Die Bedeutung der Trommel

khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Warum hat sich ein in mannigfaltiger Vielfalt existierendes Instrument (die Trommel) von Naturvölkern bei uns seit ca. Anfang des 20'ten Jahrhunderts bis in die Jetztzeit so dominant und fast wieder darauf reduziert durchgesetzt welches es davor so gut wie gar nicht gab oder wenn dann eine untergeordnete Rolle spielte?
Gegenüber unserer westlichen hochentwickelten sanften wohlklingenden mit Abläufen und Stimmungsbögen durchwachsenen Intellektuellen notierten Musik und Instrumenten welche sich geistig auf höchstem Niveau abspielt und wo die Pauke nach Noten dezent gespielt (nicht im rhythmischen Sinne) wird ist doch die Trommel der Naturvölkern als auch deren Trommelspieler/Ensemble eher von wilder, archaischer Natur, weniger arisch.
Früher hörte man klar begrenzte (zeitlich) Musik welche sehr komplex aufgebaut war.
Heute tanzt man stunden/tage-lang zu ineinander überfließenden, monotonen Trommel und spärlichen Tönen oder sogar simplen Melodiebruchstücken.
Entwickeln wir uns zurück? Oder ist die Trommel und der Rhythmus mehr als Bach?
 
Also das erste was mir durch den Kopd gegangen ist als ich deinen TO gelesen hatte - Junge , was hast Du denn da geraucht

Also ich kann deine Befürchtung nicht nachvollziehen , sie deutet eher darauf dass Du gerade musikalisch in einer Filterblase sitzt - denn , es gibt ja alles mögliche an Musik , und es mischt sich immer neu und weiter ....
 

khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Keine Befürchtung, eher eine Musiktheoretische Frage, evt. Betrachtung.
Trommeln kamen bei uns in der Musik ja erst durch die Sklaven in unsere Musik, wenn auch nicht gewollt. Ich sag mal so um 1920 mit Blues, Jazz und so.
Trommeln als auch "die Menschen der Trommeln" waren davor eher weniger präsent in unserer Musikgeschichte noch standen eher für primitives oder so.
Dann der wilde Rock mit dem Schlagzeuger bis hin zu Drum & Bass.
Formulierung bitte nicht auf die Goldwaage legen.
 

Rastkovic

PUNiSHER
Ich habe Techno (oder früher auch Death/Black Metal) manchmal mit Naturgewalten verglichen. Ein imposanter Wasserfall, oder ein gewaltiges Gewitter. Ein Erlebnis für mehrere Sinne und nicht nur den Kopf.

Ist ja eigentlich auch total übertrieben was Mutter Natur da manchmal veranstaltet, aber deswegen vielleicht auch so faszinierend.... gleiches gilt für die primitive Musik. :)
 
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khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Also für Bild.de: Ist die Trommel aggressiv bzw. bewegt sie uns zum wilden f..x.. Tanzen?
 
Keine Befürchtung, eher eine Musiktheoretische Frage, evt. Betrachtung.
Trommeln kamen bei uns in der Musik ja erst durch die Sklaven in unsere Musik, wenn auch nicht gewollt. Ich sag mal so um 1920 mit Blues, Jazz und so.
Trommeln als auch "die Menschen der Trommeln" waren davor eher weniger präsent in unserer Musikgeschichte noch standen eher für primitives oder so.
Dann der wilde Rock mit dem Schlagzeuger bis hin zu Drum & Bass.
Formulierung bitte nicht auf die Goldwaage legen.
Nein, deutlich früher - auch hier - es gibt ja nicht nur die Musik am Hofe und es gibt dort auch Pauken in der Klassik - wie schon gesagt - Trommeln gibt es länger als Jesus Christus. Also auch vor den Beatles und wie das alles heißt.
 

khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Nein, deutlich früher - auch hier - es gibt ja nicht nur die Musik am Hofe und es gibt dort auch Pauken in der Klassik
Ja, aber die Bedeutung und die Stellung des Musikers als auch des Instrumentes war ja eher untergeordnet. Pianist eher als dezent betonter Paukenspieler.
Schlagzeug war da auch selten am Hof oder in der Klassik. Wandermusiker bestimmt öfters aber eben "fürs Volk". IMHO.
 
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Rastkovic

PUNiSHER
Trommeln kamen bei uns in der Musik ja erst durch die Sklaven in unsere Musik, wenn auch nicht gewollt. Ich sag mal so um 1920 mit Blues, Jazz und so.
Falls nicht bekannt, unbedingt mal reinhören -> Igor Stravinsky (Petrushka - 1911, Le Sacre du printemps - 1913)

Trommeln als auch "die Menschen der Trommeln" waren davor eher weniger präsent in unserer Musikgeschichte noch standen eher für primitives oder so.
Vielleicht weil die Menschen nicht als dumm gelten wollten?? Der Mut zur Primitivität fehlte möglicherweise.... :)
 
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hairmetal_81

Mitglied in Capt. Obvious' Lambada-Testlabor
Trommeln kamen bei uns in der Musik ja erst durch die Sklaven in unsere Musik, wenn auch nicht gewollt. Ich sag mal so um 1920 mit Blues, Jazz und so.

