Erstmal Glueckwunsch zum PolyBrute!
Ich habe mal emeine Kommentare in Dein Post eingebunden...
Gestern ist meiner angegekommen.
Nach dem Anschließen heute hatte ich ehrlich gesagt schon mit diversen Defekten gerechnet, aber glücklicherweise scheint alles zu funktionieren, und am Gehäuse sind auch keine Macken.
Mein Karton hatte auch eine grosse Macke und der Synth war einwandfrei. Der PB ist schwer, daher kommen da wohl eher Dellen und Risse in die Verpackung.
Erster Eindruck:
- Die allgemeine Verarbeitung ist gut, auch wenn sich die Potikappen nicht ganz so gut anfassen wie z.B. die vom Summit. Eine leichte Gummierung ist schon angenehm (solange sich diese nicht nach wenigen Monaten auflöst).
- Die Tastatur ist annehmbar, aber ebenfalls nicht so gut wie die aktuellen Fatars. Auch im Direktvergleich mit dem Summit würde ich sie leicht im Nachteil sehen. Die Tasten haben etwas horizontales Spiel. Allerdings klappert nichts, und der Aftertouch ist gut dosierbar.
- Der "Value"-Encoder reagiert etwas träge für meinen Geschmack ... vor allem bei der Eingabe von Patchnamen fällt es noch nicht so leicht, gezielt die gewünschten Zeichenbereiche zu treffen. Vielleicht erschließen sich hier aber noch Shortcuts (beim Hydrasynth kann man z.B. mit der Shifttaste zwischen dem großen A, dem kleinen A oder den Zahlen springen).
Mit den hoch und runter Tasten kannst Du auf die Sachen springen! Aber die Eingabe am Geraet selber ist ein bisschen langsam, muss ich gestehen. Das ist aber schon mit der 2.0 besser geworden, vorher war es noch umständlicher, da der Encoder nicht dynamisch reagierte.
- Der Sound der VCOs und Filter ist wirklich gut. Es ist mir auf Anhieb gelungen, einige schön klingende Plucks und Strings zu schrauben. Auch die Modmatrix lässt sich gut bedienen (ist für einen Neuling vielleicht etwas ungewohnt, zuerst das Modziel auszuwählen - auch bin ich nicht unbedingt der Fan davon, Modquellen oder -Ziele per Dreh am jeweiligen Regler einzustellen, weil dann die Reglerposition nicht mehr mit dem vorher eingestellten Wert übereinstimmt. Bei DSI und UDO ist das allerdings auch Usus ... und schneller als eine Auswahl per Menü ist es auch. ).
Ja, das ist der Crux mit der Flexibilität, dass man alles auch über die Matrix machen muss. Aber Du kannst Dir ein Template erstellen und in der ersten Page alle die gängigen Sachen stecken, wie PWM, VCO to LFO, etc. Dann kommt auch die Routine und die Dinge sehen viel einfacher aus, als am Anfang.
- Manche Sachen muss man wohl ein paar mal nachlesen, bis man sie verinnerlicht hat (wo war jetzt nochmal die Rangeeinstellung für das Pitchbend-Wheel?).
- Vieles geht im Schnellzugriff über fertige "Parameterpresets": So lässt sich z.B. das Vibrato per Modwheel in 3 festen Geschwindigkeiten einstellen. Hier hätte ich mir lieber eine feinere Einstellung gewünscht (gleiches gilt für das Beschleunigungsverhalten der Hüllkurven in Verbindung mit Velocitiy).
Vibrato ist einer meiner Lieblingsfeature. Der ist fuer meinen Geschmack 100% getroffen, mit LFO Speed und wie der einfädelt. Aber jeder tickt da anders. Schoen ist aber, dass der Vibrato kein LFO in Anspruch nimmt, heisst, man hat praktisch 4 LFOs plus loopable ENVs.
- Einige Funktionen, die man sich nach dem Einschalten sofort gewünscht hat, sind aber glücklicherweise komfortabel umgesetzt - z.B. die Morph-Aktionen wie "Copy A->B". Die Patch-Snapshots sind ebenfalls praktisch.
- Da es sich um VCOs handelt, sind FM-Modulationen nicht wirklich einfach oktavrein einzustellen. Vielleicht braucht man hier auch einfach etwas Übung. Das es geht, zeigen ja Youtube-Videos mit sehr interessanten FM-Sounds. Modquellen sind etwas begrenzt (nur Osc2 auf Osc1 oder Filter1, Oszillatoren in der Modmatrix nicht als Quellen wählbar). Mit dem Metallizer von VCO1 werden die erzielbaren Spektren aber recht gut erweitert. Auch der Shaper für das Noise ist eine feine Sache.
