Räume für lau findet man in jeder Stadt, aber die Leute (auch Du?) müssen mal zwei Dinge verstehen, nämlich
1.) dass sich mit dem Sozialhilfesatz plus Zerquetschte nur sehr schwer erfolgreich selbstständig zu machen ist und eine sinnvolle Förderung viel höher sein müsste, damit man auch wirklich arbeiten kann, und dass,
2.) völlig unabhängig davon, es ziemlich bescheuert ist, Kunst nur dort zu fördern, wo durch sie Erwerbseinkommen entsteht.
Wenn man Kunst wirklich fördern wollte, dann müsste man auch kostenlos arbeitende Theatergruppen, illegales Graffitti oder Kindertanzgruppen durch ein Künstler-BGE fördern, und nicht nur Ein-Mann-Unternehmen mit nachgewiesenen Chancen auf Gewinn.
Im Grunde genommen wird hier also Erwerbsarbeit gefördert und nicht Kunst, und da mache ich drei Fragezeichen dran.
Interessant ist bei Irland, dass die eigentlich eine sehr moderne Grundsicherung am Start haben.
Die Sozialhilfe ist hoch, die Arbeitsvermittlung effektiv, und bei Menschen, die mal Besserverdiener waren und sehr viel Steuern und SV-Beiträge eingezahlt haben, kann Sozialhilfe sogar ohne Vermögensprüfung gewährt werden (das könnte man ganz grob mit der alten Arbeitslosenhilfe vergleichen die 2004 abgeschafft wurde, und die auch so eine Art Puffer zwischen Versicherungsleistung und Sozialhilfe war.)
Insofern hätte man sich vom Künstler-BGE dort eigentlich mehr erwartet als den üblichen systemstabilisierenden Scheiß, der Kunst in gute und schlechte Kunst unterteilt und die gute nur die ist, aus der man eine Firma machen kann und will und mit der man dann Geld verdient.
Während es neben diesem erwerbsarbeits- und profit-orientierten System dann aber komischerweise zuhauf öffentlich geförderte Kunst gibt und Theater und Orchester mit zweistelligen Millionenbeträgen vom Steuerzahler subventioniert werden - wo komischerweise niemand fragt, warum sich deren Arbeit nicht rechnen muss.
Denn da bezahlt zwar auch der Steuerzahler deren Existenz, aber da es von der Form her Erwerbsarbeit ist, ist es dann plötzlich wieder kein Problem.
Und streng genommen ist es sicherlich auch für die Künstler besser, wenn der Staat Kunst nicht dadurch fördert, dass er einige wenige handverlesene Sozialhilfeberechtigte vom Vermittlungvorrang freistellt, sondern zum Beispiel einfach öffetniche Theater gründet und die Leute dort fest anstellt, mit dem Ergebnis, dass die Künstler dann später auch mal Rente bekommen werden...