Welcher Synth ist das (Klaus Schulze live 77)?

Dieses Thema im Forum "Sound / Tutorials" wurde erstellt von ASJ, 8. Januar 2015.

  1. ASJ

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    Welcher Synth macht da die Sequenz (die da ab 0.30 von mümpfelig immer klarer wird)? Ist das der große Moog oder was anderes? Habe auch etwas Schwierigkeit rauszuhören, was das für einen Wellenform ist (ich vermute Dreieck, oder?). Oder sinds gar zwei Sequenzen (eine basslastiger und die heller klingende)?
    :-|
     
  2. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Ein Link wäre hilfreich -- ich nehme aber mal an, Du meinst dieses WDR-Dingen "For Barry Graves"?

    Ich gehe mal davon aus, daß der Klausi sein PPG-300-System dafür verwendet hat. Wäre die typische Vorgehensweise für diese Zeit.

    Stephen
     
  3. ASJ

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    :selfhammer: Was bin ich für ein Trottel...

    Ja ich meine den Auschnitt vom WDR-Konzert 1977


    src: https://youtu.be/BUCYq2qLxJc
     
  4. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Klingt so, wie ich das PPG 300 in Erinnerung habe.

    Ob er das allerdings damit gemacht hat, weiß ich nicht. Ich war nicht dabei.

    Stephen
     
  5. Für mich klingt die Sequenz nach BigMoog:

    1976
    As above, plus Moog Synthesizer IIIp & Sequencer Complement B portable (these 4 parts are 'The Big Moog'), Mellotron, two Farfisa Syntorchestras, AKG BX 15 reverb, early PPG

    1977/78
    As above, plus larger mixer and various other keyboards: Minimoogs, Polymoog, Yamaha CS 80, Korg PS 3300, Korg as well as Sennheiser vocoders, AKG BX 20 reverb, Dynacord DRS 78 reverb and echo, TAM 19 flanger
     
  6. Pepe

    Pepe aktiviert

    Eine ernstgemeinte Frage, liebe Freunde, da ich mich noch nie eingehend mit Klaus Schulze befasst habe:

    Dieses Stück, was hier verlinkt wurde - ist das eher eines der stärkeren Stücke (oder gar Höhepunkte) von Klaus Schulze oder eher mittelmäßig oder eigentlich gar nicht so toll?
    Wie sollte ich das als Außenstehender idealerweise finden? :guckstdu:
     
  7. SvenSyn

    SvenSyn aktiviert


    Man kann dir doch nich sagen, wie du was zu finden hast! :opa:

    Aber ich persönlich, als Schulze-Freund, finde das Stück ganz gut...
     
  8. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Ich sag's mal so: Gemessen an dem, was später folgte, ist das hier wirklich brilliant -- obwohl ich heute gar nicht mehr soviel dröhnen kann, wie ich müßte, um auf dieses ebenso end- wie ziellose Gedudel noch abfahren zu können.

    Schulze hatte damals die Lizenz zum Dudeln. Das fanden dann alle gut.

    "Early PPG" dürfte das 300 sein -- der 1020 und der 350 kamen erst zur Mirage dazu. Es klingt sowieso, als ob da noch ein Backing liefe -- am Anfang höre ich Mellotron-Chöre, aber ich sehe keins (und dem Zustand des Mk. 5 nach zu urteilen, hatte Schulze dieses Ding nie außerhalb des Studios verwendet -- es sah im Prinzip wie neu aus).

    Stephen
     
  9. Pepe

    Pepe aktiviert

    Danke für eure Statements.
    Ich habe deswegen so vorsichtig nachgefragt, weil ich den gleichen Eindruck von dem Stück hatte. KS und ich werden dann wohl eher keine innigen Freunde, wie schon JMJ. ;-)
     
  10. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Bloß aufpassen, daß die Schulze-Adepten nicht die Kraftwerk-Keule zu schwingen anfangen :agent: ... potentielle Totem-Anpiss-Gefahr.

    Stephen
     
  11. Xpander-Kumpel

    Xpander-Kumpel engagiert

    ...geilo!
    In den ersten Sequenzen sieht man neben der Hauptastatur rechts ein Eventide Space ohne Licht, wo KS draufsteht :kaffee: ...
     
