Unästhetische Lötstellen

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von Cyborg, 25. März 2015.

  1. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Hallo,
    es klingt vielleicht schräg aber seit mein alter Lötzinn-Vorrat zur Neige geht und ich politisch korrektes EU-ROHS-DIN-WEISS-DER-KUCKUCK-Lötzinn (Ag 3,5 / Sn 95,8 / Cu 0,7) verwende, macht das löten keinen Spaß mehr.
    Während der Ausbildung und auch später bei der Post (Telekom) gehörte es zur Ehre, dass Löstellen einen leichten Glanz hatten. Millionen Lötstellen später, also dieser Tage, werden sie beim abkühlen stumpf und silbrig-grau.
    Dazu kommt noch ein anderer Effekt: Während ich mit dem "alten" Zinn (LSN65) eine Lötstelle noch mal ohne neue Gabe von Lötzinn nachlöten konnte und die dann trotzdem wieder glatt und glänzend abkühlte, geht das mit dem "EU-Zinn" nicht mehr gut. Die Lötstellen sehen wie geklebt und rau aus. Nix mehr mit mal eben nachlöten sondern Lötzinn entfernen , neues drauf. Vieeel Arbeitsaufwand und ein SCH"&%§ Ergebnis.
    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder inzwischen ein gutes Lötzinn entdeckt? (noch anders gefragt: Bekommt man noch irgendwo bleihaltiges Lötzinn?
     
  2. Dorimar

    Dorimar aktiviert

    Ich benutze Stannol Sn40Pb60, hab ich vor ca. 1 Monat gekauft, damit komm ich als Laie sehr gut zurecht, das "Bleifreie" das irgendwann mal bei meiner Lötstation dabei war konnte man wirklich in die Tonne treten. Ähnliche Problematik wie bei dir.
    Ich löte aber sehr wenig und bin da alles andere als erfahren.
     
  3. swissdoc

    swissdoc back on duty

    Bleihaltiges Lötzinn ist weiterhin im Handel und für Handlötungen auch noch statthaft, wenn ich das hier an anderer Stelle korrekt mitbekommen habe.
     
  4. tholan

    tholan -

    Ich nutze seit jeher pb/sn 60/40, mitunter mit cu-Anteil.
    Diese Regelung gibt es seit 2006, aber den privaten Lötkolben muß das nicht stören.
    Conrad z.B. bietet immer noch mehr bleihaltiges Weichlot als bleifreies.
    Du darfst halt nur keine bleihaltige Eigenkonstruktion mehr ohne Ausnahmegenemigung
    auf dem Markt anbieten.
     
  5. ich habe letztes Jahr mehr als 2kg bleihaltiges Lötzinn (FSW26-FSW32) von Stannol und Fender verlötet,
    bei großen Lötstellen wie beim TTSH die Buchsen nehme ich bleifreies mit Silber 3,5% und Kupfer 0,5-0,7%, hat den Vorteil es harzt/spritzt nicht so stark und die Lötstellen und pcb sind sauberer.
    Wichtig hierbei die Temperatur, diese liegt bei meiner Löststationen/Spitze Kombination 10grad höher, hier sollte man mal etwas ausprobieren.

    als Test hatte ich mal einen TTSh komplett RoHS konform gemacht, Ergebnis: 10€ Mehrausgaben für Lötzinn, ca. 2Std. länger gelötet
    Bei Reparaturen von alten Synthies (vor 2006) etc. sowieso nur mit Blei !

    p.s: pcb waschen sowieso (ohne trimmer usw.)

    mein Tip: ruhig mal andere Temperaturen und anderes Lötzinn probieren, die Lötspitze vor dem ausschalten der Lötstation NICHT reinigen, erst beim einschalten wieder (Korrosionsschutz)
     
  6. Bleifrei ist Bäh.... :) :doof:

    Eigene Erfahrung:
    • klebt immer, auch bei guten Lötkolben und richtiger vom Hersteller empfohlener Themeratur (auch unsere Profis hier in der Firma sind da nicht sehr begeistert davon, nur die müssen)
    • Sieht schlecht aus, da hilft auch kein reinigen.
    • Die Dämpfe sind NOCH gifiger als bei bleihaltigem Lötzinn. Flußsäure Dampf gegen Kolophonium Dampf

    IMHO: Für Eigenbauten gibt es einfach keine wirkliche Alternative zu bleihaltigem Material. Außer, außer klar - das extrem silberhaltige und daher extrem teure Zeugs, das auf Meetings immer schnell Füße bekommt. Aber auch das lötet sich nur gut mit neuen Spitzen und sauber geregelter Lötststation.

    Bei uns klagen sie vor allem, das auch die Lötspitzen viel schneller verschleissen. Das liegt aber wohl daran das die Mitarbeiter die Spitzen deutlich öfter abstreifen und damit die Beschichtungen zerstören. (Aussage unseres Werkstattleiters).

    Ach ja, es ist natürlich noch Legal. Nur für Industriproduktionen ist das ein anderes Thema. Grob ist das z.B. hier erläutert: http://de.wikipedia.org/wiki/RoHS-Richtlinien#Umsetzung
     
  7. Vergiss es, hatte ein Horrorwochenende mit einer A-100 Bus Platine, einer Rolle Stanol bleifrei und einer neuen Ersa Lötstation.

    Es sollten nur 4 Stk. Stiftleisten erneuert werden. Eine Arbeit von ca. 1-2 Stunden. 2 Tage später war es mit Bleilot nach kurzer Zeit geschafft. Zum Glück bin ich nur auf dem Lötzinn sitzengeblieben und hab die Erfahrungen meines Lebens gesammelt.

