Modulette
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Sorry, langer Text! Aber ich wollte meine Erfahrung vom ersten Live-Act vor großem Publikum mal teilen, und vielleicht kann der eine oder andere was mitnehmen. Viel Spaß!
KAPITEL 1 – WIE ES DAZU KAM
Vor ein paar Wochen bekam ich eine Einladung, auf einem ausverkauften Techno-Festival in Norddeutschland zu spielen.

Zum Hintergrund: Ich habe Jahrzehnte und über 1000 Stunden Cluberfahrung als DJ, vor allem als Resident-DJ von 1997 bis 2013, jedes Wochenende vor 600 bis 1200 Leuten. Manchmal habe ich auch Drummachines mit auf die Bühne genommen, um meine DJ-Sets zu ergänzen, und ich lege immer noch zwei- bis dreimal im Jahr auf, wenn es passt.
Ich mache Musik, um Balance im Leben zu haben. Ich habe zwei wunderbare Töchter, eine tolle Ehe-Frau und einen fordernden IT-Job, bei dem ich manchmal tagelang unterwegs und weg von zu Hause bin. Ich produziere und jamme jetzt seit etwa 20 Jahren, mit längeren Pausen – irgendwann habe ich zwei Jahre gar nichts gemacht. Ich habe sogar auf Flash Recordings veröffentlicht, konnte aber nie volldurchziehen wegen Arbeitsbelastung und Verantwortung. Und jedes Mal, wenn die Musik zu weit weggedriftet ist, hat mir ein großer Teil gefehlt. Irgendwann war da diese große Leere und das Gefühl, aus der Balance zu sein, und ich bin immer wieder zurückgekommen.
Eines der Dinge, von denen ich aber wirklich geträumt habe, war, live vor Publikum zu spielen. Ich habe Hunderte Stunden aufgenommene Jams im Studio und mit Freunden. Manche großartig, manche mies, manche ok. Aber nie ein komplettes Set vor einer Menge, am Stück gespielt, wo man nicht pausieren kann, nichts korrigieren kann und über eine lange Strecke organisiert und kreativ bleiben muss. Wo es heißt: alles oder nichts.
Wo am Ende Tomaten fliegen – oder Blumen!
Also sagte ich den Veranstaltern: Ich spiele kein DJ-Set. Ich spiele live! Ein paar wenige Wochen vor dem Festival.
Ich brauche Deadlines und funktioniere am besten unter Druck. Dann laufe ich zur Höchstform auf. Aber es ist stressig. Ist halt so.
Ich sagte mir also : Los geht's!
"Tomaten oder Blumen!"
KAPITEL 2 – DAS KONZEPT
Also fing ich an, ein Konzept zu entwickeln, wie ich auftreten wollte.
Von der DJ-Seite kommend habe ich mich immer selbst gepusht und brauchte etwas Besonderes. Auf drei Decks spielen in den frühen 2000ern, Loops mit dem C-Loops-Sampler einbauen, die Effekte am Pioneer-Mixer dynamisch und rhythmisch spielen, Tracks mit zwei Kopien doppeln. Es war immer mein eigener Anspruch, etwas Besonderes zu liefern, dem Publikum etwas zu geben, das es zu Hause nicht erlebt. Zwei Tracks ineinander zu mixen war mir nicht genug.
Und die Jahre als Resident-DJ hat mich noch etwas anderes gelehrt: Es muss eine Reise sein. Höhepunkte und hohe Intensität, ja, aber auch das Publikum spüren, den Druck rausnehmen und abwechslungsreich bleiben. Denn wenn man die Intensität dann hochzieht, hat es so viel mehr Wirkung. Wenn alles Höhepunkt ist, dann ist es flach!
Das Konzept musste also sein: dynamisch, improvisiert, damit ich auf die Leute reagieren kann, und natürlich Spaß machen.
Die TR-1000 hatte ich schon ein paar Monate. Diese Dame hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet, aber sie war andererseits auch die Maschine, die ich immer wollte. Elektrons sind großartig und ich hatte über die Jahre fast alle, aber vom Performance-Standpunkt haben sie nie zu mir gepasst. Das ist ein persönliches DIng. Aus der DJ-Welt kommend – Fader fahren, an Knöpfen drehen, jeden Kanal vor sich haben, in Sekundenbruchteilen reagieren, wenn eine kreative Idee kommt, und sie ausführen, ohne nachzudenken – dafür ist die TR-1000 die Antwort, nach der ich immer gesucht habe. Also wurde der Live-Act um sie herum gebaut.
Also: TR-1000 als zentrales Instrument, die anderen Synths in den External In. Das andere entscheidende Puzzleteil war das Modularsystem. Hier konnte ich das Instrument genau so bauen, wie ich es wollte. Ich habe mein kleineres portables 6U-2x104-Case (208 HP) aus dem Schrank geholt und ein paar Module aus meinem großen Doepfer-Monster-Case reingeschraubt. Vier Stimmen, Effekte, ein Matrixmixer. Fürs Sequencing habe ich den OXI One genommen.
