Mastering

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von Phil999, 14. August 2013.

  1. Phil999

    Phil999 aktiviert

    "instant mastering", "one-click mastering", "mastering effect" sind Stichworte, die mir neulich aufgefallen sind. Mastering auf einem Tablet.

    Ich möchte das weder kritisieren noch beurteilen. Aber vielleicht ist es noch nützlich in Erinnerung zu rufen, was der Begriff "Mastering" ursprünglich bedeutet. Kann man in einschlägigen Quellen nachschlagen, aber kurz und bündig war es ein Prozess, der für die Schallplattenpresse enorm wichtig war/ist, nämlich den Pegel und den Klang auf ein gemeinsames Niveau zu heben. Eine LP mit Stücken mit verschiedener Lautstärke ist inakzeptabel. Und auch mit allzusehr abweichendem Klang (Bass, Höhen, Dynamik, etc.). Darum war ein Mastering absolut Pflicht, sonst würde eine Schallplatte gar nicht so tönen wie sie tut. Dieser Prozess ist/war sehr delikat, da das Format einer Schallplatte keine grossen Abweichungen erlaubt.

    Es erscheint fast als Hohn, wenn heute Mastering als Inserteffekt oder als App angeboten wird. Ist aber so. Ist nicht ganz abwegig, aber etwas völlig Anderes als früher. Das einfach mal als Gedankenanstoss. Ich sehe nämlich zahlreiche Leute (vor allem jüngere Semester, und App-Freaks), die naturgemäss keine professionelle Ausbildung in diesen Gebieten genossen haben, und aus reinem Interesse solche Apps und Ideologien aufsaugen wie ein trockener Schwamm, und im Grunde genommen keinen blassen Schimmer haben, wofür Mastering ursprünglich eingesetzt wurde. Und wenn ich jeweils andeute, dass Mastering im digitalen Produktionsalltag rein technisch obsolet ist, werde ich praktisch immer missverstanden.

    Selbstverständlich ist Mastering nach wie vor wichtig, auch wenn keine Schallplattenpresse erfolgt. Aber das hat keine zwingend tontechnische Gründe wegen den empfindlichen Pegeln bei der Schallplattenproduktion, sondern musikalisch- und sonstwie produktionstechnische. Es ist immer gut, wenn eine Person involviert wird, die ausserhalb des Kompositions- und Aufnahmeprozesses steht, und sozusagen mit frischen Ohren die Sache beurteilen und tontechnisch professionell nochmals bearbeitet. Das lohnt sich praktisch immer, und ist auch den Aufwand bzw. das Geld wert. Nur ist das eigentlich, und das ist was ich ansprechen will, ein Rehearsal eines Mixes, und per Definition kein eigentliches Mastering. Ist natürlich reine Definitionsfrage.

    Aber ein "one-click-mastering" darf man doch eher als Witz auffassen. Das ist dann doch zu sehr vom ursprünglichen Zweck und vom Inhalt des Wortes entfernt.
     
  2. Michael Burman

    Michael Burman ★★★★★★★★★

    Och naja... Es gab schon vor 10 Jahren oder so ein Plugin von Steinberg, das den Frequenzgang eines Tracks auf einen anderen übertragen konnte. Dann braucht man noch ein Dynamik-Tool, das alle Tracks auf eine ähnliche Dynamik bringt, und schon hat man quasi ein Album-bezogenes "one-click mastering". Klar kann man das mit den Ohren machen. Aber solche Plugin-Automaten verkaufen sich wohl ganz gut. Eigentlich nennt sich das Pre-Mastering und ist mit dem Mischen schon sehr verwandt, weil es ja nochmal den gesamten Mix betrifft, was ja Ergebnis des Mixings ist. Wenn man einzelne Songs macht und gleich veröffentlicht, dann macht man halt ein rein Song-bezogenes Mastering. Wenn man allerdings an einem ganzen Album arbeitet, dann macht es natürlich Sinn gleich ein Album-bezogenes Pre-Mastering zu machen, statt erst einzelne Tracks unabhängig zu mastern. Da macht man dann auch Übergänge zwischen den Tracks, Fade-Outs, setzt richtig Pausen usw. Gehört ja alles zum Pre-Mastering. Und Mastering wäre dann die Erstellung der Matrizen für die CD-Pressung, glaube ich. Ich habe nur ein paar mal "Pre-Mastering" für Compilationen gemacht. Quasi zur privaten Nutzung. War viel zu viel Arbeit. Mache ich nicht mehr. So verstehe ich auch, warum einige Compilationen so schlampig gemacht werden. Weil Angleichen der Tracks eben viel Arbeit macht. Insb. wenn man es mit den Ohren macht. Aber mit so einem Album-bezogenen "one-click mastering" wären auch anhörbare Compilationen schnell möglich. Man markiert einen Track als Referenz, und die Automatik erledigt den ganzen Rest. Wäre heutzutage auch einfach unwirtschaftlich da viel zu viel Mühe reinzustecken.
     
  3. Zolo

    Zolo aktiviert

    Naja das funktioniert ja nur wenn man fast die gleichen Sounds benutzt. Außerdem setzt es eigentlich eine ähnliche Lautstärke vorraus usw.
     
  4. Michael Burman

    Michael Burman ★★★★★★★★★

    Nee nee, dafür gibt es Automatiken. Alles nur die Frage der Algorithmen. Dynamik kann bei allen Tracks ermittelt und auf gewünschtes Level automatisch gebracht werden. Braucht man nur die gewünschte "Lautheit" einstellen. Frequenzgang des Referenz-Tracks wird analysiert und bei allen Tracks angewendet. Kann man alles automatisieren.
     
  5. Zolo

    Zolo aktiviert

    Naja die ermittelte Lautheit von Programmen fand ich nicht so wirklich zuverlässig. Daraus kann man auch meine Meinung für weitere Mastering-Algorithmen herleiten :mrgreen:
    Also wenn sie es nichtmal schaffen die Lautheit zu erfassen - wie sollen sie denn Sound erfassen können ?

    Und ein Klangbild/Spektrum zu klonen ist ziemlich sinnfrei. Dazu müsste man ja genau die gleichen Sounds in der gleichen Tonlage spielen um das es wirklich effektiv wäre.
     
  6. Michael Burman

    Michael Burman ★★★★★★★★★

    Ach komm, du erwartest doch hoffentlich keine Perfektion bzw. menschliches Feingefühl von solchen Automatiken?... :mrgreen: Vielleicht auch ein automatisches Mixing: Der Algorithmus: "Ah, das ist eine Hi-Hat - die kommt nach rechts. Und das ist ein Bass - der kommt in die Mitte." usw. Der Mix würde sogar klingen. Und dann wählt man unter den Presets bekannte Mixing-Ingenieure. Darunter gibt's auch welche, die Hi-Hat nach links mischen, dafür den Shaker nach rechts! Wie aufregend! Ja, das wäre die Zukunft des DAW-Mixings. :mrgreen:
     

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