Kraftwerk Drummachine /Gatesequencer - Setup 1981

Dieses Thema im Forum "mit Sequencer" wurde erstellt von ZIM, 26. September 2006.

  1. ZIM

    ZIM -

    Hallo erstmal....

    Ich bin neu hier und bin mit meinem Anliegen hier vielleicht falsch.
    Es ist hier halt schon sehr umfangreich und ich weiß noch nicht wo alles ist.
    Hat einer von Euch Fotos die dieses 32 Noten Drumding von Kraftwerk aus alten Analogtagen deutlich zeigen? Ich denke das es ein Gate Sequencer ist und habe gehört das das damalige Rythmteil von friendchip Pate gestanden haben soll, aber die Bilder sind immer so verschwommen. Man sieht nix. Wäre sehr nett.

    Viele Grüße

    ZIM

    :D

    ___ MOD: verkoppelt Themen zur Triggersumme (Sequencer Zusatzgerät bei Kraftwerk)

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  2. Markus Berzborn

    Markus Berzborn aktiviert

  3. Moogulator

    Moogulator Admin

    Triggersumme

    Synthanorma selbst macht das nicht.

    Leider ist Dirks Bild verschwunden und ich habs nicht hochgeladen..
    aber unter Synthanorma gegoogled gibts auch Bilder.

    :hallo:

    Der Synthanorma ist ein normaler analoger StepSequencer, nicht nur Trigger.. aber das ist ein externes weiteres Gerät.

    Du meinst aber nicht das Ding von "Roboterwerke"? Davon gibts fast nirgends ein gutes Bild..
     
  4. Anonymous

    Anonymous Guest

    Das ist das Gerät "Triggersumme", eine Schaltmatrix als Ergänzung zum Synthanorma Sequenzer. Ich werde versuchen, das Gerät beim nächsten Besuch im Kling Klang Studio zu fotografieren. Das wurde von uns im Auftrag von Ralf Hütter und Florian Schneider entwickelt, "um den Kraftwerk Rhythmus zu stabilisieren".
     
  5. Anonymous

    Anonymous Guest

    Das ist das Gerät "Triggersumme", eine Schaltmatrix als Ergänzung zum Synthanorma Sequenzer. Ich werde versuchen, das Gerät beim nächsten Besuch im Kling Klang Studio zu fotografieren. Das wurde von uns im Auftrag von Ralf Hütter und Florian Schneider entwickelt, "um den Kraftwerk Rhythmus zu stabilisieren".
    ___

    Beschreibung und Abbildung der Triggersumme kommt bei Gelegenheit nach. Hier erst einmal zum eingrooven:


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    Abbildung 1: Promo-Foto anlässlich der Veröffentlichung der Kraftwerk LP Computerwelt



    Synthanorma Modell 316

    Doppel-SchrittSequenzer mit Intervallomat
    Variabler Funktionsgenerator

    Spezialanfertigung für Kraftwerk
    Ausführung 2 von 2

    Hersteller: Fa. Matten + Wiechers, Bonn
    Herstellungsjahr: 1976
    Einsatz ab Kling Klang Produkt "Trans Europa Express"
    Sequenzer Operator: Ralf Hütter


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    Abbildung 2: Synthanorma Modell 316, 2 von 2



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    Abbildung 3: Schritt-Sequenzer mit Mixtur-Sequenzer - Einheit oben



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    Abbildung 4: Schritt-Sequenzer mit Taktgeber, Spannungs- und Impulsausgänge - Einheit unten



    Beschreibung

    Schritt-Sequenzer
    Zwei Einheiten mit je 8 Schritten. Der Sequenzer liefert Gleichspannungen von 0 bis 10 Volt, vorzugsweise zur Ansteuerung von spannungsgesteuerten Analog-Synthesizern. In jeder der acht Spalten befinden sich die folgenden Regler bzw. Schalter:
    Intervallomat: Stufenschalter, 12-stufig, 1/12 Volt-Schritte, hochpräzise digital erzeugt zur Einstellung der Tonhöhe in Halbtonschritten
    Intervallomat: Stufenschalter; 10-stufig, 1 Volt-Schritte, hochpräzise digital erzeugt zur Einstellung der Tonhöhe in Oktavschritten
    Potentiometer, stufenlos, 0 – 10 Volt, zur Ansteuerung z.B. der Filtergrenzfrequenz
    Potentiometer, stufenlos, 0 – 10 Volt, zur Ansteuerung z.B. der Verstärkerabschwächung
    Potentiometer, stufenlos, 0 – 10 Volt, zur Ansteuerung z.B. der Gate-Länge des internen Taktoszillators (Ton-/Pausenverhältnis)
    Stufenschalter, 3-stufig, Funktionen "Fin" (Sequenz-Ende), "Shift“ (Weiterschaltung), "Skip" (Überspringen)
    Taster "Set" zum manuellen Aufrufen der Spalte
    Schalter "Stop", Sequenz endet an dieser Position

    Mix-Sequenzer
    3 Schritte mit gleicher o.g. Logik zur <a href="https://www.sequencer.de/specials/sequencer.html">Sequencer</a>uentiellen Abfolge der Reihen 3, 4 und 5
    2 wählbare Transpositionen für den Intervallomaten mit Slew-Funktion
    Logic-Expander, Zuordnung des Mix-Sequenzers zu Einheit 1, Einheit 2, Einheit 1 und 2

    Taktgeber, Spannungs- und Impulsausgänge
    Stufenschalter, 3-stufig, zur Verkopplung von 2 DoppelSequenzern, 16/16, 2 x 16, 1 x 32 Schritte
    Bereichsschalter "Lo/Hi" für die Frequenz des Taktgebers
    Potentiometer, stufenlos, zur Einstellung der Taktfrequenz (Schrittgeschwindigkeit) Bei Gerät 1 befindet sich hier ein aufgesetztes Präzisionspotentiometer mit Feintrieb und Werteanzeige von 000 bis 999.
    Wahlschlter für Doppeltriggerimpuls
    Pulsweitenregler des Taktgebers
    Abschwächungsregler für den Steuerspannungseingang "Frequenz" des Taktgebers
    Abschwächungsregler für den Steuerspannungseingang "Pulsweite" des Taktgebers
    Start- und Stop-Schalter
    Schalter "Pulsweitenmodulation intern/extern"
    diverse Ein- und Ausgänge für Steuerspannungen und Schaltimpulse

