[OnTopic] Elektronische Musik der 90er vs. heute

GlobalZone

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Tach !

Vor einer ganzen Weile schon habe ich meine Hardware Schätzchen aufgegeben und bin quasi mit dem Strom geschwommen
alles "in the Box" zu machen. Natürlich hat sich auch mein Klang verändert, obwohl ich sowohl klanglich wie auch musikalisch
die Musik von Mitte bis Ende der 90er allgemein als besten Kompromiss sehe. Ob nun Euro Dance, House, Elektro, Techno oder
Drum´n´Bass.

Wie würde man mit moderner Technik, vlt sogar "in the Box", heute arbeiten, um klanglich mit den 90ern mitzuhalten ?

Oder anders herum. Wie würde man mit Mitteln der 90er heute moderne Musik produzieren ? (Analoge Synths, VAs, Mackie 8 Bus oder Behringer MX und zwei Multi FX, o.ä.)

Diese Liste würde ich fast als DIE Referenz der 90er hernehmen, Künstler, nicht die Titel ;-)


Ist es der Schmutz, die Art WIE Musik gemacht wurde, der dynamischere Klang oder alles zusammen ?

Was meint Ihr ?
 

Speedy75

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Mein Antwort: 0% Geräte oder Produktionstechniken, 100% Gefühl, Seele, Authenzität, Ehrgeiz, Experimentierfreudigkeit. Meine ich wirklich so. Der Fokus lag auf der Musik, jetzt liegt er darauf irgendetwas nachzuempfinden. Und genau solche Fragen zielen genau darauf ab. Es ist egal wieviele Hardwareclones oder VST Clones man kauft, es spielt keine Rolle welche Kompressoren oder Mischpulte in einem Studion stehen, das sind alles nur Nuancen.

Man kann es nicht kaufen, du kannst alles genau so machen wie damals. Geräte, Atari, Mischpulte und Sampler, Mixing und Mastering. Dann hast du einen Track der wie 1997 klingt, aber der Kontext ist nicht derselbe und deshalb wird er niemals authentisch sein. Wird trotzdem Hörer finden (u.a. mich), kann trotzdem supergeile Musik sein, aber jetzt ist 2019.
 

[Artinus]

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Heute mit den Mitteln der 90er Jahre zu arbeiten und aktuelle Musik zu machen geht durchaus schon, ist halt aber auch teilweise ein großes Stück mehr Arbeit. Vieles geht in the box um ein vielfaches einfacher...und vor allem weitaus schneller!

Alleine keygroups auf nem hardware sampler mit multisamples für verschiedene velocity im Vergleich zu ka, battery oder ähnliches.
 

Ich@Work

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Das Schlüsselwort zu den 90'er heisst meiner Meinung nach, wenn auch etwas kurzgegriffen : Sampling (damit ist nicht nicht Sample-Player gemeint) und der kreative Umgang damit. Insbesondere was die Drums betrifft.

Mein Antwort: 0% Geräte oder Produktionstechniken, 100% Gefühl, Seele, Authenzität, Ehrgeiz, Experimentierfreudigkeit. Meine ich wirklich so. Der Fokus lag auf der Musik, jetzt liegt er darauf irgendetwas nachzuempfinden. Und genau solche Fragen zielen genau darauf ab. Es ist egal wieviele Hardwareclones oder VST Clones man kauft, es spielt keine Rolle welche Kompressoren oder Mischpulte in einem Studion stehen, das sind alles nur Nuancen.

Man kann es nicht kaufen, du kannst alles genau so machen wie damals. Geräte, Atari, Mischpulte und Sampler, Mixing und Mastering. Dann hast du einen Track der wie 1997 klingt, aber der Kontext ist nicht derselbe und deshalb wird er niemals authentisch sein. Wird trotzdem Hörer finden (u.a. mich), kann trotzdem supergeile Musik sein, aber jetzt ist 2019.
Absolute Zustimmung. Ich denke heute, wie auch damals ist die grösste Herausforderung seinen Sound zu finden der authentisch zu einem passt und den Mut zu haben mit bestehenden "Regeln" zu brechen und die Lösing nicht in der Technik zu suchen sondern im Kreativen. Das geht auch "in the box" wenn einem das mehr zusagt, nur sollte "in the box" eine kreative Wahl sein und nicht primär eine ökonomische.



