Synthesizer im Klangvergleich

Dieses Thema im Forum "SyntheTisch!" wurde erstellt von TheScientist, 17. April 2009.

  1. Hi,

    mich würde mal interessieren, ob jemand eine Seite kennt, wo der Klang von Synths verglichen wird. Also wirklich der gleiche Sound mit exakt den gleichen Einstellungen auf zwei unterschiedlichen Synthies. Am besten natürlich als Blindtest, um die Psychoakustik - das Ohr hört was das Hirn hören will - einzudämmen.
    Interressant wäre mal rauszukriegen, ob Synths wirklich einen charakteristischen Eigenklang haben, wie häufig gesagt wird. Oder ob bestimmte Synths eigentlich mehr durch Aufbau bzw. Markenprestige berühmt und begehrt sind. Außerdem wichtig: Lässt sich vll ein Sound nur mit einem Synth nachbauen, oder ist halt Sägezahn gleich Sägezahn gleich Sägezahn...
    Ich hoffe ihr versteht worauf ich hinaus will. Bin mal gespannt auf Antworten.
     
  2. agent

    agent Tach

  3. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    So ein Test waer' nicht ganz so einfach, weil man die Synths wirklich gut kennen muss, um selbst bei recht einfachen Sounds die besten Ergebnisse aus dem jeweiligen Synth zu kitzeln . Es gibt einige Synthesizer die einem mehr als nur eine Version einer Wellenform anbieten, Filtertypen mit und ohne Saettigung etc. etc.
    Dann muss man die Sounds natuerlich auch in Tonhoehen anspielen, in denen die moeglichen Schwaechen wirklich auftreten koennen. Filtersweeps und LFO Modulationen z.B. in div. Geschwindigkeiten abspielen, um Charakteristik und Aufloesung erkennen zu koennen, um nur einige der moeglichen Probleme eines solchen Vergleichs zu nennen.
     
  4. Okay. Hier kommt es drauf an in welche Richtung der Vergleich zielt. Ich nenne sie mal folgendermaßen:

    a) Vergleich der Umsetzung eines bestimmten Setups
    Ich suche mir 2 Synths, die einen sehr ähnlichen bis gleichen Aufbau haben, auf jedenfall die gleiche Syntheseform - subtraktiv, additiv, vektor, fm - verwenden. Sie können aber entweder unterschiedliche Architekturen haben, also zB Analog vs VA oder so, oder halt beides zB analoge sein.
    Dann baue ich bei beiden einen vorher festgelegten Sound mit exakt gleichen Einstellungen nach. Damit könnte man feststellen, ob diese Synths wirklich einen eigenen, unverwechselbaren Klang haben.

    b) Vergleich der Möglichkeiten zur Klanggestaltung -> blöder Titel :sad:
    Ich nehme mir vor einen bestimmten Sound zu bauen und tue dies mit unterschiedlichen Synths. Hier ist es egal oder vll sogar noch interressanter, wie der Synth aufgebaut ist. Es gilt herauszufinden, welcher Synth besser an den gewünschten Klang kommt, welcher besser passt.
    Dieser Ansatz ist eher praktisch orientiert, aber auch sehr subjektiv. Hier zählt eher welche Arbeitsweise man persönlich bevorzugt. Dennoch nicht uninterressant.
     
  5. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    Das mit den exakt gleichen Einstellungen ist nicht ganz so einfach wie du dir das vorstellst, was nimmst du als Referenz, wie gehst du mit den unterschiedlichen Huellkurventypen (Linear/Exponentiell) und Skalierungen der Parameter um. Wenn's wirklich einfach waere, haette ich schon laengst nen Vergleich gemacht, schon um div. Anfeindungen, was meine Bewertung bestimmter Synths angeht, ein fuer allemal aus dem Weg zu raeumen.

    Es gibt bestimmte Sounds die man aus jedem Synth in halbwegs guter Qualitaet kitzeln kann, die werden z.B. gerne bei Analog vs. Emulation Vergleichen div. Hersteller von Strukturkopien eingesetzt.
     
  6. Anonymous

    Anonymous Guest

    Der Klang von Synthis untereinander wird mit Computer Nummer #2 verglichen: Dem Ohr.

    Das macht dann jeder selber, und das war's dann schon.
     