Ich bin durch ungefähr 50 Iterationen auf ModularGrid gegangen und habe sogar einige Module gekauft. Und es gab immer etwas, das nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt oder geplant hatte, sobald ich anfing, im Studio damit zu spielen.
Die Zeit lief!

KAPITEL 3 – DER K(R)AMPF
Und wie gesagt: Ich jonglierte Familienleben und einen fordernden Job. Und das Modular war nicht die einzige Baustelle.
Eines der wichtigsten Dinge ist, den Sound richtig hinzubekommen um nicht gegen die DJs vor und nach dir unterzugehen, die gemasterte Tracks spielen. Vor allem der Bassbereich musste auf den Punkt sein. Kick und Bass mussten perfekt sitzen.
Ich habe viele Ansätze probiert. Im Studio mochte ich den Bass aus dem DFAM, entweder allein oder gestimmt und vom OXI sequenziert. Aber ich habe die Idee aus vielen Gründen verworfen: Er muss warmlaufen, ein kleiner Stoß am Tune-Reger und er ist verstimmt und sitzt nicht mehr mit der Kick, und er braucht Sidechain. Den Sidechain habe ich über den External In der TR-1000 gemacht, aber das heißt eben auch: Alles, was in die TR-1000 geht, wird geduckt.
Also: DFAM raus, SH-01A rein.
Der SH-01A ist großartig. Kompakt, klingt wie das Original, hat Patch-Speicher und verstimmt sich nicht. Den Sinus des Filters zu nutzen (Filter zu, volle Resonanz, volles Keytracking ergibt bereits perfektes Tracking – ein C ist ein C!) gibt einen richtig schönen Sub-Bass. Und wenn der OXI Programmwechsel schickt, hast du immer den Basssound, den du brauchst, von einer Bedienstelle aus. Das funktionierte, und Basslines mit dem OXI zu bauen macht super Spaß und ist kreativ.
Aber dann merkte ich beim Spielen: Ich bin zu langsam.
Für Breaks muss ich auf zwei Maschinen muten, und manchmal vergaß ich, die Bassline zu muten, wenn ich die Kick mutete. Selbst mit mehr Übung war das zuviel, weil ich meine Hände woanders brauchte, zum Beispiel am Modular. Und obendrein: Der SH-01A war ins Modular gepatcht, mit den anderen Quellen gemischt, und die Summe ging in den External In der TR-1000 – also traf das Sidechain-Ducking wieder alle Stimmen. Immer pumpen ist auch doof.
Das hieß: Okay, die Basslines müssen in die TR-1000. Das ist die einzige Lösung. Weniger kreativ, langsamer zu bauen – aber so viel besser zu performen.
Aber da fing der "Spass" auch an. Klickende Hüllkurven, undKlangerzeuger bei tiefen Frequenzen, Klicken durch zu viel Sidechain, Loops die nicht richtig spielten, und so weiter. Mit viel probieren und umfahren der Schwachstellen. Passte es dann einigermaßen. Hier war der Weg dann gesetzt.
Ich habe daraufhin Sample-Chains mit verschiedenen Bass-Sounds erstellt – den DFAM gesampelt + andere Synths und Samples aus meiner Library. Die Samples dann miit dem TR-1000-Filter gefiltert, die Hüllkurven fein eingestellt und dann die verschiedenen Slices sequenziert. Die Kits wurden am Ende eine Kombination aus einer Bassline auf dem Snare-Kanal oder als Layer B auf dem Kick-Kanal mit langer Attack-Hüllkurve (Sidechain Ducking Ersatz) + manchmal mit einem Sägezahn-LFO auf dem Filter umd noch mehr Bewegung in die Bass-Sequenzen zu bekommen.
Das hat viele Nachtschichten gekostet und oft war ich nicht zufrieden. Es war bis buchstäblich zum letzten Moment eine Baustelle.
Und die TR-1000 hatte weiterhin jeden Tag eine andere Laune. Ich habe Kits überschrieben, Trigs spielten noch obwohl gelöscht, Freezes von Zeit zu Zeit mit Fortschritts-Verlust, ich lief in Sample-Slot-Limits und so weiter. Backups haben Zeit gekostet. Die Zeit lief.
"Tomaten oder Blumen!?"
Dann fuhr ich mit der Familie in den Urlaub und nahm das halbfertige Setup mit. Ich spielte ein Ambient- und Techno-Set auf einer privaten Party mit Freunden. Kein Druck, und jederzeit die Option, eine Pause zu machen. Es war zwei Wochen vor dem Gig, und ich merkte, dass vieles nicht funktionierte. Von der Organisation der TR-1000 (ich nutzte im Grunde ein Pattern/Kit und improvisierte darüber) bis zum Spielen mit dem Modular und den Basslines.

