18.08.2018 Ahlen wellenvorm-elektronische Klangwelten in der Maschinenzentrale der Zeche Westfahlen

Dieses Thema im Forum "Termine" wurde erstellt von Wavetable, 7. Juli 2018.

  1. Dicke Empfehlung!

    Wenn ich da nicht im Urlaub wäre ...
     
  2. Westfälische Nachrichten vom 20.08.2018
    Klänge aus der Schaltzentrale der Zeche Westfalen


    Von Christian Feischen
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    Rottluff an seinen Synthesizern, die an diverse Laptops und scheinbar unzählige Regler gekoppelt sind."
    Foto: Christian Feischen

    Sphärische Klänge dringen am späten Samstagabend durch die seit Jahren stillgelegte Maschinenzentrale an der ehemaligen Zeche Westfalen. Zu den aus analogen Synthesizern kommenden Sound-Clustern bewegen sich Lichtstrahlen mit Fluten von Rotabstufungen passend zu den elektronisch erzeugten Klängen und lassen die Urheber der Ton- und Lichtatmosphäre zuweilen nur indirekt beleuchtet und schemenhaft erkennen: „Controled Voltage“ heißt die Veranstaltung von Dirk Mense mit dem Chemnitzer Künstler Uwe Rottluff alias „wellenvorm“– eine Anspielung an den „Voltage Controlled Oscillator“, den wichtigsten Baustein bei analogen Synthesizern.

    Dirk Mense hat den Elektronikmusiker in Münster erlebt und daraufhin das audiovisuelle Event, unter anderem in Kooperation mit der Projektgesellschaft Westfalen und Michael Oertel von „Order a Party“ für die Ton- und Lichtinstallation, maßgeblich und ausschließlich für die Industriekulisse an der Zeche initiiert.

    Fasziniert von Rottluffs Klangcollagen tritt Dirk Mense, von Beruf Industriekletterer und Höhenarbeiter, am Samstag erstmals unter dem Künstlernamen „tu:rendé“ auf. Als er die rund 100 Besucher in der zu Anfang bewusst nur spärlich beleuchteten Maschinenzentrale begrüßt, erzählt er vom „Reiz des Verbotenen“, der von der Industrieruine ausgehe, um dann einen Regler zu betätigen, neben dem ein Schild mit der Aufschrift „Schalten verboten“ angebracht ist und so das Licht- und Klangerlebnis einzuleiten. Mense steht an einem Gerät ohne Tasten und erzeugt auf elektronischem Wege durch unterschiedliche Stromspannungen Töne per Regelungen an Potentiometern. Passend dazu erstrahlt die Maschine, die einst die Zeche mit Energie versorgte, in kräftigem Rot.

    Der beeindruckende Auftakt von „tu:rendé“ geht nahtlos in die Performance von „wellenvorm“ Uwe Rottluff über, als der an seine Synthesizer schreitet, die wiederum an diverse Laptops und scheinbar unzählige Regler gekoppelt sind. Das kreisförmig aufgestellte Equipment wirkt im rötlichen Halbdunkel wie eine Schaltzentrale, von der aus der Künstler die gesamte Räumlichkeit in eine einzigartige Klangwelt verwandelt. Dabei agiert er höchst konzentriert und dem Publikum zumeist rücklings zugewandt. Der akustische Fokus liegt auf den zuweilen kraftvoll basslastigen synthetischen Sounds, die von monumentalen melodischen und rhythmischen Motivfragmenten mal in meditatives Rauschen, dann wieder in gespenstisches Heulen übergehen.

    Währenddessen bewegt sich auf einer Leinwand ein Lichtstrahl parallel zu den Ton-Frequenzen der angeschlagenen Tasten, stilisierte Schaltkreise werden an die Mauern projiziert und selbst die hinteren Bereiche der Maschinenzentrale erstrahlen in kontrastreichen Farben, womit das akustische Erlebnis gleichzeitig zum imposanten optischen Event wird.

    Vom sichtlich beeindruckten Publikum gibt es immer wieder Zwischenapplaus, wenn Rottluff eine Pause zwischen den „Stücken“ lässt. Die Klänge der vielbeachteten „wellenvorm“-CD „Petrified Forest“ stellt Uwe Rottluff dabei adäquat her, das gesamte Event ist indessen einmalig, weil es nur für diesen Abend konzipiert ist.

    Nach gut zwei Stunden Performance genießen Dirk Mense und Uwe Rottluff den Beifall der Zuschauer. Die sind schließlich Zeugen eines nicht auf Wiederholbarkeit angelegten Kunstereignisses. Das verleiht am Samstag der Industriekulisse der seit Jahren stillgelegten Maschinenzentrale mit Licht und Klang einen ganz neuen Charakter – einen einzigen, außergewöhnlichen Abend lang.