Wie würde man mit moderner Technik, vlt sogar "in the Box", heute arbeiten, um klanglich mit den 90ern mitzuhalten ?
Worin würdest Du denn die klanglichen Unterschiede von heute zu damals ausmachen ? Sind es wirklich klangliche oder inhaltliche, sprich musikalische ?
 

GlobalZone

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Jeder hört Musik anders.

Musikalisch könnte ich mich besser in die 90s versetzen, als in moderne Musik und für mich stehen die 90s nicht nur fürs Sampling, sondern such allgemein für besonders fetten Sound.

Für mich klingen Synths durch ein Mackiepult summiert, welches damals wie heute eher zu den niedrigpreisigen gehörte, anders (musikalisch matschiger und fetter), als in einer DAW gemischt.
Das Verhalten, dass sich Sounds gegeneinander wegdrücken kenne ich so nur, wenn man komplett analog mischt.

Andererseits bin ich der Meinung, dass sich ältere Synths, Sampler, Rompler etc besser durchsetzen, vlt durch die Wandler ? Sowas kenne ich so von modernen Synths nicht. Microwave und Q würde ich einem Blofeld vorziehen, ebenso höre ich Welten zwischen Korg M1/Wavestation Hardware vs VST.

Sampling: Zugegeben, ich kenne nur Emus e4 Serie und esi, finde aber beide klanglich zwar nicht besser, aber "origineller" oder für elektronische Musik geeigneter als VSTs a la Halion oder Kontakt.

Klar, die haben großartige, bestklingende Libraries...,

Aber "geil" klingt ein Patch ausm Emu.

Seit ich vor über 10 Jahren alles verkaufte, suche ich zunehmend diesen Sound, den ich im Grunde mal hatte, und in Software nie gefunden habe, aber auch nicht in modernen Synths.

Klar, bester Weg wäre ebay abgrasen, mach ich auch zum Teil.

Das wars jetzt individuell von mir, startete das Thema aber eher als allgemeine Diskussion und nicht weil ich konkret auf mich bezogene Tipps suche ;-)
 

Speedy75

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Jeder hört Musik anders.

Musikalisch könnte ich mich besser in die 90s versetzen, als in moderne Musik und für mich stehen die 90s nicht nur fürs Sampling, sondern such allgemein für besonders fetten Sound.

Für mich klingen Synths durch ein Mackiepult summiert, welches damals wie heute eher zu den niedrigpreisigen gehörte, anders (musikalisch matschiger und fetter), als in einer DAW gemischt.
Das Verhalten, dass sich Sounds gegeneinander wegdrücken kenne ich so nur, wenn man komplett analog mischt.

Andererseits bin ich der Meinung, dass sich ältere Synths, Sampler, Rompler etc besser durchsetzen, vlt durch die Wandler ? Sowas kenne ich so von modernen Synths nicht. Microwave und Q würde ich einem Blofeld vorziehen, ebenso höre ich Welten zwischen Korg M1/Wavestation Hardware vs VST.

Sampling: Zugegeben, ich kenne nur Emus e4 Serie und esi, finde aber beide klanglich zwar nicht besser, aber "origineller" oder für elektronische Musik geeigneter als VSTs a la Halion oder Kontakt.

Klar, die haben großartige, bestklingende Libraries...,

Aber "geil" klingt ein Patch ausm Emu.

Seit ich vor über 10 Jahren alles verkaufte, suche ich zunehmend diesen Sound, den ich im Grunde mal hatte, und in Software nie gefunden habe, aber auch nicht in modernen Synths.

