Wer bestimmt eigentlich was Musik ist und was nicht ?

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von Anonymous, 22. August 2008.

  1. Anonymous

    Anonymous Guest

    Das wäre dann auch schon die wie ich finde recht simple Frage. Also wer bestimmt was eigentlich Musik ist ? Ich denke mir mal das der Einzige der dazu wirklich in der Lage ist das zu beurteilen der Musiker, Künstler/Komponist nur selbst kann und in besonderem wenn es um seine Werke, sein Schaffen geht. Was vielleicht auch daran liegen mag das jeder in der heutigen Zeit von ganz unterschiedlichen klanglichen und musikalischen Aspekten, Glitch, nur Soundtracks, also wie ich halt Drones und manch anderer halt von Modular Experimenten etc., emotional "getriggert" wird. Will sagen, wir haben für das was wir machen jeder für sich eine unterschiedliche Wahrnehmung und bewerten unser Schaffen demzufolge ganz individuell.

    Liege ich da falsch, oder bestimmt die Masse was Musik eigentlich ist und was eben nicht mehr ?

    Das war es auch schon. Eigentlich nur ein kleiner Gedankengang der mir da durch den Kopf ging, finde den aber ganz interessant und bin für mich bis jetzt noch nicht zu einer klaren Antwort gekommen, deshalb stelle ich das mal hier zu Diskussion.
     
  2. serenadi

    serenadi Tach

    Sehe ich auch so.

    Hör Dir mal die Alben "Atem" und "Zeit" von Tangerine Dream an. Das ist *grob* auch nicht viel anders.
    .
     
  3. x2mirko

    x2mirko :D

    Ich würde sagen, dass es nicht DIE Definition davon gibt, was Musik ist und was nicht und das deswegen ganz viele verschiedene Instanzen darüber entscheiden und jede eine eigene Definition hervorbringt.

    Du hast den Musiker selbst angesprochen. Also ein einzelnes Individuum. Darin unterscheidet sich dann der Musiker eigentlich überhaupt nicht von jedem anderen Individuum, denn jeder entscheidet für sich, was für ihn Musik ist.

    Du hast ja schon das Beispiel mit Modularexperimenten genannt, das es wirklich ganz genau trifft. Viele würden das nicht als Musik einstufen, einzelne aber schon.

    Und damit kommt man dann gleich zur nächsten Instanz: Der Masse. Ich denke schon, dass es so etwas wie eine allgemeine Basis im Verständnis von Musik gibt: Das die inzwischen doch mehrheitlich anerkannten Genres wie Pop, Rock, Schlager, Klassik und so weiter sowie sämtliche Musik, die sich diesen Genres zuordnen lässt von der Allgemeinheit als Musik anerkannt wird, ist denke ich klar. Und da werden sich auch höchstens ein paar Elitisten (Ist das das richtige Wort, keine Ahnung) gegen Sträuben. Wer behauptet denn, das Madonna z.B. keine Musik macht? (Ob gut oder schlecht, muss wieder jeder für sich entscheiden)

    Also gibt es einen Konsens, der aber nur gewisse Grenzen absteckt, die jeder für sich individuell erweitert, so wie sein Geschmack es zulässt. Soweit meine Sicht der Dinge.

    mfg,
    Mirko
     
  4. Anonymous

    Anonymous Guest

    Würde ich gerne machen, nur habe ich die nicht, und ich habe auch sonst nichts von TD, aber ich werde mal schauen ob ich nicht auf youtube fündig werde.
     
  5. Neo

    Neo bin angekommen

    Heute scheint die Definition so zu sein:"Jedes absichtlich herbeigeführte Geräusch ist Musik"

    Jeder der einen Lichtschalter betätigen kann fühlt sich ja auch als Synthesizerexperte und ein absichtlich herbeigeführter Furz ist nach der Definition Musik.

    Aber warum ist das für dich so wichtig ?
    Ich finde der Komponist bzw. Macher ist der der am wenigsten sagen kann ob das Musik ist oder nicht. Das überlasse ich dem Hörer und falls der sich die Frage überhaupt stellt, habe ich etwas falsch gemacht.

    Es gibt eine Menge an Musik die ich nicht mag, wo ich aber nie bestreiten würde das es Musik ist.
     
