Potentialausgleichsbuchsen

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von tomcat, 22. September 2006.

  1. tomcat

    tomcat -

    Habs bisher noch nie gebraucht aber teilweise schon immer gehabt. Mich würde nur mal interessieren wie das mit dem Potentialausgleich so funktioniert.

    Also meine Lötstation hat so eine Buchse vorne. Mein Netzteil hat auch eine Erdungsbuchse. Was macht man damit eigentlich? Ausser das sie da ist hat sie für mich in den letzten 20 Jahren nix gemacht ;-)

    Mit einem Erdungsband oder einer Matte das versteh ich ja:

    1. Erdungsband: Von einer Erdung (Schutzkontakt z.b.) geht man ja über ein hochohmiges Kabel an das Armband (Erdungsband).

    2. Matte & Band: W.o., das Kabel geht jedoch zur Matte und von dort zum Armband.

    Soweit so logisch.

    Wozu sind jetzt die Potentialausgleichsbuchsen an den o.a. Geräten? Die haben ja imho nicht den Sinn an die Erdung angeschlossen zu werden, das passiert ja eh über das Netzkabel.

    Sind die jetzt dazu da um sich dort direkt mit einem Erdungsband oder der Matte anzuschliessen oder wie?

    ---

    Und wie ist das eigentlich mit diesen Matten? Sind die elektrisch leitend? D.h. man sollte nicht einfach einen Print drauf liegen haben zum testen?

    P.S. Ist mehr theoretisches Interesse, ich bin bisher ohne ausgekommen und werds imho auch noch in Zukunft tun ;-)
     
  2. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich nutzte gerne Pappe oder Papier (diese Werbe-Kalender-Notiz-Schreibtischunterlagen gehen gut), das lädt sich unter Laborbedingungen nicht auf und leitet auch nicht.

    An der Weller-Station ist die Buchse mit der Lötspitze verbunden. Labostandard ist offen - wie soll man sonst an Sachen unter Spannung löten :twisted: ?
    Gedacht ist das für eine hochohmige Verbindung zur Erde, damit sich die Spitze nicht aufladen kann.

    Hochohmig deshalb damit die Ströme klein bleiben. Das schont Mensch und Material falls da doch mal Spannung anliegt....

    Am Labornetzteil ist die Erdbuchse mit Erde verbunden - ist bei empfindlichen Testaufbauten durchaus praktisch, wenn man damit schnell mal ein Blech oder eine 'einseitige' Platine zwecks Abschirmung auf Masse legen kann.

    Generell legt der Potentialausgleich sonst 'fliegende' Blechteile auf Erde. Das Phänomen ist von HiFi-Anlangen mit zweipoligem Stecker bekannt: Das Gehäuse hat die Tendenz auf 115V zu liegen, weil von beiden Netzpins ungefähr die gleich Koppelkapazität aufs Gehäuse wirkt: kapazitiver Spannungsteiler, macht eben 230/2=115V.
    Und damit man diese Ableitströme jetzt nicht sonstwo (empfindliche Signalkabel oder Menschen) hat gibt es eben den Potentialausgleich.
     
  3. Level5

    Level5 Alter (Dudel) Sack

    Die Oberseite der Matte ist nicht leitend, du kannst deine Platinen direkt drauf ablegen.
    Die Matten bestehen meist aus Naturkautschuk, die Unterseite ist mit einer hochohmig leitenden Graphitschicht beschichtet.
     
  4. tomcat

    tomcat -

    Danke für die Infos vorab!

    Das mit dem NT hätt ich eigentlich auch mal ausmessen können ;-) Stimmt, ist direkt mit Erdung verbunden.

    D.h. wenn ich ein Erdungsband verwenden würde (das überleg ich mir evtl.) dann kann ich das dort anschliessen und brauch keinen Schuko Adapter. Korrekt?

    ---

    Zu den Matten: Obwohl die nicht leitend sind funktioniert die Ableitung der Statik? Gut das ich mich damit so wenig auskenne ;-) Dachte das die zumindestens hochohmig sind.

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    Pappe als Unterlage. Auch eine Idee. Ich löte und teste immer auf meiner Tischplatte, ist so eine beschichtete Arbeitsplatte, wies in der Küche Verwendung findet.

    ---

    Gibts eigentlich noch so empfindliche Cmos heutzutage das man Erdungsband usw. braucht? In den alten Geräten kann ichs mir schon vorstellen, es gab früher ja einige Chips die recht empfindlich waren.
     
  5. Das Erdungsband sollte zumindest hochohmig sein (wie Fetz schon schrieb) wenn es an Masse angeschlossen wird.

    Elektrostatik hält sich nicht an leitende Materialien - siehe Wollpullover.

    Eigentlich ist jedes elektronische (aktive) Bauteil gefährdet - viele Chips haben aber Schutzdioden drin.
    In meiner 4ma wird extrem drauf geachtet, ich muss sogar ESD-Schuhe tragen.
     
  6. tomcat

    tomcat -

    Solange noch nicht ESD Unterhosen vorgeschrieben sind gehts ja noch :lol:
     
  7. :D

    Ich seh' das auch nicht so eng.
    Zu Hause habe ich so was nicht, man weiß ja auch gar nicht, welche Chips mehr oder weniger empfindlich sind, bei CMOS ok, da fasse ich vorher mal das Gehäuse vom Scope an, bevor ich sie aus dem Moosgummi nehme.

    Ein ESD-Schutz macht auch dann nur richtig Sinn, wenn er vollständig ist.
    Was auf dem Transportweg passiert, weiß keiner.

    Intel macht uns immer den Vorwurf, keinen ausreichenden ESD-Schutz zu haben, wenn wir defekte CPUs zurückschicken. Sie behaupten, sie würden das feststellen können.
    Feststellen kann man das bestimmt, aber ich glaube nicht, daß sie das bei jeder CPU machen, der Aufwand dafür wäre viel zu hoch.
    Wahrscheinlich wollen sie sich vor der Gewährleistung drücken.
     

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