Album-Release: Musiklabel vs. Eigenvertrieb?

Joix

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Hallo,

ich habe vor kurzem mein 3. Album fertiggestellt und das auch bereits ein paar Bekannten und einigen ausgesuchten Musiklabels in Form eines Soundcloud Private Link mitgeteilt.
Mein Eindruck von den bisherigen Reaktionen ist, dass die meisten Labels heutzutage nur noch eigene Produktionen releasen und wenn überhaupt externe Artists mit aufnehmen, dann nur nach rein
marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten (Bekanntheitsgrad, usw..).
Der Aufwand für Mastering, Artwork, Vertrieb, usw. scheint für neue und weitestgehend unbekanntere Artists zu hoch..

Es drängt sich dann die von einem Bekannten empfohlene Lösung auf, gleich komplett auf ein Label zu verzichten und die eigene Musik im Direktvertrieb raus zu bringen, sei es über Bandcamp oder so Dienstleister wie z.B. Zimbalam.

Wie sehen da so Eure Erfahrungen aus? Macht es bei den heutigen Bedingungen überhaupt noch Sinn, sich bei Labels zu bewerben?
 
Der Thread muss leider neu gestartet werden, es tut mir leid, wirklich sehr. Es gibt mehrere Gründe, die aber nicht öffentlich besprochen werden können. Aber - es ist nicht die Schuld von Joix, daher bitte versucht was hilfreiches beizutragen..



Ich versuche die Möglichkeiten zu listen:

1) Bandcamp - kostet wenig, behalten aber einen gewissen Anteil, reicht aber wenn du Leute hast, die klar an einer Stelle nach deinen Sachen suchen würden und werden und auch etwas kaufen.
Der Vorteil ist, dass du das System

2) Wenn du ein Netzwerk hast, ist es gut auch mal nicht an Apple und Co oder Amazon gekoppelt zu sein, du kannst auch auf Konzerten und im Netzwerk was anbieten und ich kenne einige die das erfolgreich tun, es ist sogar sympathisch und manche finden das per se gut - dazu wird dein Tonträger oder Angebot etwas Besonderes, da es das nicht überall gibt

3) Du kannst auch ein Label suchen, ganz regulär mit allem - Promo und Aktionen wie bisher - der Vorteil hier ist, dass du nicht unbedingt ein Netzwerk haben musst aber es ist dringend zu raten, denn die Leute werden dich sonst nicht finden - Labels ansich tun nicht immer viel, es ist verdamm unterschiedlich wie viel man da raus bekommt und für die ist das auch viel Arbeit. Es gibt sehr coole Labels und auch solche die einfach nur listen und wieder welche die eigentlich da sind um das Projekt vom Chef zu pushen, der Rest rennt so mit. finde raus, wer wie drauf ist und schau ob du da gut aufgehoben bist

Es gibt ne Menge Firmen oder Leute die die Hand aufhalten- manches erscheint viel oder sinnlos, aber einige tun einen sehr guten Job - das muss man dann rausfinden und ist absolut individuell. Iggy Pop sagte mal, dass er von der Werbeindustrie nie so mies behandelt wurde wie alles aus der Musikbranche *G*

Ok, und es gibt spezielle Szenen und Portale oder Vertriebsmethoden, wenn du da in einer drin bist, sit das gut, ich kenne davon einige - und sie sind dann idR auf einen bestimmten Stil, Attitüde oder Szene ausgerichtet, es kann sein, dass du außerhalb nicht wahrgenommen wirst und dennoch ständig live spielst, die tun ggf. sogar richtig viel aber die Festivals und Co laufen eben in dieser Szene ab. Da gibts dann auch die CDs oder was auch immer - Vinyl..


Ich hoffe, dass freundliche Hinweise folgen, noch mal sorry für den Neustart, es wird aber ein guter sein..

Ich kenn sehr viele die Bandcamp ziemlich erfolgreich nutzen.
Das mit dem Eigenvertrieb ist allerdings schwerer, aber eigentlich nicht so weit weg, ohne andere hast du halt nur noch selbst die Hand drauf aber - wer dich nicht kennt, lernt ggf. deine Musik nicht kennen. Das ist schwer abzuwägen. Das muss jeder für sich prüfen, wir haben auch hier so unterschiedliche Acts, die mit dem einen oder anderen Modell besser klar kommen oder - es geht nicht anders.