  6. Anonymous

    Anonymous Guest

    Musik ist alles wo die Leute entweder "Musik" oder 'für mich ist das keine Musik" zu sagen. (Das gibt dann in der Summe einen doch recht breiten Konsens :twisted: )
     
  7. Sicherlich sollte man auch den kulturellen Aspekt nicht unter den Tisch fallen lassen. Sicherlich, durch die Musikindustrien wurde die ganze Welt mit der westlichen Definition von Musik überzogen. Dennoch gibt es auch in anderen Kulturen noch traditionelle Musikformen, die hier eher als Krach oder unharmonisch abgelehnt werden würden. Musik ist das auch, nur eben anders, als es das hemische Musikverständnis lehrt.
     
  8. serenadi

    serenadi Tach

    Kann ich Dir leider nicht helfen, ich hab' die beiden Alben auch nicht.
    Für mich war das nämlich keine Musik. :harhar:

    Im Ernst: Der Musiker darf für sich entscheiden und der Hörer auch. Es gibt keine Normen.
    Die eigene Kreativität sollte man nicht von Normen abhängig machen.
    Es sei denn, man verfolgt damit einen bestimmten Zweck und *will* sich Normen unterwerfen.

    btw, die anderen TD-Alben weichen doch erheblich von den erstgenannten ab. "Rubicon" mag da noch streckenweise in Richtung "Drones" gehen (welches ich im übrigen gut finde).
    .
     
  9. Das gleiche könnte man auch über die Kunst sagen. Gerade moderne bzw. abstrakte Kunst regt ja doch sehr zu Diskussionen an. Und die Einstufung eines Malers, Bildhauers, usw. in "genial" oder "stümperhaft" durch Experten ist für den normalen Menschen auch nicht immer so ganz nachzuvollziehen.
     
  10. Anonymous

    Anonymous Guest

    http://de.wikipedia.org/wiki/Musik

    In dem Artikel finden sich ein paar Ansätze, denen ich zustimmen würde, beispielsweise, dass Musik dann Musik ist, wenn sie als solche vom Menschen gemacht wurde.
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ersmal :prost: hier, ist ja Wochenende und nein ich bin noch nicht breit, das dauert noch ein Paar Stunden und ihr werdet das dann hoffentlich nicht mitkriegen.

    Zurück zum Thema.
    Zum einen hatten wir damals im "Drone Diary" schon das Problem zu definieren was Drones eigentlich sind bzw. was die darstellen. Ich für meinen Teil sehe das immer noch nicht ganz klar definiert und frage mich halt ob es da nicht doch einen Bezug zu Musik gibt, zumindest was meine Drones betrifft. Und ja, ich habe mich vor kurzem eigentlich dazu durchgerungen das diese Teile oder auch Soundtracks eben doch keine Musik sind und nun sehe ich das wieder anders. Ich bin also zwiegespalten und suche nach einer klaren Definition bezüglich meines Schaffens. Ist für mich halt wichtig.
    Zum anderen fällt es mir sehr schwer in z.B. meinem Bekanntenkreis zu artikulieren was ich da eigentlich mache und was das soll. Man darf ja nicht vergessen das die meisten von dem was wir da allesamt so bewerkstelligen KEINEN Plan haben. Ich würde gern mit einfachen Worten und ohne einen Volkshochschulkurs daraus zu machen vermitteln können um was es da eigentlich geht. Verklicker das mal jemandem der von Synthese keine Ahnung hat. Ich weiß nicht wie ich das "so mal neben bei" vermitteln soll. DU must das ja nicht können, aber ICH würde das schon gerne können. Mein Problem ist halt auch das das was ich mache eben nicht nur Sound ist, sondern dort auch (teilweise zumindest) Akkorde drinstecken etc.. Ich finde halt keine klare Definition für das was ich da mache, ich bin ja auch Autodidakt, da ist das wohl noch viel schwerer. Ich möchte platt gesagt besser artikulieren können was ich da eigentlich mache. Das fällt mir einfach ungeheuer schwer da mir die nötige Bildung fehlt wie ich meine, auch wenn ich meinen Ohren nach alles richtig mache. Hoffe mal das reicht dir als Antwort warum das für mich jetzt wichtig ist.

