Raumakustik und der Geiz

Dieses Thema im Forum "DAW / Komposition" wurde erstellt von ID_nrebs, 24. November 2009.

  1. Helli zusammen,

    ich habe wohl endlich mal einen Raum gefunden und der muss jetzt akustisch mal ran. Mein Problem, ab nächstes Jahr verdiene ich mit der Musik erst mal kein Geld mehr und möchte da nicht viel für ausgeben. Mischen werde ich da eh nicht, es geht also nicht um eine perfekte Abhörsituation. Der Raum ist ca. 3m x 4,5m und 3m hoch... Teppich ist schon drinne und ein Fenster auch (-:

    was würdet ihr auf jedenfall machen, welche "Werkstoffe" kann man empfehlen??? Wie gesagt, Geiz ist geil ist an der Tagesordnung. Ich kenn mich mit dem Thema fast gar nicht aus und freue mich über jeden Tip!

    In meiner momentanen Wohnung stört mich besonders der Hall und der stehende Bass. Das sollte irgendwie weg dann jetzt.

    Grüße, Bernd
     
  2. Moogulator

    Moogulator Admin

    Sparen kann man vorallem durch viel Selbstbau bei Absorbern und der ganzen Montage und so.
    Ansonsten muss es auch nicht immer Noppenzeugs sein. Aber viele Alternativen gibts nicht - Nur gibts ggf. hier und da Leute, die an so Krams rankommen. Hier und da sind auch Möbel und geschickte Normalsachen hinstellen billiger als Studiobautenzeugs. Und die Absorber / Diffusoren - Da kann man auch eine größere Quadartische Form an der richtigen Stelle platzieren und nicht den ganzen Raum verschaumstoffen.

    Bassfalle auch nach Bedarf.
     
  3. Anonymous

    Anonymous Guest

    Die akustische Wirkung der nicht untypischen "Noppenschaumtapete" kann man durchaus mit einem Vorhang aus dickerem Stoff vergleichen.
    Die hörbare Wirkung basiert vor allem darauf die fast metallisch klingenden Klatschechos weg zu bekommen - das klingen zwar auch echt Scheiße und es fällt gut auf wenn sie weg sind - aber es ist gar kein Problem sie weg zu bekommen, da kann man auch eine alte Bettdecke an die Wand tackern.
    Für (auch) den (unteren) Mitteltonbereich müssen die Absorber dicker sein. (so ab 10cm mit 10cm Wandabstand)
    Alles dünn Tapezieren ist akustisch Mist - besser dickere Absorber auf kleiner Fläche.
    Der Raum soll nicht tot werden, sondern neutral. Zerklüftete Flächen (Einrichtung) = gestreuter Schall = gut
    Die Decke ist eine der größten "kahlen Flächen".

    Die diversen Absorbermaterialien unterscheiden sich in ihrer Wirkung kaum, insbesondere ist Dicke durch nichts zu ersetzen, vor allem nicht durch Wundermaterial.
    (Man kann mit Materialkombis und Lochplatten schon etwas "zaubern" - die Absorber kommen dann weiter runter, absorbieren aber weniger vollständig = man braucht mehr Absorberfläche. Bekannt sind sicher diese "Lochdecken"="Akustikdecken", da erzielt eine 50cm abgehängte Decke mit einer 50mm Lage Steinwolle drauf durchaus auch noch in der 125Hz Oktave noch Absorption. )

    Das billigste Absorbermaterial ist Mineralwolle - die Faserparanioa sitzt da allerdings tief, auch wenn das bei der baubioligischen Bewertung von dem Zeug m.E. nicht das Problem ist. Wie fast alle Materialien sollte man es in Folie einpacken, dann staubt da nix raus. (Holzfasern sind wohl tatsächlich nicht so gesund, das Flachs & das Hanf-Zeugs staubt deutlich weniger ...)
     
  4. Wiggum

    Wiggum -

    Von Steinwolle etc. würde ich abraten... Nicht unbedingt gesund... Hanf und Flachs sind wesentlich besser, aber auch teurer...

    Bei mir haben bei Flatterechos und anderen Höhenproblemen einfache Holzrahmen bespannt mit dickem Molton schon sehr geholfen... Natürlich nicht alle Wände damit auskleiden sondern nur einzelne Absorber... Wenn man sich 'nen bischen Mühe gibt sieht das auch richtig schick aus... Alternativ sind dicke Moltonvorhänge auch gut...

