Erfahrungsberichte zum Kondensatortausch gesucht

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von Mondovermona, 2. April 2015.

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Verbessert der Austausch von (nicht defekten) Serienkondensatoren durch andere Typen einen Synth?

  1. Ja, wegen erkennbar verbessertem Klang unbedingt machen! Dies ist meine persönliche Erfahrung.

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  2. Könnte sein, dass es besser geworden ist - einen Versuch war's wert.

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  3. Kommt auf das Synthmodell an - Klang kann auch schlechter werden (Beispiele?)

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  4. Empfehle Tausch für Betriebssicherheit und Werterhalt, aber keine nennenswerten klanglichen Auswirku

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  5. Tantals raus - Rest bleibt drin

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  6. Wechseln, wenn defekt - ansonsten: weiterspielen.

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  1. Mondovermona

    Mondovermona Löten und Kleben

    Liebe Community,

    immer wieder liest und hört man darüber, dass in alter Elektronik "unbedingt" alle Kondensatoren gewechselt werden müssen.
    Meine Erfahrung ist, dass Kondensatoren natürlich kaputt gehen können oder mal schlechter werden. Es gibt auch besonders berüchtigte Kandidaten "Tantals" natürlich oder auch bestimmte Baureihen der violetten Matsushitas in diversen KORG Synths. Aber deshalb in Re-Capping Panik zu verfallen - ich weiß nicht...

    Wer von Euch Cracks hier im Forum hat denn hierzu eindeutige Erfahrungen, die über einen Placebo-Effekt einerseits oder den Austausch wirklich defekter Bauelemente andererseits hinaus gehen?

    In der Gitarrenszene wird ein wahrer Kult um Kondensatoren (und andere Bauelemente) getrieben. Verständlich: Mit gezielten "Schwachstellen" soll der Gitarrenklang zum Besseren beeinflusst werden. Anders in der HighEnd HiFi Szene. Auch dort wird viel über Kondensatoren diskutiert. Dort steht aber die Neutralität und Impulstreue des Klanges im Vordergrund. Wie ist es bei den Elektronikmusikern und Synthspielern? In der Modular-Szene und bei den DiY werden oft Materialschlachten veranstaltet. Will man sich einfach "das Beste" gönnen oder macht der Einsatz höchstwertiger Bauteile immer Sinn?

    Kann mir jemand sagen, ob sich der Austausch der herkömmlichen Al-Elko Koppelkondensatoren, zB. zwischen VCO, VCF und VCA-Stufen, durch "bessere" Folienkondensatoren bemerkbar macht. Kann man damit den Klang eines betagten Synth ein wenig Pimpen? Ich weiß, dass viele auf den Austausch rauschärmerer OP-Verstärker schwören. Aber die wenigsten, die das Re-Cappen betreiben machen sich gerade über diese wirksame Maßnahme oft keine Gedanken. Re-cappen als blinder Aktionismus. (Bin ich jetzt noch "politically correct" ?)

    Eine volle Empfehlung für einen Bastel-Nachmittag am verregneten Wochenende? In meinem ersten Polysynth sind z.B. fünf Audiokoppelelkos pro Voice und dann noch eine Reihe weiterer in den Mischern und Ausgangsstufen verbaut. Die gut 50 Elkos wollte ich nicht nur zum Spaß auswechseln.
     
  2. soderstrom

    soderstrom engagiert

    Hallo, ich wechsle Kondensatoren wenn sie defekt sind, selten auch welche präventiv, meistens dann wenn die Kiste eh schon offen ist und bestimmte Kondensatoren schwer zugänglich sind und/ oder im verstärkten Verdacht stehen sich bald zu verabschieden. Das sind dann meistens Elkos, von dehnen ich schon einige im gleichen Gerät tauschen mußte.

    Kondensatoren aus klanglichen Gründen zu tauschen stehe ich skeptisch gegenüber. Ja, es gibt klangliche Unterschiede aber von Welten würde ich eher nicht sprechen wollen. Bei meinen Versuchen war es meistens sehr schwer Unterschiede aus zu machen, geschweige denn nachvollziehbar von besser oder schlechter zu sprechen. Man muss da wirklich aufpassen, dass man sich nicht selbst verarscht, der Hörsinn unterliegt starker subjektiver Einflussmöglichkeiten. Hierbei beziehe ich mich auf Audioequipment wie Preamps, Mikrofone und Verstärker bei Klangerzeugern halt ich Unterschiede für noch unwichtiger.