Ich weiss dass deine Sachen toll sind, du hast es verdient, ich hoffe du findest was.
Und hoffe, dass alle die was hilfreiches und freundliches beizutragen haben was posten
 
ich kann nur nochmal auf meine antworten im vorigen thread verweisen.

versuche es selber..

wenn du die möglichkeit hast lies dich etwas ein in marketing besonders in verbindung mit socialmedia. literaturtip wenn ich von der arbeit daheim bin.

falls du hilfe brauchst was mastering und oder vinylpressen betrifft kann ich dir auch weiter helfen.

in was für ein genre ist das album einzustufen?
weitwrs kann ich empfehlen ne realesepaety bzw ne veranstaltungsreihe wenn kontakt vorhanden mit hilfe befreundeter musiker.

lg
 

Unifono0815

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Also, ich bin absolut kein Profi, aber mein Beitrag zur online Vermarktung

Bandcamp: es gibt viele, die das sehr erfolgreich nutzen. Möglichkeit neben Musik auch Merch zu verkaufen. Der Deal scheint mir sehr fair.
Distrokid oder Ähnliches: Für ca. 20 Euro im Jahr ermöglicht dies den Upload einer unbegrenzten Anzahl von Alben/EPs/Songs. Distrokid "kümmert" sich dann darum, dass das digitale Alben auf sämtlichen, erdenklichen Streaming und Verkaufsplattformen wie Spotify, Amazon, Itunes, Napster und und und landet
Spotify: Heute sehr wichtig dort vertreten zu sein. Am besten in Playlists unterkommen. Es direkt in die Spotify eigenen Playlists zu schaffen ist enorm schwer, aber es gibt viele private, große Playlists. Wer da in vielen präsent ist und gut performt, könnte es auch in die Spotify playlists schaffen, die oft enorme Aufmerksamkeit genießen.
Youtube: Ist sehr mächtig, was die Hörerschaft von Musik angeht. Nicht nur Videos. Aber auch Musikvideos können heute noch sehr viel ausmachen. Da gibt es auch viele große Playlists für unterschiedliche Genres. Ich hab da einfach die Leute direkt angeschrieben und gefragt ob sie mein Video auf ihren Channel laden. Wenns musikalisch passt natürlich.
Soundcloud scheint mir auf dem absteigenden Ast zu sein, und auch da ist es sehr schwer Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber ich glaube, man sollte überall vertreten sein. Für Soundcloud kann man auch Clicks und Follower kaufen, aber sowas mach ich nicht und ich hab auch keine Ahnung wie viel sowas bringt
Facebook: gezielte FB Werbung kann wohl sehr viel bringen, ist aber meiner Erfahrung nach eine Wissenschaft für sich. Ich blick da nicht durch, keine Ahnung wie die Algorithmen genau funktionieren. Da muss man sich sehr einlesen denke ich, oder Erfahrung in derartigem Marketing mitbringen.
Geteilte Youtube Videos performen bei FB übrigens relativ schlecht. FB macht ja alles um den Konkurrenten da schwach aussehen zu lassen. Ich glaube es ist fast besser, ein Video dort extra nochmal FB intern hochzuladen. Das profitiert deutlich stärker vom FB Algorithmus.

Literaturempfehlung (habs aber selber noch nicht ganz gelesen):
View: https://www.amazon.de/How-Make-New-Music-Business/dp/1631491504


Abgesehen von online Vermarktung, denke ich das Live spielen immer noch mit am meisten bringt


Keine Ahnung ob das hilft. Viel Erfolg!


PS: instagram ist nicht zu vergessen...
 
Zuletzt bearbeitet:

xenosapien

unbekannt verzogen
Ich empfehle, die negativen Kommentare zu 'Eigenvertrieb' nicht zu ernst zu nehmen.

