8-Bit-Sound, C64, Atari VCS 2600 usw.

Dieses Thema im Forum "APPartig" wurde erstellt von nbg, 1. Februar 2008.

  1. nbg

    nbg Tach

    Hallo,

    weiß jemand wie man mit einem "normalen" Synth solche Klänge erzeugen kann?

    Was für Wellenformen hat man damals benutzt? Nur Rechteck/Triangle/Noise?

    Und nach dem Sound noch immer einen Bitcrusher drauf?
     
  2. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    VCS2600 Rechteck (oft Verstimmung in Oktaven), Noise und so 'ne Art Ringmodulation, von letzterem laesst sich einiges durch Sample and Hold nachbauen...
    Typische C64 Sounds verwenden zudem gerne Pulsweitenmodulation...

    Die typischen Sachen gehen auf jeden Fall...
     
  3. Das ist kein 8-Bit Sound. Das sind Geräte mit 8-Bit Hauptprozessor. Aus der 8-Bit Computer Ära. Für den Sound wurden eigene Chips verwendet. Z.B. beim c 64 der berühmte SID (intern schon 16bit - die wenigen Samples waren 4-Bit). Der 8-Bit Prozessor hat sich damals nebenbei nur um die Steuerung der Klangerzeugung gekümmert, aber den Sound dabei nicht abschliessend verarbeitet, dazu fehlte schlicht die Rechenleistung... Also macht ein Bit-Cruncher hier wohl nur begrenzten Sinn. Wie Summa schreibt: viel Modulation. Grundsätzlich hat man damals einfach alle Möglichkeiten einer technisch relativ begrenzten Klangerzeugung voll und mit allen Tricks ausgeschöpft.
     
  4. Und heute versucht man relativ unbegrenzte Klangerzeugung mit allen Tricks zu einem LoFi Klang zu überreden. :lol: Verrückte Welt.....

    Zurück zum Thema, also ich kenne keinen Hardware oder Software Bitcrusher der wirklich gut und überzeugend ist, wenn man unbedingt den alten Sound haben möchte. Die Bitcrusher haben alle so ihren eigenen Klang, was nicht schlecht sein muss.

    Authentisch wird es nur mit alter Hardware. Ist gar nicht so teuer. Die alten C64 und Ataris gehen für kleines Geld über den Tisch. Bei Synths wird es natürlich etwas teurer. Alte Sampler gibt es auch oft für kleines Geld. Da sind meist ein guter Haufen alter Samples mit dabei, klingt auch authentisch.

    Moderne Hardwareklänge kann man auch durch einen Amp jagen, vorher oder nachher Bitcrusher drauf, auch ganz nett.
     
  5. Ich habe in den 80ern mehrere Tracker-Programme für den C64 programmiert (in Assembler). War sozusagen mein erster Synthi/Sequenzer.

    Der Trademark-C64-Sound (von all den Videospiel-Soundtracks etc.) entstand durch die Tatsache, dass der SID6581 nur dreistimmig war, und man dieses Manko dadurch umging, indem man durch ultraschnelle Arpeggios mit nur einer Stimme (=1 Oszillator) dem Gehör einen ganzen Akkord vorzugaukeln versuchte.

    Die Tracker-Engines, die neben dem Sequenzer-Kram auch sämtliche Modulationen -und eben diese "Arpeggios" zu generieren hatten, liefen auf einem Interrupt, welches vom Videochip geclockt war -also auf 50Hz, der damals üblichen Fernseher-Bildfrequenz.

    Mit Ausnahme der VCA-Hüllkurven (die erledigte der SID selber), clockten wie gesagt auch sämtliche anderen Modulationen auf dieser lahmen Frequenz, was z.B. zu einer charakteristischen "Rauhheit" bei PW-Modulationen führte.

    Was auch gerne gemacht wurde, war eine Art "Wavesequencing", wo mit jedem Interrupt-Zyklus die Wellenform umgeschaltet wurde. Diese in Kombination mit dem oben genannten "Arpeggiator" erzeugte u.A. die charakteristischen C64-Drumsounds.

    Das 4-bit-Sampling war nochmals eine andere Baustelle. Hierzu wurde einfach der Master-VCA (der nur 4 bit "Wort"breite hatte) im Audiobereich mit entsprechenden PCM-Daten malträtiert. Da das Interrupt (der C64 hatte nur eins) aber bereits mit der Tracker-Routine beschäftigt war, hat man hierzu das mysteriöse NMI (non-maskable interrupt) ausgetrickst und dennoch mit einem Task -eben dem Abspielen dieser "Samples"- belegt. Die Clocking-frequenz bestimmte dann logischerweise die Tonhöhe

    In einer digital-modularen Arbeitsumgebung lassen sich diese Sachen gut nachpatchen. Die Modulationen können mit einem nachgeschalteten 50Hz-geclockten S/H entsprechend "verunreinigt" werden, dieselbe clock treibt auch stepsequencer für die "Arpeggios" an. Das 4-bit-Sampling wird mit einem entsprechend eingestelltem Bitcrusher bewerkstelligt. Wichtig ist aber, dass die Sample-Frequenz des Bitcrushers tonhöhenabhängig gemacht wird -also vom keyboard-tracking entsprechend moduliert wird.

    Es gab erheblichen Crosstalk zwischen den Oszis. Der SID hatte eine unübliche Struktur: Jeder Oszillator hatte seinen eigenen VCA mit Hüllkurve. Erst anschliessend konnte jeder Oszi wahlweise noch ins Multimode-Filter geroutet werden. Also: OSC-VCA-(VCF). Verstummte Oszillatoren waren aber im Signalweg der anderen immer noch leicht zu hören. Auch das lässt sich modular easy patchen.

    In einem Hardwired-synth wird's schon schwieriger. Wenn man den Arpeggiator auf 50Hz raufpeitschen kann, ist das aber sicherlich ein guter Start für diese typischen "Blubber"-Akkorde.
     

Diese Seite empfehlen