    Besonderheiten
    Der Synthanorma Sequenzer 316 verfügt mit der Einheit "Intervallomat" als erster Sequenzer über die Möglichkeit, Halbtonschritte über den gesamten musikalischen Bereich per Stufenschalter mit Zahlenanzeige einzustellen.
    Sync-to-Tape: Mit dieser Funktion ist es möglich, per generiertem Impulssignal die Sequenzer mit einer Mehrspurbandmaschine zu synchronisieren, um somit die musikalischen Möglichkeiten zu vervielfachen.
    Variabler Funktionsgenerator: Der Synthanorma Sequenzer 316 kann als eigenständiger Klangerzeuger verwendet werden. Die Reihen 3, 4 und 5 dienen zur Einstellung der Schwingungsform. Der Taktgeber kann bis in den Bereich von 70 kHz per externer Spannung gesteuert werden, wobei die 24-stufige Schwingungsform dann einen Bereich bis 2.916 Hz durchfahren kann.

    Copyright Abbildung 2, 3, 4, Text: Dirk Matten
     
  6. Jörg

    Jörg |

    :shock:
    Geilomat!!!
     
  7. Anonymous

    Anonymous Guest

    Warum hat außer euch kein anderer sowas gebaut. Höchstens der SND SAM 16 kann ja so ähnlich. Ich würde heute gerne so einen Sequencer haben wollen.
     
  8. mc4

    mc4 -

    Oktaven und Halbtöne

    Die Einstellung mit separatem Oktav und Halbtonregler finde ich sehr komfortabel. Ein Feintuning in Cents fehlt aber anscheinend.

    Wahrscheinlich haben sich Kraftwerk auch nie für blue-notes in ihren Sequenzen interessiert! *grins*

    Liebe Grüße, Frank
     
  9. Anonymous

    Anonymous Guest

    Quatsch - es existieren ja weitere Zugriffsmöglichkeiten am Sequenzer. Und um Feinstimmungen auch präzise zu erfassen, haben wir für Kraftwerk digitale Stimmgeräte entwickelt. In einem Fernsehvideo zu "Roboter" siehst Du eine Montage, in der die Zahlen des Stimmgerätes in die Stirn eines Musikarbeiters eingelassen worden sind. Die Sequenzer-Schlipse sehen auch sehr modern aus. Herrn Schneider fand die Idee, die Sequenzer LEDs in die oberste Zahlreihe einzulassen, auch ganz interessant - es haperte dann aber doch an der Umsetzung. Hatte mich immer drauf gefreut, mal zu sehen, wenn er dann auf der dunklen Bühne diabolisch grinst: 1-2-3-4-5-6-7-8.
     
  10. mc4

    mc4 -

    Feine Stimmung

    Also kann man doch *pro Step* ein detune einstellen?
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

    Du hast doch pro Step weitere drei Potis, mit denen du machen kannst, was dir gerade so einfällt - kommt auf die Zuweisung am Modulationsziel an (Philosophie des modularen Synthesizers).


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    Heinz Funk

    Was ist ein Synthesizer?

    Man kann darüber denken, wie man will: Auch der Kunststoff hat sich durchgesetzt, ohne daß Holz, Glas, Keramik, Metall dadurch in ihrer Bedeutung verdrängt oder auch nur beeinflußt worden sind. In der Musik vollzieht sich jetzt die gleiche Entwicklung - zum synthetischen Ton oder Klang. Die "Bauweise" der Musik, Stil und Art des Zusammenklingens und die Folge von Tönen haben sich, wie alles in der Kunst, ständig verändert und verändern sich heute noch fortgesetzt, - nicht aber die "Baustoffe", nämlich die Töne, so wie die Natur sie uns bot: das Schwingen einer Saite auf der Geige, einer Luftsäule im Trompetenrohr, einer Klaviersaite, der Stimmbänder.

    Trotz aller Bemühungen um Varianten, um Verfremdung und Verfärbung dieses Naturtonmaterials, durch Erweiterung der Dimensionen, durch aufgesetzte Dämpfer, durch Reißnägel im Klavierhammer usw. hat sich am Ursprung dieses Tonmaterials seit Tausenden von Jahren bis heute nichts geändert, wenigstens nichts Wesentliches im Vergleich zu den wesentlichen und ständig progressiven Veränderungen und Erneuerungen in Form und Stil des Komponierens und Musizierens.

    Mit der Entwicklung der Elektronik begann ein neues Tönen. Zunächst zufällig, als unerwünschtes Nebenprodukt im Rückkopplungs-Pfeifen der ersten Rundfunkempfänger: das Schwingen der Elektronen in einem Stromkreis, als Ton hörbar in der Membran des Kopfhörers oder Lautsprechers. Dann zielstrebig weiterentwickelt zum elektronischen Musikinstrument, aber eben zum Musikinstrument mit Registern und Klangfarben, zu denen sich der Konstrukteur, nicht aber der Benutzer entscheiden mußte. Und wieder war die Imitation herkömmlicher Instrumente und Klangfarben Ziel und Maßstab aller Perfektion! Nichts Endgültiges und letztlich Neues also, abgesehen von dem Gag, eine Violine von einer Tastatur spielen zu können.

    Aus dieser Unzufriedenheit über den vorgefertigten, vorgegebenen und vorbestimmten Klang, über das "Fertiggericht" eines Klanges oder Tones, egal ob reale oder elektronische Klangerzeugung, entstand schließlich die Idee des Synthesizers. Die Idee einer kompletten Küche zum Selbstkochen mit allen nur denkbaren Zutaten und Geräten, die Idee eines elektronischen Handwerkskastens mit allen nur denkbaren Werkzeugen und Stoffen zum: "Do it yourself" am Suchen und Finden eines Klanges oder Tones nach eigener Vorstellung und eigener Phantasie.