Eine große Erkenntnis: Das Mischen mit dem Matrixmixer des Modulars war nicht gut. zu langsam, weil es immer eine "Prefader" Konfig ist und man dann zwei Regler (dry+ Effect Send) auf Null drehen muss um den Sound zu muten und auch manchmal zu matschig vom Sound her. Das war eindeutig in die Richtung Tomaten als Resultat.
Zurück zu Hause bestellte ich sofort den Intellijel Jellymix und hatte Glück noch einen bei Elevator Sound UK zu bekommen, da überall in der EU ausverkauft. Zoll = aua, aber wunderbare Leute – sie haben sogar eine Karte in den Karton gelegt und mir Glück für den Gig gewünscht! Der Jellymix hat sofort geholfen! BIG UPGRADE !

Ich habe daraufhin das Modular-Case neu konfiguriert und Delay- und Reverb-Modul in ein kleines 41-HP-Case gepackt. Das stand nun genau neben dem Jellymix. Ich habe auch die vierte Stimme (Plaits) aus dem Modular rausgenommen, um es simpler zu machen. In meinem Kopf funktionierte es nun viel besser, wie Jonglieren mit drei Plattenspielern: zwei Stimmen laufen, die dritte reinmixen, eine raus, und so weiter. Alles war viel klarer und besser strukturiert.
Aber ich hatte immer noch nicht genug Flow.
Die TR-1000 bereitete mir weiter Kopfzerbrechen. Bei intensiver Arbeit und beim Editieren von Kits kamen immer wieder die Freezes. Manchmal liefen OXI und Modular aus dem Sync, weil die Clock der TR-1000 einen Wackler machte. Das hieß : Start/Stop drücken und der Sync war wieder da . Kann man in die Performance integrieren.
Die TR-1000 musste die Master-Clockj sein. Im Slave-Modus kann ich sie wegen der Latenz nicht dynamisch genug spielen.
Weitere Herausforderungen die ich umschiffen musste :
Die Zeit läuft.
KAPITEL 4 – MEIN BRUDER KOMMT DAZU
7 Tage vor dem Festival wurde der Timetable veröffentlicht.
Ich bekam den Closing-Slot von Tag 1 (zweitägiges Festival). 22:00 bis 00:00. Zwei Stunden!!! Der einzige Live-Act zwischen 20 DJs.
Uff.... !
Mein Kopf: „Was mache ich zwei Stunden lang? Im Moment kriege ich es nicht mal hin 20 Minuten interessant genug zu sein. Ich bin zu langsam, um schnell genug zu reagieren. Der Sound ist nicht konsistent genug. Die TR-1000-Lady hat oft schlechte Laune.
Muss ich absagen?"
"Nein. Das bin ich nicht. Es wird klappen, es klappt immer!"
„Aber du hast so etwas noch nie gemacht! Stell dir die Leute vor, die dafür bezahlt haben. Es ist die einzige Bühne und du vergraulst sie zwei Stunden lang. Und was werden die jungen DJs von dir denken, dem alten Loser, der stramm auf die 50 zugeht? Die werden über dich lachen, wenn du mit dem ganzen Equipment ankommst, und Du dann nur Grütze dabei rauskommt ! Du wirst das nie wieder machen und monatelang leise im Bett weinen!"
Aber das bin ich auch nicht! Wenn ich es nicht versuche, werde ich es immer bereuen. Lieber nach dem Versuch scheitern als es nie zu versuchen und für immer zu scheitern. Ich ziehe das durch!
"Zwei Stunden. Tomaten oder Blumen!"
Am Abend nach dem Timeslot-Release sprach ich mit meinem Bruder darüber. Er hat keine Ahnung von Techno, aber er ist Musiker. Klassisch am Klavier ausgebildet, spielt Bass in einer Jazzband, produziert Hip-Hop. Musikalisch hat es zwischen uns nie richtig geklickt, was immer ein bisschen traurig war. Es ist einfach nie passiert, ich weiß nicht warum.
Er sagte: „Ich komme rüber, ich helfe dir, wie ich kann."
Er kam mit seinem Sequential Pro 3, und dann fragte er, ob er mit auf die Bühne kommen könnte, mir etwas Luft verschaffen und hier und da ein paar Sachen spielen.
Ich war einverstanden. Was haben wir zu verlieren? Schlimmstenfalls fliegen nicht alle Tomaten auf mich alleine zu !
KAPITEL 5 – FÜNF TAGE BIS ZUM GIG
Tagsüber: voller IT-Job. Abends: ein bisschen Familienzeit. Dann rein in die Nacht, mit meinem Bruder am Live-Set arbeiten. Schlaf = eher weniger.
