...Re-Capping für Dummies...

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von fairplay, 26. Februar 2010.

  1. fairplay

    fairplay Tach

    ...ich versuche zu verstehen, was das ist, warum man das macht, wie man das macht und ob es Strategien gibt sich vorzubreiten, bzw. bei der Durchführung - und ich würde gerne einschätzen, ob ich das selbst machen kann...

    ...was ist der Hintergrund des 'Re-Capping'?...

    ...wenn ich richtig verstehe, dann werden Kondensatoren alt - es gibt wohl Modelle, welche sich 'auflösen', bzw. 'verflüssigen'; neben der Sauerei, die das veranstaltet und wohl auch andere Elektronik bzw. Platinen in Mitleidenschaft zieht/anfrißt, hört man wohl auch einen deutlichen Unterschied zwischen alten und neuen Kondensatoren (Rauschen?).

    Kann man das so allgemein sagen, oder gibt es da auch noch qualitative Unterschiede zwischen Kondensatoren - ähnlich wie bei Widerständen, welche aus verschiedenen Materialien gemacht sein können, und welche unterschiedlich große Toleranzen haben können?


    ...wie bereitet man sich vor und wie führt man durch?...

    ...ich nehme an, bei Kondensatoren gibt es unterschiedliche Werte - kann man die direkt von den Kondensatoren ablesen, oder muß man immer einen Schaltplan haben, und diesen interpretieren können?...

    ...gibt es ein Standard-Vorgehen beim Austausch, und was passiert danach - gibt es Punkte die man leicht falsch macht, Klippen, die man unbedingt umfahren sollte, und wie überprüft man den Erfolg oder Nichterfolg der Aktion?...


    ...konkret geht es bei mir um einen Revox B791-Plattenspieler, welchen ich leider defekt erhalten habe, und aus dem Revox-Forum weiß, daß der Grund für den Defekt sehr sicher die Kondensatoren sind, sowie um ein Dynacord TAM 21...ob ich mich an des A&H System 8 ranmache, bezweifle ich im Moment sehr...aber man weiß ja nie... :mrgreen:

    ...im Voraus vielen Dank für Tips & Tricks!...
     
  2. Ilanode

    Ilanode Tach

    Das bezieht sich vermutl. auf Elkos und Tantals. Die Elkos trocknen aus, aber machen - anders als die Tantals - i.d.R. keinen Kurzschluss. Tantals dagegen verabschieden sich gerne mit einem solchen.

    Elkos sind zylinderförmig und auf dem Bild siehst Du Tantals:



    Eine klangliche Veränderung wirst Du vermutl. nicht feststellen, da beide Kondensatorentypen überwiegend nicht im Audiopfad sitzen, sondern in der Spannungsversorgung für die aktiven Bauteile bzw. im Netzteil.

    Die Werte können i.d.R. auf dem Bauteil abgelesen werden, wobei die Codierung auf den Tantals ggf. tricky ist. Es gibt immer zwei Werte: Kapazität, die Du möglichst beibehalten solltest, und Spanungsfestigkeit, diesen Wert solltest Du nicht unterschreiten. Ein Überschreiten der Spanungsfestigkeit ist allenfalls ein Platzproblem, da mit ihr die Größe des Kondensators zunimmt. Allerdings sind moderne Kondensatoren bei gleicher Spanungsfestigkeit i.d.R. kleiner als ältere Baureihen.

    Sowohl Elkos als auch Tantals sind polare Bauteile, sie haben einen Plus- und einen Minuspol, das muss beachtet werden!
     

    Anhänge:

  3. fairplay

    fairplay Tach

    ...ah!...ok...vielen Dank für diese Info (und besonders das Bild) - ich denke, ich schraube mal eines der Geräte auf um die Kondensatoren zu identifizieren...ich hatte nämlich ein ganz anderes Bild vor Augen ;-) ...

    EDIT:

    ...oops, schon wieder ganz ein anderes Bild :) ...
     
  4. Anonymous

    Anonymous Guest

    Elkos, die warm werden trocknen aus. Dabei verlieren sie ihre Kapazität und ihr Innenwiderstand steigt. Außerdem können sie anfangen zu rascheln/knistern. (Kenne ich aber nur vor *uralten* Teilen)

    Der Punkt ist wirklich das warm werden. Das tun fast nur Mischpulte, weil nur die so dicht gebaut sind, das es ernsthaft warm wird.