    Denke mir immer, das sich die Leute beim Bleigießen zu Sylvester mehr vergiften als mit dem Löten das Jahr über. :mrgreen:
     
  8. wer bleifreies Lot abgeben will, bitte pm ;-)
     
  9. Kann ähnliches berichten: keine wirklich guten Ergebnisse mit bleifreien Lot.
     
  10. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Grumble...muss ich eben neues "altes" bestellen. Scheiß-EU Wahnsinn
     
  11. :) NÖ, die Amerikaner und die Japaner habe eine ähnliche Regelung. So schlimm ist die RoHs nun wirklich nicht. Zumal die Amateure ja weiterhin bleihaltig arbeiten dürfen, das war ja noch nie "verboten".
     
  12. m1rk0

    m1rk0 -

    So eine "bleifrei"-Phase hatte ich auch mal, der Umwelt und meiner Gesundheit zuliebe, wie ich dachte. Und weil High-End-Audio manchmal mit "Silberlot" beworben wird :lol:. Nach frustrierenden Ergebnissen habe ich dann auf mikrocontoller.net gelesen, dass auch einige Profis dort das nur machen, wenn sie es beruflich müssen und privat weiterhin bleihaltiges verwenden. Seitdem tue ich mir das auch nicht mehr an, es macht einfach keinen Spaß.

    Mirko
     
  13. ich musste auch mal dieses bleifreie lot benutzen weil mein gutes grad alle war :?
    mir viel dabei auf :
    1.
    das zeuch lässt sich echt mies verlöten, die lötstelle muss -total clean- sein
    2
    nach dem löten ist die oberfläche porös und bietet wenig schutz gegen korrision ( keine oberflächenversigelung )
    3.
    lötstelle sah aus wie schlecht verlötet ( schlimmer als wie beim anfänger ) und macht keinen vertrauenswürdigen eindruck
    4.
    lötstelle ließ sich nicht nachlöten ( wie cyborg schon schrieb )
    5.
    bei höheren temperaturen ( um eine glatte oberfläche zu erreichen ) wurde es nur noch schlechter
    6.
    das lot wird sehr , wie soll ich sagen , dünnflüssig und bringt kein gewicht zum verlaufen auf der lötstelle mit, womit die kapillarkräfte
    große wirkung haben und somit viel von dem lot an der lötspitze vom kolben kleben blieb oder nasen auf der lötstelle verursachten.
    7.
    das lot verhält sich ähnlich als wenn man versucht mit einem hartlot-brenner aluminium zum verschweißen... erst passiert nix und auf einmal wird das metall wie wasser... ( kleiner arbeitstemperaturbereich ) und erkaltet danach sofort...


    ich hatte mein synth damals zwar schon wieder zusammengeschraubt gehabt aber die lötstelle hat mich dann so genervt :mad: das ich den wieder demontiert hab um die lötstelle mit vernünftigen lot zu versehen...

    ich kann nur davon -abraten- das bleifreie lot zu verwenden...damit kann man nicht vernünftig arbeiten :motz:
    mir kommt das zeuch hier nich mehr ins haus :plonk:

    :nihao:
     
  14. Ganz so dramatisch wie hier geschildert ist das belifreie Handlöten nicht. Die Lötstellen dürfen auch nicht so aussehen, wie von Polygirl beschrieben. Was man nicht bekommt, sind die glänzenden Lötstellen, wie mit bleihaltigem Lot. Die Zeiten sind vorbei. Allerdings darf die Oberfläche niemals porös oder brüchig aussehen.
    Unabdingbar ist eine gescheite Lötstation, die die höheren Temperaturen zuverlässig liefert und entsprechende Lötspitzen, die diese Temperaturen abkönnen. Ich kenne aus dem beruflichem Umfeld nur die JBC und Hakko-Stationen, damit kann man problemlos arbeiten. Leider sind die Preise weniger hobbyfeundlich. Und trotz automatischer Abregelung (JBC-Reihe) ist der Verschleiss der Lötpsitzen deutlich höher, als früher beim bleihaltigem Löten.
    Insofern ist es dann doch kaum überlegenswert, privat im Hobbybereich bleifrei löten zu wollen.
     
  15. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Ha, die Rettung vor dem stumpfgrauen Lötsinn! Ich wusste doch, irgendwo...... Ich habe noch eine gut halbvolle Spule (also etwa 500gr) vom guten "Deutsche Bundespost" Lötzinn gefunden. Das läuft wunderbar auch wenn das "neue" etwas schneller ist... Meine inzwischen sicher 40 Jahre alte Weller-Lötstation hat bestimmt schon 2 Kilo davon verarbeitet und unter anderem einen Apple ][ Computer-Bausatz erfolgreich zusammenbraten dürfen.... Die nächsten Monate sind erst mal gerettet ;-)
     
  16. Du suchst wirklich bleihaltiges Lötzinn?
    Kannst du in Massen von mir haben. ABER: bleihaltiges Lötzinn hat den Nachteil, dass es sogenannte whiskers bildet und kann daher bei den heutzutage gängigen Pinabständen (Smd) für Kurzschlüsse sorgen. Ich verwende daher lieber bleifreies Stanniol.
     
  17. Anonymous

    Anonymous Guest


    zitat wiki :

    In sicherheitskritischen Anwendungen der Elektronik, beispielsweise ABS- oder ESP-Systemen bei Kraftfahrzeugen, werden wegen der mangelnden Langzeitstabilität weiterhin bleihaltige Lote verwendet, da bisher nur dadurch die Whisker-Bildung verhindert werden kann.
     

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