Klar, bester Weg wäre ebay abgrasen, mach ich auch zum Teil.

Das wars jetzt individuell von mir, startete das Thema aber eher als allgemeine Diskussion und nicht weil ich konkret auf mich bezogene Tipps suche ;-)

Du sitzt einem Irrglauben auf, meiner Meinung nach. Ich versuche mal darzulegen warum:

1. Viele erfolgreiche Künstler aus den 90ern machen immer noch Musik. Produzieren diese immer noch auf dieselbe Art wie in den 90ern ? Einige Beispiele aus der Liste die du gepostet hast sicher nicht.

Beispiel Leftfield. Letzte Platte ist geil, aber nicht so wie teilweise in den 90ern. Klanglich ist sie aber weit besser als die früheren.

Aphex Twin: produziert mehr oder weniger mit dem gleichen Zeug, aber ich glaub 7 von 10 Fans finden seine Musik von früher besser. Also liegts am Gear oder an der Musik ?

Beispiel Photek (war nicht auf der Liste), mal reingehört was der in den letzten 10 Jahren gemacht hat ?

Was war an Portishead typisch 90er ? Waren es die musikalischen Zutaten oder die Produktionsmittel ? Weil die Produktionsmittel waren ja eher aus den 60/70ern als aus den 90ern.

2. Wir (wenn ich das sagen darf) glorifzieren die richtig guten Acts und übertragen das auf alles andere aus der Zeit. Ich habe soviele D&B Trip Hop Techno Trance Sampler und MCDs, da ist soviel mittelmässiger Scheiss dabei, echt jetzt. Und die haben auch mit Atari, Mackie, Akais und EMUs produziert. Das meinte ich in meinem ersten Post, es ist die Musik, die Kreativität, das Ergebnis was zählt. Das war damals so, und ist heute auch noch so.
 
Jeder hört Musik anders.

Musikalisch könnte ich mich besser in die 90s versetzen, als in moderne Musik und für mich stehen die 90s nicht nur fürs Sampling, sondern such allgemein für besonders fetten Sound.
Ein Beispiel bitte. Wenn ich an die 90er denke, dann auch an Maschinen wie den Roland JV-80. Also alles andere als fett ;-)
 

GlobalZone

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Ich habe sowohl Leftfield, The Prodigy und aphex twin seit den 90ern verfolgt und alle klingen heute laut, aber nicht mehr "Phat".

Hör dir Aphex Twin an. Laut mit deutlichem "Loudness", ebenso Leftfield. The Prodigy stinken heute so gegen "the fat of the land" ab.

Chemical Brothers ? Klar, deutlichste musikalische Entwicklung aber "Phat & Dirty" ?

Oder Massive Attack ?

Alle habe sie fetten und dreckigen Sound gegen perfekte und sterile Lautheit getauscht, denn beides zusammen geht nicht, von daher sehe ich das Ende der 90er als soundtechnisch optimalen Kompromiss, nicht nur bei elektronischer Musik, auch Rock oder Metal, sogar HipHop sind betroffen.

Vergleiche Sound von Nirvana vs Rock heute

Metal Platten bis zur Jahrtausendwende bis zum Stand heute. Heute: Technische Wunderwerke, krasse Sounds, aber Gefühl ? selten...

Natürlich gab es damals viel Scheiss. 90% meiner Platten von damals sind Müll für mich heute - aber 10% Perlen. Das Gleiche werde ich in 20 Jahren über die Musik sagen die ich heute gekauft habe - Das fällt dann eher in die Kategorie vergänglichen Geschmacks, während wirklich Gutes bestehen bleibt - Aber auch da wird es heutzutage immer dünner, während ich immer häufiger neue Musik finde, die mir gefällt und mir erst später auffällt, dass sie schon paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat.
 