    Was ist ein Ton?

    Einen Ton oder Klang kann man "analysieren", d. h. zerlegen, und so feststellen, warum Geige, Flöte oder Klavier so völlig verschieden klingen. Man wird feststellen, daß die typischen Merkmale, an denen wir einen Klavier-, Geigen- oder Flötenton unterscheiden, abgesehen von der Tonhöhe (Grundschwingung), aus einer Vielzahl von "Funktionen" bestehen. Solche Funktionen, d. h. Abläufe von Merkmalen während einer bestimmten Zeit, sind z. B. die Tonform, d. h. der Verlauf der Lautstärke, die Klangfarbe, d. h. die Anteiligkeit von Oberwellen zur Grundschwingung, und der Klangfarbenverlauf, d. h. die Oberwellenverschiebungen, die sich während des Ablaufes eines Tones ergeben.

    Baut man nun einzelne Elemente, mit denen man solche Funktionen einzeln und unabhängig voneinander erzeugen kann, so läßt sich beispielsweise ein Klavierton wieder aus solchen Funktionen zusammensetzen, d. h. "synthetisieren". Wie im Kochbuch. Man nehme einen oder mehrere Schwingungserzeuger (Oszillatoren!), wähle eine geeignete Wellenform mit dem richtigen Obertonaufbau, dann nehme man eine "Kontur" (Tonformverlauf), eine mit hartem Anschlag, d. h. kurze Einschwingzeit, langem, linear verlaufendem Ausklang und einem allmählichen Aufbau der Obertöne. Das Ganze setze man mit einem Tastenanschlag (triggern!) in Bewegung und bestimme nach Belieben kürzeren oder längeren Ablauf. So entsteht also wieder synthetisch ein Klavierton, nur daß hier der Klavierton einen winzigen Bruchteil der Möglichkeiten darstellt, die man mit den Funktionen eines Synthesizers erreimen kann, wobei die Imitation bekannter und gewohnter Klänge und Töne sicherlich die unbedeutendste und uninteressanteste Seite des Unternehmens sein dürfte.

    "Selbstgebaute" Klänge

    Es beginnt ja erst, interessant zu werden, wenn Ungewöhnliches passiert, wenn der Klavierton z. B. langsam einschwingt und schnell abreißt, so wie beim Rückwärtsspielen einer Bandaufnahme, und wenn aus solch einer kleinen und winzigen Funktionsveränderung schon so ungewöhnlich Neues passiert.

    Wenn beispielsweise nur vier Funktionen getauscht oder geändert werden können, jede in einer Vielzahl von Nuancierungen. so erinnert das immer an die Jugendimpression einer Schokoladenschachtel mit Schiebebildern. in der man zehn oder zwölf Köpfe, Rümpfe, Beine und Füße in allen möglichen Kombinationen übereinanderschieben konnte, und ebenso hilflos wie fasziniert versuchte, die Summe der Möglichkeiten zu ergründen.

    Je weiter die "Entfesselung", die Auflösung in Funktionen getrieben wird, um so interessanter und vielseitiger ist ein Synthesizer, um so berechtigter trägt er diesen Namen.

    Das Ganze wurde möglich, nachdem der Amerikaner R. A. Moog ein System entwickelt hatte, mittels Spannungen zwischen 0 und 10 V, die man beliebig mischen, summieren und überlagern kann, all diese Funktionen gewissermaßen in einer Art Fernbedienung und Fernauslösung zu "steuern": Vergleichbar mit einem hydraulischen System, in dem man beispielsweise einem konstanten Druck nochmals einen pulsierenden und dann dem Ganzen nochmals einen stufenweise ansteigenden überlagern kann, wird beim Synthesizer unter dem "Druck" der Steuerspannung die Basis-Tonhöhe eines Oszillators bestimmt. Eine zweite, pulsierende Steuerspannung, etwa der Ausgang eines langsam schwingenden Oszillators, besorgt die "Modulation" in Varianten von "Luftschutzsirene" bis "Vibrato", je nach Frequenz und Amplitude, und eine dritte, z. B. von der Tastatur, besorgt die stufenweise Verstimmung, die Melodie oder das Tonmuster.

    Versuchen wir einzuteilen, so bieten sich drei hauptsächliche Begriffe an: Das Klangmaterial, die Klangformung, die Klangfärbung oder Klangveränderung. Als Klangmaterial, an dem geformt, gefiltert und moduliert wird, dienen dem Synthesizer Oszillatoren, Rauschgenerator und von außen eingespeiste "fremde" Schallquellen wie elektronische Musikinstrumente, Bandaufzeichnungen, Mikrofonsignale o. ä.

    Die Oszillatoren erzeugen elektronische Schwingungen, nicht, wie bei der Orgel, in festgelegter, stabilisierter Tonhöhe, sondern in Abhängigkeit vom "Druck" der Steuerspannung, die ihnen aufgeschaltet wird in einem sehr weiten Bereich von ganz langsamen Schwingungen, etwa einmal alle 200 Sekunden, bis zu Frequenzen von 15 000 Hz. Die Schwingungen entstehen durch interne, automatische Schaltvorgänge, aus denen verschiedene Wellenformen wie Sägezahn, umgekehrter Sägezahn, Dreieck, Sinus und Rechteck gleichzeitig abgeleitet werden und beliebig zusammengemischt wie auch gegenphasig verkehrt werden können.

    Die Rechteck-Wellenform kann außerdem im "Tast-Verhältnis" (Breitenverhältnis der Rechtecke zu den Pausen) in weiten Grenzen verstellt oder auch gesteuert werden. Dadurch sind gleitende Oberwellenverschiebungen während des Tonablaufs programmierbar. Auf die Tonhöhen-Bestimmung eines Oszillators wirkt die Summe aller angelegten Steuerspannungen ebenso wie umgekehrt mit einer Steuerspannung gleichzeitig mehrere Oszillatoren parallel in ihrer Tonhöhe beeinflußt werden können. Im Unisono oder in beliebigen Intervallen, in künstlich aufgebauten Obertonreihen, Mixturen folgen sie parallel, bei Zwangssynchronisation sogar phasen-deckungsgleich der angelegten Steuerspannung.