    Da haben wir beide halt unterschiedliche Ansichten.
     
  12. moogist

    moogist bin angekommen

    Deine Frage könnte man ergänzen/erweitern um die Frage: Was ist Kunst?

    Antwort aus der Sicht der konstruktivistischen Philosophie: Viele Menschen einigen sich innerhalb ihrer sozialen Kommunikation für eine gewisse Zeit darauf, was genau Kunst/Musik ist. Die Zuerteilung des Prädikats "Kunst"/"Musik" ist demnach keine Erkenntnis-, sondern eine Entscheidungsfrage.

    Insofern hast Du schon Recht: Letztlich entscheidet die "Masse"...
     
  13. Wobei die Frage ist: entscheidet wirklich eine Masse / die Konsumenten darüber? Die Marktwirtschaft würde das wahrscheinlich bejahen, aber im Prinzip stimmt das ja eigentlich nicht, da ja alle im Handel erhältlichen Musikstücke bereits eine Vorfilterung durchlaufen haben.

    EDIT: Noch zur Ergänzung: Marktwirtschaft und sicherlich die Demokratie insgesamt gibt ja vor, den Kunden alleine entscheiden zu lassen. Im Gegensatz dazu: Diktaturen und alle Arten von Regimen brüsten sich ja geradezu damit, ihrem Volk die Entscheidung über Gut oder Schlecht abzunehmen. Ein Stichwort ist sicherlich "entartete Kunst". Gehört das hier auch dazu?: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,573181,00.html
     
  14. EinTon

    EinTon Tach

    Ich würde das in der Tat so sehen, allerdings würde ich sagen "Jedes in künstlerischer Absicht herbeigeführte Geräusch ist Musik". Meine Definition ist aber immer noch zu schwammig, da man das ganze so nicht von Kunstformen wie Hörspiel abtrennen kann.

    Ob das ganze auch schon "qualitativ hochstehende Musik" ist oder schlicht "dem Publikum gefällt" ist, ist eine andere Frage.
     
  15. Was ist denn "qualitativ hochstehende Musik"?
     
  16. EinTon

    EinTon Tach

    Das kannst Du eben objektiv nicht festlegen, ist letztendlich Meinungssache!
     
  17. Strelokk

    Strelokk Glitch Bitch

    Nun, die GEMA unterscheidet zwischen E- und U-Musik. Vielleicht kann man da ansetzen.
     
  18. EinTon

    EinTon Tach

    Ja, vielleicht... :roll:
     
  19. Halte ich für problematisch, weil auch hier wieder subjektive und aktuelle kulturelle Kriterien über die Einteilung bestimmen.

    Nimm mal die Musik von Mozart. War früher ja eher sowas wie ein Popstar. Heute wird er zur E-Musik gezählt. Siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/E-Musik
     
  20. Um mal zum Grundproblem von Illya zurückzukommen: ich glaube, dass es nicht möglich ist, jemanden mit einem ganz anderen musikalischen Horizont in wenigen Worten zu erklären, was man macht.

    Oder, um mal Hagbard Celine zu zitieren: Kommunikation ist nur unter Gleichen möglich.
     
  21. Anonymous

    Anonymous Guest

    @ Monolith2063

    Mein Problem mal von einer leicht anderen Perspektive aus betrachtet:

    Das Problem kenne wir doch eigentlich alle die mit Synths "fast" schon groß geworden sind, da kommt einer daher und schmeißt einem an dem Kopf, " Ey du drückst doch nur aufs Knöpfchen". Was für ein Idiot, hat keinen Plan von dem was wir so machen, aber...

    Ist mir zum Glück die letzten Jahre nicht mehr passiert, aber solche Leute muss man dann halt ignorieren können und auch das fällt mir schwer. Klar, Trottel die nicht mehr merken das sie sich mit ihrem Standpunkt, bzw. von ihrer Perspektive aus, schon einen Schritt über dem Abgrund befinden merken eh nichts mehr, aber das Problem bleibt leider bestehen. Vermittelt mal einem "normalen" Menschen was für ein Wissen nötig ist oder eben die Essenz dessen was wir machen in zehn Minuten oder einer halben Stunde. Das ist nicht drin. Wir vergessen glaube ich manchmal wie viel wir über die Jahre gelernt haben, das ist ja nicht in kurzen Zeiträumen zu erklären und rein verbal schon mal gar nicht, da man den Gegenüber ja auf ein ihm völlig unbekanntes Terrain mit nimmt. Das ist ohne längere Ausführungen am Gerät oder eben am Rechner nicht zu vermitteln. Und da sind wir noch nicht mal bei der Musik angelangt, das kommt ja erst nach dem Verständnis für die Technik.

