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Kunst und Finanzierung

Das hat jetzt nicht direkt mit Synthesizern zu tun, aber irgendwie dann doch.


 
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M.i.a.u.: Moogulator und oli
  • #31
nette Vögel und freundliche Tiere
mein Garten ist eher "naturbelassen" - freut die Viecher (auch wenn's meistens Katzen sind) und meinen Rücken. :mrgreen:
Mähen ab und zu muss wohl, auch wenn wir schon mal über die Anschaffung einer Ziege nachgedacht haben (Enten gingen auch, aber die fressen alles kahl).

und eine sinnvolle Förderung viel höher sein müsste
eigentlich schon. Aber wenn man sich mal anschaut, was so gefördert wird, im Staat - wo soll denn da noch was erkleckliches für sowas unnützes wie Kunst übrigbleiben?

Wenn man Kunst wirklich fördern wollte, dann müsste man auch kostenlos arbeitenden Theatergruppen, illegales Graffitti oder Kindertanzgruppen durch ein Künstler-BGE fördern, und nicht nur Ein-Mann-Unternehmen mit nachgewiesenen Chancen auf Gewinn.
Eigentlich richtig - nur, dass dann halt jeder Boheme plötzlich zum förderungswürdigen Künstler wird. Und dann das Gemecker der Nettosteuerzahler ...
Ich bin natürlich sowieso ein Freund des bedingungslosen Grundeinkommens, aber das geht sich ermutlich erst mit der Vollrobotisierung inkl. KI-Herrschaft aus. 🤷‍♂️
 
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M.i.a.u.: Synthesilent
  • #32
Räume für lau findet man in jeder Stadt, aber die Leute (auch Du?) müssen mal zwei Dinge verstehen, nämlich

1.) dass sich mit dem Sozialhilfesatz plus Zerquetschte nur sehr schwer erfolgreich selbstständig zu machen ist und eine sinnvolle Förderung viel höher sein müsste, damit man auch wirklich arbeiten kann, und dass,

2.) völlig unabhängig davon, es ziemlich bescheuert ist, Kunst nur dort zu fördern, wo durch sie Erwerbseinkommen entsteht.
Wenn man Kunst wirklich fördern wollte, dann müsste man auch kostenlos arbeitende Theatergruppen, illegales Graffitti oder Kindertanzgruppen durch ein Künstler-BGE fördern, und nicht nur Ein-Mann-Unternehmen mit nachgewiesenen Chancen auf Gewinn.
Im Grunde genommen wird hier also Erwerbsarbeit gefördert und nicht Kunst, und da mache ich drei Fragezeichen dran.


Interessant ist bei Irland, dass die eigentlich eine sehr moderne Grundsicherung am Start haben.
Die Sozialhilfe ist hoch, die Arbeitsvermittlung effektiv, und bei Menschen, die mal Besserverdiener waren und sehr viel Steuern und SV-Beiträge eingezahlt haben, kann Sozialhilfe sogar ohne Vermögensprüfung gewährt werden (das könnte man ganz grob mit der alten Arbeitslosenhilfe vergleichen die 2004 abgeschafft wurde, und die auch so eine Art Puffer zwischen Versicherungsleistung und Sozialhilfe war.)

Insofern hätte man sich vom Künstler-BGE dort eigentlich mehr erwartet als den üblichen systemstabilisierenden Scheiß, der Kunst in gute und schlechte Kunst unterteilt und die gute nur die ist, aus der man eine Firma machen kann und will und mit der man dann Geld verdient.

Während es neben diesem erwerbsarbeits- und profit-orientierten System dann aber komischerweise zuhauf öffentlich geförderte Kunst gibt und Theater und Orchester mit zweistelligen Millionenbeträgen vom Steuerzahler subventioniert werden - wo komischerweise niemand fragt, warum sich deren Arbeit nicht rechnen muss.

Denn da bezahlt zwar auch der Steuerzahler deren Existenz, aber da es von der Form her Erwerbsarbeit ist, ist es dann plötzlich wieder kein Problem.

