Nachhall, selbstprogrammiert: Bitte um Feedback

flowdy

flowdy

Paramusiker

(Bild wird nur in Vorschau direkt angezeigt. Hab das Nicht-gefunden-Symbol also denn mit nem Link unterlegt.)

Das ist einfach mal ein Beispiel für eine Impulsantwort eines hypothetischen Raums, mit der ich probeweise meinen frisch selbst programmierten Code zur Reverb-Berechnung auf beliebige Wave-Daten gefüttert habe. Die Beschriftung der y-Achse ist derzeit noch falsch, werde ich noch korrigieren zu -100 bis 0dB. Die x-Achse repräsentiert die Nachhallzeit, hier T_55 = 0.7s.

Hier ein Klangbeispiel:
play: https://neusik.de/2020-08-19/rondo_alla_turca_mit-hall.mp3 ... ich weiß, kein Klavier, aber ist ein anderes Thema, darum soll es hier nicht gehen. Wenn mir jemand ein Stück auf nem echtem Instrumentarium bereitstellt, aufgenommen in furztrockener Akustik, nehm ich halt das als Klangmaterial.

Vor allem interessiert mich:
  • Was für einen Raum verbindet ihr mit dieser Nachhallcharakteristik?
  • Gibt es evtl. Impulsantwortdaten berühmter Säle zum freien Download? Könnte mir fast vorstellen, dass das nicht so einfach ist, rein rechtlich (fällt womöglich unter geistiges Eigentum der Architekten?) und technisch ...
  • Anregungen willkommen: Welche Änderungen soll ich probieren? Abstände und Level kann ich beliebig variieren, möglichst aber ungefähr kontinuierlich über t, weil weniger Aufwand für mich bei der Definition.
  • Etwaige sachliche Kritik. Außer daran, dass ich auch hier "zu Fuß gehe" anstatt mir irgendein tolles fertiges Gerät zu kaufen. So würde ich nicht so viel lernen.
 
Zuletzt bearbeitet:
flowdy

flowdy

Paramusiker
Danke für den Tipp.

Jetzt stellt sich mir Noob natürlich die Frage (nicht an euch, nur fürs Protokoll, studieren und tüfteln tu ich gerne selbst ...), wie ich diese Waveforms auf mein Format reduziere.

Denn alles, was in meiner Art und Weise des Musikmachens auf natürlichen Verläufen basiert, möchte ich in Bézierkurven gießen, genauer gesagt in Kontrollpolygonkoordinaten - eine beliebig kurze Zeichenfolge, pro Polygongrad/Paar nur eine Handvoll Bytes.

Vorteil: Alles, was sich semantisch zusammenhängend in einer Textzeile unterbringen lässt, lässt sich einfach mit einem Texteditor bearbeiten und damit auch einfach versionieren, also mit einem Versionskontrollsystem wie Git verwalten. So lässt sich später die Evolution meiner Art des Musikmachens detailliert nachvollziehen.
Nachteil: Echtzeitproduktion unmöglich, aber darauf pfeif ich, lieber verwend ich meinen Computer als Oberschenkelheizung und bin vorfreudig gespannt, wie sich Klangvorstellung und Realität unterscheiden - und sich durchs natürliche (Wahnsinn, heute muss man das extra betonen) Lernen allmählich angleichen.

Da gibt es viele Dinge, für die ich quasi denselben Code verwende:
  • A/(D)S/R, wobei diese Phasen unterschiedlich auf die Notenlänge reagieren relativ zu ihrer x-Bezugszeit, mit deren Angabe sie beginnen. Attack z.B. gar nicht, Attack ist fix.
  • Modulationshüllkurven, Veränderung der Stärke von Frequenz- und Amplitudenmodulation.
  • Waveshaping, d.h. Veränderung des Frequenzspektrums bei Beibehaltung der Gesammtsumme,
  • Instrumentalmechanische Unregelmäßigkeiten, also Abweichungen vom natürlichen harmonischen Obertonabstand, der normal dem Betrag der Grundtonfrequenz entpricht.
  • Frequenzvariation pro Teilton
  • Morphs, also Amplitudenänderungsverläufe, gebunden an die Ordnungszahl eines Teiltons oder ihre Teiler. Eine Oboe z.B. entwickelt ja nur gerade Obertöne 2, 4, usw.
  • Resonanz also frequenzabhängige Amplitudenverstärkungen/-dämpfungen,
  • takt- bzw. phrasenorientierte Steuerung beliebiger Artikulationsparameter, woran die Veränderung der obigen Kurven wiederum gekopelt ist
  • Dynamik und Agogik.

