Microtuning?

bohor

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Der Korg Kross hat (neben 16 stimmbaren "Oktavraum-Scales") eine USER-Scale, bei der man 128 verschiedene Töne alle einzeln stimmen kann.
Ja, aber wenn ich das Handbuch richtig verstehe, lautet hier die Einschränkung, dass jeder Ton nur bis ±99 Cent verstimmt werden kann. Wollte ich, sagen wir mal, mein ganzes Keyboard in Vierteltöne stimmen, oder in andere gleiche Intervalle, dann wär schnell Schluss. Oder wenn mir vielleicht einfiele, zwei Oktaven tiefer eine andere Stimmung vorzuhalten (die dann aber wieder zwei Oktaven hochzudrehen, so dass ich nur mein Keyboard um zwei Oktaven transponieren müsste, um auf eine andere Stimmung zuzugreifen), dann ginge das hier jedenfalls nicht.

Immer wieder zeigt sich, dass die meisten Hersteller doch reichlich enge Vorstellungen davon haben, was ihre User mit der Verstimmbarkeit gefälligst anstellen sollen.
 
Mit dem µTune von Tubbutec könntest du jeden Synth, microtonal machen.

Der ist zwar für Modular gedacht, aber du kannst entweder das MIDI Routing von "In" zu "Out" ändern oder halt die CVs und Gates zusammenschließen.

Und Evtl. ein externes Keyboyrd.

 
Mit dem µTune von Tubbutec könntest du jeden Synth, microtonal machen.

Der ist zwar für Modular gedacht, aber du kannst entweder das MIDI Routing von "In" zu "Out" ändern oder halt die CVs und Gates zusammenschließen.

Und Evtl. ein externes Keyboyrd.

 

NickLimegrove

MIDI for the masses
Mit dem µTune von Tubbutec könntest du jeden Synth, microtonal machen.
Jeden Synth mikrotonal machen, aber dann natürlich nur monophon spielen.

Solche Ansätze zum "Re-Tuning" via MIDI hat es immer wieder mal gegeben. Scala hat so etwas auch integriert. Und es gibt die Tuning-Boxen von H-Pi, sicherlich die avancierteste Variante.

Man muss sich aber klarmachen, wie sowas funktioniert, was man davon erwarten kann, und was nicht.

Traditionelles MIDI bietet nur eine Möglichkeit für solches Re-Tuning beliebiger Synths, und das ist via Pitch Bend. Wenn du jetzt so eine Kiste hast wie die erwähnten, und du lädst eine Stimmung, die über, sagen wir, der Note A3, eine reine große Terz hervorbringen soll (386c statt 400c), dann würde die Kiste dafür sorgen, dass, wenn du ein C#4 spielst, an den Synth nicht bloß der entsprechende Notenwert geschickt wird, sondern dazu ein Pitchbend von vielleicht -0574, damit der Synth (bei PB-Range von +/- 2 Tönen) dann entsprechend das C#4 um 14c flacher intoniert.

Ein Pitchbend-Befehl wirkt aber notenübergreifend auf den kompletten Kanal. Das heißt, alle Noten, die ggf. sonst noch tönen (vorige, gleichzeitige, zukünftige), werden ebenfalls verbogen, solange nicht wieder ein "PB=0000" gesendet wird. Das Ganze macht so also nur Sinn, wenn wir pro Kanal maximal monophon spielen.

Denkbar wäre noch, dass eine Box so schlau ist, die eingehenden Noten wechselweise auf 16 Kanäle aufzusplitten, und dort jeweils die Pitchbends anzuwenden -- am anderen Ende müsste dann aber ein Synth hängen, der auf allen Kanälen empfangen kann.

Mit MPE mag das alles anders aussehen, und bei H-Pi geht das wohl auch in die Richtung mit den neuen Boxen. Aber dann kann erst recht nicht mehr von "jedem Synth" die Rede sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jeden Synth mikrotonal machen, aber dann natürlich nur monophon spielen.

Solche Ansätze zum "Re-Tuning" via MIDI hat es immer wieder mal gegeben. Scala hat so etwas auch integriert. Und es gibt die Tuning-Boxen von H-Pi, sicherlich die avancierteste Variante.

Man muss sich aber klarmachen, wie sowas funktioniert, was man davon erwarten kann, und was nicht.