Und streng genommen ist es sicherlich auch für die Künstler besser, wenn der Staat Kunst nicht dadurch fördert, dass er einige wenige handverlesene Sozialhilfeberechtigte vom Vermittlungvorrang freistellt, sondern zum Beispiel einfach öffetniche Theater gründet und die Leute dort fest anstellt, mit dem Ergebnis, dass die Künstler dann später auch mal Rente bekommen werden...
Ja, das wäre allerdings ein Bereich der wirklich mit Hartz und echter Absicherung zu tun hat.
Aktuell wäre mir schon lieb, wenn einfach so viel an Kunst generell geholfen wäre, also vielleicht erst einmal einfacher ein paar Locations zu finden, doch - das ist schwer. Hier sind Städte, aufm Dort mag das leicht sein, aber schon irgendwelche Vorschriften manchen vieles unmöglich.

Wusstest du, dass man in einem Gewerberaum nicht schlafen darf? Sowas beklopptes muss man sich auch erst mal ausdenken.
 
  • #33
Eigentlich richtig - nur, dass dann halt jeder Boheme plötzlich zum förderungswürdigen Künstler wird. Und dann das Gemecker der Nettosteuerzahler ...

Dann muss man es halt im Nachhinein streng prüfen.

Wenn Du heute Bilder malen willst und 10 Leinwände brauchst, die 1000 Euro kosten, dann kannst du als Hartz IV Empfänger entweder 2 Jahre lang am Essen sparen oder einen Antrag beim Amt stellen, wo du dann einem kognitiv minderbemittelten Sachbearbeiter, der selbst nicht mal überhaupt irgendeinen Beruf erlernt hat, erklären musst, warum Dein Unternehmenskonzept vielleicht sogar aufgehen wird.

Dann wirst Du aufgefordert "nachvollziehbare Nachweise" dafür einzureichen und bekommst abschließend zur Antwort "hier gibts aber nur Bildugsgutschein oder Eingliederungszuschuss" (also Subventionen für Maßnahmefirmen oder Subventionen für deinen Arbeitgeber) und die anderen 20 gesetzlich vorgesehenen Förderungen werden schon mal grundsätzlich nicht gewährt.

Deswegen beantragt das dann auch erst keiner, weil darauf niemand Bock hat.

Aber um zum Anfang zurückzukommen: Nach Ablauf des Jahres zu überprüfen, ob die Bilder gemalt wurden oder nicht und ob sie bei Oma hängen oder in einer Galerie, das dürfte kein Problem sein.
 
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  • #34
Wusstest du, dass man in einem Gewerberaum nicht schlafen darf? Sowas beklopptes muss man sich auch erst mal ausdenken.

Ich sehe nicht, warum man in einem Konzertsaal, einem Ausstellungsraum oder einer Disco schlafen sollte.

In Offenbach und Frankfurt gibt es aktuell über 200 Zwischennutzungsverträge für Veranstaltungsräume, Fotostudios, Musikstudios, Ateliers, Ausstellungsräume usw., von Baustellen über Ladengeschäfte, Bahnhöfe, Bunker, ehemalige Behörden, öffentliche Plätze ist da alles dabei was man sich vorstellen kann.

Auch der Hafen2 wo Du letztes Jahr warst, gehört dazu.

Dass man sich dann auch um sauberes Trinkwasser oder freie Fluchtwege kümmern muss sollte selbstverständlich sein.

Es nützt nur dem Künstler alles nichts. Denn der muss ja in unserem System samstags abends an der Tankstelle aushelfen oder er kann sich kein Laptop oder keine Leinwände leisten.
 
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  • #35
Aber um zum Anfang zurückzukommen, nach Ablauf des Jahres zu überprüfen, ob die Bilder gemalt wurden oder nicht und ob sie bei Oma hängen oder in einer Galerie, das dürfte kein Problem sein.
deswegen ja meine Ausgangsfrage, was mich objektiv qualifiziert. Wenn meine Bilder nur bei Oma hängen, müssen sie nicht weniger Kunst sein, als wenn sich eine Galerie dafür interessieren würde, oder?
Meine zynische These ist ja, dass Kunst eh danach definiert wird, dass jemand bereit ist, etwas dafür zu bezahlen ...
 
  • #36
deswegen ja meine Ausgangsfrage, was mich objektiv qualifiziert. Wenn meine Bilder nur bei Oma hängen, müssen sie nicht weniger Kunst sein, als wenn sich eine Galerie dafür interessieren würde, oder?
Meine zynische These ist ja, dass Kunst eh danach definiert wird, dass jemand bereit ist, etwas dafür zu bezahlen ...