Da gibt es extrem auseinander laufende Meinungen ;-)

Eigenvertrieb ist halt vor allem sämtliche Arbeit auf Deinen Schultern, und nicht zu vergessen der Zeitaufwand - allein den muss man erst mal stemmen.

Aber wenn das schon Dein 3. Album ist, wird Dir auch der Weg nicht zu fremd sein... bzw. wirst das sicher schon mal im Kopf durchgespielt haben, schreibst ja auch oben einiges dazu.

Eigenproduktionen sind aber in sich kein Stück weniger professionell als Label-Produktionen (vorausgesetzt die tatsächliche musikalische Produktion ist über alle Zweifel erhaben, wovon ich hier ausgehe), oder wirken auch nicht weniger professionell wenn man sie entsprechend sauber gestaltet und in einem ordentlichen Presswerk CDs etc. anfertigen lässt.
Das mag der Eine oder Andere zwar anders behaupten, aber das ist dann reine Meinung und kein Fakt.
Manche definieren sich halt über Verträge und fühlen sich erst dadurch bestätigt - ist auch sicher ein kleiner Ego-Boost, aber der führt nicht alleine zum Erfolg ;-)

Bei rein digitaler Distribution kann man den Unterschied dann eh nur noch an der URL festmachen... und "Joixlabel.de" ist noch frei :P
 

Unifono0815

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wundert mich eh etwas dass in diesem thread der begriff CD so häufig einsatz findet.
Ich bin auch damit aufgewachsen, aber in meinem bekanntenkreis, in dem auch zwei kleine labels betrieben werden, spielt die CD eigentlich keine rolle mehr.
Alles digital und für die liebhaber ne kleine Auflage Vinyl.
 

psicolor

Raumpilot und Uhrmacher
Ich hab im Eigenvertrieb schon insgesamt etwa 10 CDs verkauft. Eine davon sogar an einen Hörer, der gar keinen CD-Player hat! Abzüglich der Materialkosten für CD-Rohlinge und den Druck habe ich insgesamt 0 Euro damit verdient!
So spart man den Stress mit dem Finanzamt.

Im Ernst: Für alle Musiker, die ich kenne, die von der Musik leben, spielt der Verkauf von Studio- bzw Schlafzimmerproduktionen absolut keine Rolle beim Finanzhaushalt. Die sehen das alle eher als Eigenwerbung für GIgs.
 

Unifono0815

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Das wird vermutlich daran liegen, dass die Produktion einer limitierten LP und die von einer marktgerechten Auflage einer CD, zusammen sehr viel Geld kosten, das erst mal ausgelegt werden muss, was ein kleines Label überfordern kann.

An mangelnden Absatzmöglichkeiten der CD liegt es sicher nicht, denn es werden noch immer sehr viel mehr CDs als LPs verkauft.

Anhang anzeigen 41352
Die Frage ist ja auch nicht CD vs Vinyl. Das ist mir schon klar. Ich meinte ja nur Vinyl für die Liebhaber, da wenn schon physisch, macht Vinyl einfach mehr her als ne CD.
Entscheidend ist CD vs. ausschließlich digital... Welches Zielpublikum spricht man an. Ok es werden mehr CDs als Platten gekauft, aber wer kauft diese CDs?
Ich weiß es nicht, aber ich trau mich zu behaupten, nicht das mögliche Publikum des durchschnittlichen electronic-, Techno-, Dancemusic etc. orientierten Produzenten.
Vielleicht lieg ich falsch, aber ich halte die CD in diesem Bereich für ziemlich überholt.
 
Hab ich denn über Bandcamp zb die Möglichkeit meine Population künstlich zu steigern ? So wie man es ja quasi bei Google machen kann, um schneller gefunden oder gar vorgeschlagen zu werden.. Wenn ja , was kostet das ? Wenn nein, welche Werkzeuge gibt es über die Plattform .

Läuft ein gutes Produkt, das prinzipiell viele Hörer anspricht , von alleine ?
 

xenosapien

unbekannt verzogen
Hab ich denn über Bandcamp zb die Möglichkeit meine Population künstlich zu steigern ? So wie man es ja quasi bei Google machen kann, um schneller gefunden oder gar vorgeschlagen zu werden.. Wenn ja , was kostet das ? Wenn nein, welche Werkzeuge gibt es über die Plattform .

