Vintage Synths und die Zuverlässigkeit alter Chips

Dieses Thema im Forum "Polyphon" wurde erstellt von Rallef, 23. November 2015.

  1. Rallef

    Rallef .

    Hallo Forum,

    In letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass in meinen Vintage Synths mehr und mehr alte CMOS- und TTL-ICs versagen.
    Solange die Ausfälle auf Standard-Chips reduziert bleiben, macht mir die Ersatzteil-Situation keine Sorgen, allerdings scheinen mir die Ausfälle in letzter Zeit gehäuft aufzutreten, letzte Woche habe ich erst wieder einen 4051 Multiplexer in meinem Prophet 5 ausgetauscht.

    Ist das derzeit einfach Zufall, dass ich gefühlt einen Synth repariert habe und dann der nächste zickt, oder beobachten dass andere Vintage-Synth-Liebhaber auch? Ich rede hier nur von Chip-Themen, nicht von Mechanik, Display, knisternden Potis etc.
    Würdet ihr dann doch den vorbeugenden Austausch sämtlicher Logik-ICs auf einen Schlag empfehlen? Bisher habe ich davor zurückgeschreckt wegen Aufwand und Risiko. Wenn ja, was sind denn bekannte Chip-Kandidaten für proaktiven Tausch?

    Vielleicht muss ich da halt doch einmal die Zeit investieren und habe danach wieder Zeit zum musizieren statt zum löten. :)

    Viele Grüße
    Rallef
     
  2. swissdoc

    swissdoc back on duty

    Im Netzteil ergibt ein Tausch auf Verdacht ja noch einen Sinn, aber wenn ein Logik-Chip stirbt, so reisst er ja den Rest nicht gleich mit ins Grab. Wozu also alles tauschen, oder lötest Du so gerne?
     
  3. Rolo

    Rolo sinewavesurfer

    Hi ,
    ist es also sinnvoll Kondensatoren vom internen Stromnetz vorsorglich auszutauschen?Ich habe mal gelesen daß es bei Ausfällen Cpu zerstören kann?
    Ich dachte u.a. bei meinem Vx90 daran.Der hat jetzt schon über 25 Jahre auf dem Buckel.Letztens hat er sich mal verabschiedet mit einem Dauerbrummen da bekam
    ich Schweißperlen auf der Stirn.Als ich ihn dann später wieder einschaltete lief er wieder ganz normal.Ich hatte bei dem vor Jahren schonmal ne kalte Lötstelle ausfindig gemacht als
    plötzlich gar nichts mehr ging.Da verfolgte ich bei vom Netz getrenntem Gerät einfach nur den Durchgang vom Netz aus und an einer Stelle war kein Durchgang mehr.
    Ich will damit nur sagen daß der Gute schon etwas gebrechlich ist ;-)
     
  4. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Alte CMOS sterben gerne nach 25, 30 Jahren-- das hat mir mein Techniker auch bestätigt. Liegt wohl daran, daß sie viel empfindlicher gegen Einflüsse von Außen sind (z. B. statische Aufladungen, hohe Temperaturen etc.) und seinerzeit die Standards bei der Herstellung von ICs noch nicht so weit waren wie heute. Selbiges läßt sich über TTLs sagen -- sind halt Massenverbrauchsgut wie Elkos, Tantals, Opamps etc.

    Was die Spezial-ICs angeht, also z. B. Curtis oder SSM, so kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß sie meistens als zweite in der Reihe starben, d. h., wenn irgendwo ein Bauteil in der Spannungsversorgung Unfug machte, schlug sich das früher oder später auch auf z. B. einen CEM3340 oder 3320 nieder. Die mögen falsche Betriebsspannungen einfach nicht. In den letzten 15 Jahren sind mir ein 3340 und zwei 3320 gestorben sowie ein 3310 (*klopft auf Holz*), Logik-ICs und andere Bauteile dafür im Dutzend.

    Frühe SSMs wie im Prophet 5 Rev. 1/2 kommen mir nicht ins Haus -- die waren von vorneherein unzureichend konzipiert, was z. B. thermische Belastbarkeit anging, und ich glaube auch nicht, daß sie ausgereift genug waren für die Massenproduktion. Die waren halt Schnellschüsse, die schnell durch die nächste Generation ICs ersetzt werden sollten.

    Stephen