Das ist indirekt genau so, aber aus der Sicht von irischen Politikern ist es die Perspektive mit der Erwerbsarbeit - also das Schöpfen von Kunst ist schon nur erwünscht, wenn jemand mindestens versucht, dadurch auch Einnahmen zu generieren.

Es ist so ein bischen wie mit der Wissenschaft oder der Carerbeit auch. Meine geschäftsmäßg erbrachte, rechtliche und pschosoziale Beratung, die ich jahrelang in Vollzeit betrieben habe, sieht sich auch immer der Nachfrage ausgesetzt, warum ich da kein Geschäftsmodell daraus gemacht habe, und meine Mitarbeiterinnen sich dem Vorwurf, sie würden sich dadurch ja dem "Arbeitsmarkt" (sic!) entziehen - dabei arbeiten wir mehr Stunden und qualifizierter als die Behördenmitarbeiter.... wir sind der Arbeitsmarkt.

Okay, bei Kunst muss man einräumen, dass das im Einzelfall natürlich immer sehr schwer einzuordnen ist. Und es wäre auch naiv zu erwarten, dass der Steuerzahler die Selbstverwirklichung einen verrückten Eremiten finanziert, der im Wald aus 12 Millionen Streichölzern den Eiffelturm nachbaut, den er aber niemandem zeigen will, und das dann "Kunst" nennt. :)
 
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  • #37
Die Kunst an sich hat doch keine Zukunft mehr, sie ist auch nicht systemrelevant.
Weil man davon nicht mehr leben kann, wird das berufliche Ausüben von Kunst nur den wenigen wohlhabenden Menschen vorbehalten sein, die sich das leisten können.
Bewegen wird sich da garnix.
Hoch leben die Künstlichen Intelligenzen, die können sich dann untereinander treffen und miteinander reden.
99% des Forum hier lebt nicht von (zumindest musikalischer) Kunst, trotzdem haben die meisten Spass daran und sozialer Austausch, Treffen etc. bleiben ja auch nicht aus.

Vielleicht sollte man sich lieber zehn zwangsfinanzierte und millionschschwere Indendaten mit entsprechendem Wasserkopf sparen, regionale Ableger kann man auch zentral verwalten. Dann wäre auch noch was für Kunst und Kultur übrig.
 
  • Gute Idee
M.i.a.u.: Scenturio
  • #38
Sowas ähnliches hatten wir hier auch schon: https://www.sequencer.de/synthesizer/threads/das-messen-von-kreativitaet.175984/

Der Kollege wollte wissen, wie man Kreativität messen könnte, um möglichst Bezüge vom Staat zu erhalten, ohne zur Arbeit gehen zu müssen. Das geht am Ende in eine sehr ähnliche Richtung. "Staat, subventioniere mein Leben, weil ich wegen meiner Kunst keine Zeit habe, einem Arbeitsverhältnis nachzugehen."
 
  • #39
sie ist auch nicht systemrelevant.
Sehe ich ein wenig anders. Kultur schaffen zähle ich mal zu den reproduktiven Tätigkeiten. Die sind schon wichtig für eine gewisse gesellschaftliche Gesamt-Zufriedenheit und letztendlich auch wichtig für eine funktionierende Wirtschaft. Da aber nicht direkt in die Wertschöpfungskette integriert wird es als wertlos betrachtet. In etwa wie Kinder großziehen, Alte pflegen oder Wohlstandsmüll entsorgen.

Leider driften wir gerade in die Richtung, das alles zu entwerten.
 
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M.i.a.u.: Bernie und einseinsnull
  • #40
Sowas ähnliches hatten wir hier auch schon: https://www.sequencer.de/synthesizer/threads/das-messen-von-kreativitaet.175984/

Der Kollege wollte wissen, wie man Kreativität messen könnte, um möglichst Bezüge vom Staat zu erhalten, ohne zur Arbeit gehen zu müssen. Das geht am Ende in eine sehr ähnliche Richtung. "Staat, subventioniere mein Leben, weil ich wegen meiner Kunst keine Zeit habe, einem Arbeitsverhältnis nachzugehen."

Die Frage ist halt wer denn entscheiden soll, was Herr A tut.

Du, Herr B., bist der Meinung, dass Herr A gefälligst tun soll, was Du willst.

Du solltest das aber wohl sinnvollerweise genauso wenig alleine entscheiden wie Herr A es nicht alleine entscheiden sollte, das geht letztlich immer nur gemeinschaftlich.
 

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