    Bassabsorber bzw. Bassfallen... da muss man sich ein wenig mit Schaumstoffen auseinandersetzen, dann kann man da auch sehr billig sehr große Zuschnitte mit guten Eigenschaften bekommen. Wir haben bei uns zwei große Schaumstoffdreiecke, 3,5m hoch, in den hinteren Zimmerecken stehen... Viiieeelll definierterer Bass.

    Schaumstoffnoppentapete... neee... hab' noch keinen Raum gehört der wirklich gut mit dem Mist geklungen hat... Macht einfach tot...
     
  5. Moogulator

    Moogulator Admin

    Oh ja, Glas/Steinwolle ist schon Richtung "Nanopartikel" und nichts für die bloße Hand und Lunge.
     
  6. Anonymous

    Anonymous Guest

    Kannst du das auch begründen oder ist das nur der naive Glaube, das Fasern generell böse sind, weil Asbestfasern ja so besonders böse sind und Mineralwollefasern deswegen mindestens halb böse sein müssen? Ich finde das übrigens völlig ok, wenn man einfach keinen Bock auf das Zeug hat, weil es einem Suspekt ist. Aber das muss man doch nicht mit falschen Begründungen rationalisieren.

    Bassabsorber in den Ecken sind ein beliebtes Mem, allerdings wirken poröse Absorber ( = alle Faser und Schaum-Teile) dadurch, das sie die Geschwindigkeit der Luftteilchen bremsen. Dazu muss die Luft sich bewegen - und die Wand etabliert da nun mal die "Randbedingung" Stillstand. In einer Ecke haben Absorber daher immer einen maximalen Anteil des teuer bezahlten Volumens an möglichst wirkungslosen Stellen.

    Wir hören übrigens den Schalldruck, der Absorber absorbiert aber Schallschnelle. Bei einer stehenden Welle sind die Druckknoten da, wo die Schnellemaxima sind, das ist da wo man nix hört. Und die Druckmaxima sind da, wo die Schnellknoten sind, die Wand ist erzwungenermassen immer ein Schnellknoten, und hat daher das Druckmaximum. In der Ecke dröhnt es besonders, aber die Luft steht still, der Absorber hat nix zu bremsen.
    Unerwarteter Effekt: ein poröser Absorber wirkt also an der Stelle wo man die stehende Welle nicht hört besser als da, wo man sie hört.

    Wenn man erfolgreich absorbiert steht die Welle übrigens nicht mehr, es wird dann Wirkleistung in den Absorber transportiert und Druck und Schnelle sind in Phase (und "laufen durch", d.h. das Audiosignal versackt 1:1, so wie abgestrahlt, im Absorber).


    (Schnelle=Teilchenbewegung, die hat eine Richtung. Lateral an der Wand lang gibt daher Schnelle und in einem diffusen Schallfeld (ungedämmter Raum) fällt der Schall auch beliebig schräg ein. Daher haben die Messungen mit Absorbern in der Hallkammer, bei denen immer nur ein kleiner Teil mit Absorber ausgelegt wird, eine erstaunlich tiefe untere Eckfrequenz, über den Daumen Wellenlänge=Absorberdicke * 16. Im ebenen Wellenfeld ist das eher bei Wellenlänge =Absorberdicke/8. Je gedämmter das Studio desto weniger Diffus ist der Schall.
    Druck=wie doll ist die Luft zusammengequetscht. Der hat keine Richtung. Wohl aber einen Gradienten, das ist der Unterschied zu den benachbarten Schalldrücken. Richtmikros sind Druckgradientenempfänger, Ohr und Kugelmikro reine Druckempfänger. )
     
  7. deeptune

    deeptune aktiviert

    Dein Hauptproblem bei dem Raum wird sein, dass er klein und näherungsweise kubisch ist. Den resultierenden stehenden Wellen im niederfrequenten Bereich wirst du kaum bei kommen, ohne größeren Aufwand :?
    Hier ein paar weiterführende links zum Thema, teilweise mit kostengünstigen, aber effektiven DIYs für den hoch- bis mittelfrequenten Bereich:

    http://www.ethanwiner.com/acoustics.html
    http://www.johnlsayers.com/HR/index1.htm
    http://www.realtraps.com/products.htm

    interessanter Thread zum Thema im Logic-forum:
    http://www.logicuser.de/forum/viewtopic.php?f=26&t=20560

    viel Erfolg
    T.
     
