poly61 spinnt

Dieses Thema im Forum "Analog" wurde erstellt von Bittermandel, 10. April 2007.

  1. angeregt durchs forum hab ich meinen poly61 hervorgekramt.
    die ersten töne: hatte gar nicht in erinnerung, daß er so gut klingt.
    und dann : CHAOS !
    ich spiel ein C, manchmal erklingt ein C, dann ein G, dann irgendwas röchelndes.
    die tonhöhe scheint durch einen zufallsgenerator bestimmt zu werden.
    im chord memory mode kommen die töne sauber raus.
    muß ich den poly61 abschreiben oder kann jemand helfen?
    würde mich sehr drüber freuen, natürlich über letzteres:)
    danke,
    gerrit
     
  2. Pepe

    Pepe aktiviert

    Hi, Gerrit! ;-)

    Bei mir hat der Synth letztens auch ein wenig in dieser Richtung rumgesponnen. Habe ihn aber wieder fit gekriegt. (Warum klappt das bei mir eigentlich immer, der so technisch begabt nun auch nicht ist? Die Elektronik bekomme ich immer irgendwie wieder astrein ans Laufen. :eek: )

    Einen Zufallsgenerator hat das Ding ja nicht. Wenn dieses "Röcheln" zufälligerweise mit einem unangenehm hohen "Brizzeln" (habe kein anderes Wort dafür) gekoppelt ist, dann schraub ihn mal auf und entferne alles, was im Bereich der Tastatur und der Haube zwischenliegen könnte; Isolieren wäre gut. Hat bei mir gewirkt. Dieses "Brizzeln" höre ich immer wieder mal, wenn ich die Haube mittig absenke *schauder*. Ansonsten hätte ich im Moment keinen weiteren Tipp.

    EDIT: Die Schalter für den Arpeggiator sind doch intakt, oder? Vielleicht spinnt der mit der Tonhöhe ja deswegen rum? :?
     
  3. hi,
    schön, von dir zu hören. danke für den tip. ich hoffe, es hilft.

    nee, alles, nur das nicht:)

    hab mal alte aufnahmen rausgekramt. wirklich unterschätzt, der poly61.
     
  4. rauschwerk

    rauschwerk pure energy noise

    falls das prob immer noch da sein sollte.
    gehäuse aufmachen und mit einem feinen staubsaugerrohr vorsichtig innen alles saubermachen. anschliessend alle stecker nacheinander raus- und gleich wieder reinstecken (natürlich ist der stromstecker raus!). Wenn das vollzogen ist - zusammenbauen (oder auch nicht) und einschalten. Spinnt der 61er immer noch, dann warmlaufen lassen (ca. 15-20min) - und dann noch mal testen.

    viel glück!
     
  5. Pepe

    Pepe aktiviert

    Saugen kommt immer gut - so oder so. Wenn einmal bei mir eine Haube auf ist, dann bleibt der Staubsauger nicht lange arbeitslos. :D
     
  6. hat leider alles nichts genützt, aber ich kann die probleme genauer beschrieben:

    im poly-mode lässt sich der korg dreistimmig einwandfrei spielen. ab der vierten stimme kommen falsche töne und seltsame geräusche.

    bei chord-memory wird manchmal der akkord-speicher aktiviert, manchmal der monophone modus. das lässt sich nicht beeinflussen, jedenfalls nicht so, wie es im handbuch steht.

    monophon gibts keine probleme.
     
  7. niemand eine andere idee, wie der poly61 vielleicht doch noch zu retten ist :?:
     
  8. Pepe

    Pepe aktiviert

    Ich könnte mir vorstellen, dass irgendwelche Oszillatoren hinüber sein könnten. Denn der Poly61 geht im polyphonen Modus IMMER so vor, dass er einen Oszillator nach dem anderen benutzt, und nie zwei Mal den selben bei gleichem Ton. Ist vielleicht eine Frage an die Bastelfreaks, die du unter "Lötkunst" erreichen müsstest - eine Kategorie, in die ich bisher nie reinschaue. ;-)
     
  9. hab ich mir auch erst gedacht, aber müßte dann der monophone modus, in dem alle oszillatoren aktiv sind, nicht auch zicken machen :?:
     