Traditionelles MIDI bietet nur eine Möglichkeit für solches Re-Tuning beliebiger Synths, und das ist via Pitch Bend. Wenn du jetzt so eine Kiste hast wie die erwähnten, und du lädst eine Stimmung, die über, sagen wir, der Note A3, eine reine große Terz hervorbringen soll (386c statt 400c), dann würde die Kiste dafür sorgen, dass, wenn du ein C#4 spielst, an den Synth nicht bloß der entsprechende Notenwert geschickt wird, sondern dazu ein Pitchbend von vielleicht -0574, damit der Synth (bei PB-Range von +/- 2 Tönen) dann entsprechend das C#4 um 14c flacher intoniert.

Ein Pitchbend-Befehl wirkt aber notenübergreifend auf den kompletten Kanal. Das heißt, alle Noten, die ggf. sonst noch tönen (vorige, gleichzeitige, zukünftige), werden ebenfalls verbogen, solange nicht wieder ein "PB=0000" gesendet wird. Das Ganze macht so also nur Sinn, wenn wir pro Kanal maximal monophon spielen.

Denkbar wäre noch, dass eine Box so schlau ist, die eingehenden Noten wechselweise auf 16 Kanäle aufzusplitten, und dort jeweils die Pitchbends anzuwenden -- am anderen Ende müsste dann aber ein Synth hängen, der auf allen Kanälen empfangen kann.

Mit MPE mag das alles anders aussehen, und bei H-Pi geht das wohl auch in die Richtung mit den neuen Boxen. Aber dann kann erst recht nicht mehr von "jedem Synth" die Rede sein.
Meinst du?

Jeder Kanal lässt sich auf einen MIDI Kanal zuordnen. Das Modul soll auch ein Add On Modul bekommen wo man davon 3 zusätzlich verwenden kann, wären dann gesamt 8 MIDI Kanäle (8 CVs, 8 Gates) die sich im Modul, aber auch auf den gleichen Kanal zuordnen lassen.

Durch die Trennung über Modular kannst du 1 oder 2 Polyphon Module dazwischen geben. Ich denke 8 Stimmen reichen erstmal. Oder man nimmt 2 davon.

Könnte klappen.

Aber ich bin da nicht so der Profi für Microtuning. War nur eine Idee.

Vielleicht fragst du mal Tobi direkt, evtl. kann er dir da weiterhelfen. Er rüstet auch alte Synths über seine MIDI Interfaces mit Microtuning aus.
 

NickLimegrove

MIDI for the masses
Das Tubbu-Teil ist super, da habe ich gar keinen Zweifel. Fürs Eurorack gibt es sicher kaum was besseres.

Mir ging es nur darum, die Grenzen aufzuzeigen, die der althergebrachte MIDI-Standard mitbringt, wenn es um solches Re-Tuning geht.

Vielleicht fragst du mal Tobi direkt, evtl. kann er dir da weiterhelfen.
Ich bin mit mikrotonalen Synths bestens versorgt (siehe oben im Thread), aber was mir tatsächlich noch vorschwebt, wäre eine mikrotonale xoxbox. Was ich nicht habe, ist ein Modularsystem. Hätte ich eines, würde ich wohl die xoxbox so modden lassen, dass sie ihr Pitch-CV rausschickt, man es durch Tubbus µTune laufen lassen kann und dann wieder rein in die xoxbox. Aber mit der Bass Station 2 kommt man in Sachen mikrotonalen Acids auch schon recht weit.
 

lilak

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Interessantes Thema va die detaillierten Aufstellungen von Kollege Nick. Ich warte seit mehreren Jahrzehnten auf einen synth dem man via osc einfach "oszi a = 432 Hz" sagen kann. Alles zu einfach also hab ich einen rev 2 gekauft oder programmiere sowas in pure data selbst.
 
kürzlich entdeckt das man das in meinem Piano auch einstellen kann ... leider kanns keine scl files lesen ... aber selbst jede Taste um so und soviel cent verstimmen ist schon sehr spannend
 
Zuletzt bearbeitet:

bohor

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So, ich hab jetzt mal zusammengeschrieben, was man so alles machen kann mit den Mikrotönen, in welche Richtungen man so gehen kann. Ich glaube, hier in diesem Thread muss ich keinen bekehren. Interessiert's euch trotzdem?
 