    Ja. Der Kondensator muss "passen". Allerdings wird da sehr viel Esoterik verkauft - es gibt keinen "Kondensatorklang". (Ein Kondensator an einer bestimmten Stelle in einer Schaltung macht einen speziellen Effekt, es gibt keine "generischen" Klangeffekte und keine "optimalen" Kondensatoren! Speziell ist ein Klangvergleich ohne ABX-Log (hört man überhaupt einen Unterschied) und Angabe, auf welche Toleranz (inklusive Begründung, warum!) die gleich ausgemessen wurden, pseudoaudiophilen Flachzangen vorbehalten, die dir religiösen Glauben als "Wissen" andrehen wollen. )

    Generell tauscht man nur Elkos - nur die altern ernsthaft.
    Praktisch alle Elkos sind Versorgungsspannungsentkopplung oder Koppelelkos. Bei denen ist die Toleranz nicht so wichtig.
    Damit bleibt eigentlich nur Kapazität - die muss gleich bleiben.
    Spannungsfestigkeit - die muss mindestestens erfüllt sein. (Neue Elkos sind kleiner, ggfls. passen welche mit höherer Spannungsfestigkeit besser. )
    "Qualität" der Elkos - darf gerne Panasonic (und Low ESR) draufstehen. Kostet kaum mehr und bei dem Aufwand, den man da treibt sind die paar Cent egal. Teure Spezial-Elkos aus der Audioesoterikbranche verschlechtern den Klang. (Weil das Geld im Sparschwein für gute Monitore fehlt. )

    Typische Elkos:
    [​IMG]
     
  5. fairplay

    fairplay Tach

    ...ja, das ist wohl bei dem Revox der Fall - so, wie ich die Posts im Revox-Forum verstehe...

    ...beim Mixer bzw. dem TAM 21 sitzen sie aber wohl im Audio-Pfad, oder?...
     
  6. fairplay

    fairplay Tach

    ...ok...die von Ilanode erwähnten Tantals also eher nicht...

    ...Klasse Zusammenführung von Ursache und Wirkung bzw. Klangverbesserung ;-) ...

    ...ha! - das sind die Dinger, die ich zu kennen meinte... :mrgreen: ...
     
  7. fairplay

    fairplay Tach

    ...ach so, und jetzt natürlich die Frage: kann ich Tantals (die sich anscheinend zerstörerisch verabschieden) durch Elkos ersetzen (wenn es räumlich passt?)? - und: macht das möglicherweise Sinn?...
     
  8. Anonymous

    Anonymous Guest

    Unbedingt. In einem Mischpult dürfte es keine Stelle geben, wo es ein moderner Elko nicht auch tut.
    Speziell an der Versorgungsspannung haben Tantals nichts verloren. (Bei modernen Schaltreglern ist das was anderes (da hat ein Kondensator eine Typenbezeichnung und der Bestücker muss fragen, wenn er nicht ganz genau diesen Typ bekommt!), aber so etwas gibt es in betagter Audioelektronik nicht. )
     
  9. fairplay

    fairplay Tach

    ...ok, also ist das für Mitte nächster Woche geplant...ich fange wohl mit dem Plattenspieler an, weil der am überschaubarsten aussieht, und ich wahnsinnig gerne die Weihnachts-Schallplatten anhören möchte :roll: ...

    ...am Mischpult muß ich mal sehen...evtl. mache ich da erst mal ein/zwei/drei Kanäle, and dann wannanders die nächsten...

    ...bei dem TAM 21 höre ich halt schon ein sehr deutliches Rauschen - das kann ich zwar mit dem EQ im Pult unterdrücken, würde aber gerne versuchen, ob ich es nicht schon im Gerät reduzieren kann...
     
  10. Anonymous

    Anonymous Guest

    Bei meinem Amek Big habe ich alle Elkos getauscht und das hat klangmäßig eine Menge ausgemacht. Einzelne EQs hatten Pegelverlusts, sobald sie aktiviert waren, ich hatte z.T. große Pegelunterschiede in den Kanälen, Phasenschweinereien zwischen den Kanälen - alle möglichen Symptome traten in den Kanälen auf. Ist jetzt alles Geschichte. Vorher lag auch ein Fiepsen und Rauschen auf den Signalen, verstärkt wenn der TFT Monitor vom Rechner lief. Auch das ist jetzt weg. Ich denke mal, dass einige Elkos in meinem Pult auch für Entstörung zuständig sind.
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