  7. Ich gebe zu das mit den gleichen Einstellungen ist ein bisschen schlecht. Hängt iwie damit zusammen, dass ich viel mit Software arbeite. Da gibt's dann absolute Zahlen die man kopieren kann. Ist einsehbar, dass das eben nicht geht.
    Was mir halt aufgefallen ist: Selten werden Synths mal direkt mit Klangbeispielen verglichen. Trotzdem reden viele zB über DEN Moog Sound. Oder es wird gesagt, der Andromeda klingt so ähnlich wie dieses oder jenes Sample. Die Frage ist halt, ob hier nicht weniger über die Klangcharakteristik des Synths als über die Einstellungen diskutiert wird. Also wäre der Moog Sound eigentlich nur ein Sound, der wegen vieler Faktoren wie Bedienung, etc. häufig mit diesem Synth gemacht wird, aber eigentlich mit jedem Synth der ähnlich gebaut ist, genauso hinzukriegen ist.
    Technisch gibt es Anhaltspunkte, warum Synths tatsächlich anders klingen können: Anderer Schaltungsaufbau, Verwendung anderer Bauteile. Die unterschiede sind hier manchmal ja auch gut messbar. So kann man ja zB eine Sägezahn von einem Minimoog mit der eines seiner VA oder Software Nachbauten vergleichen. Die Frage ist halt, ob man sowas im Blindtest auch hört.

    Ich möchte den Klang ja gerne selber vergleichen. Nur habe ich leider keinen Zugang zu zB einem Original Minimoog etc. Daher meine Frage nach einer Webseite mit solchem Content.
     
  8. swissdoc

    swissdoc back on duty

  9. Anonymous

    Anonymous Guest


    Du liegst mit deinen Überlegungen gar nicht so falsch. In der Tat kann ein DX7 nach Minimoog klingen, ich bezeichne das als den Minimoog-Faktor, den man öfter in unterschiedlicher Portion vorfindet. Offenbar suchst du Dinge wie Eigencharakter.

    Ich bin nicht sicher, ob du da mit Websites vorwärts kommst. Es gibt schon hier und dort jemanden, der mal "Errate den Synth" Rätsel veranstaltet oder einen Voyager mit nem Minimoog vergleicht. Teils sind diese Unternehmungen sogar ganz gelungen oder machen zumindest Spaß. Dennoch geht es schon in die Tiefe der Materie, wenn Charakter untersucht wird. Ich habs mal so formuliert: Im Andromeda steckt ein Minimoog drin. Aaaaber, das darf man nicht wörtlich auffassen, sondern so wie es gemeint ist. Es sind essentielle Eigenschaften, die den Charakter ausmachen, und da gibt es einerseits tatsächlich Ähnlichkeiten, teils frappierend, und auch wieder Abgrenzungen, die eine gewisse Alleinstellung verursachen.

    Bleibt übrigens die Frage: Warum das Ganze? "Nur so, interessiert mich halt" reicht nicht :D
     
  10. Also das Interesse liegt darin, ob es diese charakterischen Klänge tatsächlich gibt. Also ob man für bestimmte Sounds einfach einen bestimmten Synth braucht. Hier ist natürlich einerseits der Vergleich von Originalen mit den virtuellen Nachbauten, aber auch von Synths untereinander wichtig. Muss das wirklich ein Minimoog sein oder geht auch ein billigerer Analoger.
    Außerdem ist aber die Frage, ob es nicht vielmehr das Konzept des Synths ist, dass ihn für bestimmte Sounds prädestiniert, man diese aber auch mit einem ähnlichen Synth erzeugen kann. Dabei wäre es also unwichtig, ob da jetzt ein original Minimoog-Filter in Transistortechnik am Werk ist oder ein Algorithmus, der von einem DSP gerendert wird, oder eine ganz andere Filterschaltung mit OPs. Alles eine Frage der Klangprogrammierung.
    Wer macht hier den geilen Sound: eher der Musiker oder eher der Synth?
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ja, die gibt es. Abgeleitet von der bekannten Instrumentenkunde gilt das für akustische und elektrische eben genauso für elektronische Instrumente. Normalerweise zerlegt man einen Klang in seine Komponenten, um seine Charaktereigenschaften aufzuschlüsseln. Die Resultate mögen unterschiedlich sein, denn mancher Synth neigt zur starken Prägung mit entsprechenden Eigenschaften, andere sind in einer Weise als gesichtslos zu bezeichnen, was aber erstmal wertfrei ist. Es gibt Synths, deren Charakter ist dermaßen präsent, dass es in einem Arrangement sogar mal stören kann. Dagegen kann auch Gesichtslosigkeit passen, um einzelne Instrumentalparts in den Hintergrund zu rücken.


    In der Tat braucht man für bestimmte Klangvorstellungen auch bestimmte Synths. Ein Blick in die Spezifikationsliste ist eines, das Ohr an den wiedergebenden Speaker dranhalten das andere.


