Kastration von Hüllkurven bei neuen Synthesizern.

G

Giftnudel

..
Da schaut man nach langem wieder mal auf Schneiders und schockierenderweise werden bei manchen neuen Synths die Hüllkurven kaputt gespart.

Bsp:

Macbeth Micromac -> 2x ADS mit zuschaltbaren Release (Decayzeit = Releasezeit)

Pittsburgh Modular Cell[48] System 1 -> 1x ADR mit Sustainschalter

Kann mir irgendwer ein schlüssiges Argument liefern, wieso anständige ADSR Hüllkurven in manchem nagelneuen Synth kastriert werden? Diesen Trend kann's ja wohl nicht geben. :selfhammer:

Beim Macbeth Micromac hats mich echt vom Hocker gehaut wie man für 24 Potis ein paar Schalter und den gerade nötigsten CV-Buchsen fast 2k€ hinlegen darf und als Draufgabe noch zwei kastrierte Hüllkurven bekommt. Irgendwo gab's mal einen Thread über ADR/ADS/ADSR. Haben sich da manche Hersteller eine Kaputtsparanleitung entnommen?
Werden derartige Synthesizer für 1,5+ Promille Alkohol im Blut ausgelegt? Das Argument, dass Moog Hüllkurven Decayzeit=Releasezeit haben, ist schwach.

Wenn man wirklich sparen will, nimmt man eine ADSR und leitet sich die VCA-Hüllkurve über einen UP/DOWN Lagprozessor von der ersten ab und verbaut noch eine Lagprozessorbuchse für das GATE-Signal (optional) dazu. Da brauchts auch nur 6 Potis + 1 Buchse + 1 Schalter und das wäre mal richtig sparsam und da fühlt man sich auch noch gefrotzelt.
 
Ich kann das auch nur selten nachvollziehn. Klar, es gibt manche Synths, bei denen sind radikale Einsparungen wichtiger Teil des Konzepts (Dark Energy oder Rocket), aber bei manchen Synths frag ich mich auch, was das soll...
Oft ärgere ich mich schon, dass meine Hardwaresynths (bis auf den DX7II) nur 2xADSR haben, was die Möglichkeiten der Klangestaltung schon sehr einschränkt. Und während ADSR zwar für ne Livesituation ein exzellenter Kompromiss aus Flexibilität und Intuitivität is, konnte ich noch nie nachvollziehen, wieso man so manche Studiosynthesizer mit solchen beschnittenen Hüllkurven ausstattet.
 
9V Eingang bedeutet für mich, daß da irgendwo noch Kondensatoren und ein Spannungsregler für 5V sitzen, USB liefert direkt die 5V.

Rocket schon, da fehlt mir was, aber Dark Energy ? Den finde ich so gut, dass ich 2 davon habe, der DE II kommt irgendwann auch noch dazu :mrgreen:

LG
 
finde das auch Schade.
Auch beim von mir eigentlich geliebten Eowave Domino ist die Hüllkurve keine komplette ADSR, da fehlt der Release.
Mit ein Grund, warum ich ihn wieder abgeben werde demnächst.

Auch beim Minitaur fand ich es nervig, zwischen Decay und Release umschalten zu müssen.

Aber gut, das sind halt so Spar-Synthies, irgendwo müssen halt Abstrichte gemacht werden wegen Größe und Preis.

Da lob ich mir aber wiederum den Nanozwerg von MFB, der hat alles auf kleinem Raum zu kleinem Preis.
 
Beim Minitaur fand ich es total nervig, da man nach dem Umschalten zwischen Decay und Release die Reglerstellung nicht sieht...
Beim Rocket fehlt Attack schon, aber wenigstens kann man das, was da ist, gut bedienen...
Der SEM hat ja auch 2 kastrierte ENVs, da stört mich aber eigentlich nix.
Den Macbeth finde ich überteuert, egal ob mit oder ohne komplette Hüllkurve :lol: aber da rechtfertigen evtl andere Faktoren den hohen Preis.....

Ansonsten finde ich ADSR eigentlich für die meisten Sachen ziemlich ausreichend, bei Mono-Synth sowieso, bei Polys wäre es sicher nett, auch mal ne ausgefuchstere Hüllkurve zu haben, dann aber eher wie in den alten FM-Kisten und nicht unbedingt wie zb beim Andromeda, da stört es mich eher......
 
Ja beim rocket ist das schade. aber den noch toller synth. Beim synth lab sl1 hat das vcf auch nur eine AD incl Amount. das reicht zumindest fürs filter. der VCA hat eine ADSR.

