Moog-Sound in nem DDR-Film?

Dieses Thema im Forum "Sound Praxis / Synthese" wurde erstellt von MFakaNemo, 16. Dezember 2015.

  1. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    hey, Leute ..

    Frage: vor kurzem lief auf ARTE der Film "Die Flucht", mit Armin-Müller Stahl. (1977)
    Es war die letzte DEFA-Produktion mit dieser Ikone, und nebenbei bemerkt, war dieser Film wirklich sehr beeindruckend.

    Was mir dabei seit Tagen in den Ohren liegt, ist der Soundtrack. Es ist wohl nur ein Stück. Ich weiß jetzt auch, woher meine Liebe zu diesen Klängen aus dieser Zeit kommt, auch wenn ich erst 1979 geboren bin, aber egal.

    Geht mal bitte hierhin: http://cinema.arte.tv/de/artikel/die-fl ... -anschauen
    und dann nur PLAY. Gleich das Intro spielen lassen, bei Sekunde 40 kommt so ein typischer knatschender Sound, der für mich nach Moog klingt. Obwohl es zu dieser Zeit wohl sehr sehr wenig "West-Technik" gegeben haben dürfte, hört man ja immer wieder dass der eine oder andere mit Vitamin B mal an so ein oder vergleichsweise andere Geräte rankam.

    Ich bin, was Moog angeht, kein Spezi, und wenn man mal den Reverb auf dem Sound da weglässt, der da drüber gelegt sein dürfte, finde ich, hat das schon was von Moog. Oder? Was denkt ihr?
     
  2. tom f

    tom f Ignoranten können nun ignorieren.

    du denkst wirklich die defa oder ein dafür arbeitender komponist konnte sich keinen moog leisten bzw. einen importieren ?

    das war die ddr und nicht das reich der barbaren ;-)
     
  3. tichoid

    tichoid Maschinist

    durchaus möglich.. Wenn man im Osten zu Konzerten ging (PantaRhei/Karat, Sterncombo Meissen oder auch SBB usw.) stand da auf den Bühnen an Instrumenten und Technik alles rum was zu der Zeit Rang&Namen hatte. Als in den 80ern der Yamaha DX 7 rauskam dauerte es nicht lange und der war auch in DDR-Musikproduktionen zu hören. Es gab alles, aber teuer. In den 'Melodie&Rhythmus'-Inseraten tauchten relativ oft Minimoogs auf, wenn ich mich recht erinnere, gebraucht für 10.000 Mark der DDR...
     
  4. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    doch, genau das denke ich, deswegen vermute ich bei dem Sound ja einen Moog. wir hatten auch Musiker mit Vitamin B, die da mal von Fans aus dem Westen mal einen Moog Prodigy geschenkt bekamen (Spende, gesammelt)
     
  5. maffyn

    maffyn .

    das stück ist übrignes "das alte schloß" aus den bilder einer ausstellung von mussorgsky: da wäre jetzt mal interessant: kannten die die tomitaaufnahme, oder hat tomita den film gesehen;-))))

    die ddr hatte für filmproduktionen vor allem das "subharchord", eine weiterentwicklung des trautoniums (o.sala). in dresden stand eins davon dauerhaft für des defa-trickfilmstudio z.b.)
     
  6. SvenSyn

    SvenSyn ...

    Die Musik ist quasi eine Bearbeitung von den "The Old Castle" aus Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung", so ähnlich auch von Tomita gespielt.
    EDIT: Maffyn war schneller^^


    src: https://youtu.be/TaUX5noD1jo


    Zum Minimoog in der DDR:

    Afaik gab es den Minimoog und andere "Klassiker" schon in der DDR. Lothar Kramer (damals Stern-Combo Meißen) hatte zB zu der Zeit einen Minimoog, Ed Swilms nen Odyssey. Also unmöglich war das nicht.
     