Ich hatte mein Konzept nicht fertig, zusammen hatten wir auch keins, und es gab immer noch viele technische Dinge, die nicht funktionierten. Also arbeiteten wir an vielen Baustellen gleichzeitig.
Der Pro 3 , den mein Bruder spielte ist ein großartiger Synth, aber irgendwie passte er nicht zu den Sounds, die ich im Kopf hatte. Wir probierten es zwei Tage, bis ich sagte: "Sorry Mann, ich weiß nicht. Es klingt einfach nicht nach Techno. Ich weiß, du wirst nicht begeistert sein, aber probier mal den Virus TI. Ich zeig dir ein paar Patches".
Er war nicht begeistert. Drei Tage vor dem Auftritt einen komplexen neuen Synth lernen. Aber ich habe ihn überzeugt, indem ich ihm was vorgespielt habe. Der Virus ist so ein großartiger Techno-Synth. Er willigte ein.
ABER : ...dann das nächste Problem: Der Pro 3 hatte einen Sequencer, der Virus nicht! Mein Bruder ist also ins Auto gestiegen und ist 300 km gefahren, um einen gebrauchten Hapax zu kaufen.
Die Zeit lief.
"Tomaten oder Blumen."
2 Tage noch bis zum GIg. Nichts funktioniert. Wir versuchen zu jammen, kriegen aber keinen Flow. Mein Bruder kämpft mit dem Virus im Multi-Modus. Die Pegel stimmen nicht, er kommt zu laut rein (das würde Leute auf dem Dancefloor an einer großen PA die Ohren killen). Der Hapax muss auch beherrscht und gelernt werden. Patches müssen am Virus angepasst werden und und und....
Ich suche außerdem nach Lösungen für Übergänge, baue Kits und Patterns und justiere immer wieder an den Basslines und Kicks. Die TR-1000 ist zwei Tage vorher eine doofe Zicke: Beim Kopieren von Kits (mit jeweils 4x 16 Slots für die Sample-Chains) laufe ich in Sample-Slot-Limits. Heißt also : Neu organisieren. Neues Projekt. Pegel anpassen. Backups machen, damit ich keinen Fortschritt verliere usw.
Das kostet alles Zeit. Zeit, die nicht in das Wichtigste fließt: jammen und einen Flow finden. Ich meine, verdammt – zwei Stunden! Und wir hatten nicht einen guten 10-Minuten-Jam!
Die Nerven sind auf dem absoluten Tiefpunkt. Mein Bruder geht plötzlich eine Stunde spazieren. Er fragt mich sogar, ob er überhaupt mit auf die Bühne soll. In dem Moment ergab das sogar Sinn.
Aber das bin ich nicht. Nein, nein, nein! Wir stecken jetzt zusammen drin. Wir gewinnen oder verlieren zusammen!
1 Tag bis zum Gig. Langsam bekomme ich Struktur in die TR-1000. Ich baue 12 Kits und ein paar Basis-Patterns als Startpunkte. Variation A ist Kick und Bass. Variation H ist leer für den vollen Breakdown. Die anderen sind komplette Kopien, damit ich Spuren löschen kann, wenn ich andere Kombinationen im Moment brauche. Die Morph Scene ist gebaut und ich habe ein paar Fills programmiert.
Die Pegel stimmen von Pattern zu Pattern immer noch nicht und ich bin mit dem Sound nicht super glücklich. Die Ohren werden müde. Mein Bruder kämpft weiter mit dem Virus und dem Hapax.
Aber wir setzen uns hin, um den Sound in den Griff zu bekommen, und ich entscheide, die Hälfte meiner Mixbus-Geräte mitzunehmen. Der Zähl EQ 1 strafft den Bassbereich extrem gut, der Bugbrand Stereo Compress klebt alles schön zusammen, und der Elysia xmax qube bringt die Lautheit. Ja, viel mehr zu schleppen (ursprünglich hatte ich nur den xmax geplant), aber es war keine Zeit mehr da und das Ergebnis war sofort hörbar.
Wir haben schließlich keine Erfahrung. Wir wissen nicht, was kommt. Verdammt, wir wissen nicht mal, ob wir genug Platz haben werden. Also nehmen wir Keyboardständer mit.
Dann, 28 Stunden vor dem Gig, mit allem irgendwie halbgar funktionierend, fangen wir an zu jammen, um einen Flow zu kriegen und Übergänge zu üben. Und dann: NÄCHSTER GROSSER SCHOCK!
Ich wusste vom Audio-Gap-Bug der TR-1000, hatte aber den etwas naiven Gedanken, dass er den externen Audioeingang nicht betrifft. Aber Patternwechsel mit Kits „audio-gappen" auch das externe Audio! Das hieß: kein Kaschieren mit meinem Modular und dem Virus in diesem Fall möglich !