GlobalZone

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Ein Beispiel bitte. Wenn ich an die 90er denke, dann auch an Maschinen wie den Roland JV-80. Also alles andere als fett ;-)
Leftfield "Phat Planet"
The Prodigy "Smack my Bitch up"
Aphex Twin "Windowlicker"
The Chemical Brothers "Block rockin Beats"
Massive Attack "a prayer for england" ok, is 2003
Nirvana "Smells like teen Spirit" Drums sind legendär!
Bei Metal hänge ich gerade bei Irin Maiden, finde aber nicht dass die gerade repräsentativ sind.
 

Ich@Work

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Jeder hört Musik anders.

Musikalisch könnte ich mich besser in die 90s versetzen, als in moderne Musik und für mich stehen die 90s nicht nur fürs Sampling, sondern such allgemein für besonders fetten Sound.

Für mich klingen Synths durch ein Mackiepult summiert, welches damals wie heute eher zu den niedrigpreisigen gehörte, anders (musikalisch matschiger und fetter), als in einer DAW gemischt.
Das Verhalten, dass sich Sounds gegeneinander wegdrücken kenne ich so nur, wenn man komplett analog mischt.

Andererseits bin ich der Meinung, dass sich ältere Synths, Sampler, Rompler etc besser durchsetzen, vlt durch die Wandler ? Sowas kenne ich so von modernen Synths nicht. Microwave und Q würde ich einem Blofeld vorziehen, ebenso höre ich Welten zwischen Korg M1/Wavestation Hardware vs VST.

Sampling: Zugegeben, ich kenne nur Emus e4 Serie und esi, finde aber beide klanglich zwar nicht besser, aber "origineller" oder für elektronische Musik geeigneter als VSTs a la Halion oder Kontakt.

Klar, die haben großartige, bestklingende Libraries...,

Aber "geil" klingt ein Patch ausm Emu.

Seit ich vor über 10 Jahren alles verkaufte, suche ich zunehmend diesen Sound, den ich im Grunde mal hatte, und in Software nie gefunden habe, aber auch nicht in modernen Synths.

Klar, bester Weg wäre ebay abgrasen, mach ich auch zum Teil.

Das wars jetzt individuell von mir, startete das Thema aber eher als allgemeine Diskussion und nicht weil ich konkret auf mich bezogene Tipps suche ;-)
Meine Beurteilung war mehr musikalischer Natur als klangtechnischer und da sehe ich den Einsatz des Sampler schon als elementar aber natürlich nicht nur das. Bei Aphex Twin weiss ich es nicht, vielleicht ne Ausnahme.

Ansonsten so wie ich das lese scheinst Du Deine Meinung schon gemacht zu haben. Suchst Du hier nach Bestätigung ? Warum nicht gleich so fragen ?

Wenn für Dich die ganze Hardware besser klingt, dann geh diesen Weg. Es ist nichts falsch daran. Ich denke es hat mehr damit zu tun wie man heute mischt und was die neuen Tools so bieten und wie man dies anwendet.
 

Rastkovic

PUNiSHER
Ist es der Schmutz, die Art WIE Musik gemacht wurde, der dynamischere Klang oder alles zusammen ?
12bit Sampling, AD/DA Wandler, analoges Mischpult.... das hatte mit Sicherheit nicht unwesentlich Einfluss. :)

Das liest man in Musiker Interviews komischerweise immer wieder, dass die 90er durch die verwendete Technik (warum auch immer) ihren eigenen Sound hatten....
 

Rastkovic

PUNiSHER
Mein Antwort: 0% Geräte oder Produktionstechniken, 100% Gefühl, Seele, Authenzität, Ehrgeiz, Experimentierfreudigkeit. Meine ich wirklich so. Der Fokus lag auf der Musik, jetzt liegt er darauf irgendetwas nachzuempfinden. Und genau solche Fragen zielen genau darauf ab. Es ist egal wieviele Hardwareclones oder VST Clones man kauft, es spielt keine Rolle welche Kompressoren oder Mischpulte in einem Studion stehen, das sind alles nur Nuancen.