    Man sollte auch beachten, dass bei solchen Tuningmassnahmen gerne auch Geräte beschädigt und im Wert gemindert werden. Was habe ich schon an verbastelten Geräten gesehen oder Leiterbahnen dich sich bei solchen Tuning-Stunts verabschiedet haben.

    Ich würde lieber Musik machen.

    Grüße
     
  3. das recappen (tausch von Kondensatoren) wird:
    - dringend empfohlen wenn man z.b einen alten Synthie kauft (z.b aus den 70er/80er Jahren) und nicht weiß ob und wann er zuletzt lief - sonst hohes Risiko beim ersten einschalten (Netzteil recapping lohnt sich immer)
    - empfohlen bei alten Synthies 70-80er Jahre, proaktiv gegen Schaden, hauptsächlich im Netzteilbereich

    hiermit meine ich Tantal und Elektrolyt Caps, oder bei sehr wenigen Geräten Papierfolien caps (ausgetrocknet)

    Das tauschen von Folienkondensatoren ( Polpprop, Polyester, mylar usw) , Styroflex, Multilayerkondensatoren, Glimmer ist eigentlich nicht nötig, es sei denn man möchte wirklich gezielt den Klang verändern,
    Die meisten Schaltungen baut man auf, um genau 1:1 den Klang zu erzielen den man erwartet (z.b moog oder arp Filter), hierbei kann es gut sein im Filtercore etwas rum zu experimentieren z.b Styroflex statt Polyester.
    Bei timing caps sollte man stets hochwertige caps nehmen die Temperaturstabil sind: styroflex, MLCC c0g /np0, Polyprop, Glimmer

    Im Ergebnis bei Gitarreneffekten: bei Tretminen kann es sich lohnen OpAmps gegen bessere rauschärmere zu tauschen und ggfs. Kondensatoren zu tauschen sofern es schaltungstechnisch sinnvoll ist.
    Das einfache tauschen von irgendwelchen caps ohne das man die Schaltung kennt ist nicht effektiv.

    Habe erst vor kurzen in meinem Minimoog aus Ende der 70er alle Elektrolyt caps getauscht, da ich sowieso alle pcbs rausnehmen musste um an die Potis zu kommen - klanglich hat das keine Auswirkung da die alten noch gute ESR Werte (Innenwiderstand) und Kapazitäten hatten.

    Disclamer:
    Der Tausch von Kondensatoren speziell Elektrolyt und Tantal caps, Spannungsfiltercaps" sowie arbeiten an mehr als Niederspannung darf nur von Fachleuten gemacht werden.
    Auch bei 12Volt kann ein falsch gepolter oder falsch eingesetzter Kondensator bereits zu schweren Verletzungen führen !
    das gleiche gilt für Drosseln usw.
     
  4. Ich stimme LED-man im Prinzip zu.
    - Netzteile darf man immer recappen, und "Dachbodenfunde" sollte man auf alle Fälle präventiv recappen
    - Tantals tausche ich immer
    - in 70er-Jahre-Synths gibt es in Kunststoff vergossene Folienkondensatoren, bei denen die Kunststoffaußenhaut reißt. Die können bei häufigem Transport mechanisch instabil werden, daher tausche ich die ggf auch (ich hatte mal eine Solina-String auf dem Tisch, bei dem tatsächlich zwei Töne nicht gingen, weil Kondensatoren der jeweiligen Tastenschaltung längs(!) durchgerissen waren).

    Was den Signalpfad angeht, bezweifle ich, dass man es hört. Ich höre auch keinen Unterschied bei unterschiedlichen Kondensatortypen.
     
