Hi Clipnotic, hallo Forum!
Ich bin Stefan, der Chefentwickler von Liquid Notes.
Gleich zu Allererst: Liquid Notes ist kein Harmonie-Generator. Es geht nicht in erster Linie darum, chord progressions "from the scratch" zu definieren und zu generieren, sondern eine bestehende Komposition zu variieren und zu verbessern. Man kann so jederzeit in eine Komposition eingreifen, ob gleich zu Beginn, anhand von nur einer Akkordspur, oder auch erst am Ende, wenn schon das gesamte Arrangement steht. Und das ist ein großer Vorteil! Die große Stärke von Liquid Notes ist es, dass alle Charakteristiken des Stücks beibehalten werden. Rhythmus von Akkorden, Bass, auch Arpeggio, Umkehrungen,.. auf Basis eines selbst erstellten "Templates" z.B., welches dem Stil entspricht, auf den Du aus bist, aber z.B. alles in CDur, kannst Du Deine eigenen Templates generieren und dann viele Chord-Progressions schnell ausprobieren. Ich bin selbst Komponist und verwende Liquid Notes regelmäßig zum Komponieren, oder zum nachträglichen Pimpen meiner fertigen Stücke.
@Clipnotic, zu Deinen Fragen:
clipnotic hat geschrieben:Ich hab nun auch mehrere Templates geladen, die dabei sind und ja durch die Regler kann man ne Phrase zwar schon schnell verändern und variieren allerdings meist nur mit den Standard Akkorden also ich krieg da nur Basis Progressionen hin in Dur und auch in Moll. Gut das wird wahrscheinlich daran liegen dass die Templates eben ne einfache Grundlage nur bieten ..
Du kannst tatsächlich ALLE Akkorde erreichen, auch mit Templates:
- Wenn Du die Einstellungen aufrufst, kannst Du die Checkbox "Verfügbare Harmonien beschränken" abwählen, und Du hast Zugang zu allen Akkorden der Harmonielehre.
- Ganz oben über jedem Regler gibt es drei Knöpfe (T,S,D), welche die Akkord-Kategorien repräsentieren (Tonika (I), Subdominante (IV) und Dominante (V)). Über jeden dieser Knöpfe hast Du Zugang zu den in diesen Kategorien befindlichen Akkorden.
- Verschiebst Du einen Regler nach oben, und drückst dabei die "Alt"-Taste, kommst Du zu den 4-,5-,6-stimmigen Akkorden.
Ein wichtiger Punkt, weil das hier noch nicht so kommuniziert wurde: Liquid Notes passt nicht automatisch Nachfolgeakkorde an, wenn ein Akkord verändert wird!
Der Vorgang ist folgender: Die Höhe eines Reglers steht für die Ungewöhnlichkeit des Akkordes relativ zum Vorgängerakkord. Verschiebst Du einen Regler ganz weit nach oben, machst Du z.B. einen Skalenwechsel. Dabei kannst Du beobachten, dass der Nachfolgeregler nach oben springt, ohne dass sich der Nachfolgeakkord verändert hat. Schiebst Du diesen Nachfolgeregler dann ganz nach unten, erhältst Du auf jeden Fall einen passenden Akkord. Arbeite Dich von dort langsam nach oben, um wieder ungewöhnlichere Akkorde zu finden.
clipnotic hat geschrieben:Für mich wäre das Tool so sinnvoller:
1.
Als VST Plugin und zwar ganz einfach deshalb um das schön und stressfrei direkt in der DAW per internem Midi zu verkabeln.
Eine Konzeptversion von Liquid Notes war tatsächlich als VST-Plugin konzipiert. Aber wie schon gesagt, ist Liquid Notes kein Harmoniegenerator, ein VST würde hier einige Nachteile mit sich bringen:
- Ein VST kann die MIDI Noten eines Projektes nicht auslesen. Man müsste also alle Spuren in das VST routen und dann einmal das ganze Stück abspielen, damit wir die Noten zur Verfügung haben, um die Analyse auszuführen und eben die Noten verändern zu können (wie das z.B. bei Melodyne der Fall ist).
- Da ein VST direkt mit dem Cursor (mit der Time) des Sequencers gekoppelt ist, müsste man jede MIDI-Spur duplizieren, und vom VST aus aufwändig in die duplizierten Spuren zurückrouten, um sein Ausgangsstück nicht zu überschreiben. Man müsste auch zum Rückübertragen des Stücks in den Sequencer wieder das ganze Stück abspielen und eben im Sequencer recorden.
In dieser Variante kann man einfach alle MIDI-Spuren exportieren, zieht sie ins Liquid Notes, und zieht das veränderte MIDI wieder zurück in den Sequencer, ohne es einspielen zu müssen, oder im Sequencer alle Spuren kompliziert hinein- und wieder heraus zu routen.
clipnotic hat geschrieben:Die Fader sind schon genial aber es wäre für mich viel interessanter wenn jeder Fader einfach alle möglichen Akkorde hätte, passend zur gewählten Tonleiter, und man die Stück für Stück durchsteppen könnte. So könnte man von Grund auf neue Progressions erstellen und müsste nicht nur auf Basis von ner bereits erstellen Phrase rangehen.
Liquid Notes ist derzeit so konzipiert. Wir arbeiten aber daran, auf Basis der Analyse von z.B. Bass und Melody automatisch eine Harmoniespur zu generieren, und auch daran, Akkordfelder zu zerschneiden und zu verbinden. Doch wir werden in Zukunft mehr Augenmerk auf das Generieren legen. Nicht nur von Harmonien. Ihr könnt in freudiger Erwartung sein, dass wir bald mit einer geballten Ladung künstlicher Intelligenz die Art zu produzieren auf ein ganz neues Level heben werden (ich denke, soviel darf ich verraten

)!
clipnotic hat geschrieben:So schränkt mich das irgendwie mehr ein als es hilft, denn da komm ich mit meinen eigens programmierten Akkorden viel schneller zum Ziel und krieg viel mehr raus ...
Wie gesagt, wenn das neuartige Konzept von Liquid Notes mal gesickert ist, wirst Du Deine Freiheit wieder zurückerlangen

. Du kannst es als Ergänzung zu den Generatoren sehen, oder Deinen Stil definieren und von dort aus dann verändern. Also den umgekehrten Weg wählen als bei Harmoniegeneratoren.
Ganz liebe Grüße,
Stefan