    Egal, ich mache mir wohl zu sehr einen Kopf darum, aber schön wäre es für mich doch wenn ich zumindest Teilaspekte von dem was ich mache vermitteln könnte ohne gleich mit einem halbmodularen Synth in der Hosentasche auf ne Party gehen zu müssen, damit ich nicht selber wie ein totaler Idiot da stehe und auch anschaulich auf Fragen reagieren könnte. Ich hatte ja mal einen Thread aufgemacht der hieß glaube ich, "Wie hört eigentlich der Konsument". Muss den mal raussuchen und nochmal lesen. Mal sehen wir es hier weitergeht.

    So, der Kaffee ist durchgelaufen. *lechts*

    -- bearbeitet --
     
  22. XCenter

    XCenter Stimmungsmacher

    Niemand BESTIMMT was Musik ist und was nicht .
    Nicht ganz korrekt, bestimmen tun das viele.
    Diese Generalkompetenz hat aber niemand IMHO.
     
  23. Nun ja, das ist eben das Problem der Entwicklung der Menschheit, nämlich dass die persönlichen Horizonte der Menschen immer weiter auseinanderrücken.

    Je komplexer die Systeme werden, desto weniger kann sich der Einzelne über alles informieren. Er setzt Schwerpunkte und kennt andere Teile nur noch bruchteilhaft oder gar nicht mehr.

    Das Problem liegt dann in der Kommunikation, wenn einer in kurzen Worten einem anderen vermitteln will, was er z.B. beruflich macht. Meine Oma hat beispielsweise nie kapiert, was ich beruflich eigentlich mache. Für sie hat nur gezählt, dass ich in einer Bank arbeite. Natürlich war ihre Idee, was ich dort tue, völlig falsch, weil die eben aus einer sehr eingeschränkten Kundensicht heraus kam. Dass ich dort in der IT arbeite und meine Tätigkeit im Prinzip gar nichts mit dem Bankwesen an sich zu tun hat, das hat sie nie begriffen.

    Da liefen eben die persönlichen Erfahrungshorizonte und Wissen völlig auseinander und waren auch nicht mehr aufeinander abstimmbar.

    Bei der Musik ist es eben auch nicht so einfach. Sobald man Dinge erklären möchte, die aus dem normalen Schema herauslaufen, kann es recht kompliziert werden. Und das dann auch noch auf einer Party zu leisten, oh je...
     
  24. Anonymous

    Anonymous Guest

    Stimmt, na klar, du hast völlig Recht. Die Menge an Information die jeder verarbeiten "muss", bzw. abspeichern "müsste" ist ja stetig gewachsen und gerade die dem Großteil der Menschen zu Verfügung stehende Technologie mit der sich schon rein Zeitbedinngt nicht jeder befassen kann. Da hätte ich auch selber drauf kommen müssen, danke für den Hinweis.

    Es gab mal eine Zeit da wurde man nur gefragt, "Und was machst du so ?", wenn man dann gesagt hat, "Ich mache Musik", nahm das Gespräch meist einen normalen Verlauf man musste sich auch nicht wirklich erklären. Vielleicht habe ich mich aber auch über die Jahre verändert und latsche nun mit einer völlig verdrehten Wahrnehmung durch die Gegend, kann gut sein. Aber Heute heißt es aber fast sofort, "Aha Musik und womit verdienst du dein Geld ?". Ist ok für mich, ich entgegne dann meist, "Bist du vom Finazamt oder was ?". Aber das ist ein anderes Thema und schon derbe OT, ich schweife ab.

    Ich sehe schon, ich muss wohl oder übel von dem Trip "ich will allen erklären können was ich mache" runter kommen. Mal sehen, vielleicht kriege ich das ja hin. Habe wohl ne kleine Indentitätskriese. :?
     
