ADSR ohne stabiles Sustain

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von Ilanode, 5. Oktober 2007.

  1. Ilanode

    Ilanode Tach

    In einem anderen Thread wanderte das Thema zu ADSR-Generatoren, die kein stabiles Sustain haben. Warum das so ist, darüber gab es leider nur Gerate...

    Es wurde die Theorie eines fehlenden Buffers aufgebracht, die mich nicht überzeugt hat, da der A140,* der als Beispiel diente, m.M.n. einen hat. Das Thema beschäftigt mich immer noch.

    Inzw. denke ich, wenn es an einem fehlenden OP-Amp liegen würde, müssten auch die anderen Parameter betroffen sein. Oder?

    Der einzigen Schaltplan eines ADSR, den ich habe, ist aus einem alten Buch (Moderne Musikelektronik von Schulze/Engel). Die Schaltung ist der vom A140er zumind. scheinbar sehr ähnl., nun vermute ich, dass das stabile Sustain von einem Kondensator abhängt. Dass mein Analog Shift Register auch Kondensatoren nutzt, um Spannungen zu halten, bestärkt mich in der Annahme. Wird das Sustain mit Kondensatoren gehalten?

    Kann jemand mit Ahnung von Elektrotechnik mich bitte aufklären?

    *Um Missverständnisse zu vermeiden, es wurde auch gesagt, dass das Problem andere EGs ebenfalls haben.
     
  2. serenadi

    serenadi Tach

    Jo, in Analog ist es ein Kondensator, der controlliert aufgeladen (über Attack) und ebenso kontrolliert wieder entladen wird (über Decay/Release).

    Dazwischen wird der Kondensator, während das Gate gehaltn wird, herunter bis auf den Sustainlevel entladen.

    Worüber der Kondensator entladen wird, das bestimmen (elekktronische) Schalter, die abhängig von der Envelopephase gesteuert werden.
    Das können einfache Dioden sein, oder z.B. Analogschalter, wie in diesem Beispiel (von MFOS).

    Hier sind die Leckströme (bzw der nicht unendlich hohe Widerstand) der offenen Schalter dafür verantwortlich, ob sich der Kondensator in "falsche" Wege entlädt.
    Der Puffer am Ausgang hat einen sehr hohen Eingangswiderstand (ca 10MOhm) so daß sich darüber der Kondensator kaum entlädt.

    Es kann also durchaus am Schaltungsdesign (Puffer mit zu niedrigem Eingangswiderstand, oder schlechten Schaltern) liegen, wenn das passiert.

    Ich habe nur Curtis und SSM - Hüllkurven, habe eben mal getestet:
    2 VCOs, der eine über eine Hüllkurve moduliert, und beide so gestimmt, daß sich direkt nach Erreichen des Sustain-Levels die gleiche Tonhöhe mit einer langsamen Schwebung einstellt.

    Dann habe ich die Taste gehalten und gewartet - darauf daß die Schwebung schneller wird (was dem Auseinanderlaufen der Tonhöhe entspräche).
    Die Warterei wurde mir zu langweilig. :D
    Mit anderen Worten: Der Curtis-ADSR hält das Sustain verdammt gut.
     
  3. Ilanode

    Ilanode Tach

    Super, danke! Das werde ich noch mal in Ruhe versuchen, alles zu verstehen!

    Bisher habe ich verstanden, dass die üblichen Verdächtigen die Schalter (Flipflops) und die Eingangswiderstände des Ausgangs sind? An der Qualität des Kondensators, der den Sustainwert halten soll, liegt es somit eher nicht?!
     
  4. serenadi

    serenadi Tach

    Kein Kondensator ist ideal, auch da gibt es Leckströme.
    Allerdings dürfte das im Größenverhältnis zu den anderen möglichen Ursachen keine Rolle spielen.
    In meinen ENVs sitzen ganz normale MKS-Folienkondensatoren.

    Zunächst: ein FlipFlop ist kein (elektronischer) Schalter.
    Ein Flipflop ist eine digitale Kippstufe, die bei einem Clockimpuls das Signal des Eingangs an den Ausgang weiterleitet.
    In einer speziellen Form (J-K Master/Slave FlipFlop) kann ein FlipFlop zur Frequenzteilung (Teilerfaktor 2) eingesetzt werden, bei dem einer der Ausgänge mit jedem Clockimpuls seinen Zustand ändert.
    Kann man sich vorstellen, wie ein Taster im Treppenhaus: Einmal drücken - Licht an, nochmal drücken - Licht aus.

    Hier geht es um sog. Analogschalter, die ein (fast) beliebiges Analoges Signal von außen gesteuert durchschalten. Im o.g. Beispiel von MFOS sind das die CMOS-Schalter 4066.

    FET (Transistoren) können in so einer Schaltung die gleiche Funktion erfüllen, oder auch simple Dioden. Das kommt auf das Design der Schaltung an.

    Über den Eingangswiderstand des Ausgangspuffers kann sich der Kondensator auch entladen.

    Beim Doepfer-ADSR wäre also zunächst die Frage nach dem Schaltungsdesign. Wenn mehrere Leute das Abfallen der Sustainspannung bestätigen können, wird es wohl eher im Design begründet sein, als daß ein Bauteil schlecht, oder fehlerhaft ist.
     

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