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NickLimegrove

MIDI for the masses
ja, lass mal hören! Ich habe auch sowas ähnliches in der Mache. Stecke aber noch beim umfangreichsten und bislang einzigen Teil fest, Nr. I.1.1a:

"Prolegomena zur Versuchen einer Beantwortung der Frage, was denn Mikrotonalität sei und wie, warum und zu welchem Ende wir ihr Studium der musicierenden Jugend ans Herz legen"
 

bohor

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OK, here we go.

Erstmal: Was man beim Thema Microtuning genau braucht, hängt natürlich sehr von den ästhetischen Vorstellungen ab.

Ich beschreibe hier nur mal beispielhaft ein paar Herangehensweisen. Das ist ein Versuch, Verständnis zu wecken für die Vorlieben oder Prioritäten der Kollegen… vor allem, ein wenig zu begründen, warum und wann eine Begrenzung auf 12 Töne, die sich in der nächsten Oktave wiederholen, die nur bis zum nächsten Ton verstimmt werden können und das nur in Schritten von einem Cent oder weniger, nur in ganz bestimmten Fällen ausreicht. Und in vielen Fällen eben überhaupt nicht.

Wichtig: Natürlich ist keiner der hier vorgestellten Ansätze „besser“ oder „schlechter“ als der andere. Gute Musik kann man auf jeder Basis machen!

Interessiert das eigentlich alles hier jemanden? : - )


(Ansatz 1) "Ich möchte weiterhin 12 Töne in der Oktave verwenden, einzelne dieser Töne aber leicht oder deutlich verstimmen."
  • Da eignen sich zum Beispiel historische europäische Stimmungen
  • Oder du willst, etwa für orientalisch inspirierte Musik, Einzeltöne deutlich, auch um sagenwirmal einen Viertelton, verstimmen.
Es kommt da vielleicht nichtmal so sehr auf die Präzision an. Es genügt, wenn einzelne Töne sozusagen ein Eigenleben haben. Man muss an die Zanza denken, das afrikanische „Daumenklavier“, wo die Töne grundsätzlich gleich klingen, dann auf eine Zunge ein wenig Teer kommt, auf die nächste ein Stück Metall, und so weiter, um, auf Basis homogener Klangfarbe, dennoch die Einzeltöne zu individualisieren. So etwas findet auch hier statt.


(Ansatz 2) "Ich möchte historische Musik spielen oder mich auf diese beziehen und brauche die dazu notwendigen Stimmungen."

Aha! Ein Insider. Hier ist klar das Ziel eine präzise Kontrolle über den Einzelton. Meist ist es gewünscht, dort reine Intervalle zu haben oder solche, die diesen nahe kommen.
  • Dann musst du schon die gängigen Stimmungen möglichst genau haben und eventuell eigene Varianten eingeben können.
  • Wichtig könnte hier sein, dass mehrere Klangerzeuger wirklich exakt die gleiche Stimmung verwenden.
  • Je nach deinen Ansprüchen kann es sein, dass die meistens vorgesehene Präzision von einem Cent bei Weitem nicht ausreicht!


(Ansatz 3) "Ich möchte mehr Töne in der Oktav haben, zwischen den anderen, mir bekannten."
  • Das könnten Viertel-, Achtel- oder auch Sechsteltöne sein
  • Vielleicht will ich auch umgekehrt die Oktave anders teilen, meinetwegen in elf, fünf oder sieben gleiche Teile
Dergleichen Ideen waren virulent am Anfang des 20. Jahrhunderts. Eigentlich ist es das Gegenteil von (2) - eben nicht eine klare Vorstellung des Tons, der da klingen soll, sondern die Hoffnung, in einem größeren (oder einfach einem anderen als dem üblichen) Vorrat unbekannte Perlen zu finden. Es kann jedenfalls melodisch Sinn machen, indem beispielsweise besonders enge Leittöne verwendet werden, oder – harmonisch – Dissonanzen noch dissonanter klingen.

Historisch hat sich dergleichen nicht durchgesetzt, außer in bestimmten Bereichen der Neuen Musik – vor allem dort, wo es um Massenstrukturen geht, also sagenwirmal sieben Instrumente, die in einem sehr engen Tonhöhenbereich durcheinanderspielen, sich aber z.B. nach und nach beruhigen oder den Tonvorrat langsam ändern, und so was. Auch bei sehr rhythmisch und perkussiv gedachten Musik mag das passen – wenn harmonische Vorgänge keine Rolle spielen. Da fast keine reinen Intervalle entstehen, kommt es im Grunde oft gar nicht mal auf die letzte Exaktheit der Intonation an.