    Das Steuern der Tonhöhe erfolgt im allgemeinen unter dem Einfluß mehrerer Steuerspannungen gleichzeitig: einer handregelbaren Grundstimmung in Feineinstellung wie auch in umschaltbaren Oktavstufen, darüber hinaus durch die stufenweise Steuerspannung der Tastatur, der sie in reine, temperierter Stimmung, wie auch in jeder beliebigen einstellbaren Teilung (z. B. Viertelton-Skala) folgen kann. Außerdem können die Tonsprünge mit beliebig einstellbarer Geschwindigkeit gleitend erfolgen (Glissando). Wird weiterhin die periodische Schwingung eines Oszillators oder die auf- und absteigende Spannung eines Konturgenerators aufgeschaltet, so entsteht eine "Modulation", z. B. Vibrato, Shatter-Effekte, Bends, Lifts, Prall-Triller, u. v. a. m. Auch schnelle, hörbare Schwingungen können aufmoduliert werden, da die Umstimmung der Oszillatoren trägheitslos auch mit hohen Frequenzen erfolgt, so daß Interferenztöne aller Art entstehen können.

    Da von der Tastatur her nur eine Steuerspannung von der jeweils tiefsten Taste (bei einigen Synthesizern auch zwei Steuerspannungen von der höchsten und tiefsten Taste gleichzeitig) abgeleitet werden, wird verständlich, warum ein Synthesizer nicht akkordisch wie eine Orgel spielbar ist.

    Der Rauschgenerator erzeugt ein Gemisch von allen möglichen hörbaren Frequenzen, beim "weißen" Rauschen mit gleichmäßiger Verteilung, so wie weißes Licht alle Farben in gleichmäßiger Verteilung enthält, beim "rosa" Rauschen sind nach unten in zunehmendem Maße die tieferen Frequenzen stärker enthalten. Rauschen wird durch Filterung (Hervorhebung bestimmter Frequenzen) tönend und spielbar, als Modulation bewirkt es "harsche" Klänge, ferner eignet es sich zur Beimengung zu Tönen oder auch zur Erzeugung synthetischer Geräusche wie Pferdegetrappel, Trommel, Regen, Wind, Sturm usw.

    "Fremdsignale" (außen angeschlossene, fremde "Schallquellen" wie Musikinstrumente Bandaufzeichnungen., Mikrosignale usw.) können einzeln oder zusammen mit den Hörsignalen des Synthesizers gefiltert, moduliert, ringmoduliert und geformt werden. So weit der Überblick über das Klangmaterial.

    Der Konturgenerator

    Die Klangformung geschieht mittels Lautstärkebeeinflussung in steuerbaren Verstärkern, die je nach anliegender Steuerspannung mehr oder weniger öffnen oder schließen. Geeignete Steuerspannungen hierfür sind: Fußpedale, langsam schwingende Oszillatoren (Amplituden-Modulation !) und vor allem Konturgeneratoren. Ein Konturgenerator arbeitet wie ein elektronisches Uhrwerk, das jedesmal von neuem abläuft, wenn es einen Auslöseimpuls, ein "Trigger-Signal", erhält, z. B. bei jedem Tastenanschlag. Er erzeugt eine auf- und absteigende Steuerspannung, deren Auf und Ab in vier Phasen "programmiert" werden kann:
    1. Zeitdauer des Ansteigens bis zum Maximum (Attack)
    2. Zeit des Abfallens (Decay) vom Maximum bis 0, oder
    3. bis zu einem vorbestimmbaren Niveau (Sustain) und schließlich
    4. endgültiges Abfallen von diesem Niveau auf 0, nach Loslassen
    der Taste (Final Decay).
    Diese Zeiten sind in weiten Grenzen von 0 bis 10 Sekunden verstellbar. Wird eine solche auf- und absteigende, "getriggerte" Steuerspannung einem Verstärker angeboten, so wird der Ton entsprechend im Lautstärkeablauf geformt. So entstehen beispielsweise Staccatos, Pizzicatos, weich einschwingende Tonformen usw. in unzählbar vielen Nuancierungen. Eine solche "Kontur" kann aber auch einem Filter angeboten werden, das dann entsprechende, gleitende Filterungseffekte ermöglicht, oder auch einem Oszillator, wobei hier alle möglichen, programmierbaren Tonhöhenverschiebungen bei jedem Tastenanschlag, wie Lifts, Bends, Prall-Triller usw., entstehen. Besonders das Zusammenspiel mehrerer Konturengeneratoren, die auch mit einstellbarer zeitlicher Verzögerung ablaufen können, ergibt eine reizvolle Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten bei der Programmierung von komplizierten Klangabläufen, z. B. eines Flötentones, der mit dem "Einblasen" beginnt und nacheinander allerlei Veränderungen hinsichtlich der Obertonentwicklung, des Vibratos und des Ausklingens erhält, oder auch bei der Produktion ganz unorthodoxer Töne, die beispielsweise wie ein Klavier beginnen und wie eine Trompete enden. Die Kontur kann auch zum Beschleunigen und Verzögern von Modulationsfrequenzen verwendet werden, usw.

    Spätestens an dieser Stelle des Versuchs einer Einteilung offenbart sich die Schwierigkeit einer logischen Gruppierung in diesem "Jedes mit Jedem"-System zwischen den zahlreichen Elementen eines Synthesizers, indem die Entfesselung aller nur denkbaren Kopplungs-, Kreuz- und Rückkopplungsmöglichkeiten aller Elemente untereinander, die Systemlosigkeit also, zum System wird.