Bedeutet : Kompletter Umbau und strukturelle Neuordnung. Vorher ging alles von den Synths in den Jellymix und dann in die TR-1000. Jetzt mussten wir auf dem Jellymix einen Kanal vom Virus meines Bruders rausnehmen, diesen für die TR-1000 nutzen. Hatte auch den Vorteil, dass wenn die TR-1000 mal "freezen" sollte, wir noch mit dem rest des Setups weiterspielen können.
Die Umstrukturierung hieß weitere stundenlange Arbeit, tief in die Nacht. Das bedeutete auch, Pegel und Kits wieder neu auszubalancieren. Ich habe außerdem einen leichten Kompressor (-2 dB) auf den internen Master-MFX aller Kits der TR-1000 gelegt, was auch noch einmal paar Prozente für den Sound brachte.
Wir haben bis 3 Uhr morgens gearbeitet. Das Festival startete um 14 Uhr – in 11 Stunden. Wir gingen mit absoluter Ungewissheit schlafen. Im Grunde hatten wir nicht einen einzigen funktionierenden Jam gespielt. Von Flow keine Spur !
Tomaten waren nun viel wahrscheinlicher als Blumen.
KAPITEL 6 – ANKUNFT UND AUFBAU
Nach ein bisschen Schlaf wurde der Morgen zum Packen genutzt. Das dauerte länger als geplant, aber die (sehr zu empfehlende) Thomann-Equipmenttasche war Gold wert – alles war transportsicher gepackt.

Wir kamen um 12:00 Uhr am Festival an. Die Bühne war in einem Zirkuszelt, in einem großen Käfig, der sicher war, und zum Glück hatten wir genug Platz für unser ganzes Zeug.
Wir fingen an, alles zu verkabeln. Ich hatte die meisten Kabel beschriftet, aber es dauerte trotzdem, weil uns die Erfahrung in so einer Situation fehlte. Das Festivalpersonal war super nett und sehr hilfsbereit. Ich spürte hohe Erwartungen, als sie sahen, was wir da so aufbauten.
Wir waren um 13:30 Uhr fertig, dann kam schon der erste DJ und wollte sich einspielen. Ich konnte etwas Zeit rausholen und wir hatten vielleicht 5 Minuten zum Testen.
Erstmal: großer Schock. Die Anlage war massiv und der Bass hat mich fast aus dem Zelt gehauen. Mein Bruder hat noch mit dem FOH-Mann die Anlage eingestellt und es war dann okay. Aber wir hatten im Grunde keinen richtigen Soundcheck für uns selber.

Und das Festival begann.
Ich verabredete mit meinem Bruder: Ich starte und spiele mich ein, er steht auf dem Dancefloor und korrigiert bei Bedarf den Sound mit dem Zähl EQ1. Das Monitoring in der Booth war top. Aber verdammt, war das laut. Die DJs haben die ordentlich aufgedreht.
Jetzt hatten wir 8 Stunden Zeit bis zum Gig. Ich nahm meine Kopfhörer und habe weiter an der TR-1000 gearbeitet, sogar Kits und Patterns gebaut, weil beim Zuhören der DJ-Sets Ideen aufkamen.
In einem Moment stand ich da und dachte: Was machst du hier eigentlich?! Kits und Patterns bauen? Aber was sollte ich schon tun ?
Aber irgendwie war ich auch seltsam entspannt. Das ist bei mir in Drucksituationen immer so. Ich lass es auf mich zukommen und bin ruhig & finde Lösungen. Ich bin sogar zwei Stunden mit dem Auto gefahren, um Gehörschutz für meinen Bruder, Kopfschmerztabletten und was zu essen zu besorgen.
Das Festival füllte sich. Das Tempo war hoch. Mein Plan war, 140 BPM zu spielen, aber die DJs davor gingen auf 145.
Ich dachte: Ich spüre Skepsis und die Intensität ist oft sehr hoch. Wir werden die Intensität sowieso von Zeit zu Zeit runternehmen, um eine Reise zu schaffen und Höhepunkte zu haben. Wenn ich auch noch im Tempo runtergehe, ist das vielleicht zu viel!?
Das Publikum ist eine Mischung aus jung und alt, aber trotzdem – vielleicht wäre das Tempo auch noch runterzunehmen ein Schritt zu weit. 145 BPM dann!
KAPITEL 7 – SHOWTIME
22:00 Uhr. Es ist soweit.
"Tomaten oder Blumen!?"
Das Publikum weiß nicht, was kommt. Ich auch nicht!
Ich starte mit einem Drone-Sound aus dem Modular und baue dann mit der TR-1000 langsam den Groove auf. Mein Bruder geht auf den Dancefloor um den Sound zu checken Der Bassbereich war schon bei den DJs sehr massiv. Er nimmt -2,5 dB bei 120 Hz raus und -1,5 dB bei 10k, um die Höhen etwas angenehmer zu machen.
