Analyse von Gina T. - In My Fantasy

Beitrag Nr. 4 wurde als (mich) weiterbringende hilfreiche Antwort markiert.

FlorianH
FlorianH
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Hallo,

vor einiger Zeit habe ich versucht, den fast schon schlagerhaften Sound dieses Songs zu verstehen:


Leider bin ich nicht wirklich zur Erkenntnis gekommen, wie der Mix so typisch dicht gemacht wurde, ohne zu vermatschen - natürlich ist das das, was man normalerweise erreichen möchte, der Stil speziell dieses Songs gefällt mir aber sehr gut.

Diese Frage habe ich auch an den Produzenten gerichtet, wie zu erwarten kam aber keine Antwort. Nun versuche ich, den Song ein wenig zu analysieren und einzelne Gestaltungselemente herauszuhören. Generell geht es nicht um Dinge wie die Drums o. Ä., die sind ja relativ leicht zu durchschauen. An was ich bisher bei meinen Versuchen, das nachzubilden immer gescheitert bin, sind diese Hintergrundgeschichten.

Der Einfachheit halber erstmal zu den Strophen. Ich höre die ganze Zeit einen relativ leisen, im Stereobild umherspringenden, perkussiven Synth-Sound und viel Geröchel, das für mich nach einem sehr höhenbetonten Hall auf dem Gesang klingt. Außerdem höre ich manchmal einen recht tiefen Chor- oder String-Sound, der eine zum Gesang passende Melodie spielt. Aber was gibt es sonst an Dingen, die den Mix derart auffüllen und die ich nicht höre bzw. die man direkt gar nicht hören kann (z. B. Kompressoreinstellungen)?

Ich möchte mich direkt für den Song und mein Unwissen entschuldigen, ich möchte wie gesagt nur verstehen was solche Songs derart fett klingen lässt. Eine wirklich hilfreiche Antwort darauf habe ich leider noch nicht gefunden, und meine Versuche klingen trotz stundenlangem herumprobieren und recherchieren komplett dünn.

Grüße und vielen Dank im Voraus ;-)

Anm.: Wenn das Unterforum nicht passt, bitte verschieben - ich konnte leider kein wirklich Passendes finden.
 
tobi77
tobi77
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Fett ist der falsche Ausdruck. Schlager ist mixtechnisch "weichgespült". Fast überall ist Hall drauf mit möglichst langen Hallfahnen. Gesang, Piano, Snare und Streicher sowieso. Ich glaube Schlagerproduzenten kennen insgesamt sowieso nur 3 Effekte: Hall, Delay und Echo. Damit das funktioniert und die ganzen Hallfahnen nicht im Chaos enden darf die Musik aber nicht zu dynamisch sein. Deswegen gibt es auch nicht so viele Instrumente und fast alles wird gleichmässig komprimiert.
 
Horn
Horn
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Insbesondere Hall und Kompression sind hier ganz extrem. Das Arrangement besteht aus Bass, Drums, einem Pad, Klavier und mehreren überlagerten Stimmen. In der Tat eigentlich eher nicht so komplex. Die Dichte kommt durch den extremen Hall.
 
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fanwander
fanwander
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Der Hall macht sicher was aus, aber ich würde ihm nicht zuviel Bedeutung beimessen.

Nach meiner Erfahrung in der Schlagerbranche gibt es mehrere Aspekte, die da zum Gesamtbild beitragen:
1.) Der Synthpad: es ist ständig Harmonie da, die aber Platz für ... siehe 2.:
2.) Es wird immer Platz für die Stimme gelassen. Entweder Frequenzmäßig oder zeitlich. Beispiel für frequenzmäßig Platz lassen: der Pad-Sound ist a) dunkel, und b) im schnitt eine Sext / Quint unter der Vokal-Linie. Dadurch kann er erstaunlich laut gemacht werden. Hör Dir das Stück sehr sehr leise an: das letzte was Du hörst, sind der Pad-Sound, die Stimme und der Snare-Noise-Ersatz.
Oder zeitlich: das Klavier in der Bridge spielt nie, wenn die Hauptvocal da ist.
Beides ist dann der Kompression im Mastering zuträglich, weil der Kompressor nicht zwei gleichartige/gleichzeitige Klänge gemeinsam leiser machen muss.
3.) Die Nummer ist langsam, alle Sound können tragen und wahrgenommen werden. Dafür können sie vom Sound her unaufdringlich sein. Beispiel Bass: wenn Du das Stück sehr leise anhörst, hörst Du keinen Bass mehr. Das würde Dir bei modernen US-Produktionen nicht passieren.
4.) Die Drumsounds sind so, dass sie durch die Kompression im Mastering nicht klicken aber auch nicht verschwinden.
5.) Das Mastering ist sehr, sehr gut. Die Nummer ist vermutlich im Studio ohne Kompression gemischt, bestenfalls mit Faderautomation schon mal ungefähr auf einigermaßen konstante Lautheit gebracht, und alle Kompression wurde beim Mastering gemacht.
 
FlorianH
FlorianH
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Erstmal vielen Dank für eure Antworten.

Fett ist der falsche Ausdruck. Schlager ist mixtechnisch "weichgespült". Fast überall ist Hall drauf mit möglichst langen Hallfahnen.
"Dicht" würde vermutlich besser passen. Dünn sind diese Produktionen jedenfalls nicht ;-)

2.) Es wird immer Platz für die Stimme gelassen. [...] der Pad-Sound ist a) dunkel, und b) im schnitt eine Sext / Quint unter der Vokal-Linie. Dadurch kann er erstaunlich laut gemacht werden.
Das bringt mir unter der Annahme, dass das auch bei Lead-Instrumenten (bei mir z. B. Piano, keine Vocals) funktioniert, schon sehr viel. Das sollte das Problem lösen, dass die Pads oft die Melodie überdecken.

5.) Das Mastering ist sehr, sehr gut. Die Nummer ist vermutlich im Studio ohne Kompression gemischt, bestenfalls mit Faderautomation schon mal ungefähr auf einigermaßen konstante Lautheit gebracht, und alle Kompression wurde beim Mastering gemacht.
Auch das sollte mir weiterhelfen. Ich habe immer nur alles zusammen komprimiert und ggf. zusätzlich einzelne Spuren leicht - die Lautstärken vorher anzugleichen ist natürlich logisch.
 
micromoog
micromoog
Rhabarber Barbara
Noch ein kleiner Tipp für den letzten Punkt.
Vor dem Mastering oder allgemein beim Mischen folgendes:

Einen Kopfhörer vor sich (am Tisch sitzend) auf den Tisch legen und dann den Mix gehenchecken.

Du wirst nicht unbedingt Kick und Bass stark wahrnehmen, aber dir sollte sofort auffallen ob was Essenzielles zu laut oder zu leise ist. Ebenso für die Gesamtausgewogenheit der einzelnen Lautstärken des Mixes, also zB nicht das die B-Hook im Zwischenteil viel lauter/leiser als alle anderen Elemente sind etc.
 
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