    Auf weitere wichtige Elemente des Synthesizers sei daher nur noch in Kürze, ohne Anspruch auf Einhaltung einer logischen Reihenfolge hingewiesen:

    Spannungsgesteuerte Tiefpaß- und Hochpaßfilter beschneiden steilflankig alles, was ober- oder unterhalb eines vorwählbaren Frequenzbeschneidungspunktes liegt, wobei man diesen dann mittels aller möglichen Steuerspannungen in der Tonhöhe, d. h. in der Frequenz, in der er wirksam ist, auf- und abwärts stimmen kann. So ergeben sich unter der Einwirkung von Konturgeneratoren beispielsweise gleitende Filterungen aller Art, vergleichbar mit dem i-e-a-o-u- Effekt eines gesungenen Tones, ferner Wa-Wa- Effekte oder die typischen Filter- Sweeps, hochstrapaziertes Ausdrucksmittel erster Gehversuche auf dem weiten Feld elektronischer Klangerzeugung. Da man den Frequenzbeschneidungspunkt eines Filters durch Resonanz bis zur Rückkopplung, d. h. bis zum Selbstschwingen hervorheben kann, wird ein Filter zum zusätzlichen Oszillator, wobei unter dem Einfluß der Tastatur-Steuerspannung tönendes Rauschen, z. B. Imitation menschlichen Pfeifens, melodiös und in reiner Stimmung "gespielt" werden können.

    Zu den weiteren Steuerspannungsquellen, mit denen man Oszillatoren in der Tonhöhe, Filter im Auf und Ab des Filterpunktes, Verstärker in der Lautstärke eines Signals und Rechteck-Wellenformen in der Oberwellenverteilung "fernsteuern" kann, gehören: Das Saiten-Abgriff- Manual (Ribbon Control), das das Spiel wie mit einer Violine durch Abgreifen auf einer Saite gestattet, ferner Fußpedale, XY-Controller (Zwei-Ebenen- Handregler, wie Steuerknüppel eines Flugzeuges), ferner eine elektronische Trommel, die sowohl Trigger-Signale als auch Steuerspannungen in Abhängigkeit von der Schlagstärke abgibt und die so allerlei Gags, wie rhythmisches Zerhacken eines beliebigen Sound- Materials, ob vom Synthesizer oder von außerhalb ermöglicht, gleichzeitig auch tieferes und höheres Stimmen der Klänge, je nachdem wie fest man mit den Fingern, mit Stöcken o. ä. trommelt.

    Nach dem Motto: Man nehme irgendetwas, das zwischen 0 und 10 V stattfindet und biete es irgendeinem Element an, gibt es unausdenkbare Möglichkeiten und keine Tabus.

    Der Sequencer

    Ein weiteres interessantes Zubehör ist der Sequencer, ein Reihen- und Zeitfolgenschaltwerk mit 24 x 24 wählbaren Steuerspannungen, die in allen möglichen, programmierbaren Folgen und Rhythmen, in allen möglichen wechselnden Frequenzen ablaufen und je nach Aufschaltung Tonkettenmuster, Filterungen, Lautstärkestufungen usw. in unberechenbarer Vielzahl bewirken oder auch selbst beim Ablauf in der Hörfrequenz zu Oszillatoren mit den absurdesten Wellenformen werden können.

    So erschließt der Synthesizer einen neuen, ungeheuer vielseitigen Raum der Phantasie-Entfaltung für den Musiker, den Komponisten, für die Ausbildung, das Labor, das Studio. Für den forschenden und suchenden Menschen im reizvollen Kräftespiel zwischen der eigenen Vorstellungskraft und der unergründlichen Vielseitigkeit des Systems, oder für jenen, der sich einfach durch willkürliches Probieren überraschen läßt.

    Das Kunststoff-Zeitalter in der Weltgeschichte der Töne und Klänge hat begonnen, in dem, wie in jeder Entwicklung, am Anfang der Mißbrauch steht, die Imitation von bereits Dagewesenem bis mit dem neuen Stoff auch die neue Form entsteht. Der Synthesizer ist kein Musikinstrument, das auf Knopfdruck eine Vorstellung realisiert. Was bei der elektronischen Orgel einst Ziel allen Wunschdenkens war, das fertige Musikinstrument mit den fertigen Klängen, leicht zu bedienen und zu verstehen, das wurde beim Synthesizer zum Tabu.

    Sicherlich müssen zugunsten leichter und schneller Bedienbarkeit auf der Bühne Kompromisse mit Einschränkungen der Vielseitigkeit erkauft werden, und sicherlich werden im Zuge der Sucht nach neuen, musikalischen Ausdrucksmitteln "Quasi Synthesizer" mit ein paar vorgefertigten Klangfarben und Effekten den Markt in zunehmendem Maße beleben, in allen möglichen Varianten, wie wir sie bei Orgeln zwischen 100 DM und 100.000 DM schon zu unterscheiden vermögen. Der echte Synthesizer aber ist kein Musikinstrument in diesem Sinne, er ist vielmehr ein System der Entfesselung und des Sezierens, der operativen Auftrennung aller nur denkbaren Nervenpunkte am komplizierten Organismus eines Tones oder Schallereignisses, und ihrer Wiederzusammenfügung in beliebiger Gesetzlosigkeit. Je willkürlicher, je komplizierter, je unberechenbarer dieses System arbeitet oder bearbeitet werden kann, desto reizvoller und interessanter ist es. Zumindest für den, der das sucht, was bisher noch kein Musikinstrument zu bieten vermochte, den Vorstoß in einen unbegrenzten Raum von Möglichkeiten, in dem man fasziniert und resigniert zugleich die Hilfslosigkeit unserer Vorstellungskraft erkennen muß.

    Funkschau, Heft 23, 1973

    http://www.elektropolis.de/ssb_story_heinz_funk.htm
     
  12. Anonymous

    Anonymous Guest

    Der echte Synthesizer aber ist kein Musikinstrument in diesem Sinne, er ist vielmehr ein System der Entfesselung und des Sezierens, der operativen Auftrennung aller nur denkbaren Nervenpunkte am komplizierten Organismus eines Tones oder Schallereignisses, und ihrer Wiederzusammenfügung in beliebiger Gesetzlosigkeit. Je willkürlicher, je komplizierter, je unberechenbarer dieses System arbeitet oder bearbeitet werden kann, desto reizvoller und interessanter ist es. Zumindest für den, der das sucht, was bisher noch kein Musikinstrument zu bieten vermochte, den Vorstoß in einen unbegrenzten Raum von Möglichkeiten, in dem man fasziniert und resigniert zugleich die Hilfslosigkeit unserer Vorstellungskraft erkennen muß.