Kick und Bass werden knackig!!! Der Sound ist hervorragend. Überraschend hervorragend! Die TR-1000 knallt! Ich justiere den xmax und kitzle den Softclipper. Der Sound ist sogar besser als bei den DJs vorher – und wir sind punchy und druckvoll !
Die Reise beginnt.
Wir hatten entschieden, dass ich mich die ersten 30 Minuten einspiele und er dann dazukommt, um mich zu unterstützen. Ich komme mehr und mehr rein. Die Leute sind überrascht, und man spürt es: Das hier ist anders.
Nach 30 Minuten : ich bin eins mit der TR-1000 und dem Modular. Ich spiele die Fader, haue Fills rein, erzeuge Sequenzen + Sounds auf dem Modular und der TR-1000 "on-the-fly". Eine Idee jagt die nächste. Ich habe meine DJ-Kopfhörer um den Hals zum Vorhören – und benutze sie kein einziges Mal. Keine Zeit! Live-Arrangement, Sounddesign und Sequencing gleichzeitig lassen kein Vorhören zeitlich zu. Ich würde dann auch ins Zweifeln kommen und müsste entscheiden. Also : Volles Risiko! Aber es funktioniert!
Die DJs und ihre Freunde kommen in die Booth, machen Videos, staunen. Das Publikum stürmt ins Zelt. Ich bin im Flow-Modus. Eine Idee nach der anderen kommt, und sie funktionieren. Die Stimmung ist super und die Crowd macht mit.
Mein Bruder kommt dazu und fängt an zu spielen, um mir Luft zu verschaffen. Wir kommunizieren: wann ich mich zurückziehe und er reinkommt, wann die Intensität hoch und wann runter geht. Er kommt auch in den Flow! Es ist, als hätten wir jahrelang zusammen gespielt!
Wir sind in einem totalen Tunnel. Am Ende frage ich meinen Bruder: Wie lange noch bis Schluss? Er sagt: 5 Minuten. Ich kann es nicht glauben. Es fühlt sich an wie maximal eine Stunde.
Finish !
Die Leute applaudieren. Personal und DJs kommen in die Booth, bedanken sich und geben unglaubliches Feedback.

KAPITEL 8 – DAS ENDE
Was für ein Ritt. Ich bin sprachlos. Wie hat das alles noch so hingehauen ? Ich weiß es nicht. Magisch.
Ich umarme meinen Bruder. Wir hatten nie so etwas zusammen erlebt. Wir sind total glücklich und total leer. Ich bin komplett nass geschwitzt. Der ganze Druck ist weg. Was für ein großartiger Moment.
Eine halbe Stunde lang stehen wir einfach sprachlos an der Bar, starren vor uns hin und verarbeiten, was gerade passiert ist. Leute kommen immer noch vorbei und geben "Props".
Wir sind glücklich.

Wir haben die Blumen bekommen!
… und die TR-1000 ist schuld – sie hat den Dancefloor zerlegt! Was für eine Maschine!
Recording :
KAPITEL 1 – WIE ES DAZU KAM
Vor ein paar Wochen bekam ich eine Einladung, auf einem ausverkauften Techno-Festival in Norddeutschland zu spielen.

Zum Hintergrund: Ich habe Jahrzehnte und über 1000 Stunden Cluberfahrung als DJ, vor allem als Resident-DJ von 1997 bis 2013, jedes Wochenende vor 600 bis 1200 Leuten. Manchmal habe ich auch Drummachines mit auf die Bühne genommen, um meine DJ-Sets zu ergänzen, und ich lege immer noch zwei- bis dreimal im Jahr auf, wenn es passt.
Ich mache Musik, um Balance im Leben zu haben. Ich habe zwei wunderbare Töchter, eine tolle Ehe-Frau und einen fordernden IT-Job, bei dem ich manchmal tagelang unterwegs und weg von zu Hause bin. Ich produziere und jamme jetzt seit etwa 20 Jahren, mit längeren Pausen – irgendwann habe ich zwei Jahre gar nichts gemacht. Ich habe sogar auf Flash Recordings veröffentlicht, konnte aber nie volldurchziehen wegen Arbeitsbelastung und Verantwortung. Und jedes Mal, wenn die Musik zu weit weggedriftet ist, hat mir ein großer Teil gefehlt. Irgendwann war da diese große Leere und das Gefühl, aus der Balance zu sein, und ich bin immer wieder zurückgekommen.
Eines der Dinge, von denen ich aber wirklich geträumt habe, war, live vor Publikum zu spielen. Ich habe Hunderte Stunden aufgenommene Jams im Studio und mit Freunden. Manche großartig, manche mies, manche ok. Aber nie ein komplettes Set vor einer Menge, am Stück gespielt, wo man nicht pausieren kann, nichts korrigieren kann und über eine lange Strecke organisiert und kreativ bleiben muss. Wo es heißt: alles oder nichts.
