Es gibt ein menschliches Grundbedürfnis nach Schwebungen

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von Zotterl, 6. August 2013.

  1. Zotterl

    Zotterl Guest

    ...in der Musik.
    Was haltet Ihr von der These? (Den Komponist mal beiseite lassend und losgelöst von der Neuen Musik)

    Wo ist die Grenze zwischen komponierten Schwebungen und mikrotonaler Musik? (so es eine gibt)

    http://www.netzwerkneuemusik.de/index.p ... s&did=4069
     
  2. psicolor

    psicolor Busfahrer und Bademeister

    Die wohltemperierte Stimmung is nicht toll weil sie toll klingt (ganz im Gegenteil, viele "Audiophilisten" haben zu meckern und ziehen eine reine (pythagoräische) Stimmung vor), sondern weil sie dem Musiker so viele musikalische Möglichkeiten eröffnet. Die These dass sich die wohltemperierte Stimmung wegen ihrer Schwebungen etabliert hat ist witzig und interessant, aber ich glaube es nicht. Ich glaub eher, dass die Leute zuvor ernsthafte praktische Probleme hatten beim gemeinsamen musizieren und dass die wohltemperierte eine Erlösung für jeden Musikus war! Gegen die These spricht außerdem, dass es bei reinen Stimmungen zu viel reichhaltigeren .... "Schwebungen" (sehr freundlich ausgedrückt) kommt, wenn man die Tonart wechselt.

    Prof. Hinrichsen von der Fakultät für Computerphysik in Würzburg hat sich in seiner Freizeit mit dem Thema Spreizung beschäftigt:
    Original von: http://www.physik.uni-wuerzburg.de/~hin ... index.html
    So wie ich das sehe, spricht das eigentlich auch gegen die Eingangsthese.

    Disclaimer: Dass wir gerne Schwebungen haben und der Klang von Klavier, Hackbrett oder 12-Saiter viel "schmeichelnder" ist als der von Clavinet, Berinbau oder Katzendarm, darüber sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Das einzige was ich hier dementieren möchte, ist die These, dass sich diese Affinität zu Schwebungen in der Wahl der Stimmung niederschlägt.
     
  3. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    Generell ist da ein Beduerfnis nach Veraenderung, bei statischen Wellenformen schaltet die Wahrnehmung schnell ab, daher sollte man bei erstellen eigener Wellenformen (additiv, FM, gezeichnet etc.), die Wellenformen zumindest leicht modulieren, doppeln oder 'nen Chorus drauf legen.
     
  4. Zotterl

    Zotterl Guest

    @psicolor: danke für den Link.
    Soweit ich weiß, legt Haas sich bei dieser These nicht auf eine bestimmte Stimmung fest.
    die vergrößerte Oktave beim Slendro (Gamelan) und indische Raga-Musik führt er an anderer Stelle auch als Beispiele an.


    @Summa:
    Wie war das: Bewegung ist Leben…auch im kleineren Bereich der Tonalität…
     
  5. Anonymous

    Anonymous Guest

    Falsch. Ungleichförmige Bewegung wenn dann, also Beschleunigung ungleich Null, somit Geschwindigkeit nicht konstant. Sonst haben wir relativ gesehen wieder keine Bewegung. Relative Bewegung, ja, absolute Bewegung, nein.
     
  6. Zotterl

    Zotterl Guest

    Das hinkt ordentlich.
    Die Beantwortung der Frage nach dem o. g. Grundbedürfnis ist eine Sache des Standpunktes - also relativ
    und somit im Sinne der Fragestellung richtig.
     
  7. Das ist aber auch nur eine Frage der Gewöhnung. Mir geht es so, dass derzeit der für mich reizvollste Polysynth-Sound der pure Sägezahn aus dem Juno 6 ohne Chorus ist. Der hat natürlich dank temperierter Stimmung auch Schwebungen aber auch diese sind phasenstarr und nicht veränderlich. Die Prägnanz des Klangs ist aber großartig.
     
  8. Zotterl

    Zotterl Guest

    Vielleicht auch eine Frage des Kontextes: etwas "Sterilität" innerhalb eines ansonsten dicken Tracks, kann sicherlich ganz gut kommen.
     