  10. Pepe

    Pepe aktiviert

    :dunno: Ich bin kein Techniker... ich weiß nicht, warum der in dem anderen Modus nicht rumspinnt. Frag doch einfach mal ganz lieb in der Lötkunst-Ecke. :)
     
  11. Ich glaube nicht, daß ein Oszillator defekt ist, schon eher die Tastatur-Steuerung (Key-Assignment).
    Das ist digitaler Kram. Es könnte sein, daß es aber dennoch ein reines Kontaktproblem ist.
    Der Tip mit den Kabeln (raus und rein) ist schon mal ganz gut, man kann dabei auch zusätzlich ein säuberndes Spray (z.B. Video90 von Kontaktchemie) nehmen. Auf keinen Fall irgendwelche sog. Kontaktsprays.
    Bei denen müssen die Kontakte nachträglich saubergewischt werden, was bei Multipin-Steckern so gut wie unmöglich ist.

    Sind im Gerät die ICs gesockelt, oder eingelötet ?
    Sollten sie gesockelt sein, dann auch hier die ICs nacheinander herausnehmen (mit einem kleinen Schraubendreher etwas darunter hebeln) und wieder eindrücken. Auf die Lage der ICs achten - bitte nicht falsch herum einstecken, dann sind sie meist gleich hinüber.
     
  12. MiK

    MiK Löten&Coden

    Ich weiss, der Thread ist etwas älter, aber vielleicht hilfts doch noch Jemandem, der auch mal bei der Suche drauf stösst :)

    1) Ein Poly61 ist, was das Voiceboard angeht, scheinbar unkaputtbar.
    2) Ein Poly61 ist nicht dafür gebaut, dass jemand die Steckverbinder da drin mal abzieht und wieder einsteckt :)

    Neben dem üblichen Zusammengammeln der ganzen Kiste durch ausgelaufene Pufferakkus gibts noch einige Faktoren mehr. Ich habe neulich 3 Stück bekommen. Und neben der Tatsache, dass bei allen 3 die Voiceboards in Ordnung waren, die Potis nichtmal heftig kratzen, und sogar der Joystick überall bestens tut, gabs insgesamt folgende Probleme:

    1) Ausgelaufener Pufferakku, ein Board war sehr verätzt, da musste ich einige Leiterbahnen reparieren, einer war leicht angeätzt, da hatte jemand den Akku wohl vor ner Weile schon rausgeworfen, einer hat gar keinen ausgelaufenen Akku, den hat wohl jemand rechtzeitig noch rausgeknipst.
    2) Bei dem total verätzten war eine der beiden CPUs hin. Liegt sicher nicht an der ausgelaufenen Batterie, wobei man es nicht ausschliessen kann - die Suppe da drin hatte sogar schon Widerstandsarrays zerlegt, da kann beim Einschalten alles mögliche abrauchen.
    3) Das gemeinsame Problem, meines Erachtens das Hauptproblem eines Poly-61: Die ganzen Steckverbinder waren kaputt. Einerseits ist einfach die Suppe vom Akku sogar durch die Leitungen zum anderen Ende gewandert, Stecker am Voiceboard waren auch schon angegriffen, abdererseits war es einfach mechanisch bedingt, in den Steckern waren die Kontaktfedern grossteils abgebrochen. Als Clou war der ohne jegliche Akkusuppe der, der absolut nicht funktionieren wollte, weil da nahezu alle Stecker am CPU-Board im Eimer waren.
    4) Die Keyboards sind sehr staubempfindlich, lassen sich aber relativ einfach reinigen, ist nur etwas zeitaufwändig.
    5) Die Bedientaster prellen allesamt. Einerseits, weils in der Firmware keine Entprellung gibt, andererseits, weil die Taster einfach nach so langer Zeit nix mehr taugen. Ein Problem, was nicht nur der Poly-61 hat, sondern auch der DW-8000 und der SCI MultiTrak und vermutlich noch all die anderen Synths mit den Tastern aus der Zeit.