  25. Strelokk

    Strelokk Glitch Bitch

    "Falsche Frage! Du hättest fragen müssen, wieviel ich verdiene!
    "Äähm ja, wieviel denn?"
    "Erst du!"
    Nun ja, ääähm, 3000.-."
    "Netto?"
    "Nee, brutto."
    "Wie süß, soviel zahl ich an Einkommenssteuer."

    Meist is das Gespräch dann beendet.
     
  26. Anonymous

    Anonymous Guest

    Der ist gut, den muss ich mir merken. Solche "Ausreden" sollten wir mal in einem separaten Thread sammeln, kann bestimmt nicht nur ich gut gebrauchen. :mrgreen:
     
  27. Anonymous

    Anonymous Guest

    Was Musik ist?

    Lässt sich in einem Satz darlegen:


    "Musik (von griech. μουσική [τέχνη] mousiké téchnē „musische [Kunst]“ über lat. musica) ist, im umfassendsten Sinn des Begriffs, die absichtsvolle Organisation von Schallereignissen. Ihr akustisches Material – Töne und Geräusche innerhalb des für den Menschen hörbaren Bereichs – das einerseits physikalischen Eigengesetzlichkeiten wie z. B. der Obertonreihe oder Zahlenverhältnissen unterliegt, andererseits durch die Art seiner Erzeugung mit der menschlichen Stimme, Musikinstrumenten, elektrischen Tongeneratoren oder anderen Schallquellen gewisse Charakteristika aufweist, wird sinnvoll geordnet. Aus dem Vorrat eines Tonsystems werden Skalen gebildet; deren Töne können in unterschiedlicher Laustärke und Klangfarbe erscheinen und Melodien bilden. Aus der zeitlichen Folge der Töne und Geräusche von verschieden langer Dauer entstehen Rhythmen. Aus dem Zusammenklang mehrerer Töne von jeweils anderer Tonhöhe erwächst Mehrstimmigkeit, aus den Beziehungen der Töne untereinander entsteht Harmonik. Die begriffliche Erfassung und systematische Darstellung der Zusammenhänge leistet die Musiktheorie, die ihrerseits als Bestandteil der Musikpädagogik gelehrt wird.

    Mit der zunehmenden Komplexität ihrer Erscheinungsformen entsteht Musik als Kunstform, die ihre eigene Anschauung und Ästhetik entwickelt. Im Laufe der Geschichte – in Europa etwa seit dem Spätmittelalter an der Grenze zur Renaissance – tritt das Einzelwerk des individuellen Komponisten in den Vordergrund, das nun in der Musikgeschichtsschreibung in seiner zeitlichen und gesellschaftlichen Stellung betrachtet wird. Das musikalische Kunstwerk gilt seitdem als Ausdruckswille seines Schöpfers, der damit auf die musikalische Tradition Bezug nimmt. Seine Absichten werden durch Notenschrift, teilweise auch durch zusätzliche Kommentare festgehalten, die Musikern als Hinweise zur Interpretation dienen. Diese kann der Absicht des Komponisten folgen, muss es aber nicht; sie kann sowohl eigene Anregungen einbringen als auch Intention und Funktion des Werks außer Acht lassen – dies geschieht z. B. bei der Verwendung sinfonischer Werke als Ballettmusik oder bei der Aufführung von Filmmusik im konzertanten Rahmen.

    Nicht immer jedoch erhebt Musik den Anspruch, Kunst zu sein. So trägt die Volksmusik aller Ethnien in der Geschichte kaum das Einmalige und Unverwechselbare in sich, das ein Kunstwerk eigentlich ausmacht; sie besitzt zudem keine festgelegten Formen, sondern nur Ausformungen von Modellen und ändert durch mündliche Überlieferung, Umsingen oder Zersingen, ähnlich dem Kinderlied, die Melodien im Laufe der Zeit. Auch bei der Improvisation existiert keine feste Form, sie ist einmalig, nie genau zu wiederholen und lässt sich schriftlich kaum aufzeichnen. Gleichwohl ist sie im Jazz und in der Solokadenz Bestandteil musikalischer Werke, in der Aleatorik das Ergebnis einer „offenen“ Gestaltungsabsicht, in den indischen Modellen Raga und Tala wie auch in den Maqamāt der klassischen arabischen Musik eine durch strenge Regeln bestimmte Kunstmusik, die in ihrer gesamten zeitlichen Ausdehnung und Binnenstruktur nicht festgelegt ist, sondern dem Musiker und seiner Intuition oder Virtuosität obliegt. Im 21. Jahrhundert wird für Improvisationsformen zunehmend der Begriff Spontankomposition verwendet.