Man kann es nicht kaufen, du kannst alles genau so machen wie damals. Geräte, Atari, Mischpulte und Sampler, Mixing und Mastering. Dann hast du einen Track der wie 1997 klingt, aber der Kontext ist nicht derselbe und deshalb wird er niemals authentisch sein. Wird trotzdem Hörer finden (u.a. mich), kann trotzdem supergeile Musik sein, aber jetzt ist 2019.
Das Problem ist heute das man vorbelastet ist. Soviel Musik gehört, leider auch zu viel schlechte Musik gehört. Wenn man seine Hörgewohnheiten jedoch ändert und z.B. nur Musik bis zu einem bestimmten Zeitpunkt/Jahr hört, dann kommt man wieder in die richtige Stimmung. Das ist kein Witz, teilweise hab ich schon Monate lang oder sogar Jahre keine elektronische Musik gehört um die Festplatte im Kopf zu formatieren.... :mrgreen:
 

Lauflicht

x0x forever
... Wurde eine zeitlang sehr hoch gehandelt/gehypt. So ist das halt leider. Scheint in den letzten Jahren (laut Discogs) nur noch Spiele und Soundtracks zu machen?
 

micromoog

Rhabarber Barbara
Das Problem ist heute das man vorbelastet ist. Soviel Musik gehört, leider auch zu viel schlechte Musik gehört. Wenn man seine Hörgewohnheiten jedoch ändert und z.B. nur Musik bis zu einem bestimmten Zeitpunkt/Jahr hört, dann kommt man wieder in die richtige Stimmung. Das ist kein Witz, teilweise hab ich schon Monate lang oder sogar Jahre keine elektronische Musik gehört um die Festplatte im Kopf zu formatieren.... :mrgreen:

Dazu kommt noch das Problem-zumindest bei mir- dass es schwer fällt Musik als Ganzes zu genießen/hören. Ich erwische mich allzuoft beim Sezieren in einzelne Spuren, Sounds und Noten.

Also Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
 

mixmaster m

なんでもない
Ich versuch auch immer bei meinen Tracks, so wie in den 90'ern zu klingen. Oder besser gesagt, das ist für mich der Standard :wixx:
Ob meine Musik sich jetzt wirklich so anhört, sei mal dahingestellt, aber wie aktuelle Produktionen klingt's eher nicht. Das ist mir heutzutage alles viel zu höhen- und subbasslastig ohne harten Kern in der Mitte..
Ich denk mal auch, daß der Zeitgeist ne große Rolle spielt, wie oben bereits erwähnt.
Ich bin bei Ninja Tune und so Zeugs wie Jazzanova kleben geblieben und mag das einfach!
Hab mir auch deshalb letztens günstig zwei Flanger-LPs (Atom Heart und Burnt Friedman) geholt.

@GlobalZone Cooles Thema!
 

Speedy75

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Das trifft es hauptsächlich. Dazu noch etwas Verzerrungen durch analoge Pulte für etwas mehr Dreck und Punch.

So ein Sound ist VSTs nicht hinzubekommen. Also mir gelingt es nicht.
Ich glaub schon. Abletons Saturation ist wirklich wirklich gut. Reasons Scream4. Bisschen "Room" drauf geben, EQ, und man kommt schon sehr weit. Was aber sein kann (ich hab nie mit Mackie Pulten gearbeitet), dass es mehr Arbeit macht mit VSTs.

Wenns Hardware sein muss, dann kann der Analog Heat von Elektron schon weiterhelfen, bzgl. Dreck und Punch.
 

NickLimegrove

MIDI for the masses
90er-Musik (jedenfalls elektronisch-rhythmusorientierte, um die es ja hier geht) ist für mich zuvörderst Sampler-Musik. Man wird die These wagen können, dass bei nahezu allen Acts, die in deinem Link oben genannt sind, Sampler eine ganz zentrale Rolle spielen. Das gilt sogar für Portishead, von denen gerade jemand sagte, deren Produktionsmittel seien eher "60er/70er".

