Exponentieller vs. linearer VCA??

Dieses Thema im Forum "Modular" wurde erstellt von lfo2k, 16. Juli 2015.

  1. lfo2k

    lfo2k aktiviert

    Hey,

    ich hab bei meinem Modularsystemkauf ein Doepfer A-131 (also exponentiel) aufs auge bekommen.

    Exponentiel soll ja eher für Audio geeignet sein, und linear mehr für Steuerspannungen. Da ich in der Modularwelt noch brandfrisch bin, verstehe ich die Zusammenhänge da noch nicht.

    Ich weiß bisher nur, dass ich den VCA mit der Steuerspannung meines ADSR füttere um eine Hüllkurve für den an den Audio-Eingängen anliegenden Sound bekomme, und dass der VCA coole Geräusche von sich gibt, wenn ich ihn mit wahllosen Steuerspannungen bediene :)

    Mir scheint also, da ich den A-131 mehr für Steuerspannungen nutze, ich den falschen habe und eher den A-130 brauche???

    Bitte entwirrt mich :)
     
  2. Exponentiell reagierende VCAs braucht man, weil unser Gehör einen linearen Signalspannungsanstieg nicht als linearen Lautheitsanstieg wahrnimmt. Um eine Lautheitsverdoppelung zu bekommen muss sich die Signalspannung exponentiell ändern.

    Exponentiell VCAs verwendet man nur für Audiosignale, und nur wenn die Steuerspannung selbst linear ist. Typisch: LFO-Modulation der Lautstärke, oder Velocity für Anschlagsdynamik.
    Lineare VCAs verwendet man bei Audiosignalen, wenn die Steuerspannung selbst schon exponentiell agiert (dann braucht das VCA selber nicht mehr exponentiell zu reagieren). Die exponentielle Steuerspannung schlechthin ist der Envelope. Also gehört der Lautstärke-Envelope an ein lineares VCA.

    Linear und exponentiell sollte man nicht durcheinanderbringen mit gleichspannungsgekoppelt und wechelspannungsgekoppelt (englisch: DC-coupled vs AC-coupled). Während lin/exp sich darauf bezieht, wie das VCA auf die Steuerspannung reagiert, geht es bei DC vs AC darum, wie das VCA das Nutzsignal überträgt.

    AC-gekoppelte VCAs können statische oder sehr langsam sich ändernde Steuerspannungen nicht übertragen.
    DC-gekoppelte VCAs sind zum Regeln von Steuerspannungen geeignet (Beispiel: Velocity soll die Stärke einer langsamen LFO-Modulation steuern). Für die Regelung von Steuerspannungen nimmt man IMMER lineare VCAs.



    (Disclaimer: natürlich muss man sich nicht an diese Regeln halten, aber bevor man es anders als üblich macht, darf man ruhig verstehen, warum es üblicherweise so gemacht wird.)
     
  3. subsidence

    subsidence aktiviert

    Nimm doch den A-132-3. Dann hast du zwei VCA, die du zwischen linear und exponentiell umschalten kannst.
     
  4. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Prima erklärt!
    Toll ist es, wenn man die Charakteristik einfach per Kippschalter wählen kann.
    [​IMG]
     
  5. lfo2k

    lfo2k aktiviert

    Danke für deinen sehr eingehenden Beitrag Fanwander.

    Ich verstehe das leider trotz Deiner Erklärung noch nicht ganz. Doepfer schreibt:

    "Für Audio-Anwendungen wird meist ein exponentieller
    VCA (A-131), für Steueranwendungen ein linearer
    VCA (A-130) eingesetzt"

    Ich hab Mühe das zu verstehen, weil ich ja mit der Steuerspannung das Audio manipuliere. Ob nun LFO, oder ADSR. Es beeinflusst doch beides das Audio-Signal :-|

    Wenn ich das nun versuche stark vereinfacht versuche zu verstehen dann halte ich mich einfach an:

    A-130 für ADSR
    A-131 für Laut leise LFO Modulationen????
     
  6. Zotterl

    Zotterl Guest

    Mit dieser Vereinfachung wirst Du nicht glücklich, bzw. schließt vieles damit aus,
    was wiederum nicht Sinn eines Modularsystems ist. Apropos Vereinfachung:
    Nimm den A131 für "normalen" Audio-Signalweg. Für z. B. perkussive Sachen den A130...
    ...aber das ist eben auch nur ein "Ausschlußverfahren".

    Versuch doch einfach mal selbst mit den beiden Modulen zu spielen.
    Im Musikladen oder bei Freunden.
     