Läuft ein gutes Produkt, das prinzipiell viele Hörer anspricht , von alleine ?
Ich glaube, Bandcamp schaltet Bandcamp-intern keine Werbung, aber auf Bandcamp.com gibt´s auf der Startseite ja eben Vorstellungen und eine "discover" Rubrik.

was ich am häufigsten sehe ist dass Künstler eben "extern" Werbung machen und auf einen zentralen Hub (oft Facebook, aber mittlerweile auch direkt auf Bandcamp oder Instagram oder so) verlinken, von dort aus kommt man dann zu den einzelnen Download-/Bestellseiten.
 

Dark Walter

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Ich würde hier auch differenzieren. Hohe Marktanteile an CD Verkäufen sind eher aus dem Mainstream und sollten nicht direkt auf kleine Schubladen skaliert werden.

Was ich kritisch finde bei Label vs. Eigenvertrieb ist der Verkauf von Tonträgern speziell dann wenn die Musik nicht vor Ort vorgestellt und verkauft werden kann. Echte Bands haben den Vorteil das diese mit guten Releasepartys die Presskosten bereits einspielen lassen können und diese oft in Genres unterwegs sind in denen es viele Liebhaber / Enthusiasten gibt die prinzipiell alles kaufen. Diesen Punkt finde ich wichtig zu erwähnen da der Eigenvertrieb eines technoiden Albums wohl deutlich schwieriger sein wird.

Ein Label hat hier ganz klar den Vorteil das bereits ein Publikum bzw. Verteiler und Netzwerk existiert. Im Idealfall landen sogar die eigenen Stücke auf Youtube als nachfolgende Empfehlung zu einem etablierten Künstler des selben Labels.

Im Eigenvertrieb muss alles selbst aufgebaut werden was voraussetzt das hier auch wirklich Lust und Talent zur Eigenwerbung besteht. Was aber auch in Verbindung mit einem Label nicht falsch wäre.

Bestimmte Dienste kann man sich als Selfmade-Label auch dazukaufen:

Presswerke:
Alternativ zur direkten Bestellung beim Presswerk gibt es auch Dienstleister die sich um die Abwicklung kümmern und bedingt durch deren Produktionsvolumen oft bessere Konditionen anbieten. Diese haben ebenfalls den Vorteil das sie wissen was sie tun.

Vertrieb:
Die Dienstleistung eines Vertriebs als solchen kann von anderen Anbietern übernommen werden.

Promotion:
Auch hier gibt es Spezialisten mit guten Netzwerken auf die zurückgegriffen werden kann.
 

Unifono0815

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Was ich kritisch finde bei Label vs. Eigenvertrieb ist der Verkauf von Tonträgern speziell dann wenn die Musik nicht vor Ort vorgestellt und verkauft werden kann. Echte Bands haben den Vorteil das diese mit guten Releasepartys die Presskosten bereits einspielen lassen können und diese oft in Genres unterwegs sind in denen es viele Liebhaber / Enthusiasten gibt die prinzipiell alles kaufen. Diesen Punkt finde ich wichtig zu erwähnen da der Eigenvertrieb eines technoiden Albums wohl deutlich schwieriger sein wird.

Ein Label hat hier ganz klar den Vorteil das bereits ein Publikum bzw. Verteiler und Netzwerk existiert. Im Idealfall landen sogar die eigenen Stücke auf Youtube als nachfolgende Empfehlung zu einem etablierten Künstler des selben Labels.
Stimme ich voll und ganz zu
Mein Bruder hat z.B. ne Rockband. Der verkauft nahezu seine komplette Auflage nach den Konzerten. Hab selten erlebt, dass nach nem elektronischen Liveset nach CDs gefragt wurde.
Will aber nicht behaupten, dass es das nicht gibt, is nur so meine Erfahrung.
 