  8. fab

    fab -

    ein schräg gestellter absorber tut es natürlich auch, die ecke auszufüllen wird ja meist empfohlen, wenn die leute fluffige glaswolle verwenden - die ist eh billig.

    die baubiologische begründung für die hamrlosigkeit der mineralfasern ist mir in der tat nicht so sympathisch: sie sind nicht so schlimm, denn die husten wir halt schon irgendwann wieder aus oder zersetzen sie halt. hm. klingt so schön wie der fakt, dass man in seinem leben hunderte von spinnen im schlaf verschluckt.

    danke für die übrigen erläuterungen - du solltest dazu mal einen artikel verfassen :)
     
  9. hey leute,

    danke für die vielen antworten!!! ist schon mal ein prima anfang. werde jetzt erst mal den raum beziehen und meinen ganzen kram reistellen und gucken was dann wirklich passiert. ich hab eh noch ne menge vorhänge aus meiner alten wohnung die meine liebste zu hässlich fand :gay:
    für die ecken werde ich mir was schönes basteln.

    was macht man am besten mit der decke?

    grüße
     
  10. ...Eierpappen (Rechteckige Verpackung für lose Eier, ca. 30x30 cm groß und schöne Eierbechernoppen) ankleben. Kosten fast nix und sind leicht.

    Gruß
    Andreas
     
  11. Die Arbeit kannste Dir sparen, denn Eierkartons bringen rein gar nichts - jedenfalls nicht in den Problemzonen.
    Besorge Dir FLEX CL - das ist ungefährlich bzw. bedenkenloser als Mineralwolle und nimmt sich preislich
    auch nicht so viel. Dann aus dem Baumarkt einige Bretter zusägen lassen, zu Rahmen verleimen und mit
    Stoff bespannen - das schaut dann wenigstens nach etwas aus und bringt auch einiges.
     
  12. Horbach

    Horbach current GAS level: 21%

    Wir hatten dasselbe Problem, kubischer Raum, 70m2, Endloshall mit dem Betonwänden.
    Wir haben dann eine Matrix aus Dachlatten an die Wand geschraubt, so ca. 1m Abstand horizontal und vertikal. Im Baumarkt gabs dünne Faserplatten, ziemlich günstig. Die haben wir dann in unregelmässigen Mustern an die Matrix geschraubt, und den Zwischenraum mit Isover-Glaswollkissen aufgefüllt. Ca. 1/3 - 1/2 der Wand ist nun so bedeckt. Auf die blanken Wände kamen dann teilweise Teppichreste. Die Decke haben wir der Einfachheit halber nicht behandelt, dafür aber viel Teppich am Boden. In einer Ecke steht noch eine alte Matratze.

    So klingt der Raum mit <100€ Material und 2-3 langen Montage-Abenden ziemlich natürlich. So wie zuhause im Wohnzimmer. Im alten Studio hatten wir vorwiegend schweren Pyramidenschaumstoff an der Wand. Das klang ziemlich muffig/grottig.

    Ich hab mich etwas in das Thema eingelesen und bin zum Schluss gekommen, wenn man seinen Raum mit simplen Mitteln akkustisch aufwerten will, muss man sich gegen die verschidenen Frequnzen 'verteidigen': Matratzen zB. gegen Bass, gedämpfte Faserplatten gegen die Mitten und Teppiche gegen Höhen. Den Hall möglichst gut 'zerhacken' und verteilen, indem man die Dämpfelemente unregelmässig an die Wand montiert. So minimiert man den Halleffekt paraleller Betonflächen, sowie stehende Wellen, wenn man nicht die ganze Wand zukleistern möchte. Gut sind auch Diffusoren, an deren Kanten die Schalwellen gebrochen werden und in verschiedene Richtungen verteilt werden. Das erledigen bei uns die Matrix mit den Panelen, sowie verschiedene Möbel und Musikinstrumente.

    Gegen Bässe ist man eigentlich ziemlich machtlos, wenn man nicht schweres und entsprechend teures Geschütz auffährt. Da helfen weder schwere Vorhänge noch Schaumgummi und schon gar keine Eierpappen.
     
  13. C0r€

    C0r€ -

    wenn man nur eine wand vollstaendig behandelt, also dort resonatoren und hochtondaempfer aufstellt ist das kontraproduktiv, wie ich festgestellt habe, dann gibt es ganz boese flatterechos zwischen den unbehandelten Waenden. Also am besten bei allen Waenden etwas tun bzw. die Symmetrie verringern, Schraegen sind da recht gut. Einen Schrank schraeg in die Ecke stellen kann besser sein als gerade an die Wand. Und die ganze Wand mit Regalen zugestellt ist nicht so gut wie nur teilweise. Muss man ausprobieren. Ich teste das mit Fingerschnippen, da findet man schnell boese hochtonige echos. Ein Knackfrosch macht nichts anderes. Bei Baessen wird es komplizierter, vor allem auch die Massnahmen da etwas zu verbessern.
     

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