Projekt fertiggestellt: Jecklin-OSS-Scheibe

Dieses Thema im Forum "Studio" wurde erstellt von ppg360, 19. Juli 2006.

  1. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Hallo allerseits,

    nachdem ich jetzt lange Zeit auf der Suche nach dieser Vorrichtung war, habe ich den Entschluß gefaßt, selbst die Fertigstellung dieses Projektes in die Hand zu nehmen. Fertig zusammengebaute Jecklin-Scheiben kosten um die 200,- Euro, das ist doch ziemlich heftig.

    Für diejenigen, die nicht wissen, um was es sich handelt, eben kurz ein bißchen Hintergrundinfo: Dieses Aufnahmeverfahren wurde beim Schweizer Rundfunk von Jürg Jecklin entwickelt, der sich fragte, ob es möglich sei, Aufnahmen von größeren Ensembles mit relativ geringem Aufwand und mit wenig Mikrophonen zu realisieren. Er experimentierte mit zwei Mikrophonen in Kugelrichtcharakteristik, die er links und rechts von einer Scheibe anbrachte, welche er zur besseren akustischen Trennung mit Schaumstoff beklebte. Die Resultate waren so gut, daß dieses Verfahren lange Zeit beim Rundfunk verwendet wurde. Im Prinzip handelt es sich um eine binaurale Aufnahme, ähnlich dem Kunstkopf, allerdings mit dem Unterschied, daß man nicht auf fest installierte Kapseln angewiesen ist, sondern je nach Budget Mikrophone austauschen kann. Ich selbst habe vor über zehn Jahren mal einen Artikel im SOLO über dieses Aufnahmeverfahren gelesen, und mir erschien das Konzept so schlüssig, daß ich es selbst lange Zeit mal in die Tat umsetzen wollte.

    Ich habe mir mit einer etwa 40cm messenden Sperrholzscheibe von 1cm Dicke beholfen, die ich auf einen Metallwinkel montiert habe, der eine passende Bohrung für einen Mikrophonständer hat. Auf beiden Seiten habe ich 4cm dicken Noppenschaumstoff angebracht (der Zuschnitt erfolgte von Hand; sollte es mich eines Tages kosmetisch stören, werde ich mir nochmal Ausschnitte beim Polsterer anfertigen lassen). Einziges Problem war die Steckachse, die an beiden Enden die Reduziergewinde zur Aufnahme der Mikrophonspinnen aufnimmt: Blöderweise sind das nämlich Zollmaße, und Gewindestangen oder Schrauben dieser Art sind hier so gut wie nicht zu bekommen. Gottseidank konnte mir mein Schwager die Gewinde auf reguläres M10-Maß umschneiden, sodaß eine 3.5cm langes M10-Gewindestück nebst Unterlegscheiben (zur Stabilisierung) als Achse verwendet werden konnte. Ausgerichtet wurde die Bohrung so, daß die Mikrophone auf die Mitte der Scheibe gerichtet sind.

    Als Mikrophone können alle Typen mit Kugelcharakteristik verwendet werden (Niere oder Hyperniere produzieren Problem mit Phasenauslöschungen). Ich verwende derzeit T.Bone SC-150 mit Wechselkapseln; wenn eines Tages das Budget stimmt, werde ich mir Neumann KM-185, Schoeps Colette oder Sennheiser MD-211 zulegen. Theoretisch sollte es auch möglich sein, Großmembranmikrophone zu verwenden, allerdings müssen dann die Halterungen anders plaziert werden. Technisch sollte die Umsetzung nicht übermäßig kompliziert sein.

    Falls Interesse besteht, werde ich mal in Kürze ein paar Bilder in die Gear-Abteilung bei mir stellen.

    Danke für´s Lesen,

    Stephen.
     
  2. Jörg

    Jörg |

    Du hast nicht geschrieben, ob die Ergebnisse zufriedenstellend sind. ;-)
    Wofür braucht "man" so was überhaupt? Was würde der gewöhnliche Wald-und-Wiesen-Elektroniker damit aufnehmen?
     
  3. Moogulator

    Moogulator Admin

    ja, cool.. vielleicht hast du schon ein paar aufnahmen damit gemacht?
    kenne die aufnahmeverfahren generell und weiss auch wie sowas in etwa klingt..

    das md ist nicht übel, aber ich glaube für diese anwendung würd ich eher die neumänner oder das schoeps nehmen..

    hab übrigens immer respekt, wenn mechanisches dazukommt ;-)
     
  4. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Hallo allerseits,

    Aufnahmen habe ich noch nicht damit gemacht, die Scheibe ist gestern abend erst fertig geworden. Im Prinzip klingt es wie eine ordentliche Stereoaufnahme (besonders wirkungsvoll unter dem Kopfhörer); und ich betrachte mich ja selbst weniger als Feld-, Wald- und Wiesenelektroniker :).