(Ansatz 4) "Ich möchte ganz andere feste Stimmungen verwenden, die eben nicht auf Teilung der Oktav basieren, sondern auf Teilung eines anderen Intervalls oder auf Addition eines festen Intervalls."
  • Gleiche Intervalle ohne Wiederholung nach der Oktave (Wendy Carlos: Alpha, Beta, Gamma)
  • Bohlen-Pierce-Skala (Teilung des Intervalls 3/1 in 13 gleiche Teile)
  • Stockhausen, Studie II (Teilung des Intervall 5/1 in 25 gleiche Teile)


(Ansatz 5) "Ich brauche präzise Kontrolle über den Einzelton, auch wenn ich keine historischen Stimmung verwende. Ich möchte ganz freie Stimmungen verwenden."
  • Das kann zum Beispiel nötig sein, wenn du glockenartige Klänge konstruieren möchtest. Es wird sehr schnell notwendig, wenn ein Ringmodulator ins Spiel kommt, und du eben nicht auf stark geräuschhafte Klänge aus bist, sondern auf reine, völlig schwebungsfreie Klänge (oder Klänge, bei denen die Schwebungen ein definiertes Tempo haben sollen).
  • Typischerweise wirst du Ausschnitte aus Ober- oder Untertonreihen verwenden wollen.
  • Oder du willst mehrere historische Stimmungen gegeneinander stellen - einmal eine schwebungfreie reine Terz verwenden, dann wieder eine leicht oder stärker verstimmte.
Hier ist eine Genauigkeit der Einstellung von einem Cent definitiv viel zu gering! Und es wird meist auch nötig sein, Töne um mehr als einen Halbton zu verstimmen – ganz einfach, weil du nicht nur ein „e“ brauchst, sondern vielleicht drei oder vier verschiedene. Du kommst wahrscheinlich mit einer beschränkten Zahl von Tönen aus, sagen wir, mit 128 – aber die verwendest du ganz anders, auch in anderen Oktaven.


(Ansatz 6) "Ich möchte völlig freie Stimmungen verwenden, aber diese auch jederzeit während des Spielens ändern." – Das klingt in dieser Bestimmtheit sicher im ersten Moment etwas kindisch, kann aber natürlich je nach Konzept nötig sein. Das feste, vordefinierte Set aus Ansatz 5 reicht nicht mehr – zum Beispiel, weil du tatsächlich sehr viele Tonhöhen einsetzen willst, oder improvisierst und daher vorher nicht weißt, was du brauchen wirst, oder schlicht, weil du die Übersicht über deine Stimmungen anders nicht mehr behältst.

Und hier bietet MIDI seit ein paar Jahren was Neues: Die Möglichkeit, jederzeit einfach eine andere Stimmung zu übertragen. Ohne die gerade klingenden Töne zu unterbrechen. Mit dem MIDI Tuning Standard wird das möglich. Nur: Die wenigsten Hersteller scheinen es zu implementieren, weil die wenigsten Kunden danach fragen.
 
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bohor

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Hier ist ein Beispiel für die Probleme, mit denen man im Alltag zu kämpfen hat (ein Yamaha-Keyboard, das die alternative Stimmung einfach nicht beachten will). Natürlich reicht es nicht, dass im Handbuch steht, wie man eine Stimmung programmiert, man muss am Keyboard auch definieren, welche der Stimmungen es nun bitteschön für eingehende MIDI-Befehle zu verwenden hat.

Aber bitte die grundsätzliche Diskussion hier weiterführen, nicht im anderen Thread! – Danke.
 

einseinsnull

[nur noch PN]
Interessiert das eigentlich alles hier jemanden? : - )

(Ansatz 2) "Ich möchte historische Musik spielen oder mich auf diese beziehen und brauche die dazu notwendigen Stimmungen."

(Ansatz 5) "Ich brauche präzise Kontrolle über den Einzelton, auch wenn ich keine historischen Stimmung verwende. Ich möchte ganz freie Stimmungen verwenden."

