MR - Resilient strategies pt. I - Freie Improvisation

Dieses Thema im Forum "Your Tracks" wurde erstellt von Anonymous, 9. März 2014.

  1. Anonymous

    Anonymous Guest

    src: http://soundcloud.com/mr183/resilient-strategies-pt-i

    Ich mache mal da weiter, wo ich im Modular Diary https://www.sequencer.de/synthesizer/viewtopic.php?f=36&t=75921&start=1100#p994644 aufgehört habe; wie dort versprochen, ab jetzt hier in den Tracks.

    Drei Wochen lang hatte ich keine Zeit/Ruhe, etwas zu improvisieren, und habe statt dessen nur über Improvisation gelesen (Derek Bailey, "Improvisation: its Nature and Practice in Music"; Felix Klopotek: "how they do it. Free Jazz, Improvisation und Niemandsmusik") und Improvisation gehört (Polwechsel, AMM).
    Dieses Wochenende wurde es dann mal wieder Zeit. Die Vorgaben: vier akustische Spuren, am Modularsystem nichts Automatisiertes, sondern Live-Knöpfedrehen, diesmal kein Klavier, der Grundsound nicht fließend und melodisch, sondern eher fragementiert.

    Die akustischen Spuren sind: 1. verschiedenfarbiges Rauschen auf einem Bambusrohr, 2. Brummen von einem PVC-Rohr, 3. gezupte Stahldrähte, 4. mit Metallgegenständen auf einer Stahlplatte mit Kontaktmikrophon gerieben. Als Klangideal hatte ich die erste Polwechsel-CD im Kopf.

    Aus dem Modularsystem: alle vier Oszillatoren mit der Flame Chord Machine auf Akkorde gestimmt, die Mischung geht durch A-116 Waveshaper und A-121 Filter, diverse Modulationen von LFOs und den Oszillatoren selbst. Davon zwei Versionen, eine eher melodisch, eine eher lärmig. Dann ein über Keyboard und Knöpfe gespieltes FM-Patch (A-110 -> Antioszillator -> A-124 Wasp--Filter). Alles ohne Konzept und Plan, einfach live zu den akustischen Spuren improvisiert.

    Solosound: 10-saitige Kantele (präpariert mit Wäscheklammern, Metallkugeln, Messer, Metallschale) -> Vorverstärker -> Adrenalinn III mit High-Gain-Verstärkermodell. Als Klangideal wollte ich in die Richtung von Derek Baileys zersplittertem Gitarrensound (was natürlich ziemlich vermessen ist).

    In Cubase bekamen die Akustikspuren nochmal Kompression und etwas Raumhall, die Modularsystemspuren nochmal einen größeren Hall, die regelmäßigen Dropouts produziert eine Plugin-Demoversion, und ich habe 9 (von 12) Minuten ausgewählt.

    Ob es in diese Richtung noch "pt II" oder weitere gibt, hängt von Faktoren ab, die ich jetzt noch nicht kenne.
     
  2. Hi MR,
    sehr angenehm hier in den Tracks auch Experimentelleres zu hören!!!
    Finde es sind einige tolle Klänge und Atmosphären dabei.
    Ich denke mal, dass die Dropouts nicht zum Konzept gehören, jedenfalls nerven die mich sehr, weil sie die aufkommende Atmosphäre jedes Mal wieder zerstören.
    Danke auch für deine Reverenzen!

    Grüße
     
  3. Anonymous

    Anonymous Guest

    Danke!!

    Doch, ehrlich gesagt gehören die zum Konzept (kommen von einem Analyser-Plugin, hat also keine Funktion für den Sound) ... ;-)
     

  4. :selfhammer: ;-)
     
  5. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ja, :selfhammer: passt schon irgendwie, aber die Idee dahinter war mehr http://de.wikipedia.org/wiki/Verfremdungseffekt.
     
  6. Anonymous

    Anonymous Guest

  7. Anonymous

    Anonymous Guest

    ... und jetzt hab ich endlich mal Zeit für das "Making Of":

    die Vorgabe für "Resilient strategies pt. II" waren die Länge (6 Minuten) und die Instrumente (1. Stahlplatte, 2. Null-Input-Effektgerät, 3. die Kombination A-149-3 und Anti-Oscillator im Modularsystem, 4. ein Standard-Subtraktives Patch im Modularsystem, 5. Tambourin mit Kontaktmikrophon). Jede einzelne Spur sollte komplett improvisiert sein, und einiges von der generellen Klangästhetik der Improvisationsmusik, die ich in den letzten Wochen gehört habe, wollte ich gerne mit einfließen lassen (nicht so sehr um das einfach nachzumachen, sondern weil ich sehen wollte, ob ich es schaffe das in meine Musik zu integrieren).

    1. Ich habe eine biegsame Stahlplatte (Baumarkt) mit einer Eisenstange gestrichen. Je nach Biegung der Platte lassen sich die metallischen Reibegeräusche "modulieren", und mit etwas Übung konnte ich einige hochfrequente Töne aus der Platte bekommen. 6 Minuten davon ergeben die erste Spur, die komplett durchläuft. Inspiriert durch Eddie Prevosts Perkussion (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=1wQOca_l5Mg, http://www.youtube.com/watch?v=UmhtBJSuIRw)

    2. Toshimaru Nakamura spielt seit Jahren nur sein Null-Input-Mischpult (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=tYw1h2dGd0s), und ich wollte Ähnliches mit Null-Input-Effektgerät probieren. Also habe ich den Output meines alten Zoom 1201 gesplittet, ein Kabel ins Audiointerface, eins in den Input. Outputregler auf 10, Blend-Regler auf Wet, und dann den Inputregler vorsichtig aufdrehen. Mit verschiedenen Reverb-Programmen bekam ich dann verschiedene ringmodulierte Sounds, die nach und nach in reinen Feedback-Sinus übergehen. Mit Delay-Programmen bekam ich Rauschen, das durch Drehen an der Delayzeit diese knacksenden Loops ergibt.

    3. Ich habe drei Varianten eines Patchs mit A-149-3 und Anti-Oscillator aufgenommen, einmal FM, einmal RM, einmal AM. Das sollte das einzige melodiöse Element werden, bei jeder Spur spiele ich fallende diatonische Viertonfolgen. Diese Spuren blende ich aber beim Mischen immer nur einzeln kurz ein.

    4. Über David Toops Buch "Haunted Weather" bin ich auf die Saxophon-Soli von Evan Parker (ab 11:45 in http://www.youtube.com/watch?v=XsfD4j3YurA) gestoßen. Meine Variante ist ein Standard-Patch (zwei A-110 Sägezähne in Quintabstand durch A-120-Moogfilter) mit dem ich möglichst schnelle halbzufällige Patterns spiele. Das habe ich dann durch eine gut durchgebratene Amp-Simulation geschickt, damit man keine einzelnen Töne, sondern nur noch verzerrte Cluster hört. Dieses Solo blende ich während des Stücks vier Mal ein.

    5. Zu allen diesen Spuren habe ich am Schluss noch ein paar Perkussionsakzente aufgenommen (Tamburin mit Kontaktmikrophon)
     

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