Wo am Ende Tomaten fliegen – oder Blumen!
Also sagte ich den Veranstaltern: Ich spiele kein DJ-Set. Ich spiele live! Ein paar wenige Wochen vor dem Festival.
Ich brauche Deadlines und funktioniere am besten unter Druck. Dann laufe ich zur Höchstform auf. Aber es ist stressig. Ist halt so.
Ich sagte mir also : Los geht's!
"Tomaten oder Blumen!"
KAPITEL 2 – DAS KONZEPT
Also fing ich an, ein Konzept zu entwickeln, wie ich auftreten wollte.
Von der DJ-Seite kommend habe ich mich immer selbst gepusht und brauchte etwas Besonderes. Auf drei Decks spielen in den frühen 2000ern, Loops mit dem C-Loops-Sampler einbauen, die Effekte am Pioneer-Mixer dynamisch und rhythmisch spielen, Tracks mit zwei Kopien doppeln. Es war immer mein eigener Anspruch, etwas Besonderes zu liefern, dem Publikum etwas zu geben, das es zu Hause nicht erlebt. Zwei Tracks ineinander zu mixen war mir nicht genug.
Und die Jahre als Resident-DJ hat mich noch etwas anderes gelehrt: Es muss eine Reise sein. Höhepunkte und hohe Intensität, ja, aber auch das Publikum spüren, den Druck rausnehmen und abwechslungsreich bleiben. Denn wenn man die Intensität dann hochzieht, hat es so viel mehr Wirkung. Wenn alles Höhepunkt ist, dann ist es flach!
Das Konzept musste also sein: dynamisch, improvisiert, damit ich auf die Leute reagieren kann, und natürlich Spaß machen.
Die TR-1000 hatte ich schon ein paar Monate. Diese Dame hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet, aber sie war andererseits auch die Maschine, die ich immer wollte. Elektrons sind großartig und ich hatte über die Jahre fast alle, aber vom Performance-Standpunkt haben sie nie zu mir gepasst. Das ist ein persönliches DIng. Aus der DJ-Welt kommend – Fader fahren, an Knöpfen drehen, jeden Kanal vor sich haben, in Sekundenbruchteilen reagieren, wenn eine kreative Idee kommt, und sie ausführen, ohne nachzudenken – dafür ist die TR-1000 die Antwort, nach der ich immer gesucht habe. Also wurde der Live-Act um sie herum gebaut.
Also: TR-1000 als zentrales Instrument, die anderen Synths in den External In. Das andere entscheidende Puzzleteil war das Modularsystem. Hier konnte ich das Instrument genau so bauen, wie ich es wollte. Ich habe mein kleineres portables 6U-2x104-Case (208 HP) aus dem Schrank geholt und ein paar Module aus meinem großen Doepfer-Monster-Case reingeschraubt. Vier Stimmen, Effekte, ein Matrixmixer. Fürs Sequencing habe ich den OXI One genommen.
Ich bin durch ungefähr 50 Iterationen auf ModularGrid gegangen und habe sogar einige Module gekauft. Und es gab immer etwas, das nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt oder geplant hatte, sobald ich anfing, im Studio damit zu spielen.
Die Zeit lief!

KAPITEL 3 – DER K(R)AMPF
Und wie gesagt: Ich jonglierte Familienleben und einen fordernden Job. Und das Modular war nicht die einzige Baustelle.
Eines der wichtigsten Dinge ist, den Sound richtig hinzubekommen um nicht gegen die DJs vor und nach dir unterzugehen, die gemasterte Tracks spielen. Vor allem der Bassbereich musste auf den Punkt sein. Kick und Bass mussten perfekt sitzen.
Ich habe viele Ansätze probiert. Im Studio mochte ich den Bass aus dem DFAM, entweder allein oder gestimmt und vom OXI sequenziert. Aber ich habe die Idee aus vielen Gründen verworfen: Er muss warmlaufen, ein kleiner Stoß am Tune-Reger und er ist verstimmt und sitzt nicht mehr mit der Kick, und er braucht Sidechain. Den Sidechain habe ich über den External In der TR-1000 gemacht, aber das heißt eben auch: Alles, was in die TR-1000 geht, wird geduckt.
Also: DFAM raus, SH-01A rein.
Der SH-01A ist großartig. Kompakt, klingt wie das Original, hat Patch-Speicher und verstimmt sich nicht. Den Sinus des Filters zu nutzen (Filter zu, volle Resonanz, volles Keytracking ergibt bereits perfektes Tracking – ein C ist ein C!) gibt einen richtig schönen Sub-Bass. Und wenn der OXI Programmwechsel schickt, hast du immer den Basssound, den du brauchst, von einer Bedienstelle aus. Das funktionierte, und Basslines mit dem OXI zu bauen macht super Spaß und ist kreativ.
