Effekt-Konzept: "Spectral Toppings" Oder gibt's das?

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von Johann Lover, 5. November 2018.

  1. Ich stehe vor einem Problem: Ein Klang ist nicht durchsetzungsfähig, weil sein Spektrum, d.h. seine Obertöne einfach nicht ideal sitzen. Obwohl es meistens über EQing und spektrale Modulation, wie Anreicherung durch Sättigung oder meinetwegen auch Ringmodulation, hinzubiegen ist, klappt es hier nicht. Es ist schlichtweg der falsche Sound für den Mix.
    Kann man nicht ein Effektgerät entwickeln, dass basierend auf FFT gezielt Obertöne ins Spektrum einfügt? Optionen z.B.
    - nur gerade
    - nur ungerade
    - nur vielfache von X
    - random
    Einen Regler für die Anzahl an Obertönen.
    Und dann einen Regler, mit dem man den Formantbereich verschieben kann. Um es erstmal einfach zu halten.
    Ich könnte mir vorstellen dass so ein solches Problem oft gelöst werden kann.
    Über Umwege könnte man das sicher schon umsetzen - es gibt ja Software mit der man im Spektrogramm rumzeichnen kann, aber es ist umständlich zumal da sicher viel über Trial and Error funktioniert, weshalb der Prozess automatisiert werden sollte. (Ich stelle mir vor, dass ich einfach so oft random drücke bis es passt.)
    Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich mich persönlich für "diffuse", unharmonische Spektren interessiere, d.h. mich einfache harmonische Spektren nicht glücklich machen. Ich rede auch von einem Effekgerät für beliebige Audioquellen und nicht von von grundauf additiver Synthese. Jetzt sage mir bitte jemand, dass es das schon gibt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2018
  2. So ziemlich alles von dem, was du vorschlägst, ist möglich. Und viele davon würde auch echt Sinn machen.
    In anderen, verwandten Disziplinen (z. B. Telekommunikation, Audio Codecs) wird das schon seit Jahren gemacht. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es sowas nicht als Plug In gibt. Könnte sein, dass man damit Patente verletzt. OK, ich bin nicht richtig fit in Patentrecht.
     
  3. xenosapien

    xenosapien hochgradig unprofessionell

    hmm evtl. so was in der Art wie das was iZotope zum "Audio Repair" einsetzen?

     
  4. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Ich fürchte, dass ein reines Hinzufügen von Obertönen nur die halbe Miete ist. Das sollte vorallem dynamisch geschehen. Das nicht-dynamische wäre nämlich letztlich schon mit jeglicher Form von resonierenden Filtern machbar. Dynamisches Hinzufügen von Obertönen (also bei lauten Anteilen, mehr Oberton) machen Exciter.
     
    intercorni, hairmetal_81 und xenosapien gefällt das.
  5. Wahrscheinlich machbar aber aus den genannten Gründen viel zu umständlich.
     
  6. Aber dem sagen welche Obertöne genau, kann man auch nicht oder? Ein Exciter kann auch kein Metall aus einem Sinus machen. Mal als Extrembeispiel. (Ich weiß, wenn man beim Sinus ansetzt ist man wieder bei additiver Synthese.) Man muss doch wahrscheinlich schon in Fourier denken und ein Exciter macht keine FFT oder?
     
  7. tichoid

    tichoid Maschinist

  8. @Johann Lover

    Ich stell mir das klanglich recht statisch vor, also ohne Modulation der hinzugefügten Töne. Oder ist es egal ob man das dann raushört? Ich fänd das nicht so toll, aber irgendwo müsste die Information zu der Modulation ja herkommen und die müsste dann ja aus dem zu Grunde liegenden Klang ja extrahiert werden, also wäre das ja dann so eine Art von Analyse Resynthese, aber die dann eben als Effekt in Echtzeit. Vielleicht geht sowas ja mit CSound, weiß ich aber nicht weil ich mich damit nicht ausreichend beschäftigt habe.
     
  9. CSound kann ich mir vorstellen. Max/MSP auch.
    Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht wenn ich sehr obertonreiche, statische Klänge durch Filter mit Hüllkurven route. Z.B. Arturia SEM Filter um auf Software zu bleiben. Das ist zwar keine detaillierten Eingriffe aber in der Praxis durchaus zufriedenstellend. Meinetwegen die Filtereinheit auch noch in das Plug-In integrieren ;-)
     
  10. Ja, das hab ich im Hinterkopf. Aber die Visualisierung kann man sich dann sparen, weil man ja idealerweise nicht manuell pinseln braucht. Das läuft dann alles unter der GUI ab.
    Oder man könnte es auf Hardware-Ebene in ein Pedal packen. (4 Regler: 1. Gerastert für Auswahl des Modes, 2. Encoder Anzahl Obertöne, 3. Encoder Amount Formantbereich, 4. Encoder Verschiebung Formantbereich)
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2018
  11. tichoid

    tichoid Maschinist

    ach so, ja.. ich meinte nur dass es durchaus die Möglichkeit gibt, da von der grafischen Seite her was zu machen..
     

  12. bei Melodyne gibt eine solche Funktion. Man kann das Obertonspektrum mit den Reglern "Brilliance", "Odd/Even", "Contour", "Comb", "Emphasis" und "Dynamics" bearbeiten und sogar eine Resynthese durchführen, sodass der interne Synthesizer das versucht nachzubilden.
     

    Anhänge:

    tichoid gefällt das.
  13. Nicht schlecht! Das ist vielleicht ein Phase-Vocoding-Ansatz? Ich werde es mal ausprobieren.
     
  14. hairmetal_81

    hairmetal_81 Mitglied in Capt. Obvious' Lambada-Testlabor

    Ich schlage mal ganz unorthodox eine Cab- bzw. Amp-Sim vor...

    Das Signal duplizieren, durchjagen und anschliessend die Frequenzbereiche absenken,
    die im bearbeiteten Signal nicht benötigt werden. Dann subtil unter das (trockene) Ausgangssignal mischen.

    Amp-Sims (gute!) verhalten sich nicht so statisch wie "herkömmliche" Distortion-/Saturation-Effekte.
    Die von Fanwander angesprochene Dynamik eines Exciters ist ein gutes Stichwort.
     
  15. Ich habe auch noch nette Tipps per PM bekommen. Aber ich muss mal erwähnen, dass mein Anliegen hier ist zu sagen, dass es Sinn machen würde so ein Teil herzustellen. Mir geht es weniger um mein akutes Problem. Ich werde einen anderen Sound erzeugen. Das wird nicht so problematisch sein.
    Aber ich wollte hier gemäß des Sub-Forumh-Titels hören was ihr dazu für ergänzende Ideen habt, was ihr davon haltet oder ob es eben genau so etwas schon gibt, aber ich das nicht mitbekommen habe.