Unifono0815

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...und wie kommt man dahin?
Die Antwort kann ich dir leider nicht genau geben. Würde mich auch interessieren, wie man das am besten bewerkstelligt :)
Glaub die schauen auf deine Verkaufsstatistiken.
Wenn du auf kurze Zeit viel downloads hast (ich glaube hier zählen gekaufte downloads mehr im Ranking als kostenlose) steigt die Chance, dass sie dich in diesen Rubriken vorstellen.
Ich glaub sogar gelesen zu haben die Preise spielen hier eine Rolle. So können weniger, aber höherpreisige Verkäufe mehr zählen, als zahlreichere, aber geringpreisige donwloads/Verkäufe.

Die Werbung muss denk ich in den Social Networks oder auf deiner Website stattfinden, mit Verlinkung auf deine Bandcamp Seite
 
Zuletzt bearbeitet:

ppg360

fummdich-fummdich-ratata
[...] Wie sehen da so Eure Erfahrungen aus? Macht es bei den heutigen Bedingungen überhaupt noch Sinn, sich bei Labels zu bewerben?
Wie ich schon anderweitig schrieb: Nein. Labels schwimmen heute -- zumindest nach eigenem Bekunden -- nicht mehr im Geld und können nicht jedes nette Gesicht, das artig anfragt, auf Tonträger veröffentlichen. Ich finde es manchmal schon peinlich (für die Labels), wenn man nach 25 Jahren aktiven Veröffentlichens von irgendwelchen A&Rs (was bei Ein-Mann-Unternehmungen echt lustig ist) darüber belehrt wird, wie schwierig es doch ist, heute einen neuen Künstler an den Start zu bringen und sowieso und überhaupt...

Wenn Du ohne Risiko veröffentlichen willst, nimm Dir Bandcamp und mache entsprechend Reklame in eigener Sache -- entweder, es zündet, oder es zündet nicht. Die Vorlaufkosten sind relativ gering und die Möglichkeit, vom Kuchen anschließend das größere Stück zu bekommen, ist ziemlich groß.

Wenn Du einen physischen Tonträger hast, den Du verkaufen willst, kannst Du den genauso gut bei Bandcamp unterbringen -- gleichzeitig die Option Download und/oder physische Veröffentlichung zu haben, ist für viele Interessenten reizvoll.
Wenn Du partout Vinyl machen willst, mach Dich vorher schlau, wo Du was zu welchen Konditionen schneiden und pressen lassen kannst. Gerade bei Vinyl kann man sehr schnell sehr viel Geld verbrennen.

CDs zu machen, ist heute kein Hexenwerk mehr, da die Preßwerke aufgrund der zurückgegangenen Auflagen und Produktionen in diesem Bereich jedem Interessenten sehr günstige Angebote machen, z. T. sogar noch mit Grafikarbeiten und ähnlichen Dienstleistungen dabei. Ist auch die beste Visitenkarte, um bei einem Label oder einem Vertrieb anzuklopfen. Wenn Du also Dein Geld lieber in einen Tonträger als in ein Gerät stecken willst, ist das der Weg -- allerdings mußt Du Dich dahinterklemmen, sonst bleibt es bei Null Verkäufen. Auftritte und Verkäufe vom Bühnenrand sind die beste Promotionarbeit, aber eben auch sehr anstrengend. Das muß man wollen.

Die Promotionarbeit ist ziemlich nervig -- ich habe bei hartnäckigen Zeitschriften, die mir Rezensionen verweigern, irgendwann mal ein Promobündel geschnürt aus einem Tittenheft von der Tanke und einer Backmischung für Marmorkuchen -- "zwanzig russische Nutten und ein Kilo Koks kann ich mir nicht leisten, um mein Album zu promoten, aber hier habt ihr was Pulver und ein paar nackte Weiber". Hat nichts gebracht, war aber lustig.