Beim Minitaur bin ich auch immer am zappeln , ist relativ schitte. je nach reglerstellungen frage ich mich sehr oft...habe ich schon release drinne oder nicht :)
 
Ich bin ein absoluter Fan von "kastrierten" Hüllkurven. Mir sind zwei Moog-Rogue-artig zwischen AD[R] und ASR umschaltbare Hüllkurven lieber als eine ADSR. Seien wir doch ehrlich wann braucht man auf dem VCF eine ADSR-Hüllkurve? Zu vielleicht 5%! Zu 95% genügt AD, weil man einen Pssiaooo oder Woaeaoop auf dem Filter macht. Sustain ist bei einem großteil der Filterhüllkurven nutzlos.
Umgekehrt beim VCA braucht man zu 70% eine Orgelhüllkurve mit Release (also ASR mit Attack=0). Und dann nochmal zu 29% eine AD[R]-Hüllkurve.

Ich hatte Dieter für den DE II die Alternative mit zwei Rogue-Hüllkurven statt einer ADSR vorgeschlagen (Hätten genauso Platz für vier Regler verbraucht), und das fand er auch super. Nur waren da Platinen und Gehäuse schon beauftragt....
 
florian_anwander schrieb:
Ich bin ein absoluter Fan von "kastrierten" Hüllkurven. Mir sind zwei Moog-Rogue-artig zwischen AD[R] und ASR umschaltbare Hüllkurven lieber als eine ADSR. Seien wir doch ehrlich wann braucht man auf dem VCF eine ADSR-Hüllkurve? Zu vielleicht 5%! Zu 95% genügt AD, weil man einen Pssiaooo oder Woaeaoop auf dem Filter macht. Sustain ist bei einem großteil der Filterhüllkurven nutzlos.
Umgekehrt beim VCA braucht man zu 70% eine Orgelhüllkurve mit Release (also ASR mit Attack=0). Und dann nochmal zu 29% eine AD[R]-Hüllkurve. .

Agree: Yamaha hat das am CS-10 schön hinbekommen: Filter hat ADR und netterweise einen 'Initial Level' Regler, so dass man
neben dem üblichen Env-Mod level auch einen grundsätzlichen Offset einstellen kann.
 
florian_anwander schrieb:
Ich bin ein absoluter Fan von "kastrierten" Hüllkurven. Mir sind zwei Moog-Rogue-artig zwischen AD[R] und ASR umschaltbare Hüllkurven lieber als eine ADSR. Seien wir doch ehrlich wann braucht man auf dem VCF eine ADSR-Hüllkurve?

Und weil es mal eine spannende Erfahrung ist wenn man mal einen Arm für ein paar Wochen nicht benutzen kann, entscheiden wir uns für die Amputation?
Beim nächsten Auto fehlen die Rücksitze, beim Fernseher der AUS-Schalter?
Was um alles in der Welt muss einen treiben wenn man nicht nur zusieht wie die Qualität und Vielseitigkeit der Instrumente zugunsten der Verkaufszahlen oder der Gewinnmaximierung mehr und mehr reduziert wird, sondern das sogar noch lobend hervorhebt?
[kopfschüttelnd]
 
florian_anwander schrieb:
Ich bin ein absoluter Fan von "kastrierten" Hüllkurven. Mir sind zwei Moog-Rogue-artig zwischen AD[R] und ASR umschaltbare Hüllkurven lieber als eine ADSR. Seien wir doch ehrlich wann braucht man auf dem VCF eine ADSR-Hüllkurve? Zu vielleicht 5%! Zu 95% genügt AD, weil man einen Pssiaooo oder Woaeaoop auf dem Filter macht. Sustain ist bei einem großteil der Filterhüllkurven nutzlos.
Umgekehrt beim VCA braucht man zu 70% eine Orgelhüllkurve mit Release (also ASR mit Attack=0). Und dann nochmal zu 29% eine AD[R]-Hüllkurve.

bei mir ist es genau andersrum. ich könnte also nicht weniger zustimmen!
wenn ich eine volle ADSR Hüllkurve brauche, dann eher für das Filter als für den VCA.
 
haesslich schrieb:
bei mir ist es genau andersrum. ich könnte also nicht weniger zustimmen!
wenn ich eine volle ADSR Hüllkurve brauche, dann eher für das Filter als für den VCA.

und nur nebenbei lassen sich Hüllkurven nicht nur für Filter und VCA einsetzen..... Modular machts möglich
 
Ein herrlich kontroverses Karfreitagsthema.

Zum einen hängt's vom Einsatzzweck ab:

- Zur Tonhöhenmodulation (um z.B. Instabilitäten zu Beginn einer Note zu erzielen), ziehe ich in der Mehrzahl der Fälle eine AD-Hüllkurve vor, denn einen von Null verschiedenen Sustain-Level kann ich da nicht gebrauchen (da ein solcher eine Tonhöhenveränderung nach dem Loslassen der Taste zur Folge hätte).