Akai S1000 Sampler
You could almost say that Portishead's story started with this very piece of gear. In the early '90s, Geoff Barrow was working as an assistant at Coach House studio while Massive Attack was recording its own debut album, Blue Lines. Seeing a strong aptitude in the young assistant, the group gifted Barrow with an Akai S1000 and an Atari 1040 computer to start him off on his sampling journey.

Essentially a rackmount version of the better-known Akai MPC, the S1000 traded its cousin's compact size and playable pads for advanced features. But even with expandable memory up to 32 megabytes, the S1000's capabilities were quite limited. According to McDonald, this is a large part of why Dummy is a mostly mono album. "If you were to sample stuff in stereo on an Akai S1000 you'd have no memory at all," McDonald explains. "But if you were to do it in mono, you could probably get your 30 seconds of whatever it was."
https://reverb.com/news/making-portishead-dummy-production-experiments-trip-hop-classic

Was ReBirth & Co. angeht: das ist in meiner (ganz ganz groben) Zeitrechnung nicht mehr 90er. Eher gehört das (nicht von der VÖ der 1. Version her, aber vom populären Durchbruch) in die sehr späten 90er und steht am Beginn der nächsten Periode, der In-the-Box-Ära der 2000er ...die dann vom Hardware-Revival der 2010er abgelöst wird.
 
Zuletzt bearbeitet:

Speedy75

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90er-Musik (jedenfalls elektronisch-rhythmusorientierte, um die es ja hier geht) ist für mich zuvörderst Sampler-Musik. Man wird die These wagen können, dass bei nahezu allen Acts, die in deinem Link oben genannt sind, Sampler eine ganz zentrale Rolle spielen. Das gilt sogar für Portishead, von denen gerade jemand sagte, deren Produktionsmittel seien eher "60er/70er".



https://reverb.com/news/making-portishead-dummy-production-experiments-trip-hop-classic

Was ReBirth & Co. angeht: das ist in meiner (ganz ganz groben) Zeitrechnung nicht mehr 90er. Eher gehört das (nicht von der VÖ der 1. Version her, aber vom populären Durchbruch) in die sehr späten 90er und steht am Beginn der nächsten Periode, der In-the-Box-Ära der 2000er ...die dann vom Hardware-Revival der 2010er abgelöst wird.

Hmm ok, soll ich jetzt auch nur den Ausschnitt aus dem Artikel zeigen der mir in Argumentation passt ;-)

Traditionally avoided on "professional" recordings, the characteristic compression and frequency distortion imparted by analog tape was just one more weapon in Portishead's sonic arsenal. "There was a lot of bouncing to cassette. A lot of bouncing to cassette," McDonald says in Portishead's Dummy by R.J. Wheaton. This explains the thin, Mellotron-like strings on "Glory Box": "instead of putting them to DAT [Digital Audio Tape] we put them to cassette, which I remember raised a few odd looks from people," McDonald recalls.

If it hasn't hit you yet, Portishead will do whatever it takes to get an interesting sound. Other creative techniques used on Dummy include re-amping drums through a Marshall practice amp, sending vocals through an FM transmitter to a 1960s Bush radio, and pushing a Drawmer LX20 compressor to its limits to produce an exaggerated "pumping" effect.



Aber egal, was du sagst ist ja auch richtig, Peace. Aber zu sagen, es waren nur die Sampler und Schluss, das stimmt einfach nicht. Zumindest nicht für alle und jeden.
 

NickLimegrove

MIDI for the masses
:supi: klar, es bringt wahrscheinlich nichts, sich jetzt ausgerechnet an einer Ausnahmeerscheinung wie Portishead aufzuhängen.