Spätestens ab einem regelmäßigen Cashflow kommen dann auch das Finanzamt ins Spiel sowie der Gewerbeschein -- dem FA ist es egal, woher Deine Kohle kommt, Hauptsache, Du versteuerst sie ordnungsgemäß (i. d. R. Kleingewerbetreibender gemäß §19 usw.). Der Gewerbeschein ist hilfrteich, wenn die Kommune, in der Du wohnst, eines Tages mal spitzkriegt, daß von Deiner Hütte aus schwunghafter Handel getrieben wird. Die fragen nicht artig an, ob Du vielleicht mal Deine Einkünfte offenlegen würdest, nein, die veranschlagen Dich pauschal und Du darfst mal eben 25.000 Euro Gewerbesteuer für die vergangenen Jahre nachzahlen.

Stephen
 

dbra

Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.
Wie ich schon anderweitig schrieb: Nein. Labels schwimmen heute -- zumindest nach eigenem Bekunden -- nicht mehr im Geld und können nicht jedes nette Gesicht, das artig anfragt, auf Tonträger veröffentlichen. Ich finde es manchmal schon peinlich (für die Labels), wenn man nach 25 Jahren aktiven Veröffentlichens von irgendwelchen A&Rs (was bei Ein-Mann-Unternehmungen echt lustig ist) darüber belehrt wird, wie schwierig es doch ist, heute einen neuen Künstler an den Start zu bringen und sowieso und überhaupt...

Wenn Du ohne Risiko veröffentlichen willst, nimm Dir Bandcamp und mache entsprechend Reklame in eigener Sache -- entweder, es zündet, oder es zündet nicht. Die Vorlaufkosten sind relativ gering und die Möglichkeit, vom Kuchen anschließend das größere Stück zu bekommen, ist ziemlich groß.

Wenn Du einen physischen Tonträger hast, den Du verkaufen willst, kannst Du den genauso gut bei Bandcamp unterbringen -- gleichzeitig die Option Download und/oder physische Veröffentlichung zu haben, ist für viele Interessenten reizvoll.
Wenn Du partout Vinyl machen willst, mach Dich vorher schlau, wo Du was zu welchen Konditionen schneiden und pressen lassen kannst. Gerade bei Vinyl kann man sehr schnell sehr viel Geld verbrennen.

CDs zu machen, ist heute kein Hexenwerk mehr, da die Preßwerke aufgrund der zurückgegangenen Auflagen und Produktionen in diesem Bereich jedem Interessenten sehr günstige Angebote machen, z. T. sogar noch mit Grafikarbeiten und ähnlichen Dienstleistungen dabei. Ist auch die beste Visitenkarte, um bei einem Label oder einem Vertrieb anzuklopfen. Wenn Du also Dein Geld lieber in einen Tonträger als in ein Gerät stecken willst, ist das der Weg -- allerdings mußt Du Dich dahinterklemmen, sonst bleibt es bei Null Verkäufen. Auftritte und Verkäufe vom Bühnenrand sind die beste Promotionarbeit, aber eben auch sehr anstrengend. Das muß man wollen.

Die Promotionarbeit ist ziemlich nervig -- ich habe bei hartnäckigen Zeitschriften, die mir Rezensionen verweigern, irgendwann mal ein Promobündel geschnürt aus einem Tittenheft von der Tanke und einer Backmischung für Marmorkuchen -- "zwanzig russische Nutten und ein Kilo Koks kann ich mir nicht leisten, um mein Album zu promoten, aber hier habt ihr was Pulver und ein paar nackte Weiber". Hat nichts gebracht, war aber lustig.

Spätestens ab einem regelmäßigen Cashflow kommen dann auch das Finanzamt ins Spiel sowie der Gewerbeschein -- dem FA ist es egal, woher Deine Kohle kommt, Hauptsache, Du versteuerst sie ordnungsgemäß (i. d. R. Kleingewerbetreibender gemäß §19 usw.). Der Gewerbeschein ist hilfrteich, wenn die Kommune, in der Du wohnst, eines Tages mal spitzkriegt, daß von Deiner Hütte aus schwunghafter Handel getrieben wird. Die fragen nicht artig an, ob Du vielleicht mal Deine Einkünfte offenlegen würdest, nein, die veranschlagen Dich pauschal und Du darfst mal eben 25.000 Euro Gewerbesteuer für die vergangenen Jahre nachzahlen.