  5. Anonymous

    Anonymous Guest

    Mich hat das Thema vor einiger Zeit auch etwas beschäftigt, und da hatte ich dann folgende Seite gefunden.
    Inhaltlich ist das jetzt für diesen Thread nichts Neues. Einfach nur eine ergänzende Quelle:
    Things to Know When Repairing Vintage Synthesizers -> siehe Tip 2
     
  6. Mondovermona

    Mondovermona Löten und Kleben

    Hallo noch mal,

    habe gestern mal in meiner Abfallkiste gekramt, was ich in den letzten Jahren (als Amateurbastler) so wechseln musste, um Defekte zu beheben.
    Intersannterweise waren darunter auch eine Reihe von Folienkondensatoren, den man gegenüber den Elkos ja ein langes Leben nachsagt. Nichts ist unmöglich. Hier meine "Lieblingskandidaten":
     

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  7. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Man liest und hört auch immer wieder, das ein labbriger Industrieyoghurt so wertvoll sei wie ein kleines Steak.... :selfhammer:
    Wer unbedingt an seinen geliebten Geräten rumfummeln will, soll das gerne tun. Hoffentlich fällt dabei nicht ein winziges Lötzinntröpfchen zwischen zwei Leiterbahnen und verursacht einen Kurzschluß. Nach Murphy würde in dem Fall der Versuch der Aufwertung des Gerätes exakt das Gegenteil zur Folge haben und dann auch noch stets den größtmöglichen Schaden verursachen. Also: Gerät Totalschaden + Wohnungsbrand. ;-)
     
  8. Mondovermona

    Mondovermona Löten und Kleben

    So habe ich es bisher auch gesehen, wollte mal "testen" wie es andere vernünftige Zeitgenossen hier sehen.

    Es gibt halt immer wieder Leute, die von Ihren elektronischen "Heldentaten" berichten. Und die Häufigkeit solcher Berichte irritiert mich dann schon:
    "In der Bucht 'ne 808 geschossen, ey. Erst mal alles re-cappt, läuft jetzt mit endgeilem Sound!"
    (Dass der Lauflicht Sequencer jetzt 15 Steps hat, erfährt man erst zwei Threads weiter unten unter: "Wer kann helfen?")
    Aber man findet dann wiederum Tipps wie: "Du musst erst mal alles re-cappen, dann geht's wieder." Alternativ mit einer schwarzen Katze nachts auf den Friedhof, dachte ich mir. Wollte jetzt aber mal Eure Meinungen abfragen.
     
  9. Elkos trocknen gerne in der PSU aus, daher glätten den Strom nicht mehr richtig etc was zu einem erhöhten Ausfall an Bauelementen führen kann.
    Aber einen hörenswerten daher klanglich relevanten Unterschied wird es bei derartigen Bauteilewechsel nicht geben.
     
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  11. Mondovermona

    Mondovermona Löten und Kleben

    Tantals habe IMO die "dumme" Eigenschaft, plötzlich auszufallen, einige fallen dann auf Kurzschluss und reißen beim Verglühen andere Bauteile (meist CMOS und Halbleiter) mit ins Grab. Im Falle der PSU oft auch den Linearregler, der dann nicht mehr regeln will. Kleine Dinger - großer Effekt
    Bei italienischen Stringsynths und Orgeln (Crumar) oder deutscher Musikelektronik (Dynacord, Hohner) und HiFi-Elektronik (Philips, Grundig) der 70er und frühen 80er Jahre hatte ich schon eine sehr hohe Ausfallrate, so dass ich die inzwischen meist wechsle, d.h gegen low ESR Elkos tausche. Tantalperlen waren in den 70ern und 80ern große "Mode" weil sie so schon HiTech und schön klein waren.
     
  12. Mondovermona

    Mondovermona Löten und Kleben

    Wer darauf vertraut, dass alles ewig ist, der ist schief gewickelt - so wie jetzt der Kondensator aus dem String Melody Netzteil.
    Kurz vor dem Tod ist noch sehr viel Strom geflossen, wie die verkohlte Platine unter dem Reihenwiderstand (rechts) zeigt. Knall, zisch, qualm - hust, hust! Im Studio war Stimmung wie an Silvester...



    Übrigens der Kondensator hatte kurz vor seinem abrupten Ableben noch gute elektrische Werte. Vielleicht zu gut für 2.200 µF Nennkapazität : Am Ende des Lebens steigt die Kapazität von Becherelkos an.



    Fazit: Wer sich schon die Mühe macht, die Kondensatoren zum Testen auszubauen, kann auch gleich neue einbauen- egal wie verlockend die elektrischen Werte der alten Knaben auch sein mögen
     

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