Aftertouch Reparatur

M

MrSequencer

..
Da ich in meinem anderen Thread, wo es darum ging, den Aftertouch alternativ über Potentiometer zu steuern noch keine Antwort bekommen habe, habe ich den defekten Aftertouch mal komplett zerlegt und möchte hier mal berichten, dass er wieder funktioniert.

Das ist zuvor passiert:
Aftertouch ließ sich nur sehr schwer drücken und war fast nur noch ein Ein/Aus-Schalter.
Folglich hatte ich den Aftertouch ausgebaut und in der Badewanne mit heißem Wasser und bisschen Spülmittel gereinigt, um den Gummi wieder weich zu bekommen. - Das hatte ja bei meinem ersten Novation Impulse 49 auch funktioniert. Es brauchte nur ein paar Tage Trocknung (mit Föhn und draußen in der Sonne). Nur bei der zweiten Impulse 49 lief das gewaltig schief.
Der Aftertouch funktioniert war noch nach der Reinigungsprozedur, aber der Gummi blieb, wie er war.
Also habe ich einen Teil von dem Gummi weggeschnitten, was ich in einem Youtube Video gesehen hatte, wo das jemand bei einem Arthuria Keyboard gemacht hat, und dort wohl auch was gebrach hatte.
Bei mir tat sich danach allerdings nichts mehr. Oder der Aftertouch spuckte nur noch wirre Werte aus.
Je mehr ich mit dem Aftertouch-Streifen noch experimentierte, desto weniger kam raus. Zum Schluss kamen gar keine Werte mehr raus und ich dachte, er wäre jetzt tot.

Also habe ich ihn folgendermaßen zerlegt:
- Das Aftertouch-Band komplett ausgebaut (hätte vielleicht auch im Gerät drin bleiben können).
- Den dicken Gummi-Streifen vom Aftertouch vorsichtig von gelöst, von der obersten Taste angefangen (bei mir war er nicht durchgehend an einem Stück, sondern mehrfach gestückelt).
- Den flachen Kontakt-Gummi vom eigentlichen Aftertouch gelöst (vorsichtig, da er an beiden Seiten mit sehr schmalem doppelseitigem Klebeband befestigt ist, das sollte in Takt bleiben).

Dann hab ich die Ursache gefunden:
Zwischen dem Kontakt-Gummi und dem Metallband (Aftertouch) war an mehreren Stellen Wasser eingetreten und auch nach einigen Tagen hat sich das nicht verflüchtigt.

Die Reinigung:
- Wasser vom Aftertouch und dem Kontakt-Gummi entfernt.
- Aftertouch in das Gerät wieder eingebaut (So lässt sich der Kontakt-Gummi und der dicke Gummi später besser positionieren).
- Das Metallband mit Wattestäbchen und Isopropanol gereinigt (So weit, dass das Wattestäbchen nicht mehr schwarz war).
- Kontakt-Gummi auf das Metallband wieder angebracht.
- Den dicken Gummi auf den Kontakt-Gummi wieder aufgesetzt.

Test:
- Funktionsprüfung mit MIDI-OX (Der Aftertouch muss Werte anzeigen von 00 kein Druck bis 7F voller Druck).
Bei dem Impulse musste erst eine Note gedrückt werden, dann konnte man den Aftertouch drücken und bekam die Werte angezeigt, vorher nicht!
Als der Aftertouch noch falsche Werte ausgab, da sendete das Keyboard Aftertouch auch, ohne dass eine Note gedrückt war.

Aufgebaut ist der komplette Aftertouch-Streifen in jeder Schicht wie folgt, von oben nach unten:
- Dünner Filzstreifen (Selbstklebend und kaum zu sehen, der die gestückelten Teile zusammenhält)
- Dicker Gummi
- Klebestreifen
- Kontakt-Gummi (beidseitig mit schmalem doppelseitigem Klebeband an dem Metallband befestigt, bei mir auch gestückelt)
- Metallband (Aftertouch)
- Klebeband (der das Ganze am Tastatur-Boden hält)

Fazit:
Aftertouch funktioniert wieder. Allerdings hat das Wegschneiden vom Teil des Gummis kaum bis gar nichts gebracht. Zumindest das, was ich im Test mit den schwarzen Tasten gemerkt habe (die weißen Tasten liegen noch draußen, mit Wasserstoffperoxid in der Sonne zum Bleichen).
Theoretisch könnte ich noch versuchen den Gummi durch weichen Moosgummi zu ersetzen und schauen, ob es dann besser wird. Vielleicht mache ich das noch, momentan bin ich aber froh, dass das Ding überhaupt wieder funktioniert.


