Subjektives Empfinden von Tempo bei Musik

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von SvenSyn, 3. April 2015.

  1. SvenSyn

    SvenSyn bin angekommen

    Habt ihr das auch schon erlebt?

    Manchmal höre ich ein und denselben Track in verschiedenen Situationen - dann erscheint er mir subjektiv schneller oder langsamer als sonst... woran liegt das?

    Wenn ich schnell Rad fahre, kommt mir zB "Tour de France Soundtracks" gefühlt langsamer vor, als wenn ich es zu Hause höre.
    Oder eine Ambientscheibe von Brian Eno kommt mir irgendwie schneller vor, wenn ich sie chillend in der Badewanne höre, als wenn ich sie zum einschlafen höre...

    Vielleicht eine Frage ohne Sinn - aber mir ist das immer wieder aufgefallen... synchronisiert sich das Gehör unbewusst zum Puls?
     
  2. Horn

    Horn |

    Dieses Empfinden hängt damit zusammen, dass wir den Komplex Metrum/Tempo/Rhythmus sehr körperlich wahrnehmen - und zwar in Relation zu unserem Herzschlag/Puls.

    Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen absolutem und relativem Tempo. "Hip-Hop" mit Beats zwischen 90 und 100 bpm wird z. B. von vielen Hörern als "schnell" empfunden, weil relativ zu diesem eigentlich langsamen Tempo ziemlich "schnell" von dem Rapper "gesprochen" wird. Einen Presto-Satz mit 180-200 bpm aus einer Beethoven-Klavier-Sonate z. B. empfinden dagegen viele Hörer dennoch als "nicht besonders schnell", weil das absolute Tempo zwar hoch ist, aber ein Vergleich zu einem relativ langsamen "Beat" fehlt.

    Generell wird zudem Musik mit einem "Beat" anders empfunden als Musik ohne "Beat" - will heißen: Rock/Pop/Electro wird bei gleichem Tempo von vielen Hörern als "schneller" empfunden als klassische Musik gleichen oder sogar höheren Tempos.
     
  3. midi

    midi Tach

    Drogen können Zeitempfinden verändern
    manchmal auch dauerhaft
     
  4. Anonymous

    Anonymous Guest

  5. Dorimar

    Dorimar bin angekommen

    Gestern in einer Signatur hier im Forum gelesen:

    Das kann man bestimmt auch auf Musikalisches anwenden
     
  6. Panko PanneKowski

    Panko PanneKowski bin angekommen

    Ja, das mag ja alles total richtig sein, erklärt aber nicht die eigentliche Frage des Thread-Starters:
    Warum Ein-und-Derselbe Track zu verschiedenen Anlässen unterschiedlich schnell wahrgenommen wird. .

    Ich erkläre mir das so .. Je nach dem, ob uns nach körperlicher und seelicher Entschleunigung oder nach Tempo gelüstet,
    empfinden wir uns, das eine mal eher ausgebremst und das andere mal eher gehetzt, von ein und demselben Track (Tempo), egal ob das jetzt Hip Hop Klassik Pop oder Techno ist. .

    Das hängt sozusagen von der Tageslaune und Kondition ab.. Manchmal beim Joggen im Park (wenn man gut in Form ist ) gerät man schon fast ins sprinten und empfindet andere Jogger als lahme Enten. Ein anderes Mal kommt man kaum aussem Knick und hinkt den anderen (immer noch im selben Tempo laufenden Joggern) hinterher.

    So einfach erklärt sich mir das zumindest.
     
  7. subsidence

    subsidence Tach

    Das geht mir oft so. Unter Alkoholeinfluss kommt mir Musik immer schneller vor als nüchtern. Das ist immer irritierend, wenn ich an einem Stück arbeite und die Idee aufnehme. Komme ich dann von einem Kneipenbesuch nach Hause und höre mir das Stück an, kommt es mir wesentlich schneller vor als bei der Aufnahme. Am nächsten Morgen ist das Tempo dann wieder "normal". So gesehen ist es immer schwierig das optimale Tempo für ein Stück festzulegen.
     
  8. SvenSyn

    SvenSyn bin angekommen

    Ja das kenne ich auch! :kaffee:
    Dumm nur, wenn man unter Alk besser komponiert :mrgreen:
    Geht mir jedenfalls so.. ein Rotweinchen beim Musik machen beflügelt :lollo:
     
  9. ollo

    ollo Tach

    es kommt ja auch drauf an, welche musik man vorher gehört hat. im verhältnis klingt ein lied dann schnell wenn man vorher eher langsame musik gehört hat.

    sicherlich macht auch die abhöre und die lautstärke ihren teil aus, umso lauter desto härter und oft subjektiv auch besser klingt musik, daher vielleicht auch schneller.
     
  10. Horn

    Horn |

    Ich trinke auch gern ein Rotweinchen oder ein Bier oder auch zwei, habe aber die Erfahrung gemacht, dass selbst kleine Mengen Alkohol sowohl das Timing als auch die Hörfähigkeit enorm einschränken. Beim Komponieren mag das egal sein, aber wenn ich etwas einspiele, muss ich stocknüchtern sein, sonst wird das Murks.
     
  11. Markus Berzborn

    Markus Berzborn bin angekommen

    Diese Effekte sind völlig normal und haben nichts mit Alkohol zu tun.
    Man kann auch durch Musik sehr effektiv das subjektive Zeitempfinden verändern.
     
  12. maffyn

    maffyn Tach

    das gehirn mißt zeit mit einem inneren "taktgeber". es wechseln "ereigniszeit" (quasi gezählte, d.h. vom gehirn mit zeitgefühl wahrgenommene absolute zeit) und "ruhezeit"(also ohne zeitgefühl wahrgenommene tatsächliche zeit) ab.

    unter bestimmten einfluß (intensives erleben z.b., musik, usw...) verlängern sich die "ruhezeiten" (die ereigniszeit bleibt wohl immer gleich). im ergebnis fließt die zeit gefühlt schneller. wenn das gehirn dagegen die ruhezeit (leider weiß ich nicht merh den korrekten begriff, sorry für meine wortwahl) kürzt, dann dauern die dinge länger....

    so: und diese art des veränderten zeitempfindens verursacht für mich die tempowahrnehmungsschwankungen, da ja das tempo von einer datei stets absolut gleich bleibt.
     
  13. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    Und nun stell Dir mal vor, dass sowas in der klassischen Musik ein Dauerthema ist denn sowas wie BPM wurden nicht notiert. Wie schnell die klassischen Stücke wirklich mal gedacht waren, ist oft nur geraten
     
  14. Markus Berzborn

    Markus Berzborn bin angekommen

    Sofern das überhaupt für die Komponisten ein wichtiger Parameter war.
    Es ist ja z.B. nicht verbrieft, dass Bach seine Stücke jedes Mal gleich schnell gespielt hat.
     
  15. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    das kam dann vielleicht auf die Umstände an, die Bezahlung, die Art der bewirtung, der Raumtemperatur und wie sehr das Publikum gestunken hat ;-)
     
  16. Michael Burman

    Michael Burman ★★★★★★★★★

    Und Raumakustik. Bei viel und längerem Nachhall würden schnellere Tempi mehr verwaschen. :school:
     

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