(Ansatz 6) "Ich möchte völlig freie Stimmungen verwenden, aber diese auch jederzeit während des Spielens ändern."
was mich interessiert sind diese drei punkte.

konkret möchte ich persönlich sowohl eine möglichkeit haben mit diversen geräten und software synths stimmungen zu verwenden, als auch meine eigene software zu aufzubauen, dass sie für mich selbst oder andere möglichst nützlich ist.

dabei halte ich deine punkte 2 und 5 für eine selbstverständliche minimalvoraussetzung - jedes gerät sollte komplett freie stimmungen unterstützen.

was kein problem ist:

- dass ein gerät nicht hunderte, sondern immer nur eine stimmung gleichzeitig haben kann.

- dass diese stimmung nur global ist, also z.b. auch im multimode vorliegt, so dass sie sich theoretisch auch auf ein GM drumset auswirken würde.

- dass die auflösung/präzision nicht unendlich ist. in der praxis wird es zum musik produzieren vollkommen okay sein, dass das eine gerät 64 bit unterstützt und das andere nur MTS.
wie ich im anderen thread schon schrieb, sind hunderstelschritte total okay - wenn wir nicht gerade in ausnahme-anwedungsfällen wie "additive synthese" oder "wissenschaftliches experiment" o.ä unterwegs sind.

- dass es einen moment dauert und die tonausgabe unterbricht, wenn man bei 5 geräten jeweils eine neue stimmung nachlädt. das braucht man nur, wenn mal als superstar in einem stadion auftritt, und da würde man das notfalls durch das mehrfache vorhandensein des gleichen geräts lösen.

was ein ernsthaftes problem ist:

- dass viele geräte gar kein microtuning unterstützen.
während es bei einem stagepiano noch verständlich ist, ist es bei einem physical modelling violinensynthesizer im grunde genommen absurd das nicht in reiner stimmung spielen zu können, weil man das mit einer richtigen violine ja auch tut.

- dass jedes gerät wieder anders dazu gebracht werden muss, eine stimmung zu laden, zu speichern, und zu behalten.
wenn du heute 5 hardwaresynths, ein VSTi und einen softsampler benutzt, dann hat das erste gerät MTS kompatible tables eingebaut, das zweite hat zwar eine speicherbank dafür, die man aber jedesmal wieder laden muss. das dritte gerät hat mehrere speicherbänke und deine aktuelle table ist davon die dritte. während man für den waldorf wave einen atari braucht, braucht man für den microwave soundiver für OS9 und für den blofeld OSX und eine USB verbindung. für den yamaha braucht man eine app, die es nur für 64 bit gibt, und für den nord modular eine java app, die mit der neuen java version nicht geht. am sechsten gerät lassen sich tables nur direkt am gerät editieren und am softsampler kann man zwar scala files lesen, aber nicht editieren und abspeichern. einzig das VSTi lässt sich editieren und es wird alles automatisch mit dem projektfile der host abgespeichert - allerdings NUR da, und wenn du es morgen im nächsten lied wieder benutzen willst, musst du es umständlich herüber retten.
die hälfte der geräte könntest du zwar auch mit little miss oven konfigurieren, das wird aber seit 15 jahre nicht mehr verkauft.


to sum it up: so will kein mensch arbeiten. denn bis du dir das alles gemerkt hast und den workflow im schlaf kannst, hast du deine melodie vergessen und kannst dich nicht mehr auf dein konzept konzentrieren.

wie ihr in dem "welche geräte können..." thread gesehen habt, wissen oft nicht mal die besitzer von geräten, was die so können und wie die funktionieren, und oft ist es nicht mal vernünftig vom hersteller dokumentiert.

man hat also schon beim kauf das problem, dass man irgendwas mit "hat microtuning" kauft, und dann macht es aber doch nicht, was man haben will.

es bleibt die alternative, sich das alles selbst zu programmieren, dann muss man aber auf all die sounds verzichten, die man auf den bereits vorhandenen geräten gehabt hätte, und die sich im gegensatz zu einer tuning table app auch nicht in 5 tagen mal so eben schnell nachprogrammieren lässt.

Unbenannt.png

in 110.modular steht die scala library zur ausgabe als notennummer zur verfügung. dies beschränkt die anwendung auf max/msp, netzwerkprotokolle wie OSC oder die ausgabe als steuerspannung für analogsynths.
 