    Diese Passage ist super! Ein echter Hammer. Selten so gutes Statement zu Synths gelesen.
     
  13. Moogulator

    Moogulator Admin

    Danke fürs Einstellen, denn durch den Wegfall deines Blogs waren natürlich auch diese Bilder verschwunden..
     
  14. Anonymous

    Anonymous Guest

    Da muß regelmässig bei weinen.
     
  15. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    Erinnert mich an div. Personen die behauptet man koenne FM nicht gezielt programmieren... :lol:

    Ob nun der echte oder der wahre Heino aeh' Synthesizer einen Unterschied macht, wage ich mal zu bezweifeln...

    Es ist nur einfach so, dass man bei so vielen Kabeln einfach Probleme hat den Ueberblick zu behalten, daraus eine Wissenschaft des Chaos zu machen, find' ich ein klein wenig uebertrieben...
     
  16. Ei,

    mal kurz :D
    Ein Kollega hat so ein Teil.. Ich glaub schon das er zum "HÄBBIKNOBBS" nächstes Jahr kommt. Das wäre die Gelegenheit so etwas cooles mal zu checken..Wenn :cool:
     
  17. Jörg

    Jörg |

    Wenn es nur 2 davon gibt, dann ist also einer bei Kraftwerk und einer bei deinem Kumpel.
    Oder du hast nen Kumpel bei Kraftwerk. ;-)
     
  18. Anonymous

    Anonymous Guest

  19. Anonymous

    Anonymous Guest

    http://www1.keyboards.de/magazine/m1004/410106_3.jpg
    Das Heimstudio von Frank Schwidetzky 1977 (der Cyborg läßt grüßen ...)
    Keyboards Online Archiv
     
  20. Jörg

    Jörg |

    *löl* ok! :lol:

    Sehr sehr geiles Bild im übrigen. Da hab ich gleich wieder "Nummern" im Ohr.
    Die "Computerwelt" ist sowieso meine Lieblingsscheibe von denen.
     
  21. Summa

    Summa wibbly wobbly timey wimey

    Ich denke es macht keinen grossen Sinn in dieser Richtung weiter zu diskutieren, es hat einfach keinen wahrnehmbaren Effekt. Die Zeit kann ich produktiver nutzen...

    Nebenbei bemerkt, nur weil einer 30 Jahre lang Eier verkauft hat, muss er noch keine Ahnung von Huehnerhaltung haben...
     
  22. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ja, war er mal! Ich würde gerne mehr über die Technik hinter der Frontplatte des Synthanorma erfahren! Anna, bitte bitte!!!
     
  23. RESET...Jep vom Frank . Er wohnt hier gleich um die Egge :D
     
  24. Anonymous

    Anonymous Guest

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    Charly Winter alias Hans-Joachim Wiechers

    Den hat bekannterweise ja Kollege Wiechers gebaut. Mein Part war - außer mechanischer Hilfestellung und mentaler Unterstützung - die Vermittlung von einem gedanklichen Überbau*, denn Herr Hütter meinte bei der Erstvorstellung bei mir im Kinderzimmer: "Brauchen wir nicht. Ich bin ein menschlicher Sequenzer." Auf dem Nachhauseweg hat man sich offensichtlich besprochen. Alles weitere ist Musikgeschichte.

    * Conductor-Philosophy (engl.) ist in Amerika die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Grundeinstellung von Komponisten gegenüber elektronischen Speicher- und Steuereinheiten. Diese Grundhaltung wird von ihnen nicht wie das Verhältnis Spieler-Instrument, sondern eher als Beziehung Dirigent (engl. conductor) -Orchester verstanden: Denn Hybride Systeme, deren Konzeption mit dem Wort "C.-Ph." charakterisiert wird, können Funktionen der Speicherung ("Partitur") , deren spätere Beeinflussung ("Interpretation") und wiederum deren Speicherung ("Reproduktion") ausführen.
    Max V. Mathews, der zusammen mit John R. Pierce in den Bell Telephone Laboratories praktikable "Computer Sound Synthesis Programs" (Computerprogramme zur Klangerzeugung) entwickelt hat, beschreibt seine der C.-Ph. zugrunde liegenden Vorstellungen der Arbeit mit Computern: "Der Dirigent spielt nicht persönlich jede Note einer Partitur, vielmehr beeinflusst (und kontrolliert er hoffentlich) die Art, in der die Instrumentalisten die Noten spielen. Der Computer-Ausführende sollte nicht versuchen, den gesamten Klang in Realzeit zu definieren. Vielmehr sollte der Computer eine Partitur enthalten, und der Ausführende sollte die Art beeinflussen, in welcher die Partitur gespielt wird. Seine Einflussnahme kann viel mannigfaltiger sein als jene des konventionellen Orchesterdirigenten, der in erster Linie Tempo, Lautheit und Stil kontrolliert. Er kann z.B. eine zusätzliche Stimme nach eigenem Ermessen einführen oder Bestandteile einer Stimme wie etwa deren Tonhöhen, während der Computer den Rhythmus liefert...
    Der Computer sollte mehr tun als nur dem Dirigenten folgen, er sollte sich auch aller Anweisungen des Dirigenten erinnern, so dass eine einmal erreichte gewünschte Aufführungsart repetiert werden kann. Darüber hinaus sollte er dem Dirigenten erlauben, jeden Teil seiner Interpretation oder der Partitur zu ändern".
    Aus diesen Forderungen an den Computer lassen sich neue Zusammenhänge von Komposition, Interpretation, vor allem aber Improvisation entwickeln. Einige Institute in Amerika arbeiten äußerst aktiv auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet.

    Aus "Das Lexikon der elektronischen Musik"
    Herbert Eimert, Hans-Ulruch Humpert
     
  25. EinTon

    EinTon -

    In der Tat...! :gaynau:
     
  26. Anonymous

    Anonymous Guest

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    Herrn Funk war ein Vertreter der spontan kindlichen Herangehensweise, was sich meiner Meinung nach in dem schwärmerischen Artikel deutlich zeigt. Ein wunderbarer sprachmächtiger Mensch. Toll, wenn er "klirrende Kälte" oder "eisiger Wind" vorgemacht hat.

