange oder Kombizange die Lasche samt Gehäuseseitenwand und drücke kräftig zu, damit Lasche und Gehäusewand wieder komplett flach sind.

    Das Schließen mache ich, indem ich einen flachen Schraubenzieher seitlich ansetze, und dann damit die Lasche auf die Unterseite biege.


    Das Metall der Gehäuse ist relativ weich. Ich habe bisher noch nie eine dieser Laschen abgebrochen (und ich glaube, ich hab schon über 200 Fader und Potis geöffnet und geschlossen). Wenn man vorsichtig sein will, kann man darauf achten, den Biegevorgang langsam durchzuführen. Ich selbst achte da nicht großartig drauf...
     
  7. smid

    smid .

    Guten Abend,

    @Florian: Danke für die schnellen Antworten und die Tips. Ich hatte zwar schon ein Service-Manual, aber aus einer anderen Quelle und mit anders aufbereitetem Inhalt, ohne die umfangreichen Platinenlayouts.
    Ich habe jetzt mal mit dem Benderboard begonnen und messe an den Lötstellen der Fader zwischen Abgriff und oberem bzw. unterem Ende keinen wegabhängigen Widerstand, sondern einmal konstant 46k und einmal konstant 240k. Da sollte, auch in der Schaltung gemessen, ja eigentlich nicht so sein.
    Ich werde die Potis mal auslöten und näher ansehen. Berichte später weiter.

    Danke und Gruß,
    Andreas
     
  8. smid

    smid .

    Ok, in 2000 Jahren werden Archäologen wertvolle Informationen über unsere Zivilisation mittels Analyse des Drecks aus Analogsynthesizerfadern gewinnen können.....
    Die beiden Fader aus dem Benderboard gehen jetzt wieder, die Bahn war dermaßen oxidiert, dass das 1000er Schleifpapier ran musste. Und in einem war ein Fitzel Plastikfolie zwischen Schleifer und Bahn.
    Das Board wartet jetzt auf Zusammenbau, später mehr.

    Danke und Gruß,
    Andreas
     
  9. smid

    smid .

    Benderboard lief auf Anhieb wieder, wunderbar. Dann noch das LFO-Delay. Auch hier war der Fader zu, allerdings nicht ganz so schlimm. Wattestäbchen mit Alkohol und ein Hauch Ozillin reichten. Was mich allerdings beim Auslöten sehr verwundert hat: Der Fader hängt laut Schaltplan mit oberem Ende und Schleifer am Emitter von TR7 und mit dem unteren Ende an Masse. Bei mir war da noch eine Stückchen Silberdraht vom zweiten Schleiferkontakt zum Massekontakt gelötet. Macht doch keinen Sinn, den Schleifer mit dem untern und gleichzeitig mit dem oberen Ende des Faders zu verbinden. Nachdem diese Brücke weder im Schaltplan noch im Layout so zu finden war, hab ich sie beim einlöten weggelassen. Funktioniert.

    Jetzt läuft das Schätzchen wieder. Nochmal ein großes Dankeschön!

    Ah, und noch eine Frage, weiß jemand, wo man Faderkappen für den Juno 6 bekommt? Die kleinen von Sibalco könnten passen (hat das schon jemand probiert?), sehen aber etwas anders aus. Möglichst originaler Look wäre schon klasse.

    Schönen Abend,
    Andreas