Ausgelaufener Akku

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von Ambrosia800, 20. Mai 2013.

  1. Hi Folks,

    mal aus aktuellem Anlass eine Frage:

    Mit was reinigt ihr Leiterbahnen, Kontakte, und die Leiterplatte selbst wenn ein Speicherakku oder ne Batterie ausgelaufen ist von der Batteriesäure?? (gern genommenes Beispiel: Korg Polysix)

    Gegebener Anlass ist mein letzter Neuzugang: Roland Promars, da ist der Akku ausgelaufen... 30 Jahre ohne Wechsel waren dann doch wohl zuviel.

    Die Leiterplatte selbst ist verätzt, 2 Stecker, Kabel (in denen ist das Zeug langgekrochen... unglaublich..), Lötbrücken etc.
    Wie bekommt man die Reste der Akkusäure am Besten weg?

    Einfach nur Isopropanol (also Alkohohl) aus der Apotheke, oder Reinigungsbenzin? Habt ihr noch bessere Alternativen ausprobiert?

    Greetz
     
  2. motone

    motone recht aktiv

    Warmes Wasser, Spülmittel und 'ne Zahnbürste. Nachher natürlich gut abspülen und trocknen lassen. Die angegriffenen Leiterbahnen und Kontakte kannst du meist vergessen, die musst du nachziehen / überbrücken bzw. erneuern. Hab ich bei meinem Poly61 auch durch, zum Glück war kein IC betroffen, dafür der Stecker zum Voiceboard, bei dem sämtliche Crimpkontakte korrodiert und letztlich abgebrochen sind.
     
  3. Towel

    Towel -

    Gib mal bei google "How to clean battery leakage" ein (oder auch auf deutsch).
    Da gibt es jede Menge Tipps. Batterien sind nicht alle gleich, die ausgelaufene Substanz ist daher
    entweder alkalisch oder sauer und sollte jenachdem mit Essig/Zitronensaeure oder mit Soda (Backpulver)
    gereinigt werden um auch eine Neutralisation der Batterierueckstaende zu bewirken, damit die
    Korrosion nicht schleichend weitergeht.
     
  4. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    ist das von motone vorgeschlagene spuelmittel nicht auch alkalisch und sollte ebenfalls gegen batteriesaeure helfen?

    hab hier naemlich auch noch zwei polysixe zu verarzten...
     
  5. Nein. Spüli ist heutzutage i.d.R. Ph-neutral und basiert auf Tensiden. Backpulver ist aber alkalisch + harmlos.
     
  6. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    ah ok. und das streut man da zum neutralisieren einfach drueber? oder ruehrt es mit wasser an?
     
  7. Towel

    Towel -

    Kommt wie gesagt auf den Batterietyp an. Im Polysix wurden meiner Erfahrung nach
    Nickel/Cadmium Zellen verbaut. Das sind alkalische Batterien und deren Rueckstaende
    sollten daher mit Essig oder Zitronensaeure gereinigt werden. Zum Schluss dann nochmal mit
    demineralisiertem Wasser nachreinigen. So wuerde ich es zumindest machen.

    Schutzbrille Handschuhe und gute Belueftung sind durchaus sinnvoll dabei.

    Welcher Batterietyp drin war ist also wichtig.

    Bei Saeurebatterien Backpulver mit etwas Wasser zu einer verabeitbaren Paste anruehren.
     
  8. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    hm, tatsaechlich? das bloede ist, dass bei beiden von mir aufzuarbeitenden p6en die urspruengliche, ausgelaufene batterie nicht mehr drin ist. ich will nur hinter den aufraeumarbeiten von wem anderes hinterherraeumen - das ist besonders bei einem der beiden bitter noetig, weil der die sauerei eben nicht restlos entfernt hat, und es nach seinen reparaturen weitergeaetzt hat. und im inneren von diesem p6 riecht es fuer meine nase deutlich saeurlich.
    andererseits hab ich keine ahnung, wie 'alkalisch' riechen wuerde...
    hm, vielleicht ist es aber auch keine batteriesaeure, die ich da rieche, sondern essig, den der vorbesitzer benutzt hat...
     
  9. Towel

    Towel -

    Was der Vorbesitzer veranstaltet hat ist natuerlich nichtmehr nachvollziehbar.
    Habe gerade bei "old crows" nochmal nachgeschaut und da ist auch von Ni-Cd Batterien die Rede.

    Also ich wuerde zuerst mal soweit trocken reinigen wie es geht und dann feucht (nicht nass)
    mit Q-tips und Essig (keine Essenz). Wie gesagt mit demineralisiertem Wasser und Q-Tips nachreinigen.
    Die schwarz angelaufenen Leiterbahnen, die noch mit Schutlack ueberdeckt sind musst Du dann auch
    freikratzen und anschliessend alles gut an einem warmen Ort trocknen lassen.

    Das hier ist eine ziemlich gute Reparaturbeschreibung:
    http://www.oldcrows.net/~oldcrow/synth/korg/polysix/repair3.html

    Der verzichtet aber auch auf eine freuchte Reinigung, die aber meines Erachtens das ganze sicherer macht.
    Die Salze der Batterie sind naemlich hygroskopisch und ziehen immer Wasser an und sollten daher
    entfernt/neutralisiert werden

    Einen Polysix zu richten ist wirklich kein Vergnuegen.
     
  10. Also bei mir ist es in diesem Fall ein Ni/Ca Akku. Der standardmäßig Ende der 70er da rein verbaut wurde, so wie es aussieht...

    Mindestens einer der Stecker hat auch was abbekommen, ich meine sogar zwei... Die Kontakte sind grün korrodiert und brechen tatsächlich sofort ab.