    Einige? Ein satter Teil ist dafür da, die Versorgungen zu entkoppeln. Und wenn das richtig gemacht ist (mit Entkoppelwideständen davor), dann sind da defekte Elkos sehr problematisch.
    => je besser das Mischpult, desto mehr bringt es das. Einfach weil die mehr Elektronik haben (=wärmer werden) und weil die vernünftig entkoppelt sind. (Was dann aber auch *heile* Elkos braucht. )
     
  12. fairplay

    fairplay Tach

  13. fairplay

    fairplay Tach

    ...hmmm, die Bestellung scheitert gerade daran, daß ich daran scheitere die richtigen Einheiten zusammenzubringen...

    ...also ein 22(müh-Zeichen)F - Wert ist leicht zu finden...

    ...aber was ist ein 0,01(müh-Zeichen)F - Wert?...

    ...dann gibt es 1000(müh-Zeichen)F und 1000pF, sowie 1uF oder 10nF und 0,22U und 2,2M...

    ...gibt es eine Formel/Tabelle, die sogar ich verstehe, und mit welcher ich die richtigen Werte in meinen Einkaufskorb bekomme?...
     
  14. Anonymous

    Anonymous Guest

  15. Anonymous

    Anonymous Guest

    Die kleinsten üblichen Elkos haben 0,47µF, ansonsten erkennt man Elkos an der Kennzeichnung der Polung.
    Es ist üblich das µ als Komma zu nehmen, also 4µ7 = 4,7µF
    2,2MF sind millifarad=2200µF (das muss schon 'n ziemlicher Becher sein)

    0,01µ = 10nF das ist aber kein Elko.
    1mF =1000µF
    1µf = 1000nF
    1nF =1000pF

    Werte ohne Einheit sind i.a. nF, ein .22 Kondensator hat also 220pF.
     
  16. fairplay

    fairplay Tach

    ...so, vielen Dank für die Umrechnungs-Tips...jetzt habe ich mal einen ganzen haufen bestellt und nächste Woche sehe ich dann ob ich sie alle unterbringe ;-) ...
     
  17. Mal eine Frage zum Thema: Ich habe bemerkt, daß manchmal auch bipolare ELKOs verbaut sind. Kann sich schwierig gestalten sowas dann ersatzweise aufzutreiben. Empfiehlt es sich diese durch Folienkondensatoren zu ersetzen?
     
  18. Anonymous

    Anonymous Guest

    Folienkondensatoren bekommt man oft nicht mir der großen Kapazität - und das ist nun mal die primäre Eigenschaft eines Kondensators. (Wenn man die ändert, ändert man die Funktionsweise der Schaltung. ) Und wenn man sie bekommt, dann passen sie oft nicht. Wobei es heute Folien bis wenige µF durchaus auch in klein & halbweges bezahlbar gibt.

    Manchmal werden die bipolaren Elkos unsinnigerweise eingesetzt. An einem Koppelelko fällt keine Wechselspannung ab, die lässt er ja durch. Nur in Filteranwendungen hat man ernsthafte Spannungen an den Elkos, dann müssen die bipolar sein. Wie z.B. in Lautsprecherfrequenzweichen.

    Man kann aus normalen Elkos bipolare bauen, in dem man zwei gegeneinander in Reihe schaltet. (So sind bipolare auch intern aufgebaut.) Die Kapazität halbiert sich durch die Reihenschaltung.

    Kleine Spannungen "falschrum" können Elkos ab, d.h. um Offsetspannungen zwischen (OP-)Stufen zu eliminieren tun die ganz prima.
     
  19. @Fetz: Vielen Dank :supi:
     
  20. swissdoc

    swissdoc back on duty

    Bei meinem TAM 21 habe ich die Elkos und die Spannungsregler im Netzteil getauscht. Die Versorgungsspannung hatte einen fetten Brumm drauf. Nun tut es wieder wie es soll. Neue Elkos im Netzteil und neue Dioden ebenda haben meinen Minimoog auch wieder fit gemacht, nachdem er einfach die Sicherung geblasen hat...

    ...den Lötkolben immer schön an der richtigen Seite anfassen...
     
  21. fairplay

    fairplay Tach

    ...bin stets bemüht - im Sinne von 'er gab sich mehr Mühe als er hatte'... ;-) ...
     
  22. mokkinger

    mokkinger Tach

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