    Die letztgenannte These ist angemessen. Wie in meinem Posting oben beschrieben, hatte ich mal den Minimoog-Faktor quasi als Index identifiziert. Minimoog ist Index 100, welchen Index erreicht also das Vergleichsmodell? Ist ein bisschen komplex, wegen unterschiedlicher Indizes bei den verschiedenen Klangkriterien, aber du weißt sicher, wo da die Reise hingeht. Mit anderen Aufgabenstellungen geht das prinzipiell genauso.



    Die einzelnen Aspekte kumulieren, oder hebeln sich im ungünstigen Falle auch mal aus. Viele Wege führen nach Rom, und das stimmt auch bei Synthsounds. Mit entsprechender Erfahrung kriegt man nahezu identische Sounds mit den verschiedensten Synths hin. Es braucht dazu den Werkzeugkoffer (= Synthparameter und -bauteile bzw. Algorithmen) sowie genügend Know How des Soundmachers.


    Eine treffende Fragestellung. Im Grunde sind es beide, die interagieren. Umgekehrt gesagt: Ein Dilettant an Tasten und Reglern kann den schönsten Sound vergeigen und obendrein einen Synth in ein schlechtes Licht rücken :D
     
  12. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    Man kann auf unterschiedlichen Geräten keine exakt gleichen Einstellungen machen, wie soll das gehen? Selbst wenn sie von der Ausstattung genau gleich wären - schon das wird nur seltenst der Fall sein - müsste auch die Technik, die dahinter steckt identisch sein, die Einteilungen an den Reglern müssten streng normiert sein, das alles geht (zum Glück) nicht.

    Was unterschiedliche Klangcharaktere angeht, da gibt es nichts zu überlegen, sa weiß man schon seit mehreren Jahrzenhten, es gibt diese typischen Klänge und wer geübt ist kann sie genauso gut unterscheiden wie ein Pianist verschiedene Pianos am Klang erkennen kann.

    Es gibt nicht *DEN* besten Sound, Synthesisten lieben die Vielfalt, nicht die Uniformität.

    cyborg
     
  13. Wenn es so einfach wäre, ein Gerät wie z.b. den Minimoog oder auch nen Prophet mit ner Software oder eben einem neueren VA oder Digitalsynth nachzubilden, dann wäre sicherlich längst eines der neueren Geräte voll etabliert und hätte die Position eingenommen...

    dem ist aber nicht so.

    Weder bei "Jungmusikern", die vielleicht erst seit 5 oder 8 Jahren mit Synths in Berührung sind, und die "alten" Moog oder Sequential oder Oberheim-Sounds eben nicht als Teil Ihrer Jugend oder Erbmasse sehen...
    noch bei Keyboardern, die damit groß geworden sind und diese Geräte damals neu im Laden erstanden haben... als Meilenstein der Entwicklung..

    Ich denke, man darf hier nie vernachlässigen, das die Unerschiede von Gerät zu Gerät bei alten Synths eben da sind und Teil des Klangeindrucks ausmachen sowie die Unzulänglichkeiten. Man denke an den CS80 und seine rumeiernden Oszis...

    Klar kann man mit gutem Recht behaupten, daß ein neuer synthetischer Klangerzeuger das alles emulieren kann, auch inclusive der gewissen Unperfektheit analoger Technik, was dann auch direkt bedeutet, daß ein Software-Synth mit seinen mannigfachen Möglichkeiten die Synthesestruktur und das Sounddesign problemlos schalten kann...

    Aber Sound ist eben noch etwas anderes..
    Und exakt gleiche Einstellungen sind eben nicht das Mittel zum Zweck.

    Wenn ich 3 Minis gleich einstelle, klingen Sie aber doch nicht gleich...
    So ist es nunmal.

    Alles was auf Einsen und Nullen, also digital basiert, kann man gleich einstellen, Analoge aber nicht...

    Was ich interessant fände, wäre mal ein Vergleich der heute so hoch propagierten Synths mit Standardklangbeispielen der Geschichte.
    Kann man den simplen Rechteck-Leadsound von Emerson Lake & Palmers "Lucky Man" tatsächlich auf nem digitalen mit der Klangtiefe etc. erreichen?? Wie gibt ein Andromeda das wieder oder ein Nordlead 3?

    Ich erschrecke mich immer wieder aufs Neue, bei den Standardsoundsets mancher Hersteller solche Sounds (oder z.B. den "Jump"-Sound) in den Presets wiederzufinden... und die Qualität der Umsetzung dahinter...
     
  14. Anonymous

    Anonymous Guest

    Das ist, wie du vermutest, gar nicht so einfach, denn der ELP Lucky Man ist weit davon entfernt, nur ein schnöder Rechteck-Sound zu sein. Wenn man sich das mit der Lupe anhört, dann röhrt der insbesondere im Bass tierisch und vor allem: Im Diskant baut er nicht ab oder wird dünn. Der geht fett mal locker über 5-6 Oktaven, und was die meisten vergessen, Decay mündet in eine sanfte Filterresonanz, sehr smart programmiert von Emerson.

