Polysix, was tun wenn trotz neuer Batterie nix geht?

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von xqrx, 17. November 2013.

  1. xqrx

    xqrx -

    Es gibt ja schon eine ganze Menge Artikel über den Polysix hier im Forum, mein Problem ist aber etwas kniffliger.

    Ich habe hier einen Polysix liegen, der nicht mehr speichert. Ich dachte mir: "Alles klar, Akku kaputt"

    Irgendeiner der Vorbesitzer hat den Original-Akku gegen ein Konstrukt aus 3 Knopfzellen -Akkus getauscht.
    Man kann die einzelnen Patches auswählen (LEDs leuchten). Die Sounds klingen aber alle sehr ähnlich und neue Sounds werden nicht gespeichert. Wie gesagt, die LEDs verhalten sich so, als ob alles OK wäre. Im Manual-Mode, auch wenn ich einfach an den Potis drehe, funktioniert die Klangerzeugung wie gewünscht.

    Ich habe jetzt diesen 3-Fach Akku rausgeschmissen und durch eine Batterie ersetzt, das Ladeschema ausgebaut usw. Die Leiterbahnen sehen noch alle gut aus.
    Trotzdem verhält sich der noch genauso wie vorher. Manual-Mode geht, aber die "gespeicherten" klingen sehr ähnlich und er merkt sich keine Änderungen beim Speichern. Interessant ist, dass sich die "gespeicherten" Sounds nach dem Umbau des Akkus zur Batterie nicht geändert haben. Eigentlich müssen die ja jetzt leer sein oder zuminest Unsinn enthalten.

    Gibt es einen Ansatzpunkt, wo ich noch suchen könnte?
    Gibt es Messpunkte oder soll ich alles rausschmeissen und ein Kiwi-Board einbauen?
     
  2. microbug

    microbug |||

    Wenn Du wirklch Ruhe haben willst, wäre das Kiwi-Board das Beste, denn dieser Fehler klingt sehr komisch und ist nur mit entsprechendem Meßgerät zu finden.

    Was Du machen kannst:

    1. Servicemanual aus dem Netz laden, zB bei synfo.nl
    2. Messen. Gucke, ob die Batteriespannung auch am Pin des Speicherchips ankommt (Pin 18 von IC32, TC5514)

    Entweder, die Spannungsleiterbahn ist irgendwo durch (manche Korrosionen sind sehr schwer zu sehen) oder eine Selectleitung. Ich denke, daß eher der zweite Fall gegeben sein könnte, denn wenn sich alle sounds gleich anhören kann eigentich der Speicherchip garnicht ausgelesen werden, denn da steht dann zwar Müll drin, aber eben unterschiedlicher Müll.

    Hierzu muß man wissen, daß Korg auch an dieser Stelle geschickt den Rotstift angesetzt hat. Der Speicherchip ist nämlich normal für die paarweise Verwendung gedacht und daher ein 4bit-Chip. Man hat aber bewußt hier nur einen verbaut und schreibt daher die Programme immer Nibbleweise in den Speicher hinein, also in Portionen zu je 4Bit.

    Der Speicher wird über Leitungstreiber und ein Latch aus 2x 4042 (IC26/34) angesteuert, wobei die Pins 5, 6,15 beider Chips verbunden sind. Pin 5 ist die Selectleitung für das Latch, geht direkt an den Prozessor (Pin 11) auf dem Assignerboard.

    Dann gibts da noch die Leitungen für Schreiben und Lesen, die über ein Gatter (IC25, 4011) ans RAM gehen. Die Schreibleitung /WE ist auch direkt an die CPU angeschlossen, geht von deren Pin 10 an Pin 10 des RAM. Die Verbindung von IC25 Pin 11 zum RAM Pin 8 muß auch intakt sein, weil ebenfalls eine Selectleitung.

    Der bei Säureschäden als erstes betroffene IC ist Nr. 31, ein 74LS08, ein hier als Treiber beschaltetes Gatter vor dem oben erwähnten Latch. Daran hängen aber auch die Leitungen fürs Bedienfeld, und wenn dort alles geht, dann liegt der Fehler woanders. Damit sowohl IC30 als auch 31 als Treiber arbeiten können, muß der jeweils zweite Eingang eines der je 4 Gatter pro Chip auf +5V liegen. Da die Pins 2,4, 9 und 12 als Eingänge dienen und 3/6/8/11 als Ausgänge, sind es die Pins 1/5/10/13 und 14 beider ICs, die auf +5V liegen müssen, sonst kommt nichts durch, da die Gleichung für ein AND-Gatter nicht erfüllt ist.

    Ebenfalls sind A0 und A9 des RAM zu prüfen, Pins 5 und 15, die gehen ebenfalls direkt an den Prozessor (Pin 21 und 22). Die CPU steuert nämlich das RAM nur in 2er Schritten an und wählt dann über die A0 die Bytehälfte aus, die gelesen/geschrieben werden soll.

    Als letztes könnte man noch die Adreßleitungen von den Latches zum RAM messen, aber ich glaube nicht, daß da der Fehler liegt.
     