  12. Gebt diesem Parsick doch endlich mal einen Orden. Oder eine Kolumne. Oder jede Menge Kohle.
     
  13. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Nö, er polarisierte ziemlich, hatte eiserne Fans und die anderen hassten ihn fast. Wenn es eine Skala von +10 bis -10 gäbe, würde ich meine Bewundereung für ihn bei -5 anlegen. Das war schjon immer so.
    Dieses melodielose Gedudel ist genauso typisch "Schulze" wie völlig zufällige und oft unpassende Tonartwechsel. Sowas ist nur noch von, in die Tasten geklemmten Kippen zu toppen (naja, damit die Sequenzen nicht driften) Diese Meinung vertrat ich auch schon von Anfang an. Auch wenns eingebildet klingt: Wir hatten früher oft nach schönen Improvisationen sowas gesagt wie: das, was TD kann, können wir auch und besser als Schulze kanns jeder der sich traut
     
  14. ASJ

    ASJ aktiviert

    A propos Sequencen: Wurde damals (in der guten alten Zeit, sagen wir mal bis Anfang 80) nur mit 8-Step-Sequencern gearbeitet (egal ob jetzt Schulze oder TD) oder auch schon mit mehr Steps? In den spärlichen Videos die man auf YT findet, blinken da immer nur 8 Lämpchen.
     
  15. SvenSyn

    SvenSyn aktiviert

    Es gab mMn 8-Step-Sequencer wie Moog und PPG, aber auch 16-step wie ARP und Synthanorma. Roland System 700 hatte 10 Steps.
     
  16. ASJ

    ASJ aktiviert

    Ok danke Sven :)


    Habt ihr (wer sich auch immer dahinter verbergen mag) das auch dann veröffentlicht/vermarktet/einem Publikum zugänglich gemacht? Gibts da Hörproben?
     
  17. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    :sad:
    Der 717A aus dem Roland 700 hat 12 Steps, ebenso das Modell 104 aus dem System 100. Der PPG 313 hat acht Schritte, dafür aber die Möglichkeit, die Schritte zu rhythmisieren, sodaß nicht immer nur Achtel oder Sechzehntel durchorgeln (das konnte der 717A von Roland übrigens auch). Mit denen hat der Schulze ganz gerne Polyrhythmen erzeugt. Bei 02:26 sieht man, wie Schnulze mal eben aufsteht und oben die Sequenz umschaltet -- da oben auf dem IIIp das PPG 300 liegt (und die Moog 960 i. d. R. ganz rechts im Koffer aufgestellt sind), schließe ich auf PPG 300 für zumindest die hellen Sequenzerklangfarben. Um nicht ständig aufstehen zu müssen, wenn er mal die Filter aufziehen möchte, hat Schulze ja auch das riesige PPG Multifunktions-Kontrollkeyboard.

    Ab der Mirage hat Schulze dann auch den PPG 350 Computer Sequencer verwendet (ist sogar noch zu sehen auf irgendeinem Coverfoto, steht da so halb auf einem PS-3300), der nicht nur mehr Schritte digital speichern konnte, sondern auch die Möglichkeit bot, aufgezeichnete Sequenzen zu spiegeln, Arpeggios draus zu bauen, rückwärts laufen zu lassen, neu zu rhythmisieren -- eigentlich ein super Gerät, aber wie alle PPGs nur sehr begrenzt, wenn überhaupt, einsetzbar, weil unzuverlässig. Lustigerweise steht mein alter 350 heute neben dem IIIp von Schnulze.

    Robert Schröder hat seinerzeit in Ermangelung eines großen Budgets seinen eigenen Synthesiser mit Digitalsequencer gebaut, das Aix-La-Chapelle-System. Wäre vielleicht mal was für's Synthesizermagazin.

    Sarkasmus liegt nicht jedem (Entschuldigung), aber Lutz bringt das auf den Punkt, was ich durch Sarkasmus anzudeuten versuchte.

    Danke.

    Ich nehme Bargeld, bitte. Oder Synthesiser als Naturalien.

    Stephen
     
  18. SvenSyn

    SvenSyn aktiviert

    Klar -Roland 700 hatte 12 Steps! Sorry, mein Fehler :selfhammer:

    Bernd Kistenmacher nutzte ja so ein System.

    Ich hatte bei der Synthesizer-Ausstellung in Aschersleben im Oktober die Gelegenheit, mal den PPG300-Sequencer zu sehen. Cooles Teil!