    Heinz Funk
    Nur das Genie beherrscht das Chaos


    Der heute 82jährige!, der erst vor kurzem wieder die Verlängerung seiner Segelfluglizenz erhielt, sprüht vor Enthusiasmus, wenn "seine Themen" Radio- und Tontechnik, Akkordeon und Segelfliegerei zur Sprache kommen. Bereits mit 12 baute er sein erstes Radio. Aufgemerkt: 1927 gab es noch keine Bausätze mit idiotensicherer Anleitung. Mit 16 fuhr er Motorradrennen, kam (mit Bild!) in die Zeitung und bald darauf wieder, weil er es schaffte, mit einem Segelflieger auf dem einzigen Baum zu landen, der weit und breit die Landschaft schmückte. Danach studierte er kon<a href="https://www.sequencer.de/specials/sequencer.html">Sequencer</a>uenterweise erst einmal Flugzeugbau an der TH Stuttgart und verdiente sich nebenbei als Akkordeonspieler das Notwendigste. Kontakte zu HOHNER brachten ihn gleich in die Instrumentenentwicklungsabteilung. Nebenbei lernte er dabei etwas über Komponieren und Arrangieren. Die Luftwaffe setzte ihn im Krieg als Testflieger ein, und er verstand es nun, nicht nur einsamen Bäumen auszuweichen. Danach verpflichteten ihn die englischen Besatzer als Fluglehrer, warfen ihn aber nach zwei Jahren wegen seiner riskanten Flugmanöver wieder raus, obwohl er alle Bäume stehen ließ. Heinz Funk zog es nach Hamburg. Das Akkordeon brachte ihm Kontakte zu den British Forces Network, BFN. Ein Toningenieur ließ ihn mal an die Knöpfe, und kurz danach durfte er schon die Sonntagsrede des Militärpfarrers aufs Band bringen. Er lernte die Spitzenasse der deutschen Rundfunktechnik und deren Tricks kennen. Die alten Hasen beäugten den quirligen Neuling kritisch und warteten nur auf Fehler. Er machte keine. Statt dessen erkannte er die Chancen, die Pionierzeiten eben so mit sich bringen. So entstehen Legenden: Die kleine Wohnung in der Hartungstraße beherbergte nicht nur die junge 4-köpfige Familie und die pflegebedürftige Tante Maria, sondern auch die Akkordeonschule (drei Lehrer!), die technische Werkstatt (selbstentwickelte elektronische Tiefen-Verstärker für das Akkordeon) und das Tonstudio (z.B. für einen selbstgedrehten Unterwasserfilm). Bei all dem Tohuwabohu fand der Allrounder auch noch die Muße zum Komponieren von Filmmusiken (Edgar-Wallace-Filme, "Stahlnetz", "Die Gentlemen bitten zur Kasse" usw). Natürlich entstanden als Abfallprodukte technische Neuheiten wie elektronische Effektgeräte, Mischpultinnovationen etc. Irgendwann paßte das alles nicht mehr ins "Klappbettschlafzimmer", und mit dem Umzug in größere Räume wurde dann auch endlich studio funk offiziell und amtlich vermerkt.

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    Heinz Funk 1998

    Es kam die Zeit der Synthesizer, und bevor Heinz Funk wußte, wie das Wort geschrieben wird, besaß er auch schon den ersten Mini Moog in Deutschland, tüftelte und bastelte, und bald darauf hatte er den Alleinvertrieb. Aber das war Schreibtischarbeit und "Dauerbrenner" können nicht stillsitzen. Die ersten Mitarbeiter kamen (die z. T. heute noch im Betrieb verantwortlich tätig sind), und wenn mal wieder alle am großen Mittagstisch versorgt werden mußten, machte Mutter Funk Reibekuchen. Die nächsten Jahre waren harte Arbeit (vorher nicht?): Aufbau, Ausbau, Anbau, Umbau und wieder Umbau und Ausbau und Umzug und . . .
    Irgendwann übernahm Sohn Klaus die Verantwortung und Heinz fing an, die schwierigste Aufgabe seines Lebens zu meistern: Das Kürzertreten. Inzwischen hat er aber auch das bravourös (kleines Tonstudio in der Heide!) erlernt.
    Sollten Sie aber, lieber Leser, demnächst am norddeutschen Himmel wieder einen Segelflieger ausmachen, der ungewöhnliche Flugmanöver zelebriert, dann holen Sie lieber Ihre Bäume ins sichere Haus. Es könnte "Der Alte" sein...

    Aus: Funkturm 1998

    http://www.studiofunk.de


    Studio Funk

    Der Gründer Heinz Funk - hier seine Story

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    Ich erinnere mich noch, daß ich anläßlich der "Jahr 1925-Ausstellung" in Trier zum ersten Mal aus einem trichterförmigen Gebilde Musik hörte, die angeblich zum gleichen Zeitpunkt von einem Orchester im entfernten Köln dargeboten wurde. Eine ungeheuerliche aber faszinierende Vorstellung. Ebenso faszinierend wie das Fliegen, was mir schon recht früh zuteil wurde, indem ich regelmäßig an "gummiseilkatapultierten Luftsprüngen" mit einem abenteuerlichen Fluggerät aus Holz, Leinwand und Drähten teilnehmen durfte. Der Selbstbau eines Radios schließlich, mit dem ich tatsächlich etwas hören konnte - all das waren die ersten aufregenden Kontakte mit der Technik. Mein katholisches Elternpaar mit dem zukunftsweisenden Namen "Funk" hätte mich gerne als Pastor oder Arzt gesehen. Trotzdem gelang es mir irgendwie, die technische Hochschule und die akademische Fliegergruppe in Stuttgart für einige Jahre zu besuchen. Die Semesterferien verbrachte ich dann ganz in der Nähe, in Trossingen bei der Firma Hohner - mit Musikschule, Kompositionsunterricht, Musiklehrerexamen, Solistenausbildung u.v.a.m.