    Das Hören und Verstehen von Musik ist ein mehrstufiger ästhetisch-semiotischer Prozess. Der Hörer nimmt die physikalischen Reize auf und stellt die Beziehungen ihrer einzelnen Qualitäten wie Tonhöhe, -dauer usw. untereinander her, um dann Motive und Themen als kleinere, Periode und Satz als größere Ordnungen zu erkennen und schließlich Formen und Gattungen zu erfassen. Daneben erschließen sich Sinn und Bedeutung von Musik aus ihrer Zeichenstruktur, die sprachähnliche Züge aufweist, ohne dass Musik eine Sprache wäre. Dies erkenntnismäßige bzw. kognitive Verstehen erfordert einerseits das Vorwissen des Hörers, der sich bereits mit kompositionstechnischen, historischen und sozialen Bedingungen des Werks beschäftigt haben muss, andererseits hängt es von der intentionalen Einstellung gegenüber dem musikalischen Werk ab. Daneben ist Hören ein sinnliches Erlebnis, das eine subjektive und emotionale Hinwendung zur Musik herstellt, und damit insgesamt ein aktiver Vorgang.

    Die Musik war seit ihrer Entstehung für lange Zeit in Ritus und Kult der frühen Hochkulturen eingebunden, wo sie erst spät zu einer autonomen Kunst wurde. Wie viele Kulturen bis in die Gegenwart keinen eigenen Begriff für Musik kennen, die sie als Einheit aus Tanz, Kult und Sprache auffassen, so bezeichnet das aus der griechischen Antike übernommene μουσική bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. eine Einheit von Poesie, Tanz und Tonkunst, aus denen sich letztere durch eine Begriffseinengung löste. Dennoch hat sie ihre enge Beziehung zu Dichtung und Tanz behalten, die im Laufe der abendländischen Musikgeschichte jeweils als bestimmendes Moment hervortraten. Die mathematisch-rationale Musikauffassung wird legendär auf Pythagoras zurückgeführt, dem die Entdeckung der Intervallproportionen zugeschrieben wird; Platon und Aristoteles gelten wegen ihrer Beschäftigung mit der ästhetischen Wirkung als Begründer der Musikphilosophie. Mit Aristoxenos’ Unterscheidung zwischen theoretischer Lehre und praktischer Musikausübung beginnt die Differenzierung von Wissenschaft und Kunst, Vernunfterkenntnis und Sinneswahrnehmung, die in den Epochen der abendländischen Musikgeschichte jeweils eine eigene Bewertung erfuhr und in denen eine der beiden Seiten im Vordergrund der Betrachtung stand.

    War im Mittelalter die Musik stark von Zahlenordnungen geprägt, unter deren Einfluss sie als Ars musica zusammen mit Arithmetik, Geometrie und Astronomie das logisch-argumentative Quadrivium innerhalb der Artes liberales bildete, so wurde in der Renaissance erstmals die kreative Leistung des Komponisten der durch Übung erworbenen handwerklichen Meisterschaft vorgezogen. Zu dieser Zeit kam die Instrumentalmusik auf, die ohne Sprache oder Gesang Sinn zu vermitteln sucht. Die vorherrschende Idee des 16. bis 18. Jahrhunderts war die bereits in der aristotelischen Poetik beschriebene Mimesis, die Nachahmung der äußeren Natur bis zur Tonmalerei und der inneren Natur des Menschen in der Affektdarstellung.