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klangsulfat

Nein-Voter
Korg Minilogue XD:

Ich hatte in der mir zugänglichen Doku nichts gefunden. Wenn du mehr weißt, sehr gut! Also – was genau können die beiden Geräte?
Keine Ahnung, weil mich dieses Thema null interessiert. Ich weiß nur, dass die Kisten das können. Dann musst du dir einfach mal die aktuellen Anleitungen reinziehen, die sind auf der Korg-Website frei verfügbar. Bei der englischen Anleitung vom XD findest du Infos ab Seite 45.
 
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(Ansatz 2) "Ich möchte historische Musik spielen oder mich auf diese beziehen und brauche die dazu notwendigen Stimmungen."

Aha! Ein Insider. Hier ist klar das Ziel eine präzise Kontrolle über den Einzelton. Meist ist es gewünscht, dort reine Intervalle zu haben oder solche, die diesen nahe kommen.
  • Dann musst du schon die gängigen Stimmungen möglichst genau haben und eventuell eigene Varianten eingeben können.
  • Wichtig könnte hier sein, dass mehrere Klangerzeuger wirklich exakt die gleiche Stimmung verwenden.
  • Je nach deinen Ansprüchen kann es sein, dass die meistens vorgesehene Präzision von einem Cent bei Weitem nicht ausreicht!
Dieser Ansatz trifft auf mich zu. Hab halt als Organist gelernt und mich irgendwann auf die entsprechende Literatur (Renaissance, Frühbarock) spezialisiert. Dazu kam das Interesse am Klang rein gestimmter Dur-Terzen. Das ganze auf elektronische Klangerzeugung zu übertragen hat mich dann ebenfalls interessiert. - In der Regel reichen die Cent-Abstufungen pro Halbton(schritt) aus, um entsprechend (f)einstimmen zu können (also um sich z.B. seine mitteltönige Temperierung am Synth selbst zu legen). Natürlich ist es nicht mit dem Stimmen eines Saiteninstruments (z.B. Cembalo und Verwandte) zu vergleichen, da die Tonhöhen auf Cents quantisiert sind, aber es reicht i.d.R. dafür aus. Unzufrieden bin ich meist mit den bereits vorgefertigten "mitteltönig"-Tuning-Presets in Synths, weil es schon mal vorgekommen ist, dass die "falschen" Terzen schwebungsfrei waren (bzw. im Umkehrschluss die falschen Terzen - und auch Quinten - den Wolf haben).
 

bohor

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Zu einer mitteltönigen Stimmung müsste man ja eigentlich immer dazusagen, welche Tonart im Zentrum liegt, also die reinsten Intervalle hat! Oder ist das historisch immer dieselbe?
 

NickLimegrove

MIDI for the masses
Ja, man muss es (wie auch bei den reinen Stimmungen) spezifizieren, und es ist in den typischen Implementationen in Synths (DX7 etc.) auch genau so gemacht. In der historischen Praxis war es aber wohl die Konvention, das Zentrum bei oder um das C herum zu haben. Es ist in dem Zusammenhang immer spannend, sich anzuschauen, in welchen Tonarten komponiert wurde, und in welchen nicht. Die hinteren Ecken des Quintenzirkels hat man (ich würde sagen: bis weit ins 19. Jahrhundert hinein) eher gemieden, bzw. als Special-FX eingesetzt. Denn auch in den zirkulierenden Stimmungen, wie sie ab dem 18. Jahrhundert verwendet wurden (Werckmeister, Kirnberger, Valotti, Young...) ist es ja immer noch so, dass die entlegeneren #- oder b-Tonarten längst nicht so konsant tönen wie die "einfachen". Darin liegt dann natürlich die "unique selling proposition" dieser Systeme: man kann einmal komplett um den Quintenzirkel herum modulieren (anders als in MT), aber man gibt nicht (wie in 12EDO) den individuellen Charakter, die Färbung der verschiedenen Tonarten komplett auf.

Clipboard01.png
 

beaes

.....
Da vor ein paar Tagen eine Sendung über Mathematik die Fibonacci-Zahlen erwähnte, habe ich mal ein Tuning nach ihnen probiert. Es geht also um 1, 2, 3, 5, 8 und weiter jeweils die Summe der beiden Vorgänger. Die Zahlen habe ich als Vielfache einer Grundfrequenz betrachtet und in eine C-Oktave gemapt (durch Potenzen von 2 geteilt). Dann ergibt sich:

Fibonacci-ZahlCents (abzueglich Vielfachen von 1200)Tastenzuordnung
10 ctc
21200 ctc'
34105 ctcis
144204 ctd
5386 cte
21471 ct"f"
89571 ct"fis"
3702 ctg
13841 ct"gis"
55938 ct"a"
2331037 ct"bb"

Dis und hb hatten bis zur Fibonacci-Zahl 377 keine Entsprechung.