Was ich noch viel eher vielleicht zusätzlich in die Runde werfen würde bzgl. der Ausgangfrage (und meinem Eindruck, dass der Sampler das prägende Werkzeug für einen großen Teil der elektronischen 90er-Musik ist), ist, dass es jenes Jahrzehnt war, das sogar ganze Genres von, ich nenn's mal: "Sampler-Musik" hervorgebracht hat. Der klassische Drum&Bass zum Beispiel, HipHop sowieso, auch der Mitt-90er-House im Dunstkreis von Daft Punk... sowas läuft bei mir unter "Musik, für deren Ästhetik der Sampler-Sound und die Sampler-Arbeitsweise ganz enorm prägend sind".

Damit keine Missverständnisse und falsche Umkehrschlüsse aufkommen: man kann Musik in diesen Schubladen natürlich auch ganz toll ohne Sampler machen (so geschieht's ja seit den 2000ern auch allenthalben). Aber für diese Musik zu jener Zeit ist der Sampler kaum wegzudenken.

Man sollte dabei aber vielleicht auch nicht vergessen, dass damals (anders als in unseren luxuriösen Zeiten heute) man kaum gesagt haben dürfte: "ich nehme lieber [Synth X] als [Sampler Y]" -- sondern der Einsatz von Samplern war in vielen Fällen auch einfach ein Gebot der finanziellen Beschränkungen, unter denen viele Projekte ihren Anfang nahmen. Wer kaum Kohle für Gear hatte, für den war es, sagen wir, 1993, eine denkbar sinnvolle Lösung, sich einen fünf Jahre alten S1000 zu besorgen.

Bei den Produktionen der großen Player ist das natürlich was ganz anderes. Mit einer anderen, nicht minder interessanten Konsequenz: dass zum Beispiel unser Dietmar aus jeder Madonna-, oder überhaupt jeder Chartpop-Produktion der 90er raushören kann, welches JV1080-Preset hier gerade zum Einsatz kommt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Sunwave

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Prodigy
https://youtu.be/eU5Dn-WaElI


Ich denke wenn man mit den 90er Jahre Geräten aktuelle Musik machen will, dann in Verbund mit so was wie Ableton.
So wie es auch ein grossteil im Forum macht. Wieso? Weil andernfalls der Gerätepark zu teuer, gross und kompliziert wird.

Den grossen Unterschied zwischen den 90er und 2010er Jahre sehe ich im Fokus. Damals kannten viele ihre Geräte in-und auswendig, haben mehr aus ihnen herausgeholt. Heute sind viele überhauft mit Plugins und Hardware von der sie keinen Plan haben.
Auch musste man damals schneller ein Abschluss finden, da Total Recall nur begrenzt möglich war. Heute haben einige das Problem viele Projeke anzufangen aber nie etwas zu beenden und deswegen sind sie dann auch in den finalen Prozessen des Musikmachens ziemliche Anfänger bzw. völlig ungeübt.
 

sägezahn-smoo

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Hallo zusammen. Diese Frage beschäftigt mich schon seit es ITB gibt.

Für mich ist sie klar beantwortet. Ich war noch nie happy mit irgendeinem Song ohne analoge Summierung. Ich habe daher mein leider verkauftes Souncraft Ghost (klanglich ein Traum) getauscht und habe nun ein Allen Heath GSR-24. Es hat die identische Summmierung und EQ (derselbe Ing. hats gemacht). Sehr happy bin ich auch mit einem Midas Venice das ich als Submixer brauche.

Das ist mal das allerwichtigste. Dann - aber das sind persönliche Vorlieben: Ich kann nicht ohne charaktervolle Hardware Reverbs Musik machen. Dabei paasiert etwas magisches, und es fördert meine Kreativitä. Bei mir ein Quantec QRS und ein Lexicon 200. Der Rest ist nicht nötig für mich analog (EQs und Kompressoren). Ein Gerät nutze ich seit ca 20 Jahren (!) in der Summe und ich kann auch nicht ohne: Ein SPL Vitalizer MK2 (ohne Röhre). Auch das ist verantwortlich für etwas "Magic".