  7. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    stimmt, im Internet steht es da auf anderen Seiten auch, dass das nach Mussorgski ist, also nach dessen Vorlage.

    krass, die Tomita-Version klingt auch sehr ähnlich.

    ich vertrete weiterhin die These, dass es in dem Stück ein Moog ist. ich meine, das klingt so typisch danach ..
     
  8. sternrekorder

    sternrekorder ......

    Die Musik stammt meines Wissens von Günter Fischer. Der ist auch heute noch gut im Geschäft. Die DDR hatte wohl schon Mitte der 70er Synthesizer wie den Minimoog im Bestand des Rundfunks. Wenn ein Künstler dort eine Aufnahme machen wollte stand das Gerät dort zur Verfügung. Es dauerte aber nicht lange und die Künstler "versorgten" sich selbst mit Geräten aus dem Westen. Leute wie Fischer, Lakomy, Paule Kramer, Ed Swillms oder Kurzhals hatten damals die nötige Kohle für die Instrumente. Ein Mellotron hatte Lakomy von Fischer im Jahre 1976 abgekauft. Für 23.000 Mark der DDR. Das war ein Wartburg, bzw. ein Haus mit Grundstück. Auf Wunsch gab es alles. Nur die Kohle musste stimmen :)
     
  9. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Es waren durchaus Geräte vorhanden -- nicht für jeden, aber in Studios, bei den dem staatlich genehmen Kulturbetrieb zuträglichen Bands, und Reinhard Lakomy hatte neben einem Mellotron Mk. 5 auch das Moog/Projekt Elektronik-System von Edgar Froese. Das gab's also. Voraussetzung: Devisen und frei konvertierbare Valuta.

    Ist diese elektronische DDR-Fassung von "Bilder einer Ausstellung" nicht von Stern Meissen? Ich hatte da vor Ewigkeiten mal was auf Cassette.

    Stephen
     
  10. SvenSyn

    SvenSyn ...

    Eben, da sdenke ich auch. Und würde auch den Moogsound erklären.. da zu dieser Zeit ein Minimoog in der Band war (Lothar Kramer).
     
  11. sternrekorder

    sternrekorder ......

    Die Version von Stern Meissen klingt in der Tat sehr ähnlich, es sind aber wirklich zwei verschiedene Aufnahmen. Die Filmmusik klingt auch nicht 100%ig nach Fischer, der ja bekanntlich eher aus dem Jazz kommt.
    Das sich die Musik ähnelt ist sicher der Tatsache geschuldet, dass bei den damals sehr beliebten Rock-Adaption von klassischen Stücken meist die selben Instrumente (Mellotron, String Ensemble, Orgel, Minimoog, Polymoog usw.) verwendet wurden.

    Dafür hatte er einen Kredit von 11.000 DM aufgenommen, den er mit dem von ihm selbst verdienten Westgeld bis zur Wende abgestottert hatte.
    Er war Reisekader und hatte viele Auftritte im Westen und damit die Nötigen Devisen eingespielt. Das meiste hatte er gleich dort wieder in Musikelektronik umgesetzt.
     
  12. sternrekorder

    sternrekorder ......

    Kramer spielte hauptsächlich Mellotron, Fender Piano, Korg 700, Minimoog, Elka Rhapsody. Kurzhals hatte dann später auch Hohner Clavinet, Polymoog, Minimoog, String Melody. Da gab es sicher auch Fluktuationen.
     
  13. intercorni

    intercorni |||||

    Habe ich nicht gewusst, nur das Lakomy ca 1979 bei Tangerine Dream einsteigen wollte, was dann doch nicht geklappt hatte.
     
  14. Soljanka

    Soljanka ...

  15. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    tja, von wem stammt die Version aus dem Film denn nun? laut Film ja von Fischer nach Motiven von Mussorgsky - aber wie ich auch mit Schlüsselworten suche im Netz, ich find sie nirgendwo anders, dabei ist die aus dem Film für mich die beste ...
     
  16. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Jetzt mal am Rande: der Sound ab 0:40 ist ein x-beliebiger single-VCO mit unsymmetrischem Pulse. Das kann alles beliebige sein. Dazu braucht es keinen Moog.
     