  7. Das ist leider nicht exakt beschrieben. Ich schimpf Dieter gleich morgen mal... ;-)




    Das meint Dieter nicht (leider beschreibt er da unsauber).

    Ein VCA hat ein "Signal" das geregelt wird, und eine Spannung, die die Regelung bestimmt. Das "Signal, das geregelt wird" ist häufig ein Audiosignal. Aber das "Signal" kann auch selbst irgendeine Modulationsspannung sein, deren Umfang per VCA geregelt wird. (Beispiel ein LFO soll vibrato machen, dessen Stärke per Modwheel regelbar sein soll. Also gibt man das LFO in ein VCA in den Signaleingang, die Spannung vom Modwheel an den Kontrolleingang des VCA, und das geregelte LFO-Signal holt man sich am VCA-Ausgang ab.

    Wenn dieser zweite Fall zutrifft, dann wird man immer ein lineares VCA verwenden, egal was die Kontrollspannung ist.

    Nur wenn man ein Audiosignal regelt, dann wird man ein exp. VCA im Fall einer linearen Kontrollspannung (LFO, Velocity, etc) nehmen, und ein lin VCA im Fall eine exponentiellen Kontrollspannung (=ADSR).
     
  8. lfo2k

    lfo2k aktiviert

    Mit: "Ich hab Mühe das zu verstehen, weil ich ja mit der Steuerspannung das Audio manipuliere. Ob nun LFO, oder ADSR.
    Es beeinflusst doch beides das Audio-Signal :-|"


    meinte ich auch meine eigenen Gedanken, nicht Dieters Beschreibung :)

    Ich glaub stifte totale Verwirrung :D

    Also nach deinem letzten Beitrag festigt sich das Wissen.

    Linear um Steuerspannungen zu modulieren, und exponentiell um echtes Audio zu manipulieren.

    Bitte sag dass ich das jetzt richtig kapiert hab :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
     
  9. [quote="lfo2k]
    Linear um Steuerspannungen zu modulieren, und exponentiell um echtes Audio zu manipulieren.

    Bitte sag dass ich das jetzt richtig kapiert hab :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:[/quote]
    Fast, es gibt drei Sachverhalte:
    * Linear um Steuerspannungen mit Kontroll-Spannungen beliebiger Charakteristik zu modulieren
    * Linear um Audio mit exponentiellen Kontroll-Spannungen zu modulieren
    * Exponentiell um Audio mit linearen Kontroll-Spannungen zu modulieren
     
  10. dislo

    dislo aktiviert

    ansich finde ich diese erklärung sehr gut. nur das "nur" stört mich.
    man kann ja auch damit experimentieren eine exponentielle steuerkurve in einen exponentiellen vca zu patchen, um einfach mal zu hören wie es so ist den exponentiellen effekt zu quadrieren. sehr punchy wahrscheinlich, aber vllt ist es das nachdem man gesucht hat...
     
  11. Ich hab ja auch extra geschrieben, "(Disclaimer: natürlich muss man sich nicht an diese Regeln halten, aber bevor man es anders als üblich macht, darf man ruhig verstehen, warum es üblicherweise so gemacht wird.)".




    Im Gegenteil. Es ist fizzelig und dünn. Die Leute denken immer "punch" wäre identisch mit hoher Dynamik. Das ist falsch. "Punch" ist die Klangänderung (also die Frequenzgangänderung), die man von einer hohen Lautstärkedynamik erwartet, bei einer geringen(!!!) Lautstärkedynamik zu hören. Im Prinzip hat eine Gate-Hüllkurve einen höheren Punch als eine perkussive Decay-Hüllkurve.
     
  12. dislo

    dislo aktiviert

    nehm ich so mit, klingt plausibel :)

    abgesehen davon, kommt es beim attack wahrscheinlich eh nicht zu einer quadratur. wenn die attack logharithmisch und der vca exponentiell ist, müsste sich das einfach wieder zu linear ausgleichen...
    die quadratur passiert wohl eher beim release (das ja im gegensatz zum attack meist exponentiell ist), und dann ist klar dass das signal schneller weg ist. also stimmt, wird wohl nicht punchy...
     
  13. Sind denn die ADSRs tatsächlich alle exponentiell (z.B. A-140)? War mir garnicht bewusst. Was mach ich denn, wenn ich die Hüllkurve z.B. zum Pannen von links nach rechts
    verwenden will, das will ich doch linear machen?
     

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