How to: Yamaha 02R rauschen beheben

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Es ist ja kein grosses Geheimnis (mehr), dass die 02R von Yamaha etwas rauschen.
Grundsätzlich rauscht jedes Gerät, aber gerade bei Mischpulten die 20 Jahre alt geworden sind, kann das Rauschen verstärkt auftreten und wahrgenommen werden.

Ich schreibe hier ein kleines Tutorial zum fast vollständigen beheben des Rauschen bei Yamaha 02R Mischpulten.

Hintergrund (kann übersprungen werden):
Ich hatte eines Tages herausgefunden dass ein Kanal sehr stark gerauscht hatte und dachte erst, es sei der angeschlossene Mic-Preamp (Focusrite).
Das Rauschen war aber auch bei ausgestecktem Kabel zu hören und verstummte erst bei MUTE. Somit habe ich mich daran gemacht, die Ursache zu finden.
Als erstes dachte ich an die Elkos und habe erstmal alle Elkos des Kanals getauscht (einige davon waren im kritischen Toleranzbereich) um zu festzustellen dass sich nix getan hat.
Hierbei kam die Idee dass der Verstärker-Chip defekt sein könnte. Und genau hier lag der Hund begraben.

Verstärker-Chips gibt es hier:
Yamaha Verstärker Chips

Ich habe mir erst einmal 100 Stück (5 Lots) bestellt, da ich mehrere 02R's im Einsatz habe. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass einige
neu bestellte Chips von Haus aus schon rauschen. Diese habe ich dann wieder getauscht.

Als erstes einmal sollte das Mischpult vom Strom getrennt und ausgeschaltet werden. Da drin gibts hohe Spannungen :opa:
Nun die eventuell vorhandene Meterbridge demontieren und die Schrauben auf der Seite des Pultes lösen. Die zwei grossen Schrauben am vorderen Teil des Pultes NICHT lösen, da hier
das Gehäuse aufgeklappt wird. Wenn man diese Schrauben löst und das Scharnier aushängt, ist das eine Riesenfummelei dies wieder einzuhängen.

Als nächstes muss man die Schrauben vorne unten lösen (3 Stück afaik). Dazu sollte das Mischpult vorne angehoben und mit etwas abgestützt werden.
Auch die Schrauben am Deckel bei den Anschlüssen müssen gelöst werden. Nun kann man den Deckel von hinten aus gesehen wie eine Motorhaube aufklappen.
Hierbei empfiehlt sich die Sicherung mit einer Holzlatte oder ähnlichem. Vorsicht dass das Teil nicht abrutscht und runterknallt!

Jetzt sollte man alle Potikappen (Gain) abnehmen. Hierbei einfach mit Feingefühl daran ziehen. Ich nutze die Gelegenheit die Kappen in etwas warmem Seifenwasser zu reinigen.
Nun sind die verschraubten Ringe (schwarz) der einzelnen Kanäle zu lösen. Dies geht am besten mit einer Spitzzange. Darauf lässt sich die Metallplatte auf den einzelnen Kanalzügen einfach
heben und rausnehmen.

Die einzelnen Kanäle können nun separat herausgeschraubt werden. Dazu einfach die Schraube auf der Rückseite bei den Anschlüssen lösen und das Kanalboard seitlich lösen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, da man leicht die anderen Boards beschädigen könnte.

Das einzelne Board kann man nun in eine dritte Hand einspannen und den Verstärker-Chip entlöten (8 Lötpunkte). Wichtig ist hierbei, dass man nur den NJM2068LD Chip rauslötet.
Sobald man diesen entfernt hat, kann man nun einen neuen einlöten. Bei der Gelegenheit prüfen, ob die Lötstellen des Gainreglers einen Riss haben. Ggf. nachbessern.

Das Board kann nun wieder eingebaut und verschraubt werden. Diese Prozedur nun mit allen Boards ausführen. Bei den hinteren Boards (Main Out, Aux Send, etc) sind zwei Chips verbaut.
Unbedingt drauf achten dass man den richtigen Chip ausbaut!

Bevor man das ganze wieder zusammenbaut, den Deckel schliessen und Mixer einschalten. Jeden einzelnen Kanal einzeln anhören ob alles IO ist. Bei erhöhtem Rauschen einen anderen Chip einbauen. Danach das ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammensetzen. Beim schliessen des Deckels darauf achten, diesen nicht fallen zu lassen und die Gain-Potis richtig auszurichten damit man diese nicht beschädigt. Hierbei ist wieder etwas Fingerspitzengefühl nötig.

Generell gilt: Die Anleitung wurde nach bestem Gewissen und aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich übernehme keine Verantwortung bei irgendwelchen Arbeiten die auf Grund der Anleitung durchgeführt wurden. Bei Bedarf und Interesse (sollte sich tatsächlich) jemand für das Tutorial hier begeistern, kann ich es noch etwas verfeinern und Bilder nachliefern, da ich diese Arbeit nochmals vor mir habe.

Kostenaufwand: ca: 30 Euro
Zeitaufwand: knapp 2. Stunden (ruhige Arbeitsweise nötig)
Werkzeug: Lötkolben, Lötzinn, 3. Hand, Entlötpumpe, Kreuzschraubenzieher
 

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