Stephen
@fanwander ist der Meinung, man müsste kein Gewerbe anmelden, wenn es nur um selbstproduzierte Musik geht...
 

ppg360

fummdich-fummdich-ratata
@fanwander ist der Meinung, man müsste kein Gewerbe anmelden, wenn es nur um selbstproduzierte Musik geht...
Sobald Du was verkaufst, sitzt Du in der Zwickmühle. Deswegen haben Leute, die regelmäßig auf Flohmärkte gehen, auch gerne mal einen Gewerbeschein, nur ganz grob, wegen der Sicherheit. Damit kann man Scherereien aus dem Weg gehen, und solange man unterhalb von 25.000 Euro Umsatz bleibt, ist man eh auf der sicheren Seite. Muß aber jeder selbst am besten wissen.

Willst Du Dein eigenes Label offiziell und professionell an den Start bringen und benötigst dafür einen LC-Code von der GVL, ist ein Gewerbeschein -- neben einem Nachweis über bereits erfolgte Veröffentlichungen -- unerläßlich.

Stephen
 
@Joix:
Spricht für dich gundsätzlich etwas dagegen, mit dem Eigenvertrieb anzufangen, zu versuchen, darüber ein bisschen Bekanntheit aufzubauen und parallel passende Labels zu kontaktieren? Dann würde ich dir das empfehlen. Den Erfolg bei den Labels kannst du nur ermöglichen, aber nicht erzwingen. Es wäre doch schade, weitere 3 Jahre damit zu verplempern, Labels hinterherzulaufen, ohne zeitgleich zu versuchen, selbst die Musik an den Mann zu bringen.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die Grenze zwischen professioneller VÖ und Eigenvertrieb heute mehr oder weniger fließend ist. Zwischen dem weltweit agierenden Dickschiff von einem Label und einer musikalisch-vertrieblichen One-Man-Show in kompletter Eigenregie gibt es alle möglichen Zwischenschritte. Der vermeintliche Hauptgewinn eines Labelvertrags erweist sich evtl. als völlig wertlos, wenn das Label auch nur eine One-Man-Show ist, die nicht die Kapazitäten hat, dir zu helfen - oder aber das Mini-Label mit scheinbar amateuermäßigem Auftreten ist wahnsinnig aktiv und engagiert und bringt deine Karriere stark voran. Das gibts alles in allen Variationen. Was sich genau für dich lohnt, kannst du eigentlich nur selbst herausfinden. Es ist zu sehr abhängig von Faktoren wie dem Genre, deinem möglichen zeitlichen Einsatz, deinem möglichen finanziellen Einsatz, deinen Lebensplänen, der Qualität deiner Arbeit, deinen Verkaufsfähigkeiten etc., um eine allgemeine Empfehlung auszusprechen.

Ich habe ja schon im anderen Thread gesagt, dass ich mit dem Eigenvertrieb sehr gute Erfahrungen gemacht habe und dass dies meinen(!) Bedürfnissen und Vorstellungen am nächsten kommt. Ich finde Bandcamp wirklich toll. Der Deal ist sehr fair, und du hast viele Möglichkeiten für Promo und physische Verkäufe (Tonträger/Merch). Wenn deine Musik zusätzlich bei Spotify, iTunes, Amazon & Co. vertreten sein soll, brauchst du noch einen Aggregator, der das Album dort unterbringt. Ich habe mich nach kurzer Recherche zuletzt für iMusician (www.imusiciandigital.com) entschieden. Ich weiß nicht, ob es inzwischen vielleicht bessere Angebote gibt, aber vor ein paar Jahren war das aus meiner Sicht das beste Angebot.
 

mnb

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@fanwander ist der Meinung, man müsste kein Gewerbe anmelden, wenn es nur um selbstproduzierte Musik geht...
das meine ich auch.
aber: wenn man einen musikverlag betreibt um seine eigene musik zu vermarkten, koennte es auch anders aussehen.
anders als kuenstler, schriftsteller, designer, softwareentwickler, musiker etc. ist "labelbetreiber" ebenso wie "flohmarkthaendler" kein freier beruf,
sondern ein gewerbe.
wen einem bandcamp, spotify oder sonstwer aber ab und an geld ueberweist, ist man wohl eher nicht labelbetreiber.
und bei der steuererklaerung muss man sowieso alle einkuenfte angeben.