Zur Info:
Jegliche Klebebänder habe ich an dem Aftertouch drangelassen, damit er auch da bleibt, wo er hin soll.
Alles wurde nur mit den Fingernägeln und ohne Cutter oder anderen scharfen Gegenständen zerlegt.



Vielleicht hilft das jemandem, der den Aftertouch selbst mal zerlegen will.
 

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Zuletzt bearbeitet:
So, das Gebastel geht weiter...

Da der Aftertouch zwar wieder funktionierte, aber vom Anpressdruck noch genauso war wie am Anfang, habe ich den original Gummi nun entfernt und durch Moosgummi aus dem Baumarkt ersetzt.
Man möge mir die Farbauswahl vergeben, aber diesen Moosgummi hatte ich zufällig noch hier. Keine Ahnung, warum diese Farbe. Ich glaube, damals war alles andere vergriffen.

Den originalen habe ich ausgemessen. Der ist 11mm breit und 3mm dick. Zwei Lagen von dem Moosgummi haben dann eine dicke von 3,6mm ergeben, was perfekt ist. Die Tasten lassen sich ganz normal drücken und lösen auch normal aus und der Aftertouch lässt sich jetzt sehr gut dosieren.

Problematisch war es, die Streifen jetzt irgendwie zu fixieren.
Erst hatte ich es versucht, mit sehr dünnen Streifen doppelseitigem Klebeband. Das hat auch besser geklebt als die spätere Lösung, jedoch kommt jetzt das große ABER... Das doppelseitige Klebeband hat so dick aufgetragen, dass der Aftertouch an diesen Stellen noch leichter auszulösen war. War zwar cool, aber halt nur an den Stellen wo das Klebeband war. Also hab ich das wieder abgezogen.
Die Endlösung war, die Streifen mit Tesafilm aneinander zu kleben und später die Seiten mit dem Klebeband nach innen, in die Mitte der beiden Moosgummi-Streifen auszurichten.
Allerdings hält der Tesafilm an dem Moosgummi nur sehr beschränkt. Deshalb sollte man die Moosgummi-Streifen wirklich um einiges länger machen als die Klaviatur ist. Oder vielleicht auch 12mm breit, dann würde der Moosgummi durch die schwarzen Brücken so eingespannt, dass er sich nicht mehr verschieben kann.
Oder die beste Lösung, gleich Moosgummi kaufen, der selbstklebend ist, dann hat man diese Probleme nicht.

Jedenfalls lässt sich der Aftertouch nun viel besser kontrollieren und es ist ein wirklich großer Unterschied zum originalen Gummi.

Hier noch ein paar Bilder:
 

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Der nächste Schritt war nun, die Klaviatur noch zu dämpfen und mit einem Dreh-Poti testen, ob man damit ein Expression-Pedal simulieren kann.

Als Vorlage diente dieser Bericht hier:

Die schwarzen Tasten hatte ich schon in den letzten Tagen mit Malervlies gedämmt. Jetzt fehlten nur noch die weißen Tasten. Die Maße aus dem Bericht konnte ich allerdings vergessen, denn die passten mit meiner Tastatur nicht über eins. Bei den schwarzen hatte ich die Maße übernommen, was allerdings dazu führte, dass das Vlies bei den Gewichten eine ganze Ecke überstand. Das habe ich aber so gelassen, da es beim Spielen (noch) nichts behindert hat.
Bei den weißen Tasten habe ich mir aber nicht mehr so eine große Arbeit gemacht, sondern einfach geschaut, wo die Tasten anprellen, wenn man sie loslässt.
Wenn man sie herunterdrückt, ist der Aftertouch das Gegenstück, wo sie anschlagen.
Also habe ich nur noch in den nötigsten Teil ein Stück Vlies geklemmt und das war es.

Fazit zu der Bastelei mit dem Vlies:
Es war ein ganz schönes Gefummel, dass da so rein zu bekommen.
Wenn die Tasten nun zurück federn, dann ist es schon leiser. Nur wenn man hat draufhaut, das bleibt unverändert. Ich glaube, dafür müsste man dann noch was Weicheres als den Moosgummi finden. Nur ist dann wieder fraglich, wie sich das auf den Aftertouch auswirkt, denn der soll ja nicht bei jedem Anschlag noch mitauslösen.