Analoges Summieren bringt nur was wenn die Summierung gut ist. Idealerweise würde ich das mit einem Niceriser machen von Phoenix Audio. Die Summierstufe ist ein Traum. Ich habe den NICE DI. Ein Gerät was bei mir anderen Linegeräten hilft endlich gut zu klingen. Z.B. der DSI Tempest klingt echt kacke ohne guten Lineverstärker. Mit dem DI klingt er plötzlich amtlich. Gilt auch für einige (nicht alle) MFB Produkte.

Bzgl Sampler: Pitchen von Samplern gibts in allen Qualitätsklassen. Berühmt: SP1200. Aber für mich am besten klingt das was der Pioneer Toiraz mit Samples anstellt, habe aber keinen SP1200.

Aber das alles ist nichts gegen Analoges Summieren. Will man den ungestressten Sound von damals, empfehle ich analoges Summieren. Es klingt dann so schnell gut, dass man keine Pluginschlacht mehr benötigt.
 

micromoog

Rhabarber Barbara
Genau, die mit Abstand allerbeste Methode um ans Ziel zu kommen ist die, die dir am besten liegt. Da hilft auch kein Hochglanztutorial von XY wenn dir die Arbeitsweise nicht zusagt.

Und solche Floskeln wie "amtlich" sind der größte Mumpitz, wenn wir die letzten 50 Jahre alle "amtlich" produziert hätten, klänge es immernoch nach dem Beatles Badezimmersound.

Und wer sich in Genres mit bestimmten Arbeitsweisen, Sounds und Restriktionen uniformieren muss, kann es imho (!) gleich bleiben lassen, denn dann ist man nur Trittbrettfahrer #81531.

Macht einfach euer Ding!
 
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Rolo

i give some soul into the tracks!
Ich habe das von ca. 1992 bis ca. 2003 immer so gemacht daß ich die Summe am Analogmixer aufnahm. Bei mir liefen dann immer alle Effektgeräte ,Drummer und Synthies gleichzeitig.
Als ich dann ca. 2003 anfing meinen Bürorechner anstatt meines Atari St als Sequencer zu benutzen eignete ich mir eine ganz andere Arbeitsweise an. Nämlich jede Spur einzeln und direkt als Audiospur aufzunehmen.
Die einzelnen Geräte gehen natürlich trotzdem erstmal in meinen Analogmixer und von dort in den Rechner.Jede Kick, jede Snare, jeder Synth alles nehme ich einzeln als Audiospur auf. Mehr Arbeit, und vorrausplanung nötig, aber so konnte ich dann nachträglich jede einzelne Spur mit Vst Effekten und EQs und Kompressoren bearbeiten wodurch ein viel professionellerer und abgestimterer Gesamtsound möglich wurde. Teilweise benutze ich auch noch externe Effektgeräte. Also ich bin mit dieser Arbeitsweise sehr zufrieden. Damals mit dem Atari hatte ich diese tollen Möglichkeiten gar nicht.
 
Heute kommt man mit allen Arten(Soft, Hard, Beides) zum Ziel. Wichtig ist dass dir die Arbeitsweise Spaß macht. Deine Musik wird immer deine Musik bleiben, egal was für ein Werkzeug du dir aus suchst.
 

Rastkovic

PUNiSHER
Melodie ist spätestens irgendwann Mitte der 2000er mit dem Auftreten von Electro-House außer Mode gekommen.

Vorher wurde die Melodie zumindest im Trance in Ehren gehalten. :heul:


Gute Melodien schreiben die nicht kitschig klingen ist aber auch echt nicht einfach, vor gut 15 Jahre hatte ich mich mit mäßigen Erfolg mal dran versucht.

Kurze Zeit später war das dann hier meine Devise....


Turntablerocker - No Melody
 


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