  17. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    ok .. danke .. aber mir gehts auch um das Gesamtstück mittlerweile...
     
  18. Cyborg

    Cyborg ...

    Wenn Du wüsstest wie viele Instrumente in die DDR verkauft wurden, Du würdest staunen. Viele davon haben den Umweg über "Rußland" gemacht, einige wurden ganz normal z.B. bei uns im MusicShop gekauft und mit "rüber" genommen. Ich nenne jetzt keine Namen aber es gab einige Leute aus "dem Osten" die hatten einen Pass und reisten hin und her. An manchen Tagen war es wild, da kamen nacheinander 2 oder 3 Afrikaner in den Laden, legten eine Einkaufsliste vor und zogen einen richtig dicken Stapel an DM oder US-Dollar aus der Tasche. Einige kauften dann quasi im Vorbeigehen Instrumente und Equipment für 10.000DM und mehr ein. Wir füllten dann noch ein paar Formulare aus und die Geräte wurden direkt zum Zoll zwecks Ausfuhr gebracht. Meistens waren es Studenten aus Moskau die im Auftrag einkauften. Die Mehrwertssteuer durften sie dann als "Lohn" behalten. Gibson, Fender alles ging. Ich selbst hatte einen Pro One nach Rostock mit der Post geschickt nachdem der Käufer mir jemanden nach (West)Berlin an die Haustür schickte (mit einem Umschlag Westgeld)
     
  19. MFakaNemo

    MFakaNemo ......

    total abgefahren .. :D

    wo du übrigens Russland sagst: es gibt ja den Altair 213, der ein russischer Nachbau des Minimoog Rev D war: https://www.youtube.com/watch?v=U55B1f4n8wg
    dieser war angeblich sogar noch bischen besser, und auch robuster. Soundtechnisch natürlich bombastisch.

    Wenn man einen Moog will und kyrillische Zeichen lesen kann, wäre das doch perfekt .. aber leider kann ich das nicht. ich würde schon gern wissen wo ich drehe und schalte.
     
  20. SvenSyn

    SvenSyn ...

    Das wissen manche auch trotz normaler Beschriftung nicht :school:

    :lollo:
     
  21. ppg360

    ppg360 fummdich-fummdich-ratata

    Steht so im Internetz, nicht wahr?

    Muß also stimmen.

    Stephen
     
  22. Cyborg

    Cyborg ...

    Ja genau, ich musste auch gerade an etliche Euroformat-Module denken bei denen chaotisches Design der Frontplatte ein Muss zu sein scheint und bei denen eine Vielzahl von Reglern IRGENDWAS bewirken und die mit Blitzen, Bildern oder Phantasiebezeichnungen gekennzeichnet sind ;-)
     
  23. Bernie

    Bernie Alien

    Vieles erklärt sich von selbst, die Symbole für Wellenformen sind ja international, das hat man schnell heraus. Man hat ja auch einen Satz Ohren.
    Obwohl ich absolut keine Ahnung von der russischen Sprache habe, war mir doch sofort klar, wofür der Regler mit der Beschriftung "Ataka" war, die drei benachbarten Regler erklären sich dann von selbst.
    Außerdem gibt es massenweise Dokumente mit Übersetzungen im Netz.
     
  24. RetroSound

    RetroSound |||||||||

    In den Tageszeitungen gab es ganze Seiten mit Kleinanzeigen, denn der Gebrauchtwarenhandel blühte in der DDR.
    Nicht selten tauchten dort DX7, DW-8000. Poly-800 und manchmal auch ein Moog auf.
    Diese Preise in Ost-Mark waren natürlich exorbitant. DX-7 ca. 15.000-20.000 Mark bei einem Durchschnittsmonatesgehalt von 600-700 Aluchips kann man sich ausrechnen dass so etwas unerschwinglich war.
    Mit Valuta sah die Sache wieder ganz anders aus.

    Der Tiracon6V von 1987 kostete dagegen "nur" 10.000 Mark