Warum kein Kleinmenbran für Sprachaufnahmen (Podcast)?

lfo2k

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Hallo Gemeinschaft, : )

ich habe momentan die Aufgabe ein gutes Mikrofon für Sprachaufnahmen (Podcast) auszuwählen.

Was spricht gegen die verwendung eines Kleinmembranmikros (Neumann KM184 um mal eines der Gattung zu nennen) für sagen wir knapp 400 Euro für den Aufgabenbereich?
Der "typische" Verwendungszweck scheint hier primär und meistens für Overheads/Gitarren/Geräuschaufnahmen etc, alles aber keine Vocals oder was aus dem Mund kommt.

Hat das einen speziellen Grund? Was ich bisher gehört habe klingen sie akurat und gut dafür.
Es ist angenehm klein, und man hat nicht ein riesen Ding in der Kamera wenn Video involviert ist,
und ich habe auch den Eindruck dass sie auch noch sehr gut klingen, wenn man sie nicht so nah am Mund hat, wie man das für gewöhnlich mit Großmembran-Miks tun würde.
 
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Großmembran-Miks klingen schmeichelnder, unterdrücken etwas das zischelige und bieten den oft gewollten Nahbesprechung-Effekt. Kleinmembran-Miks sind linear und unbarmherzig.

Aber es finden auch Kleinmembran-Miks für Sprache Verwendung, siehe Rednerpulte oder TV Übertragungen bzw. Interviews. Beispielsweise ein Sennheiser ME36 in der Rednerpult-Kategorie.
 
Ich behaupte, da steckt eher Psychologie dahinter: Grosse Künstler mit großer Stimme brauchen auch ein grosses Mikro, oder umgekehrt kann das Äußere des Mikros dem Menschen ein gewisses Selbstbewusstsein geben.

Der Nahbesprechungseffekt ist primär eine Eigenschaft der Richtcharakteristik (Niere), bei Kugeln tritt er, ob kleine oder große Membran, nicht auf.

Natürlich kann man den Klang durch Bauformen des Mikros noch in bestimmte Richtungen formen. Das ist aber dann ein gutes Stückweit das Anstreben einer gewissen Klangästhetik und nicht ausschließlich bauartbedingt.

Also, meine Meinung:Wenn Kleinmembraner vorhanden sind, ruhig mal ausprobieren.
 
Das geht ja soweit, dass zb DPA Mikrofone wie das 4088 quasi Weltweit genutzt werden, um auch professionell Gesang in Livesituationen aufzunehmen, und die Kapsel ist nur ein paar Millimeter groß..
 
Man sollte das Mikrofon nehmen, welches am besten zur Stimme und dem gewünschten Resultat/Sound passt. Sprich: Mit welchem man am wenigsten Arbeit in der Nachbearbeitung hat.
 
Man wird mit jedem halbwegs vernünftigen Mikrofon Sprache in guter Qualität aufnehmen können, "Sprachaufnahmen (Podcast)" ist aber nicht gerade sehr spezifisch. Wenn man weiß, dass das Mikrofon nur stationär für eine sprechende Person eingesetzt wird, dann würde ich wahrscheinlich schon zu einem Mikro greifen, das genau darauf abgestimmt ist, vielleicht ein Shure SM7B.
Sollte es aber mal in der Hand gehalten werden müssen, z.B. in einer Interviewsituation, würde ich nicht zu einem Kleinmembranmikro greifen, aber auch nicht zu einem Großmembranmikro. Da wäre es dann wohl eher ein Klassiker wie das Sennheiser MD421. Wenn das Mikro zukünftig vielleicht auch mal für andere Aufgaben verwendet werden sollte, dann ändert das natürlich auch wieder alles.

Ja, Sprechermikros im Fernsehen oder bei Livesituationen vor Publikum sind oft Kleinmembran- oder Lavaliermikros. Dann aber auch von sehr hoher Qualität und auch aus dem Grund, dass man kein Mikro direkt vor dem Gesicht hat. Wenn das bei einem Podcast wichtig ist, weil vielleicht auch mal gefilmt wird, dann vielleicht doch ein Kleinmembran.

Dass man in einem professionellen Studio das Mikro nach dem Ego der aufzunehmenden Person auswählt, halte ich doch für Quatsch. Da würde ich dann eher @ganje zustimmen, man nimmt das Mikro, das am besten zur Stimme bzw. Produktion passt. Wenn die sprechende Person wechselt, wird es für einen Podcast wohl schwer das Mikro entsprechend auszuwählen bzw. vorzuhalten.

Die Raumsituation ist auch nicht gerade unwesentlich für das Ergebnis.
 
Ich habe das Experiment mit einem SDC gemacht und bin schnell zurück zum Großmembran gegangen. Das Kleinmembran (Beyerdynamic MC930) klingt gut, war mir viel zu Plopp und zisch anfällig in einer Sprechersituation. Wie andere sagen, mit mehr Abstand kann das evtl. besser sein, ich kann den Risiko aber nicht eingehen.

Großmembran oder dynamische Mikros sieht man oft bei Youtube aber ich frage mich, warum Lavaliers nicht öfter eingesetzt werden. Die sind relativ fool-proof und man bekommt einen neutralen Klang.

Was ist deine genaue Anwendung?
 
Ich hatte früher einige Sprachaufnahmen und Hörbücher-Aufnahmen im Studio,
Normalerweise habe ich gerne mit U87 oder TLM170 gearbeitet, Kleinmembran habe ich ausprobiert (war ein KM Nachbau) aber schnell wieder verworfen, weil viele Sprecher gut mit der Nahbesprechung umgehen können und da bietet sich ein Grossmembran an.
Für Podcast würde ich heute eher das Shure SM7B nehmen, das sieht und hört man häufig in US-Podcasts und hat sich auch hierzulande durchgesetzt.
 
Großmembran-Miks klingen schmeichelnder, unterdrücken etwas das zischelige und bieten den oft gewollten Nahbesprechung-Effekt. Kleinmembran-Miks sind linear und unbarmherzig.
Der Nahbesprechungseffekt hat nichts mit der Membrangröße zu tun, sondern liegt an der Richtcharakteristik. Niere und Superniere weisen den Effekt auf, Kugel und Acht nicht, im Übrigen ist der Effekt für Sprecher mit tieferen Stimmen eher hinderlich.

Richtig ist aber, dass Großmembranmikrofone meist weniger linear sind und der menschlichen Stimme gerade deswegen oft mehr schmeicheln. Zudem sind es in der Regel Kondensatormikrofone mit hohem Geräusch-/Spannungsabstand.

Ich verwende für Sprache aber durchaus auch gerne das gute alte Sennheiser MD-421, das ohnehin mein Lieblings-Allround-Mikrofon ist - dann mit Bass-Absenkung, um den Nahbesprechungseffekt zu unterdrücken. Dafür braucht man aber - wie auch für das Shure SM-7B - einen wirklich guten Vorverstärker, sonst geht das schwache Signal dieser dynamischen Mikrofone in Rauschen unter.

Kleinmembranmikrofone würde ich aus meiner Erfahrung nur live für Sprache oder Gesang einsetzen wollen oder dann, wenn sie besonders unauffällig platziert werden müssen. Außer dem weniger günstigen Frequenzgang gibt es auch Unterschiede in der Dynamik - die Stimme wirkt einfach in den meisten Fällen "natürlicher" über ein Großmembran-Mikrofon - sei es nun z.B. ein Kondensator-Mikrofon wie das Rode NT-2 oder ein dynamisches wie das Sennheiser MD-421.
 
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