  9. Zotterl

    Zotterl Guest

    * doppelmoppel *
     
  10. Anonymous

    Anonymous Guest

    ach und das ist kein "geschiss-sound"? :twisted: :kaffee:
    c´mon, langweiliger gehts kaum :mrgreen:
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

     
  12. Rolo

    Rolo sinewavesurfer

    das sehe ich auch so.Ich lasse gerne in meinen Tracks in denen es in vielen hinsichten sehr dynamisch zugeht auch dann und wann
    mal gerne etwas erscheinen was total steril ist und zwar aus dem Grund um einen crassen Gegensatz in dem Track zu verankern
    sowas gehört einfach dazu finde ich.Bei einigen Electroplatten der frühen 80er findet man sowas.siehe hier:
     
  13. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    War von mir auf die Sensorik und deren Verarbeitung bezogen, was ein Mensch reizvoll findet haengt auch von div. anderen Faktoren ab. z.B. durch die Verknuepfung bestimmter Inputs mit bestimmten Erlebnissen.
     
  14. swissdoc

    swissdoc back on duty

    Wobei die bis zu 3 Saiten beim Klavier ja nicht verstimmt sind und Schwebungen wie detuned VCOs erzeugen, sondern die Energie lustig zwischen den Saiten hin und her wandert und dadurch das Abklingverhalten ändert.
     
  15. Zotterl

    Zotterl Guest

    Das hier noch zum Thema gefunden (auch von Haas):
     
  16. Wie weist er das empirisch nach? Das ist ja die eigentlich interessante Frage.
     
  17. Zotterl

    Zotterl Guest

    Würde mich auch interessieren.
    Für den Thread aber nicht primär wichtig, da mich EURE persönliche Meinung zum Schwebungs/-mikrotonal-Thema
    interessiert. Und die muß nicht mal wissenschaftlich fundiert/belegt sein ;-)
     
  18. Na gut - hätte mich nur eben interessiert.

    Grundsätzlich glaube ich nicht, dass eine bekanntes Schwebungsmuster zur (Wieder)Erkennung von gewohnter Harmonik dient. Dazu sind natürliche Instrumente viel zu unexakt.
    Das gleiche gilt ja auch bei polyphonen VCO-basierten Synths. Hier fallen die harmoniebedingten Schwebungen im Vergleich zu den durch technischen Fehlstimmung der VCOs bedingten Schwebungen überhaupt nicht ins Gewicht.

    Ich denke ausserdem, dass die Schwebungen durch Mehrchörigkeit (wie bei doppeltgespannten Saiten oder mehreren VCOs pro Stimme) nicht das Thema von Haas sind.

    Und dann würde mich interessieren was Haas von der südeuropäischen Vokalmusik (diese rumänischen Frauenchöre, oder ähnlich die polyphony corse) hält, die ja als ideal hat die Stimmführung schwebungsfrei zu halten.
     
  19. Zotterl

    Zotterl Guest

    @Florian
    Ditto.
    Nicht jeder Komponist ist so auskunftsfreudig wie z. B. ein Stockhausen und/oder eben nicht bekannt/bedeutend genug, dass man überall Infos dazu findet.
    Aber: im Pfau-Verlag gibt es ein kleines Buch zu Haas.

    Evtl. wäre auch die Beschäftigung mit Ivan Wyschnegradksy interessant, auf den sich Haas des Öfteren beruft.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Wyschnegradsky
     
  20. dislo

    dislo Tach

    das orchestrale argument kann ich gut nachvollziehen. da eröffnen sich andere dimensionen um verschiedenste klänge besser zusammen zu organisieren.

    aber ich denke die aussage ist auf ein klangelement/effekt fokussiert.
    ich empfinde es so dass ein bestimmter klangeffekt *mich* bewegt weil ich ihn mit bestimmten erfahrungen verknüpfe. zbsp dopplereffekt > ich bewege mich auf eine klangquelle zu.

    man kann mit dieser akustischen simulation sicherlich spielen. entweder man versucht extremes schwirren, hektik, irritation hervorzurufen (dubstep) oder man versucht den absoluten ruhepunkt zu finden(evtl diese vokalmusik)
     
  21. psicolor

    psicolor Busfahrer und Bademeister

    Das is mir neu! Wundert mich auch, da sich ein Klavier ja tatsächlich ein wenig anhört wie ein "ge-Chorustes" CP80
     
  22. Ludwig van Wirsch

    Ludwig van Wirsch bin angekommen

Diese Seite empfehlen