    Mit dem beginnenden Rationalismus im 17. Jahrhundert setzte sich der künstlerische Aspekt durch. In der Romantik standen das persönlich-subjektive Erleben und Empfinden und dessen metaphysische Bedeutung im Vordergrund der Betrachtung. Als Erweiterungen des musikalischen Ausdrucks und Positionen im Hinblick auf die Fähigkeit von Musik, außermusikalische Inhalte zu kommunizieren, entstanden Bezeichnungen wie absolute Musik, Programmmusik und sinfonische Dichtung, um die eine unversöhnliche Diskussion zwischen den verfeindeten Parteien entbrannte. Zugleich wurde die Unterhaltungsmusik immer unabhängiger und wuchs seit dem Ende des 19. Jahrhunderts unter den Einflüssen u. a. der afroamerikanischen Volksmusik zu einem eigenen Zweig, der schließlich Jazz, Pop- und Rockmusik mit einer Vielfalt jeweils stark differenzierter Einzelgenres hervorbrachte. Da an der Wende zum 20. Jahrhundert einerseits die Musikgeschichtsforschung auf größeres Interesse stieß und andererseits die Schallaufzeichnung die technische Reproduzierbarkeit von Musik erlaubte, gewann diese in allen ihren bekannten historischen, sozialen und ethnischen Formen eine bis heute anhaltende Präsenz und Verfügbarkeit, die sich durch Massenmedien, zuletzt durch die digitale Revolution noch steigerte. Dies und der um 1910 einsetzenden Stilpluralismus der Moderne, während der die Neue Musik auf veränderte soziale Funktionen reagiert oder sie selbst erst schafft, begründen ein Verschwimmen der bis dahin traditionellen Grenzen von Gattungen, Stilen und der Sparten U- und E-Musik, z. B in neu entstehenden Formen wie Third Stream, Crossover und Weltmusik; im Kontrast dazu tendiert das musikalische Denken der Postmoderne wiederum zu einem ästhetischen Universalismus, der Außermusikalisches einbezieht – multimedial oder im Sinne eines Gesamtkunstwerks – oder in der Hinwendung zu neuen Denkmodellen, wie sie in Kulturen und Philosophien außerhalb des Abendlandes gewachsen sind."


    http://de.wikipedia.org/wiki/Musik


    Ok, das war mehr als ein Satz. Aber nicht viel mehr :D
     
  28. Das zieht sich ja durch ganz viele Bereiche des Lebens. Hatte mal in meiner vorherigen Firma das zweifelhafte Vergnügen, mit 12 anderen Personen an einem Abendessen mit dem Vorstandsvorsitzenden teilzunehmen. Man merke sofort, dass der Typ eben kein IT-Vorstand war, sondern sich mehr für Geldmärkte, etc. interessierte. Als er dann noch mit einem anderen Kollegen aus einer Ebene unter ihm anfing sich über Gehälter zu unterhalten, da habe ich dann völlig abgeschaltet. Es gab eben keine gemeinsame Basis zwischen uns, auf keiner Ebene. Und ein lockeres Gespräch kam aufgrund der Teilnehmerstruktur auch nicht auf. Kommunikation ist nur zwischen Gleichen möglich.


    Na ja, warum willst Du es denn jedem erklären können? Wenn mich jemand nach meinem Job fragt, dann gebe ich immer nur den Oberbegriff an. Wenn er dann nachfragt, dann gebe ich das nächste Stichwort. Irgendwann versuche ich es dann schon zu erklären, aber erst wenn ich merke, wir sind an einem Level angekommen, wo eine gemeinsame Basis vorhanden ist. Meistens geben sich die Leute schon mit den Stichwörtern zu Beginn zufrieden.
     
  29. Anonymous

    Anonymous Guest

    Will ich schon gar nicht mehr. Denn Dank deinen Ausführungen weiß ich jetzt ja das es eben nicht möglich ist, da meist keine gemeinsame Gesprächsbasis bei dem Gegenüber und mir vorhanden ist, das funktioniert also einfach nicht, Punkt. Muss mich jetzt halt nur noch daran gewöhnen. Das kriege ich schon hin.
     
  30. Wenn man an einer Person interessiert ist, dann besteht die Kunst darin, sie an das Thema heranzuführen bzw. auszuloten, wieviel Wissen vorhanden ist. Ansonsten ist Small Talk angesagt. Und wenn das alles nicht hilft, dann geht eine Sache immer: :prost:
     

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