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Live Coding vs Vibe Coding

Live Coding im Synthesizer Journal​


Trance Live Coding​


Heute ist internationaler Tag für Live Coding *. Eine Form von Performance, bei der wirklich die Musik mittels Programmcode erzeugt wird und in Echtzeit verändert wird.


Switch Angel ist schon länger online und erklärt, wie sie mittels Live Coding Musik macht. Ihr Stil liegt irgendwo auch bei Gitarren / Metal Einflüssen und macht das per Code. In diesem Fall geht es darum, ein Stück Trance zu machen. Mit Vocals. Das klingt dann so:




Faktisch gibt im Code Anweisungen, die meist Samples spielen, sie zerhacken, Pausen und Skalen aufbauen. Die Längen und Notenfolgen werden einfach genau so als Sequenz und Code abgelegt, wie man das beim Coden erwartet, als Datenzeilen oder als Befehle, die bestimmte Samples in einer bestimmten Weise spielen.


Eine der bekannteren "Tools" dafür ist Tidal Cycles. Es handelt sich um eine offene und freie Software, die du nutzen kannst. Wie immer gibt es natürlich auch eine Programmiersprache dahinter. Tidal Cycles ist in Haskell geschrieben, einer Sprache, die in zu Beginn der Neunziger ersonnen wurde, die Synthese, MIDI und damit die wichtigen Kontroll-Strukturen bereit stellt. Die Version für das Internet ist Strudel.




Interessant ist auch, dass sich leicht polyrhythmische Strukturen bauen lassen, da man meist kleine, wirklich kurze, Sequenzen baut und die durch auskommentieren "mutet" und im Live-Betrieb von oben nach unten als Zeilen aktiviert und jeweils parallel laufen lässt. Es liegt auf der Hand, dass auch generative Skripte möglich sind.


(Wer damals BASIC programmiert hat, kennt vielleicht "REM" Zeilen, die für Kommentare reserviert waren, oder die in Skripten wie PHP und Co. die etwa solch eine Form hatte: /* Eingeklammerte Kommentare */. Wenn man das tut, löscht man nichts, aber der Code steht schon da und ist "ausgegraut" bzw. nicht aktiv).


Wie sieht ein Live Coding Programm aus?​


Hier siehst du zum Beispiel, wie Samples mit dem s "…" Kommando wie Mellotron, Juno oder Percussion geladen werden, geloopt und zerteilt und in ein Zeitverhältnis gesetzt werden. Die Werte werden im laufenden Prozess auch geändert. Du siehst also, wie der Performer (Axel Ganz) genau das tut. Zu einem Zeitpunkt wird das Skript immer wieder "aktualisiert". So werden dann Loops, Mutes und Sequenzen in einem zeitlichen Verlauf durch den Musiker aktivierbar und steuerbar. Es können Bereiche angegeben werden und vieles mehr.


Es gibt natürlich auch Reverb und Lautstärkensteuerungen (gain), die meisten Werte liegen zwischen 0 und 1 und werden oft mit 2-3 Stellen hinter dem Komma notiert.


Mit Chop kann man eine Stottersequenz oder einen Drumloop bearbeiten und ausgeben, es gibt sogar übereinander liegende Samples, die du an dem "Stack" Begriff erkennst.


Ein typisches Konzert eines Live Coders sieht typischerweise so aus, dass ein Beam des Bildschirms gezeigt wird. Hier der von Pondkater.


Hier findest du Filter und Modulationen (Slow, Saw) und vieles, was du aus dem Synthesizer-Bereich kennst. Die kleinen Sequenzen von Formaten stehen hier einfach direkt im Code (vowel zeigt einfach die Vokale von a bis u. Das ist also wie mehrere Spuren angelegt und enthält auch gleich alle Modulationen und Sequenzen.

Pondskater Skript.webp

Live Coding Bassdrum Beispiel​


Wenn du eine Bassdrum spielen willst, dann gibst du erst einmal eine Spur an und ihre Wiederholung, wie d1 $ s "kick*4" # gain 0.8 # pan (slow 8 $ sine), das d1 ist einfach eine Spur in Tidal Cycles, die vier mal eine Bassdrum abspielt, also "einfacher Techno". Die wir langsam im Stereo-Feld bewegt und dafür wird eine Sinuswelle als LFO zur Modulation eingesetzt.


Das $ Zeichen ist einfach ein Bereich mit Daten "dies bitte tun", mit dem # Zeichen werden die passenden Parameter "angesetzt" und silence muted die Spur.


Mit "toScale" setzt du eine Tonleiter zusammen, hier werden also Töne in eine sinnvolle nicht zufällige Tonleiter eingesetzt und kann damit Arpeggien spielen. Die Listen der Töne werden mit "cat" zusammengefügt und können unterschiedlich schnell gespielt werden. Replicate wiederholt hier beispielsweise einen Teil und damit baust du dir Melodien, Bässe und Begleitmuster.


So ergibt sich ingesamt eine nicht mehr krypische sondern eine klare Struktur für deine Songs, sie sind quasi ausnotiert an einer Stelle und werden live aufgerufen. Denn der Live-Teil ist wirklich groß geschrieben beim Live-Coding.
Pondskater.webp


Mehr für Neugierige. Tutorials und Lernquellen für Live Coding:
Tidal Cycles (Live Coding für Musik) im Browser: - Beispiele für / mit Strudel https://news.ycombinator.com/item?id=39924210
- Informationen über das Live Coding https://garten.salat.dev/096-the-superdough-puzzle/
-mehr und weitere Tutorials und Lernkram hier https://kabel.salat.dev/

Vibe Coding​


…ist ein Begriff für das erstellen von Code mittels KI, was zunehmend auch in den Bereich der Audio und Synthesizer-Software kommt. Aktuell gibt es einige schnell gehackte Tools, die ältere Synthesizer simuliert. Darunter viel von Ensoniq (DP4, SD1…). So gut das auch ist, aber es ist weitgehend 1:1 die Bedienung des Originals.


Es ist quasi fast das Gegenstück zu Live Coding, wo KI gar keine Rolle spielt. Aktuell zumindest noch,


* Natürlich habe ich diesen Tag nur ausgerufen, ob es einen internationalen Live-Coding Tag gibt, kann man eine freundliche KI oder die Erfinder und Performer fragen. Es wäre aber gut, wenn es ihn gäbe.

Pondskater auch in der Vinylsammlung…
⬇️
IMG_7562.webp
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: PWM
Dachte, ich klick das nochmal, weil wir ja auch einen schönen Live Coding Thread haben.

Generell haben wir eine Nerdzone.

Oder auch sowas:
Interessiert an einem Austausch zum Thema DSP-Entwicklung?
 
Zu Live Coding kann ich nichts sagen, klingt nach einer interessanten Live Performance, bissel Steinzeit, aber Live ist Steinzeit ja schon wieder cult.

Vibe Coding hingegen ist der neuste sh1t und es ist perfekt für Leute die nix können, aber unbedingt trotzdem was machen möchten. Quasi Synth 2.o. Es ist wirklich krass, ein VST3 Plugin? Kein Problem, man muss nur 2 Programme installieren, Chatgpt sagen was man möchte „Ein Delay Plugin mit Distortion“, code kopieren, kompilieren, fertig ist das VST3 Plugin. Ein kleiner Photoshop Klon in HTML…ein Prompt. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt, so lange die Größe des Codes im Context Fenster der AI bleibt.
 
es gibt da gute Performer, da kann ich leider nur sagen - mehr hören und live erleben.
Etwas pauschal, ist wie "Instrument XY geht nicht mehr".

 

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