    Dein Ansinnen, bestimmte Soundklassiker mal wirklich nachzubauen ist eine gute Idee, nur ist das echt ein Haufen Arbeit und wer macht die?

    Manche Sound-Clones stehen gut da, und zwar auf Anhieb, und gehen auch mit verschiedenen modernen Digitalen. Aaaber, man muss dann schon den Mut haben, ihn mit dem tatsächlichen Original abzugleichen, denn das kann dann doch deutlich unterschiedlich ausfallen. Wohlgemerkt vorausgesetzt, man behauptet, dass das Original auch Index 100 ist, also das nachzuahmende und damit ideale Vorbild.

    Und selbst wenn man sich diese Mühe macht, es bleibt immer noch die Spielweise des oder der entsprechenden Titel, die einen guten Teil des Eindrucks ausmachen. Habe kürzlich einen Synth bekommen, da ist eine Soundkopie drin, die nennt sich beim Oberheim Matrix 12 oder Xpander "Skyvoice", ein ähnliches Preset gibt es auch beim Matrix 1000 und Memorymoog. Ich war baff, so gut ist die Kopie. Den hört man als Leadsynth bei "Ya mo be there" (Michael McDonald) und diese doch recht eigenartige Spielweise macht es dann, ähnlich "Jump".

    Das heißt, dass diese Vergleicherei irgendwie auch sinnlos ist, es sei denn, jemand spielt in einer Coverband und braucht Sachen, die nahe am Original sind. Manche hier im Forum schwören ja auf eigene Presets, da macht das dann schon mal recht wenig Sinn.
     
  15. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    und wie soll man die zum Vergleich nötige, identische elektroakustische Umgebung herstellen? Die Klanngquelle ist da nur ein Teil eines Ganzen, nicht mehr, auch nicht weniger.

    cyborg
     
  16. Sehr richtig, ein kaum zu lösendes Unterfangen...
     
  17. gringo

    gringo Tach

    Ich finde Bluesynths sehr gut.
    Die Sounds, die die da "fahren" sind bei den getesteten Synths recht ähnlich.

    Auch wenn direkte A/B-Tests evtl. nicht vorkommen, hat mir diese Seite bei der Kaufentscheidung immer sehr geholfen. Die Klangbeispiele dort finde ich viel besser, als bei Amazona.


    .
     
  18. Cyborg

    Cyborg bin angekommen

    hmmmm, wenn ich mir Deine Verkäufe und Gesuche ansehe.. ;-)
    Klar, dass jeder vergleichen will, ich sehe das aber so, dass es ohne einen direkten Kontakt zum Instrument bei Hardware nicht wirklich geht. Was ist denn wirklich wichtig? Ein mehr oder weniger gut gemachtes Demo-Video? eine Palette von Werksounds? Viele, vorprogrammierte Sequenzen? Demosongs die man auch nicht versehentlich löschen kann?
    Also mir war und ist immer wichtig, dass sich das Gerät auch gut anfühlt. Ich hasse klapprige, billig anmutende Plastik-knöppe, Leuchtdiodenübersääte Frontplatten und hektische Displays die mehr optischen Effekt als Nutzen haben. Ich will sanft gleitende Schieberegler, präzise Regler, nachvollziehbare und gut dosierbare Regelbereiche und Verläufe. Sowas alles kann kein Demo vermitteln. Ich war damals zum Bleistift extrem angetan vom Arp Odysse weil der statt eines Pitchwheels oder Joysticks diese druckempfindlichen Flächen hatte. Da konnte man mit richtig Kraft in den Kasten hineinarbeiten, das macht Laune beim spielen!
    Ich würde Testberichte und Demos jeder Art(!) wirklich nur als Hilfe betrachten, entscheiden würde ich mich stets erst nachdem ich selbst die Chance hatte, einges auszuprobieren. Ich habe weder Lust noch das Geld ständig etwas zu verkaufen und neues zu kaufen - immer auf der Suche, sozusagen. Das es vielen so geht und die Geräte wieder verkauft werden bevor sie wirklich genutzt wurden, sieht man am besten an den Programmspeichern die unverändert blieben (sofern vorhanden natürlich).
    Naja, da ist jeder anders drauf. Wirklich überzeugen kann IMO nur der direkte Kontakt zum Instrument, ich kenne das als ehem. Verkäufer in einer Elektronik-Abteilung eines Musikgeschäftes ;-)

    cyborg
     

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