Wenn dich das Thema genauer interessiert, hilft diese Doku weiter: History of the Drumset von Daniel Glass.
"Trommeln" ging noch viel weiter zurück als nur "Blues".


 
  • Danke
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khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Drum & Bass:
Schlagzeuger (relativ neues Instrument? Wann hatte denn "die Band" ein Schlagzeuger fest mit integriert? EDIT: 1865?)
und dann Bassisten:
Witze! :P
Sagt mir: auch noch in den 80'ern ein Instrument mit geringerer Bedeutung.
Kannst du nichts dann spiel Bass & Drum.
 
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khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Die Trommel bei und in Deutschland, oder generell Westen/Abendland.
Trommel Ansicht existiert seit langem, z.B. Höhlenmensch nach dem Essen auf den vollen Bauch schlagen, Rituale, Schamane etc. pp. ... keine Frage.

Deutsche Trommel!

Damals: Im Krieg gab es ~Trommeln schon früh. Angsteinflößend und Stimmungsaufheller der eigenen Truppe. Marschmusik.
Die Trommel Kunst war da aber eher unterirdisch. IMHO

Die anderen (Naturvölker) eher zusammen Feste, komplex, polyrhythmisch, mystisch und so, klar auch im Krieg.
Also das war deren Hauptinstrument.
 
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treponema

Ratatösk
Evolutionär lässt sich die Faszination des Menschen für Trommelschläge mit den ersten 9 Monaten des Lebens erklären. Nebst diffusen Aussengeräuschen und der Stimme der Mutter ist es doch in erster Linie der Herzschlag der Mutter, welcher wahrgenommen wird.
 

khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
Tonart würde ich "E" tippen. ;-)
Stimmt im Mutterleib: Erste Organ: Ohr: die arrhythmische Herzschläge und generell die Muttergeräusche und dann noch Außenwelt .... komplexe Symphonien.
 
Also ich finde die Trommel ( das Schlagen mit irgendetwas ) und dadurch erzeugte Töne gibt es schon viel länger als "Musik".
Die Urmenschen verständigten sich damit über weite Distanzen oder vertrieben Raubtiere.
Ich bin bestimmt kein guter Trommler aber mit der Djambe in der Natur alleine mit viel Zeit und völlig entspannt hatte ich super Erlebnisse des Einsseins mit Allem.
Ich trommle meinen eigenen Rhythmus und z.B. Vögel zwitschern im Takt mit, es entstehen Melodien und Harmonie. Kann ich nur empfehlen es mal zu versuchen.
Es kann zum Rausch werden.
 

khz

D@AU ~/Opportunist/Orwell # ./.cris/pr.run
ja "viel Zeit und völlig entspannt" (wer das schafft und einen Platz findet) dann kommt Rhythmus von alleine auch Trommeln können Melodien spielen oder gar sprechen
│18:58:28 HerrZen | dachte da eben an: damals die westliche Musik, im Vergleich zur heutigen westlichen Musik.
Hatte grade Artikel einer alten Zeitschrift gelesen (aus Papier), daher die ketzerische Frage:
Zeitschrift: Du : die Zeitschrift der Kultur
Band (Jahr): 57 (1997)
Heft 1:
Die Trommel : Weltsprache Rhythmus
 
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Interessante (Ausgangs)Frage

Früher hörte man klar begrenzte (zeitlich) Musik welche sehr komplex aufgebaut war.
Heute tanzt man stunden/tage-lang zu ineinander überfließenden, monotonen Trommel und spärlichen Tönen oder sogar simplen Melodiebruchstücken.
Entwickeln wir uns zurück?
Ich verstehe die Frage in etwa so: In der Popularmusik des 20. und 21. Jh. hat die Trommel nie eine so große Rolle wie heute gespielt. Ist das eine Regression (weil archaisches Instrument) oder eine Weiterentwicklung?

Ich sehe (und höre) da beide Tendenzen.

Jazz-Trios: Wenn man sich z.B. das Esbjörn Svensson Trio anhört, dann spielen da drei kongeniale Musiker; wo ein halbes (3/4) Jahrhundert vorher sich ein Pianist (oder Gitarrist) von einem Bassisten und einem Schlagzeuger hätte begleiten lassen.

Die Entwicklung geht übrigens in beide Richtungen: Es gibt nicht nur eine Emanzipation der Rhythmus-Gruppe, sondern das Piano-Spiel ist auch perkussiver geworden.
 


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