Die Einstellung erfolgte auf dem Kurzweil PC3A in cent (kann +-200 ct reltiv zur gleichmäßigen Stimmung). Dann habe ich die Stimme selbst noch als additive Synthese von Sinusschwingungen gemacht, wobei wieder nur die 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34. Oberschwingungen genommen wurden. Damit habe ich eine kleine Sequenz gespielt, die unten angehängt ist.

Der Bass ist dann noch FM auf diese 8 Sinuswellen, indem ich jeden Modulator-Sinus mit seinem Carrier-Sinus im Frequenz-Verhältnis 2.0 laufen lasse. Das wäre also in Yamaha-Sprechweise eine 16-Operator-FM.

-beaes
 

Anhänge

NickLimegrove

MIDI for the masses
Sehr schön! Du kannst auch mal ins Scala-Archiv schauen, da sind noch ein paar andere Fibonacci-Experimente drin, z.B. von Warren Burt:
3/2 + 5/3 + 8/5 + 13/8 usw...
burt_fibo.scl, burt_fibo23.scl, fibo*.scl

Musik dazu:

Dis und hb hatten bis zur Fibonacci-Zahl 377 keine Entsprechung.
Dass es bei dir keine Annäherung an alle von unseren 12 gewohnten Intervalle gibt, ist doch nicht schlimm. Man muss ja nicht immer alles in dieses Raster pressen. Dafür hast du andere schöne Sachen drin, die sonst unerhört sind, wie die neutrale Sexte im 13-limit, oder sehr gute Annäherungen an die 12/7, also die große Sexte im 7-limit (Umkehrung der 7-limit-Mollterz) und die 7/5, also den 7-limit-Tritonus.

Apropos Fibonacci: kennst du Erv Wilson? Dessen Sachen sind eh lesenswert (z.B. Thema MOS), aber zu Fibonacci gibt es das hier:

 
Zuletzt bearbeitet:

beaes

.....
Sehr schön! Du kannst auch mal ins Scala-Archiv schauen, da sind noch ein paar andere Fibonacci-Experimente drin, z.B. von Warren Burt:
3/2 + 5/3 + 8/5 + 13/8 usw...
burt_fibo.scl, burt_fibo23.scl, fibo*.scl

Musik dazu:
Besten Dank! - Haette mich auch gewundert, wenn das nicht schon andere Leute probiert haetten.

Dass es bei dir keine Annäherung an alle von unseren 12 gewohnten Intervalle gibt, ist doch nicht schlimm.
Nein, hatte mich auch nicht gestoert. Hatte es nur fuer eventuelle Nachahmer angemerkt. Man muss nur beim Spielen aufpassen, dass man die Toene dann nicht benutzt.

Apropos Fibonacci: kennst du Erv Wilson? Dessen Sachen sind eh lesenswert (z.B. Thema MOS), aber zu Fibonacci gibt es das hier:
Dass das Verhaeltnis benachbarter Fibonacci-Zahlen gegen den Goldenen Schnitt konvergiert, ist ja interessant.

-beaes
 

bohor

||
Für die Modular-User bin ich noch auf etwas Interessantes gestoßen:
  • Analogue Systems RS-130 PSG
Eine Art Skalen-Quantiser, bei dem man auch eine (offenbar auch mikrotonale) Skala definieren kann. Kennt jemand das Ding?
 

Michael Burman

⌘⌘⌘⌘⌘
Weil hier auch Sample-basierte Synthesizer besprochen werden ...
Ein Sampler mit Hüllkurven, Filtern etc. wäre ja auch ein Sample-basierter Synthesizer.
Abgesehen von allgemeinen Tuning-Möglichkeiten, falls vorhanden, die man umschalten kann,
kann man bei einem Sampler in einem Klang-Programm für jede MIDI-Note beliebiges Tuning einstellen.
Das kann man sich wie ein Drum-Kit vorstellen, wo man jeden Klang beliebig tunen kann.
 


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