Die Mk3-Keyboards sind schon sehr deutlich auf Komplete und Dritthersteller mit NKS-Unterstützung, sowie auf NI Kontakt 7 (läuft auch ohne Komplete-Wrapper) ausgerichtet. Ja, ein Midi-Pärchen gibt es auch und man kann das Ding auch als Generic Controller einsetzen. Das ist aber eher eine Dreingabe, alleine dafür würde ich das nicht kaufen, da gibt es andere Spezialisten mit mehr Controllern.
Warum habe ich mir das S88 gekauft? Ich nutze Komplete, auch wenn ich mir da einen anderen Schwerpunkt (mehr Virtuelle Synthesizer statt Sample-Libraries) wünschen würde. Klanglich ergiebig und über die Umschalter für Artikulationen / Phrasen usw. auch flexibel. Und natürlich wegen dem polyphonen Aftertouch: Das NI Kontrol Mk3 ist derzeit das einzige Keyboard, das den mit einer 88er Tastatur mit Hammermechanik (Fatar-Tastatur) anbietet und Arturias CS80 (in Version V4) unterstützt das auch mit NKS 2.0. Das macht tatsächlich Spaß und ist - für mich persönlich - schon das Geld wert. Der Aftertouch ist allerdings hochempfindlich und wird bei stärkerem Anschlag sehr leicht schon mal mit ausgelöst, man muss also die Spielweise tatsächlich daran anpassen. Interessante Hardware-Ergänzungen könnten der ASM Hydrasynth Desktop oder der Novation Peak sein (beide können Poly-Aftertouch), habe ich aber noch nicht probiert.
Was ist toll?
Das Keyboard wirkt sehr wertig und "designed" das Display ist riesig und gut ablesbar, die Tastatur lässt sich auf bekanntem Fatar-Niveau toll spielen. Zum Browsen, Klang suchen und einstellen braucht man tatsächlich keinen Computer-Monitor mehr. Die 8 Endlos-Encoder haben bein Default Midi Template 2 Seiten (d.h. 16 Controller können angesteuert werden), bei Komplete-Instrumenten oder Kontakt sind es oft noch mehr Seiten.
Was ist nicht so schön?
Das Display verschenkt relativ viel Platz. Beim eigentlichen "Spielen" eines Instruments werden nur die 8 Encoder-Werte angezeigt und darüber ein hübsches Bild. Nachdem das Ding aber einen eigenen Prozessor hat und mit den Plugins kommunizieren kann, sollte da künftig noch mehr möglich sein. Die eigentliche Stärke des großen Displays ist beim Browsen durch die Libraries, das wird sehr gut dargestellt.
Wenig schön war bei mir auch das Setup, bis dann mal alle Treiber installiert waren und schließlich die Firmware auf die aktuelle Version aktualisiert wurde. Das Display vom Keyboard verweist nach dem Einschalten auf eine NI-Seite, aber sonst lag keine Kurzanleitung bei. Modern Times halt und einige graue Haare mehr (von den wenigen verbliebenden). Im Vergleich - der ebenfalls unglaublich Hightech-mäßig ausgestattete Ableton Push 3 war so: Auspacken. Einstecken. Läuft.
Es gibt zwei USB-C Anschlüsse: Einen für die Verbindung zum Rechner und einen zweiten für die Stromversorgung. Soweit so gut und clever, spart Brummschleifen (hallo Arturia). Dem 1.200 Euro schweren Paket liegt ABER NUR EIN USB-C an USB-C Kabel bei. Also dieses Kabel mit Adapter (hat man hoffentlich sowieso immer da) an den powered USB-HUB angeschlossen. Nö, Warnmeldung, low Power, der reicht also nicht. Also schnell ein 12-Euro-Handynetzteil mit USB-C Kabel besorgt und das Ding läuft. Das ist jetzt nicht wirklich schlimm, aber ich hätte schon lieber 1.212 Euro gezahlt und nicht extra was nachbestellt, das finde ich in der Qualitätsregion schon etwas peinlich.
So, genug gemeckert, das sind für mich keine "Showstopper", aber halt Zeichen, dass NI nach der Neuaufstellung / Übernahme noch im Wandel ist und noch nicht alles rund läuft.
Andreas