Kleiner Trick, mit höheren FM auf VCO Werten einfach den Sync dazunehmen um die Pitchvariationen in Griff zu bekommen.
- Das Verhalten des Sync-Reglers ist tatsächlich etwas seltsam (insbesondere in Verbindung mit Osc-FM). Hier habe ich mich aber noch nicht wirklich schlau gemacht.
Hat mehr oder minder drei Stellungen, Aus, auf 12Uhr SoftSync und An bei Max. Ist halt so gelöst fuer das Morphing Feature.
- Bei den FX hätte ich mir ein paar mehr Einstellungsmöglichkeiten gewünscht: So gibt es zwar diverse Presets, aber z.B. die Modulations-Frequenz ist nicht getrennt vom Amount einstellbar, ebensowenig wie die Reverb-Size vom Decay. Übersehe ich da vielleicht etwas?
Soundmäßig finde ich die FX recht gut, allerdings z.B. das Reverb nicht deutlich besser als beim Summit. Letztendlich ist da vieles auch Geschmackssache.
Ich persoenlich finde die FX Sektion sehr gelungen, der Sound übertrifft alles was intern in Synthesizern verbaut ist. Ja, viel muss nur ueber ein oder zwei Knoepfe geregelt werden und viele haben sich da schon beschwert. Aber fast alle Knoepfe haben auch noch andere Settings die man ueber Settings und Knopf bewegen zur gleichen Zeit erreichen kann. Aber auch so, finde ich, hat
Arturia die Sache sehr elegant gelöst, z.B. der Chorus hat auch ein Panning und je nach Stellung kommen manche Features rein und blenden dann wieder aus. Heisst, je nach position hat man wohl 3-4 unterschiedliche Choruse.
Ich tendiere bisher dazu, viele Dinge mit dem Summit zu vergleichen, da der Polybrute in meinem Fall den Novation "ersetzen" wird. Wirklich vergleichbar ist ein 6-stimmiger VCO-Synth natürlich nicht mit dem 16-stimmigen FPGA-Hybriden. Beim Bedienkonzept gibt es aber natürlich Überschneidungen. Hier sind einige Sachen beim Polybrute besser gelöst (z.B. der Velocityregler für die Hüllkurven ohne Menüdiving oder dass es dedizierte Fader für alle 3 Envelopes gibt). Die Bedienung der Modmatrix beim Summit werde ich allerdings eine zeitlang vermissen: Auch wenn das hauptsächlich über das Menü lief, ging die Zuweisung aufgrund des gut skalierten Encoders und dem durchgängigen Konzept für 2 Quellen pro Modslot sehr schnell von der Hand. Beim Polybrute hat man zwar aufgrund der Buttonmatrix einen schnellen Überblick, dafür muss man sich für viele Standardsachen mit der Quermodulation von Modslots behelfen, und ums Menüsteppen kommt man aufgrund der Paginierung der Ziele auch nicht immer herum. Da braucht man wohl einfach etwas Gewöhnung.
Ich weiss nicht, ob Du schon rausgefunden hat, aber man kann auch eine Modulationsverbindung modulieren, wenn man anstatt des Potis den Matrixbutton fuer die erste Verbindung wählt. Dann hat man das gleiche wie mit beim Summit mit den zwei Parametern.
Zum Thema Polybrute vs. Super-6 kann ich soweit sagen: Sie klingen wirklich sehr unterschiedlich, und dürften bei mir auch eher unterschiedliche Einsatzbereiche abdecken. Ich sehe hier nicht wirklich viele charakterliche Überschneidungen. Übrigens: Auch wenn der Super-6 diverse digitale Wellenformen kann, stellt ein "richtiger" Wavetabler wie der "M" oder 3rd Phase einen sehr sinnvollen Kontrast zum Polybrute dar (oder anders gesagt: mit einem dritten digitalen Wavetableoszillator wäre der PB eine richtige Killermaschine).
Ich vermisse keinen digitalen Oscillator. Der PolyBrute ist soundmaessig dem Summit überlegen, da auch die digitalen Wellenformen beim Summit eher ein Downer waren und ich mehr im analogen Bereich gearbeitet habe. Zumal gibt der Metalizer viel Dreck, was auch durch den Stein Parker Filter noch nuanciert werden kann bevor es ins Ladder geht. Dann noch Crossmodulation, Sync, und Filter FM. Ja der Summit hat das auch, aber ich persoenlich finde die Resultate am PB einfach organischer und analoger.
Ja, ein bisschen Eingewöhnung ist nötig, da der PB auch vieles anders macht. Viel Spass und lass mal ein paar Demos hoeren, wenn Du mehr mit dem Geraet verbunden bist. Immer interessant zu sehen, was die Leute mit dem PB alles so machen.