    Einen Hardware-Sequencer mit diesne Features - das wäre ja mal was als "Wiederauflage" :cool:
     
  19. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Wie schon geschrieben wurde, gab es einige Ausnahmen die auch mehr Schritte pro Kanal anboten. Dazu sollte man auch wissen, dass Sequenzen als Stilmittel bewusst kurz gehalten sind. Die deutlich erkennbaren Wiederholungen sind nicht etwa eine Schwäche sondern gewollt.
     
  20. Zotterl

    Zotterl Guest

    Wohlwollend und frei nach Karl Marx' Das Sein bestimmt das Bewusstsein könnte man auch
    behaupten, dass die technischen Möglichkeiten stark die Musik beeinflußten, gar steuerten.
     
  21. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Ja, das ist natürlich auch richtig. Bei den Sequenzen geht/ging es aber IMO wirklich vor allem um eine (hypnotische Wiederholung) und weder um eine Sequenz wie man sie in der Musiklehre lehrt noch um unübersichtlich lange "Ketten" bei denen man die Wiederholung kaum mehr bemerkt. Der Begriff "Midi-Sequenzer" für Programme wie Cubase und Co ist INO daher eigentlcih irreführend
     
  22. ASJ

    ASJ aktiviert

    Interessante Info, danke. Ich dachte immer, dass diese kurzen Sequencen eher durch den technischen Faktor limitiert waren. Umso mehr finde ich es erstaunlich, wie es dann die entsprechenden Künstler schafften (aus meiner subjektiven Sicht gesehen) ihre längeren Stücke relativ abwechslungsreich zu gestalten. Gerade diese hypnotische Wirkung dieser kurzen Sequencen ist es, die mich von Anfang an eingenommen hat. Das (um es mal mit Stephens Worten zu sagen ;-) ) "belanglose Gedudel" war für mich persönlich immer nebensächlich und verschwamm beim hören irgendwann und irgendwo mal im Hintergrund....getragen hat mich immer nur Sequenz und (falls vorhanden) Drums....

    Leider schaffe ich es selbst nicht, solche Sequencen aus eigenem zu kreieren bzw über längerem Zeitraum abwechslungsreich zu gestalten. :-x
     
  23. Anonymous

    Anonymous Guest

    Nicht der Begriff MIDI Sequencer ist irreführend, sondern das, was die meisten (der älteren) mit dem Begriff Sequencer und den Möglichkeiten (immer noch) verbinden.
    Technisch ist der Begriff MIDI Sequencer komplett in Ordnung.
     
  24. Anonymous

    Anonymous Guest

    Es hat schon etwas mit den technischen Grenzen zu tun, z.B. wieviele Schritte man nutzen kann. Aber es ist ja oft nicht die Sequenz allein gewesen, die Weiterbearbeitung derselben hat auch viel mit der Wirkung zu tun.
    Ein Beispiel ist die Transponierung: Du musst den richtigen Moment erwischen, um Dich und den Zuhörer auf eine andere Ebene zu heben.
    Ein gutes Beispiel dafür ist das Stück "Sense" von Klaus Schulze auf dem Live-Album von 1980.
    Ein weiteres Helferlein ist ein gut eingesetztes Delay, das die Räumlichkeit stark prägen kann.
    Subtile Veränderungen an Filter, Hüllkurve und VCA führen auch oft zu guten Ergebnissen.
    Ich kann Dir nur raten, immer wieder damit zu arbeiten und zu spielen, bis Du für Dich gängige Muster herausgefunden hast.
    Den Musikern damals ist das auch nicht in den Schoss gefallen.
     
  25. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Hier bin ich absolut bei Axel -- dieses Stück gehört mit zu den inspirierendsten und inspiriertesten Dudeleien, die Schulze je eingespielt hat. Aus der Interaktion mit Großkopf am Schlagzeug ergibt sich sowohl für die beteiligten Musiker, als auch für den Zuhörer eine klassische Abfahrt. Interessant ist, daß Schulze den Spannungsbogen so aufbaut, daß das Stück auch über beinahe 50 Minuten tragfähig bleibt (auch wenn ich die Langfassung nicht brauche).

    Und das Solo mit dem weißen Odyssey ist eines der allerbesten Synthesisersoli aller Zeiten (auf der "...live..."-CD ab ca. 19 Minuten).

    Stephen
     

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