    Und dann kam der Krieg ... für mich Gott sei Dank an der Heimatfront als technischer Ausbilder und Fluglehrer. Testflüge, Bücher schreiben, Filme machen usw. gehörten zu meinem Alltag. Nach dem Krieg gelangte ich über einen Job als Segelfluglehrer und technischer Leiter bei der Royal Air Force mit guten Englischkenntnissen ausgestattet schließlich zum BFN (British Forces Network) nach Hamburg ... Also doch endlich Radio! Zunächst als Musiker vor dem Mikro und dann später dahinter - im Regieraum als "Programm-Engineer". Die 300 Mark Monatsgehalt für meine Familie und mich konnte ich Dank meiner "Schweineorgel" und allerlei Mucken aufbessern.

    Auf der anderen Seite bescherten mir diese Aktivitäten den Job eines Akkordeonlehrers, aus dem dann bald eine Musikschule mit einigen hundert Schülern wurde! Aus den besten dieser Schüler rekrutierte ich das „Hamburger Hohner Akkordeon Orchester“ - mit so vielen Meistertiteln, daß wir irgendwann nicht mehr mitmachen durften. Aus Frust kam ich über meine Tätigkeit als Arrangeur irgendwie zur Komposition. Ich erinnere mich noch an einen Produzenten, der Geld sparen wollte und mich bat, auf dem Akkordeon zum Bild zu improvisieren. Irgendwann bekam ich dann durch Zufall und in Unkenntnis des Produzenten über meine mangelnden Erfahrungen einen Auftrag für eine "richtige" Filmmusik zu einem Krimi: "Die Bande des Schreckens" und mußte nun ganz schnell lernen, richtige Partituren für richtige Orchester synchron zum Bild zu schreiben - und auch das klappte offenbar, denn es ging munter weiter!

    (Der grüne Bogenschütze / Die Toten Augen von London / Gentlemen bitten zur Kasse / Gestatten, mein Name ist Cox / Hafenpolizei / Polizeifunk ruft / Stahlnetz / u.v.a.m.)

    Ich fiel dann aber leider bei den Produktionsfirmen zunehmend in Ungnade, weil ich immer wieder bei den Musikaufnahmen, z.B. im Studio Hamburg oder beim NDR versuchte, neue Methoden einzuführen, etwa mit „automatischem Dirigenten“ (wobei in einem synchron mitlaufenden Cord-Band das jeweilige vorausberechnete Tempo über Kopfhörer vorgegeben wurde).

    Oder mit "Schnittmusiken" zum beliebigen Zusammensetzen im Baukasten-Prinzip, um Studiozeit einzusparen und zuhause in aller Ruhe mit 2 Revox-Maschinen, einem selbstgebauten Mischpult und einem umgebauten "Electronicum" Musiken zu ergänzen, und so z.B. die grausamen Effekte zu den grausamen Stellen selbst zu produzieren.
    Als ich dann schließlich noch billig einen 16mm-Zweibandprojektor ergatterte, konnte ich es mir nicht mehr verkneifen, damit komplette Vertonungen zu experimentieren. Dass ich dann natürlich auch noch selber Filme drehen wollte, ist sicherlich kaum verwunderlich. Z.B. mit einem selbstgebauten Unterwasser-Gehäuse, einer alten Siemens-16mm-Kamera und meinem damals 12 Jahre alten Sohn als Unterwasser-Star in einem Tauchferien-Film, den mir das Werbefernsehen erstaunlicherweise für schlappe 16 Mille abgekauft hat.
    Das machte Appetit! Und bald hatten wir gut zu tun, mit Industriefilmen und auch schon mit Werbespots. Das Ganze fand damals noch in Kellerräumen statt, zunächst mit einem Keller-Schneidetisch, einer Beaulieukamera, einem selbstgebauten Mischpult, zwei Revox-Bandmaschinen und einem Assistenten, der als Tänzer beim Fernsehballett wegen Rheuma nicht mehr tanzen konnte, sich aber brennend für das Alles interessierte. Und als wir anfingen, auch noch Sprach- und Musikaufnahmen für "richtige Produzenten" zu machen, da erfuhren wir aus Kundengesprächen, daß man uns mit unserer "Bruchbude", laut Aussagen der Konkurrenz, höchstens noch 1 Jahr Existenz voraussagte.

    Nun ist es doch ein bisschen mehr geworden ... ;-)
     
  27. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Heinz Funk... das erinnert mich an ein Weihnachtsfest 1977 oder 1978, wo er im Vorbescherungsprogramm so "Warten auf´s Christkind" einen großen Moog vorführte und darauf "Jingle Bells" intonierte. Was war ich platt. Ich war fünf (oder sechs, je nachdem, welches Jahr).

    Ich habe vor Jahren mal einen großen Studio Funk Moog IIIp gesehen, komplett mit Sennheiser VSM 201 und Bode 1630. Und natürlich ein Wersi CX-2. Ich habe auch noch irgendwo die von Heinz Funk produzierte Demokassette für den Sennheiser 201... das ist ein absoluter Brüller, "Lili Marleen" durch den Vocoder, und der Abschlußsong mit Dr. Oetker Orgel und VSM-201...

    Stephen
     
  28. SvenSyn

    SvenSyn aktiviert

    Kraftwerk Setup 1981

    Hallo,

    ich bin auf dieses Foto gestoßen und frage mich, was für einen "Controller" da Wolfgang Flür bzw seine Puppe benutzt :lol:

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    Sollte computerwelt-Tour sein..

    Allgemein würde mich auch interessieren, was da Kraftwerk für Gear verwendet hat.
    Weiß da jemand was?
    Danke!
     
  29. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Re: Kraftwerk Setup 1981

    irgendeine der vielen Sonderanfertigungen und dann sicher noch ohne MIDI sondern irgendwelchen Computerschnittstellen.
    MIDI wurde erst ein Jahr später eingeführt.
     
  30. Re: Kraftwerk Setup 1981

    Das ist ein selbstgebauter Controller, steht auch ein bisschen was dazu in seinem Buch "Ich war ein Roboter".
     

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