das war jetzt natuerlich keine rechtsberatung (bin ja kein anwalt), sondern nur meine meinung.
 

dbra

Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.
aber wenn man selbst pressen läßt und nur selbstproduziertes zeug über bandcamp verkauft, erfüllt das dann schon die Kriterien eines gewerbes?

umsatz sollte da eigentlich egal sein, oder?

evtl. kann @Bernie da auch was zu sagen, der verkauft ja auch eigenes zeug.
 

xenosapien

unbekannt verzogen
Mal ganz unabhängig von Pro-Eigenvertrieb, Contra-Label oder vice versa:

Heutzutage dürfte doch jedem von uns klar sein, dass man mit Tonträgern/Downloads/Streams kaum noch ne müde Mark machen kann...

Die Musik IST die Promo - Geld gibt´s durch Merchandise, Auftritte, Auftragsarbeiten.

Damit ist in meinen Augen auch das Argument, "da bekommst das Geld ja nicht rein" ziemlich müßig... das sind dann halt Ausgaben die eigentlich ins Werbe-/Marketingbudget gerechnet werden müssten. ;-)

Traurig? Mag sein...

Oder einfach ein Zeichen der Zeit und auch so eine alte "Zunft" wie wir Musiker müssen sich mal wieder wandeln und an den neuen Marschrythmus gewöhnen... nicht zum ersten, aber auch sicher nicht zum letzten Mal.

Es gibt ja auch einige Künstler, die dank Multimedia-Präsenz offenbar ganz OK davon leben können.

z.B. Leute wie Rachel K Collier, oder Louis Cole / KNOWER... machen viel auf YouTube, sind nebenbei permanent live unterwegs, geben noch hier und da mal ein Seminar - und das alles zwar offenbar gecoached was die "off-brand" Themen wie Videoproduktion etc. angeht, aber letzten Endes hat alles so einen DIY-Charme.

Sorry für das "beinahe off-topic", aber ich denke, das ist letzten Endes worauf es heute hinaus läuft:

Man muss einfach Künstler, Label, Performer, Regisseur, Streamer, Werbeagentur und Kaufmann in Personalunion sein.

Dass das nicht allen passt / liegt, dürfte klar sein... aber wie es schon den Printmedien ging: wer hier durchschläft, verpasst später den Anschluss.

Die Frage sollte also weniger sein "mach ich das über ein Label oder selbst", sondern:

"Wenn ich das über ein Label mache, WIE VIEL muss ich dann noch vom Rest selbst machen?"
 

ppg360

fummdich-fummdich-ratata
[...] Damit ist in meinen Augen auch das Argument, "da bekommst das Geld ja nicht rein" ziemlich müßig... das sind dann halt Ausgaben die eigentlich ins Werbe-/Marketingbudget gerechnet werden müssten. [...]
Die Frage ist immer, wie gut Du als Kaufmann bist -- wer immer mehr ausgibt, als es das Budget hergibt, der wird nie auf einen grünen Zweig kommen und immer im Minus bleiben.

Musikmachen ist nunmal in erster Linie Disziplin, egal, ob es um künstlerische oder kommerzielle Belange geht.

"Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit." (Karl Valentin)

Stephen
 

boris

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Wahrscheinlich waren die musikerfreundliche (ertragsreiche) Zeiten eher wenige in der Geschichte. Zeiten, in welchen kulturbeflissene Mäzenen, oder Adelige, grosszügig Kunst unterstützten, oder Kulturbudgets freimütig Projekte finanzierten, oder (noch seltener) Kreativität Anklang fand bei grossen Publikumsmassen (60ger, 70ger Jahre des 20. Jahrhunderts).
Ansonsten war es die Kirche, welche ihre Profis beauftragte, oder halt der weltliche Kommerz bescherte das Täglich' Brot.
Die Gegenwart ist oberflächlicher und konsumgeiler als auch schon. Daraus ergibt sich die Stellung und der Wert der Musiker heute. Tough times...
 
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