Ich definiere für die Raumakustik also zwei Kurven:
  • Verlauf der Echoamplituden
  • Anzahl und Abstände (Delays) der Echos, technisch die phasenversetzte, zunehmend gedämpfte Wiederholung des Klangs. Alles zwischen zwei Echos wird ausgenullt, v.a. um den Rechenaufwand zu reduzieren in Anbetracht der Vermutung, dass unsere Ohren eh wenig Wert darauf legen (Psychoakustik hab ich bisher aber ausgeblendet, Irrtum möglich). Hierüber realisierbar ist auch das Delay des Direktschalls, leicht unterschiedlich für linken und rechten Kanal, Echo #0, womit Tiefenstaffelung und genauere Richtungsposition von Klangquellen auf der virtuellen Bühne ermöglicht wird.
Gar nicht berücksichtige ich dagegen wegen tausendfach höheren Rechenaufwands, dass Flächen, die die Klänge im Raum zurückwerfen, unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich verstärken oder dämpfen. Wenn ich eben von Echoamplituden geschrieben habe, meine ich damit simple Säulen und kehre unter den Teppich, dass sich hinter diesen Säulen quasi von der Seite betrachtete Frequenzspektren verbergen. Andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass es auch die teuersten Reverb-Geräte nicht machen, ich es mir damit nicht zu leicht mache im Vergleich mit anderen.

Aber irgendwo muss ich auch die Kirche im Dorf lassen. Ständig muss ich abwägen, wo der Rechenaufwand am ehesten lohnt, braucht ja Strom (Umweltressourcen, auch nachwachsende, z.B. Windräder belasten Anwohner und Vogelpopulation) und Zeit/Geduld.

Die Reduktion wird klanglich für gute Ohren negative Auswirkungen haben. Aber gute Ohren hab ich eh nicht und meine Musik muss klanglich eh nicht besser sein als die derjenigen, die damit ihr Auskommen verdienen bzw. hoffentlich bald wieder, wenn die Coronakatastrophe überstanden ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
serge

serge

|||||||||||||
Gibt es evtl. Impulsantwortdaten berühmter Säle zum freien Download? Könnte mir fast vorstellen, dass das nicht so einfach ist, rein rechtlich (fällt womöglich unter geistiges Eigentum der Architekten?) und technisch ...
Das Problem ist weniger das geistige Eigentum der Architekten, sondern die Rechte derjenigen, die die Impulsantwortaufnahmen erstellt haben.

Aber irgendwo muss ich auch die Kirche im Dorf lassen. Ständig muss ich abwägen, wo der Rechenaufwand am ehesten lohnt, braucht ja Strom (Umweltressourcen, auch nachwachsende, z.B. Windräder belasten Anwohner und Vogelpopulation)
Wenn Du die Diskussion on-Topic halten möchtest, lass besser die Finger von solchen Einwürfen, sonst kommt noch jemand auf die Idee, Dir vorzuschlagen, Du mögest doch auch gleich abwägen, ob Deine Unterkunft Fenster braucht, da in Europa durch Vogelschlag an Glas täglich mehr Vögel sterben als in Deutschland an Windrädern in einem Jahr (Quelle).
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Das Problem ist weniger das geistige Eigentum der Architekten, sondern die Rechte derjenigen, die die Impulsantwortaufnahmen erstellt haben.
Ja, stimmt. So eine Impulsantwort ist ja ziemlich aufwendig zu erstellen, wenn ich mir die Beschreibungen auf der Seite so durchlese, die Fotos ansehe, zumal wenn man die Ausbildung in physikalischer Akustik als Investition mit einbezieht. Dürfte ja so auch bei allen Freifeldaufnahmen gelten. Andererseits könnte ein listiger Angeklagter vor dem Kadi durchaus argumentieren, ein platzender Luftballon, Vogelgezwitscher usw. würde die nötige Schöpfungshöhe nicht erreichen. Ohne Präzedenzurteile kann man daher nur spekulieren, Nichtjuristen wie wir selbst dann, wenn es welche geben sollte.

Gut, zurück zum Thema: die Samples einer beliebigen Impulsantwort von der Website kann ich schon mal in dB umrechnen (EDIT: ne, schon mal falsch, erst zum Schluss), von ihnen den Betrag nehmen, und, wenn sie eine relative Schwelle unterschreiten, wegnullen. Diese relative Schwelle anzusetzen ist die Crux: "relativ" meint bezogen auf den Sample davor, die Differenz also, und das Ausnullen jeweils beschränken auf die Anzahl minderwertiger Samples, nach denen es es wieder einen größeren Ausschlag in Gegenrichtung gibt. Algorithmisch nicht trivial.
 
Zuletzt bearbeitet:
 


Neueste Beiträge

News

Oben