    Sehr schön ist z. B., dieses Aufnahmesystem zur Abnahme raumakustischer Aufnahmen (Kirchenkonzert mit Phelios, z. B.) oder als Stereoaufnahmemöglichkeit für Percussion, akustische Instrumente oder dergleichen zu verwenden. Auch für Field Recordings oder die Aufnahme von Chören habe ich mir das System zusammengestellt; ich habe hier Kontakt zu einem Frauenchor, mit dem ich gerne mal was machen würde (nicht, was ihr jetzt denkt, Schlingel!). Wenn man mit interessanten Klängen arbeiten will, kommt man irgendwann nicht mehr um Mikrophone herum. Ich überlege mir noch, ob ich die Scheibe auch für mobile Einsätze verwenden soll; allerdings brauche ich dafür wieder eine portable Phantomspeisung für die Mics, was wieder zusätzlichen Aufwand bedeutet, denn auf´m Acker gibt´s ja meist keine Steckdosen. Da werde ich hoffentlich bald einen Kunstkopf für verwenden können.

    Ja, die Schoeps und die Neumänner stehen auf meinem Wunschzettel, aber das geht momentan leider nicht. Für das Geld kann ich mir das ganze Studio komplett einrichten...

    Stephen
     
  5. Ermac

    Ermac Tach

    Ich kennen jemanden, der im November da seine beiden AKG Großmembranmikros dran macht um ein Darkambient Konzert aufzuzeichnen. :)
     
  6. Jörg

    Jörg |

    Das befürchte ich auch.
    Wenn bloß die mobilen Aufnahmemöglichkeiten nicht so teuer wären.
    Egal - anderes Thema.
     
  7. tulle

    tulle bin angekommen

    Du hast doch eine Bandmaschien. Bischen Retro, geht aber.
    Kennt ihr das Buch vom Jecklin? Gabs mal im Franzis-Verlag. Da hat er seine Scheibe und Aufnahmen mit dieser vorgestellt.
     
  8. Jörg

    Jörg |

    Ja, das geht schon, aber meine sind teilweise ganz schön schwer.
    Wenn mich mal der Hafer sticht, nehm ich eine mit um einen Live Auftritt mitzuschneiden.

    On topic: Interessant wäre ein A-B-Vergleich einer "konventionellen" Aufnahme und einer Aufnahme mit der Scheibe.
     
  9. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Ich habe mal ein paar Bilder in meine Gear-Abteilung gestellt, sind aber unbearbeitet und nicht aufrecht gestellt :). Aber das konntet Ihr euch bestimmt schon denken... ;-)

    Stephen
     
  10. Plasmatron

    Plasmatron bin angekommen

    ich hör hier immer Neumann oder Schoeps - Brüel & Kjaer nennen sich jetzt DPA - Modell 4004 ;-) ....
     
  11. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Gott... die sind ja fast noch teurer...

    Stephen
     
  12. Plasmatron

    Plasmatron bin angekommen

    Jo, und da brauchst du auch einen Preamp der 130 Volt liefert.. gibts aber auch von anderen Firmen als von DPA, zB von Millennia :tralala:

    Gerade die Mini Mikrofone von DPA sind der Hammer, hab die täglich in der Hand , das glaubt man nicht !! schau dir mal zB die 4060 an , sind nicht soo teuer aber klingen besser als mancher Großer ( die sieht man auch immer im fernsehen an den Kopfbügeln ). Die meisten Leute denken halt , Mikro klein, das kann nix sein - ist aber eine ganz andere Technik als bei den normalen undso... Du kannst die 4060 mit hilfe des Grids auch schon Frequenzgang korrigieren...
     
  13. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Ich glaube, das 4060 würde ich eher verwenden, um z. B. die Kapseln in einem Kunstkopf auszutauschen oder zu verbessern; für die Anwendung an der Jecklin-Scheibe scheinen sie mir aufgrund der Baugröße etwas unterdimensioniert. Vor allem müßte ich mir da eine neue Befestigungsmöglichkeit einfallen lassen.

    Ich werde bei der nächsten Revision meiner Scheibe hier auch noch um 90° versetzte Bohrungen anbringen, damit man Großmembranmikrophone aufrecht stehend anbringen kann. Damit werde ich mir allerdings erstmal ein bißchen Zeit lassen ;-).

    Stephen
     
  14. mira

    mira bin angekommen

    Halte dir mal beide Hände hinter die Ohren. Das ist in etwa der Effekt, den du mit Jecklinscheiben erreichst.

    Ich würde das nie für eine ganze Aufnahme verwenden sondern nur als Zusatz oder für einzelne Instrumente bzw. zum Beimischen.
     
  15. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Naja, eine Bandmaschine nimmt man nicht so einfach mit auf den Acker, wenn man z. B. field recordings machen will. Es sei denn, man hat eine Nagra IV, aber das ist wieder ein anderes Thema... zumal richtig gute Mikros auch eine mobile Phantomspeisung brauchen, und das geht auch wieder richtig ins Geld.


    Stephen.
     

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