    Dieses massive Kabelproblem führt zu den interessantesten Effekten:

    - der Kleine Stecker zwischen Voiceboard und CPU-Board führt die Gate-Signale. Wenn da war nicht mehr richtig kontaktiert, gibts die lustigsten Effekte, es kann sogar vorkommen, dass mit Parameter 51 = 0, also Orgelhüllkürve, die eine oder andere Voice einen auf Piano macht, weil die Gate-Spannung noch rüber kommt, dann aber zusammenbricht. Die beiden Leitungen je Voice sind einmal das Gate (inkl. Trigger) für den SSM, andererseits das VCA-Gate, als Override, wenn 51=0, bei 51=1 ist das Ding "offen", es greift der SSM. Mit den beiden Pins zusammen kann man übrigens hervorragend die Hüllkurventimings einstellen. Einer triggert, am anderen misst man :)

    - Der grosse Stecker zwischen Voiceboard und CPU-Board führt in erster Linie die Sync-Signale der VCOs und die Clocks für DCO2. Wenn da Kontakt fehlt, fällt DCO2 aus und/oder das Ding wirkt "detuned", weil DCO1 nicht mehr digital synchronisiert wird und frei läuft. Und da die Kiste nicht für Präzision freilaufender Oszillatoren gebaut ist, kommt dann nix Vernünftiges mehr raus. Und bei wackeliger Verbindung habe ich auch beobachtet, dass dann was Zufallsartiges rauskommen kann und das Ding irgendwie "randomsynct".

    - Bei der alten Version gibts ne kleine Platine an der Rückseite, da geht ein Kabel vom CPU-Board rein und ein kleiner Kabelbaum zum Voice-Board raus. Das ist der Antilog-Amp (aka Exponentialkonverter), geschickte Technik, ein Konverter, dahinter erst der Multiplexer. Wenn da eine Verbindung zu ner Voice fehlt, gibts keinen Ladestrom, der DCO1 schwingt gar nicht.

    - Ein Kabel gibts vom CPU-Board (1 Stecker) zum Board mit dem Tune-Regler (2 Stecker). Da kommen die ganzen Masterclocks raus. Bei Batteriefressen gilbt da gern mal die 15V-Leitung weg, erkennt man daran, dass die LED für den Joystick-Kram nimmer blinkt. Dann fehlen auch die beiden Masterclocks, die über die abgeschirmten Leitungen dieses Kabels kommen. Eine ist für DCO1, die andere für DCO2. Wenn da kein Takt kommt, funktioniert auch DCO2 bzw. Digisync des DCO1 nicht.

    Als kleinen Pfusch kann man die Kontakte in den Steckern etwas zusammen drücken, das tuts immerhin mal zum Testen, aber eine richtige Reparatur ist da sehr zu empfehlen. Die Kontakte kosten 100 Stück 1,50 EUR, die Crimpzange dazu 19,90 EUR (alles bei http://www.csd-electronics.de/), die Anschaffung rentiert sich - ich habe das Wochenende über 100 Kontakte vercrimpt, und das waren nur 2 Poly-61.

    CSD hat übrigens auch die perfekten Ersatztaster fürs Bedienpanel. 0,22 EUR das Stück, wenn man >= 25 Stück bestellt. Rentiert sich allemal, diese 17 Dinger auch gleich auszutauschen.

    Die komplette Restaurationsanleitung gibts demnächst mal auf meiner Webseite, im Moment gibts da nur wilde Bildersammlungen als Inspiration:

    http://www.mik-music.org/Repairs/20071215_Korg_Poly-61/

    Ein Poly-61 ist aufgrund dieser Probleme generell mal ein Totalschaden. Beim aktuellen Wert rentiert sich eine Reparatur wirtschaftlich sowas von garnicht - nicht wegen dem Material, sondern wegen der ca. 10 Stunden, die man da gut dran sitzen kann, wenn mans mal richtig machen will. Wems die Zeit wert ist, der wird aber mit einem ganz toll klingenden 80er-Synth belohnt. Ich mag die Kisten irgendwie.