    Muß die Leiterplatte mal ausbauen und mir die Leiterbahnen anschauen. Ich befürchte Schlimmes. Um die Stecker rum hat sie sich jedenfalls von oben betrachtet kreisförmig dunkel braun verfärbt (statt normalem Mittelbraunton). Sieht nicht gesund aus..

    bin mit nicht sicher ob es auch in Richtung Netzteil gekrochen ist. Hat jemand Erfahrungswerte mit Promars oder Jupiter 4 Restauration dahingehend?
     
  11. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    ja danke, die anleitung hatte ich auch schon auf dem schirm. schoen detailliert gemacht.

    ich hoffe, in meinem fall wird es nicht ganz so schlimm sein. die beiden klm-367-platinen selbst funktionieren jedenfalls, wie ich durch wechselseitigen austausch verschiedener boards habe feststellen koennen. da werde ich nur zumindest bei einem von beidem noch etwas neutralisierend hinterhersaeubern muessen, um die schon von meinen vorgaengern offenbar erfolgreich vorgenommenen reparaturen zu sichern und eine weitere ausbreitung der korrosion zu verhindern.

    akute probleme scheint es nur auf den klm-369- und klm-370-boards von dem verwahrlosteren der beiden zu geben - und die kriege ich hoffentlich hin, ist ja ueberschaubarer.

    ein paar von den klick-schaltern werde ich auch austauschen muessen, aber die gibts ja bei vintageplanet. dann noch die tastaturkontakte reinigen, chd-midi nachruesten, und ich hab zwei schicke p6e, von denen ich einen gewinnbringend verhoekern kann, um den anderen weitgehend mitzufinanzieren - so hab ich mir das jedenfalls gedacht, toitoitoi. :)
     
  12. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    ich denke, ich werde mir in der apotheke mal so ph-teststreifen holen, um zu sehen, ob in meinen p6en eher ein saures oder ein alkalisches milieu herrscht.
     
  13. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    auch nicht schlecht: ich hab mir jetzt mal so ph-teststreifen aus der apotheke geholt (die von ebay brauchen irgendwie zu lange), ein paar davon zuerst mit entmineralisiertem wasser angefeuchtet und dann ein bisschen damit im p6 rumgetupft - und ich finde beides: an manchen stellen ist er sauer, an anderen basisch!

    vielleicht ist da tatsaechlich mal ne alkalibatterie ausgelaufen, und der vorbesitzer hat ein bisschen balsamico druebergetraeufelt?

    also geh ich da dann jetzt nacheinander mit natron und mit zitronensaeure ran oder wie?

    naja, erstmal werd ichs mit pinsel und staubsauger mechanisch reinigen. aber dann?
     
  14. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    so, jetzt sind auch die ph-streifen von ebay eingetroffen. die sind besser geeignet, weil sie im gegensatz zu denen aus der apotheke die volle ph-skala abdecken. und die sprechen eine andere sprache: in meinem p6 gehts eindeutig sauer zu! hat mich meine nase also nicht getrogen. werde dann nach dem entstauben also mal mit natron rangehen...
     
  15. Es is geschafft... der alte Akku ist raus und ein Knopfzellenhalter drin.. CR2032. Da wo der alte Stecker saß mit den Kabeln zum Akku. Paßt perfekt. Alles spielt... Eine angegriffene Leiterbahn gekappt sonst ging es noch. Nur der Stecker war echt hin..

    Und tönen tut der gute Promars auch mal richtig fett... :phat: :D
     

    Anhänge:

  16. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    schick, gratuliere zur gelungenen operation!

    ich bin mit meinem p6en auch schon ein ganzes stueck weiter. die platinen sind soweit alle gereinigt und verarztet. war zum glueck alles nicht so wild. musste nur zwei bruecken schlagen und ein oder zwei loetstellen reparieren, nichts wildes.

    jetzt stehe ich allerdings vor folgender frage: auf einem der beiden 367er sind zwei von diesen duennen leiterbahnen unter der platinenoberflaeche schon erkennbar gruenlich-schwaerzlich verfaerbt, tun aber zumindest derzeit noch problemlos ihren dienst. muss ich damit rechnen, dass die in kuerzerer zeit weiter kaputtgammeln, und sollte sie darum schon mal prophylaktisch kappen und durch bruecken ersetzen, wo ich die platine eh schon auf der werkbank lieben hab? oder gilt auch hier: solange es funktioniert, muss man es nicht reparieren?

    meinungen, erfahrungen, tipps?
     
  17. Towel

    Towel -

    :supi:


    wenn eh schon alles offen und der Loetkolben geheizt ist, wuerde ich es sofort machen, da der Spuk sonst immer weiter geht und
    ist weitaus weniger Stress als anders herum.

    Habe hier letztlich ein nettes Sprichwort gehoert:

    "Shit never stops and rust never sleeps"
     
  18. bartleby

    bartleby echt reaktiv

    die aus der apotheke habens halt nicht gebracht - zu geringer wertebereich (ph 6-8 oder so). wirklich klarheit geschaffen haben dann die ph-1-14-streifen aus der bucht.

    hmtja, das war zwar nicht, was ich hoeren wollte, aber ich hatt es mir ja eigentlich selbst auch schon so gedacht. :)
    reicht es denn, wenn ich die leiterbahnen, die so aussehen, als koennten sie irgendwann den geist aufgeben, einfach nur ueberbruecke?
    oder kann es zu problemen fuehren, wenn da dann zwei leitungen parallel existieren, und ich sollte die urspruenglichen bahnen, die ich ueberbruecke, unterbrechen?
     
  19. Towel

    Towel -

    Zwei Leitungen sind egal. Ich wuerde nur die Leitebahnen kappen oder die Korrosion entfernen,
    damit diese sich nicht weiter ausbreitet.
     

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