- Desgleich zur Steuerung von Modulationsintensitäten: In der Mehrzahl der Fälle möchte ich diese einblenden, ausblenden oder ein- und wieder ausblenden (wofür AD bzw. AR mehr als genügen), nicht aber mit zwei verschiedenen Intensitäten arbeiten (wie es eine ADSR-Hüllkurve erlauben würde).

- Für detalllierte Formung perkussiver Klänge ist eine ADSR-Hüllkurve nur bedingt geeignet, da ein Hold-Parameter fehlt, mit dem man die Dauer des Maximalpegels bestimmen kann.

Zum anderen kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass man immer und überall aus dem Vollen schöpfen können muss und daher stets ADSR- oder noch besser Multisegmenthüllkurven in großer Zahl vorhalten muss. Ich halte das weder für ressourcenschonend (sowohl was den Materialverbrauch als auch die Löcher im Portemonnaie angeht) noch für kreativitätsfördernd, da ich Beschränkungen im kreativen Bereich als überaus wohltuend empfinde – und mitnichten als "Amputation" (aber Polemik gehört nun mal dazu, gelt?).

Letztlich sind mir zwei AD/AR-Hüllkurven lieber als eine einzige ADSR-Hüllkurve. Ging mir das erste Mal beim Rhodes Chroma vor dreissig Jahren so – und das war nun wahrlich kein Instrument, dem man Sparzwang hätte vorwerfen können.
 
florian_anwander schrieb:
Seien wir doch ehrlich wann braucht man auf dem VCF eine ADSR-Hüllkurve? Zu vielleicht 5%! Zu 95% genügt AD,(...)

Bei halbmodularen Synths ist das irgendwie widersprüchlich die Hüllkurven zu stutzen. Da gehen dann ja wirklich spannende Möglichkeiten verloren. Z.B. mittels der Filter ADSR über einen VCA, einen vom tonhöhengesteuerten VCO synchronisierten LFO([20-120Hz],Saw Down/Nadelimpulse) als Modulator aufs Filter zu schicken ("Rippelndes Pseudotracking"). Gerade für (Halb)modulares sind ja genau derartige 0,5-2% das Argument sich das unkomfortable Kabel und Leitungen legen, anzutun.

Mir scheints als würde es da etliche unterschiedliche Synthesizeransätze geben:

Einerseits der Komfortansatz wo unabhängig von den Reglereinstellungen immer noch irgendwas wohlklingendes rauskommt.
Andererseits der Grenzgängeransatz wobei man auch mal totale Fehlschaltungen oder Grenzwertiges riskiert, sich dafür aber ganz individuelle Möglichkeiten eröffnen.

Übrigens bin ich für eine Synthesizerbewertung mit "Child Resistant Percentage", "Promillegrenze ab der 50% der Probanden nichts mehr zusammenpeilen" sowie "Komfortindex".
 
Bin da auch absolut d'accord, in den meisten Faellen wuerde mir Sustain 0% bei Filter und 100% bei VCA voellig reichen.

Also fuer den VCF Envelope AD mit schaltbarem Release, fuer den VCA Envelope AR, fuer nicht Sequenzer gesteuertes, manuelles Spiel waere ein Schalter fuer 0% Sustain noch toll (um handgespielte Arpeggien zu normalisieren). In Summe 2 Potis und ein Schalter pro Huellkurve. Das waere doch fuer einen Live Performance Synth absolut genial. Fuer so Dinge wie OSC Pitch Modulation wegen Sync-Sounds wuerde ich eigene Huellkurven in der jeweiligen Sektion bevorzugen.

Btw. weil wir gerade dabei sind: so ein minimalistische Konzept fuer einen Synth zu entwerfen wuerde ich extrem spannend finden, also wo die Reduktion der Bedienelement nicht in erster Linie auf eine Preisreduktion abzielt sondern darauf aus "Best Practice" ein super musikalisches und bedienbares Instrument zu entwickeln.
 
intercorni schrieb:
Ich liebe die Hüllkurven meines Minimoogs, das reicht mir völlig aus.

Hätte ich in den vor Voyager/odyssey Zeiten bei mir vehement widersprochen , dich und Florian übelst geflamed und als völlig ahnungslos tituliert. Inzwischen bin ich bei dem, was ich mt Solosynthesizern mache, genau da angekommen. Und schalte meistens das Release sogar aus.

Wenn es aber nicht um klassische solosounds , sondern auch sequencierte Monosysnths und polysynths, geht, ist ein unabhängiges Release schon praktisch , genauso wie ein Hold.
Also, da man ja nicht immer alles benutzen muss, aber es immer gut ist, wenn man es benutzen kann, plädiere ich für

HADSR

PS, beim ms20 damals lief bei mir die AR Hüllkurve oft invers in den Filter, war dann eine DR Hüllkurve.
 


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