    Ach übrigens - das Ding steuert die 6 Stimmen in Round-Robin an, also einfach simpel nacheinander. Selbst beim gleichen Ton kommt die nächste Voice dran. Ausserdem sind auf dem Voice-Board LEDs, die nur schwach leuchten, und dazu noch aussehen wie normale Kleinsignal-Si-Dioden ala 1N4148. Licht aus, suchen, finden. Das Netzteil hat übrigens auch so eine :) Diese Tatsachen helfen sehr gut beim Debuggen der Kisten. Wenn also beim gleichen Ton ein "pattern" der Länge 6 entsteht, verhalten sich die 6 Stimmen wohl ein wenig unterschiedlich. Was manchmal übrigens sehr inspirierend klingt. Zum "Paralleltesten", z.B. Kalibrieren, kann man das Ding folgendermassen in Unison bringen: CHORD MEMORY drücken, 6 mal den gleichen Ton anhauen, fertig. Mit HOLD kann man dann den Ton auch angenehm stehen lassen. Übrigens hat mein Reverse Engineeren der Assigner-Firmware ergeben, dass das Ding theoretisch auch die Unison-Taste des PolySix unterstützen müsste, es ist an für sich sogar der Treiber für die LED da. Taster, Diode und LED sind wohl einfach aus Kostengründen weggelassen worden.

    Und sonstige Tech Facts: Der Assigner ist der gleiche in MonoPoly, PolySix und Poly-61. Die Umschaltung zwischen MonoPoly und den anderen beiden geschieht durch einen I/O-Pin. Poly-61 und PolySix fahren an für sich genau das gleiche Programm in der Firmware ab, also ist an für sich auch dieses CV-In/Out-Zeug vom PolySix nachrüstbar.

    Und noch ein nettes Stück: Die digitale Sync muss ja über die Pitch bescheid wissen. Es gibt aber keine echte Interprozessorkommunikation in der Kiste, die User-Interface-CPU "belauscht" einfach nur den Assigner beim Ausspucken der gemultiplexten CVs und holt sich da die Daten über die Pitch der Oszillatoren her.
     
  13. Jörg

    Jörg |

    :boah:
    Respekt!!!
     
  14. MiK

    MiK Löten&Coden

    Nachtrag für diejenigen, die noch nie so Steckerlis gecrimpt haben:

    http://www.mik-music.org/DIY/Poly-61-Cables/

    Der erste Teil der Restaurations-Odyssey. Da ich die Seiten international gestalte (wegen link von YouTube, weil meine Videos da doch öfter mal bei Matrixsynth landen und so :), halt auf Englisch, wenn ich mal viel Zeit habe (also nie), mach ichs multilingual.

    Hoffe, die Location bleibt endgültig, da der ganze Krempel auf der Seite ja eh noch im Aufbau ist.

    Edit: hab mal angefangen mit dem Gesamttext. Im Moment noch sehr unfertig und vor allem augenfeindlich :) http://www.mik-music.org/DIY/Poly-61-Repair/
     
  15. "Willst Du viel, spül mit Pril"
    :lol:

    Saubere Arbeit, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Alle Achtung !
     
  16. Pepe

    Pepe aktiviert

    Huiuiui! :shock:

    Bin ich SAUfroh, dass mein Poly61 in Bestzustand arbeitet! :eek:

    Und die Tasten mache ich fast genauso sauber - und ordne sie fein säuberlich auf Handtüchern - DÉJÀ VU! :lol:
     
  17. Hi Mik,

    da Du auch die Tasterprobleme beim Korg DW8000 angesprochen hattest: was kann man dagegen machen?
    Ich mag den Sound des DW8000 sehr, aber die Kontaktschwäche bei den Tastern nervt doch sehr. Hatte die Kiste auch mal aufgeschraubt: da war alles sehr dicht und verbaut, sodass man nicht so einfach an die Taster kommt. Allerdings ist mom die Speicherbatterie leer, sodass ich den DW dochmal öffnen müsste.
    Also wenn Du einen Tipp zu den Tastern für mich hättest ...
     
  18. panton

    panton -

    hallo leute,
    ich habe mir kürzlich einen poly-61 zugelegt -- bei welchem (natürlich) auch die pufferbatterie ausgelaufen ist.

    mit großem interesse habe ich die beiträge auf miks website gelesen und viele der schritte schon nachvollzogen. nun möchte ich ein fehlendes steckergehäuse (eins der beiden 14-poligen auf dem mainboard links oben) ersetzen -- weiß aber nicht, woher ich das bekommen kann. habt ihr da eine idee?
    ebenfalls benötige etliche von den kleinen crimpkontakten, da die größtenteils hinüber sind. mik hat oben einen link zu csd gepostet. da der link zu deren startseite führt und ich die passenden kontakte nicht finden kann, wäre es toll, wenn jemand freundlicherweise den direkten link posten könnte.

    danke und viele grüße,
    panton
     

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