  3. xqrx

    xqrx -

    danke für die ausführliche Beschreibung. :supi:
    Ich bin hier nur mit einem einfachen Multimeter ausgerüstet.
    Kann ich einfach so am laufenden Gerät an den beschriebenen Messpunkten rummfummeln oder ist das eher kontraproduktiv?
    Die Platine ist gerade eingebaut aber da kommt man ja ganz gut ran.
    Ich habe so kleine Messklemmen, die man an IC-Beinchen klemmen kann und damit ans Multimeter. Ich würde den P6 ausschalten, die Sonde plazieren, einschalten und Messen und dann wieder ausschalten.
    ...oder zerschiesse ich damit die die Bausteine?

    ....normalerweise löte ich nur Kabel und letztens den Y.A.M.A. von Nordcore. Hat sogar geklappt, ausser, dass ich einen Tantal-Elko falsch gepolt habe und damit ein wenig DSQ verursachte :floet:

    Grüsse
     
  4. microbug

    microbug |||

    Messen immer am ausgeschalteten Gerät bitte, sonst wird das noch mehr kaputt, außerdem geht damit ja die Durchgangsmessung der Leiterbahnen nicht. Am Multimeter auf Widerstandsmessung stellen, falls das Multimeter eine Auswahlmöglichkeit hat.
     
  5. xqrx

    xqrx -

    ups...danke. habe zum glück noch nicht angefangen
     
  6. xqrx

    xqrx -

    So, ich habe alles durchgemessen. Alles soweit OK. Beim testen ist mir aufgefallen, dass einige Parameter gespeichert werden, andere nicht.
    Die Fusslage, Hüllkurve und VCA werden gespeichert und können abgerufen werden. Die Filtereinstellungen hingegen wird nicht gespeichert. Der LFO lässt sich auch nicht speichern.

    Ich habe hier einen 2. Polysix stehen, kann man die Platinen generell untereinander tauschen oder gibt es da unterschieldiche Versionen? Ich würde gerne mal die Speicherplatine zwischen den beiden Tauschen und schauen, ob sich das Bild verändert.
     
  7. Pepe

    Pepe aktiviert

    Beim Poly-61 gab es mindestens zwei verschiedene Platinenbestückungen (den Poly-61M lasse ich mal außen vor). Wie es beim Polysix ist, weiß ich nicht. Wenn aber die Platinen die identische KLM-*** Bezeichnung haben, dann solltest du sie untereinander problemlos tauschen können.
     
  8. Ja, aber meines Wissens betrifft das nur das Voiceboard.

    Florian
     
  9. microbug

    microbug |||

    Es gab schon 2 Versionen, die unterschieden sich aber, wie Florian schon schrieb, nur bei den Voiceboards. Die Assignerboards KLM-367 sind untereinander austauschbar.

    Was mir dabei noch einfällt: Das Netzteil des Polysix ist da auch nicht Ohne, laut Kiwitechnics gibts da gerne Probleme, daher bietet er eine Neukonstruktion als Austausch an. Hatte mir das Ganze schonmal im Kiwisix-Thread angesehen und kommentiert, am Besten auch mal alle Spannungen vom Netzteil messen.

    Wenn nicht alle Sachen gespeichert werden, ist wohl entweder der RAM-Chip hin, oder die Adreßselektierung tut aus irgendeinem Grund nicht. Die betreffenden Parameter selbst scheinen ja an die Klangerzeugung weitergereicht zu werden, wenn ich Dich richtig verstehe.

    Irgendwo gabs mal eine Adress Map, in welchen Speicherzellen des Polysix was abgelegt wird, die muß ich mal suchen, dann kann ich Dir gezieltere Hinweise geben. Die Bausteine, die die Adressen für den Speicher generieren, sind IC26 und IC34 (4042). Dabei handelt es sich um sogenannte Quad Latches, also Bausteine, einen bestimmten Zustand zwischenspeichern. Diese bekommen dazu Befehle von der MCU, normal wird an dieser Stelle ein anderer Baustein benutzt. Die Ansteuerung funktioniert ja offenbar, aber scheinbar nicht alle Adreßleitungen.
     
  10. xqrx

    xqrx -

    Hi Dietmar,

    soll ich auf Verdacht den 5514 tauschen? Die Teile gibt es ja für 5-12EUR. Die anderen ICs sind ja auch standard.
    Oder stochere ich damit nur im trüben?

    Ich komme aber eh gerade zu nix...Weihnachtsstress...
    Vielleicht komme ich nächstes Wochenende dazu mal die Boards zu tauschen.
     
  11. microbug

    microbug |||

    auf Verdacht tauschen ist nicht zielführend, außer Du bist ganz sicher, daß es nur was Bestimmtes sein kann. Ich würde erstmal die Boards tauschen und dann nochmal besagte Leiterbahnen durchmessen. Und wenn alle Stricke reißen, weißt Du ja, wo Du mich findest :)

    Ich tippe nach wie vor noch auf eine schadhafte Leiterbahn, eher noch als auf einen defekten Chip.
     

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