Anschließend habe ich noch die Hauptplatine ausgebaut und an die Pins vom Anschluss des Expression-Pedals Drähte dran gelötet, sodass ich da versuchsweise einen Dreh-Poti anschließen konnte. Der Potenziometer hatte allerdings nur 10k, und so rührte sich an dem Anschluss leider nichts. Ich brauche wohl doch einen mit 100k wie in dieser Anleitung:
Der Poti mit 10k war ja auch eigentlich für den Anschluss vom Aftertouch gedacht, aber das brauche ich jetzt nicht mehr.

Dann habe ich in den letzten Wochen noch versucht, die Tastatur zu bleichen. Die war bei dem gebrauchten Impulse49 nämlich ziemlich vergilbt.
Nach mehreren verschiedenen Mitteln u.a. Blondierung aus dem Supermarkt, die alle nicht so ganz zufriedenstellend waren, hatte ich mir dann Wasserstoffperoxid Creme mit 12% im Internet gekauft. Das mit Pinsel gleichmäßig auf den Tasten verteilt (vorher ausbauen, das Peroxid darf absolut nicht mit Metall in Berührung kommen, und auf jeden Fall Handschuhe tragen!), die Tasten dann mit Frischhaltefolie abgedeckt und das dann raus in die Sonne gestellt für 2-3 Tage.
Das Ergebnis kann man auf den Bildern sehen.
Das eine Impulse49 ist gebleicht und das andere ist noch vergilbt und wird die nächsten Tage wohl auch noch mit derselben Prozedur behandeln.
Klar, man könnte vielleicht noch mehr Weiß herausholen. Dazu hatte ich mir auch viele Videos angeschaut. Aber ich glaube, dass das ohne eine UV-C Lampe kaum möglich ist. Oder man benötigt dieses sogenannte "Retro Bright", was aber die Oberfläche spröde machen kann.
Jedenfalls bin ich mit dem Ergebnis soweit zufrieden.

Hier noch ein paar Bilder:
 

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Beim Spielen ist mir jetzt aufgefallen, dass mich der kurze Tastenhub doch sehr stört. Den Moosgummi habe ich nochmal nachgemessen und er ist 4mm (eine Lage 2mm) dick, und nicht wie ich erst gemessen hatte 3,6mm.
Jedenfalls fühlt es sich so an, als hätte man aus einer gewöhnlichen PC-Tastatur eine Laptop-Tastatur gebaut. Und da die Klaviaturen wohl durchweg immer die gleiche Hublänge haben, fühlt sich das schon merkwürdig an.
Aftertouch funktioniert sehr gut, aber der Hub gefällt mir gar nicht.
Deshalb werde ich bei Amazon das hier bestellen: 10m Rolle Moosgummi 10x3 mm EPDM schwarz 1C16-13, und den dann einbauen.
Ist zwar 10mm breit und nicht 11mm wie der originale, aber das dürfte kein Problem darstellen.
 
Die Moosgummi-Rolle vom Amazon habe ich heute versucht einzubauen.
Vom Ergebnis bin ich allerdings alles andere als begeistert. Verklebt habe ich ihn zur Sicherheit nicht, was auch besser war.
Richtig herum eingebaut, funktionierte er sehr gut, aber nur, wenn man ihn genau oberhalb auf der Taste gedrückt hat, wo auch der Aftertouch sitzt. Hat man die Taste vorne an der Spitze gedrückt, konnte man sie bis Anschlag auf den Boden drücken und der Aftertouch wurde trotzdem nicht voll ausgelöst, weil der Moosgummi dafür zu weich ist.
Nur als ich den Moosgummi falsch herum eingebaut habe, mit der Klebeband-Seite nach oben, da war das Ergebnis gut. Aber es sah ziemlich bescheiden aus, wenn Licht von oben auf die Tasten gefallen ist und man zwischen den Tasten diesen weißen Schutzstreifen mit blauer Beschriftung gesehen hat.

Fazit:
Den Moosgummi von Amazon werde ich wohl für Türdichtungen oder andere Zwecke verwenden. Als Gummi für den Aftertouch ist er leider zu weich.
Aus dem Grund habe ich den bisherigen Moosgummi aus dem Baumarkt wieder eingebaut. Mit dem ist der Tastenhub zwar etwas kürzer, aber man gewöhnt sich ziemlich schnell daran. Er liegt zwar nur lose im Gehäuse und wird nur durch diese schwarzen Halter in Position gehalten, der Aftertouch funktioniert damit so wie er es sollte.
 


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