Aber dann merkte ich beim Spielen: Ich bin zu langsam.
Für Breaks muss ich auf zwei Maschinen muten, und manchmal vergaß ich, die Bassline zu muten, wenn ich die Kick mutete. Selbst mit mehr Übung war das zuviel, weil ich meine Hände woanders brauchte, zum Beispiel am Modular. Und obendrein: Der SH-01A war ins Modular gepatcht, mit den anderen Quellen gemischt, und die Summe ging in den External In der TR-1000 – also traf das Sidechain-Ducking wieder alle Stimmen. Immer pumpen ist auch doof.
Das hieß: Okay, die Basslines müssen in die TR-1000. Das ist die einzige Lösung. Weniger kreativ, langsamer zu bauen – aber so viel besser zu performen.
Aber da fing der "Spass" auch an. Klickende Hüllkurven, undKlangerzeuger bei tiefen Frequenzen, Klicken durch zu viel Sidechain, Loops die nicht richtig spielten, und so weiter. Mit viel probieren und umfahren der Schwachstellen. Passte es dann einigermaßen. Hier war der Weg dann gesetzt.
Ich habe daraufhin Sample-Chains mit verschiedenen Bass-Sounds erstellt – den DFAM gesampelt + andere Synths und Samples aus meiner Library. Die Samples dann miit dem TR-1000-Filter gefiltert, die Hüllkurven fein eingestellt und dann die verschiedenen Slices sequenziert. Die Kits wurden am Ende eine Kombination aus einer Bassline auf dem Snare-Kanal oder als Layer B auf dem Kick-Kanal mit langer Attack-Hüllkurve (Sidechain Ducking Ersatz) + manchmal mit einem Sägezahn-LFO auf dem Filter umd noch mehr Bewegung in die Bass-Sequenzen zu bekommen.
Das hat viele Nachtschichten gekostet und oft war ich nicht zufrieden. Es war bis buchstäblich zum letzten Moment eine Baustelle.
Und die TR-1000 hatte weiterhin jeden Tag eine andere Laune. Ich habe Kits überschrieben, Trigs spielten noch obwohl gelöscht, Freezes von Zeit zu Zeit mit Fortschritts-Verlust, ich lief in Sample-Slot-Limits und so weiter. Backups haben Zeit gekostet. Die Zeit lief.
"Tomaten oder Blumen!?"
Dann fuhr ich mit der Familie in den Urlaub und nahm das halbfertige Setup mit. Ich spielte ein Ambient- und Techno-Set auf einer privaten Party mit Freunden. Kein Druck, und jederzeit die Option, eine Pause zu machen. Es war zwei Wochen vor dem Gig, und ich merkte, dass vieles nicht funktionierte. Von der Organisation der TR-1000 (ich nutzte im Grunde ein Pattern/Kit und improvisierte darüber) bis zum Spielen mit dem Modular und den Basslines.

Eine große Erkenntnis: Das Mischen mit dem Matrixmixer des Modulars war nicht gut. zu langsam, weil es immer eine "Prefader" Konfig ist und man dann zwei Regler (dry+ Effect Send) auf Null drehen muss um den Sound zu muten und auch manchmal zu matschig vom Sound her. Das war eindeutig in die Richtung Tomaten als Resultat.
Zurück zu Hause bestellte ich sofort den Intellijel Jellymix und hatte Glück noch einen bei Elevator Sound UK zu bekommen, da überall in der EU ausverkauft. Zoll = aua, aber wunderbare Leute – sie haben sogar eine Karte in den Karton gelegt und mir Glück für den Gig gewünscht! Der Jellymix hat sofort geholfen! BIG UPGRADE !

Ich habe daraufhin das Modular-Case neu konfiguriert und Delay- und Reverb-Modul in ein kleines 41-HP-Case gepackt. Das stand nun genau neben dem Jellymix. Ich habe auch die vierte Stimme (Plaits) aus dem Modular rausgenommen, um es simpler zu machen. In meinem Kopf funktionierte es nun viel besser, wie Jonglieren mit drei Plattenspielern: zwei Stimmen laufen, die dritte reinmixen, eine raus, und so weiter. Alles war viel klarer und besser strukturiert.
Aber ich hatte immer noch nicht genug Flow.
Die TR-1000 bereitete mir weiter Kopfzerbrechen. Bei intensiver Arbeit und beim Editieren von Kits kamen immer wieder die Freezes. Manchmal liefen OXI und Modular aus dem Sync, weil die Clock der TR-1000 einen Wackler machte. Das hieß : Start/Stop drücken und der Sync war wieder da . Kann man in die Performance integrieren.
Die TR-1000 musste die Master-Clockj sein. Im Slave-Modus kann ich sie wegen der Latenz nicht dynamisch genug spielen.
Weitere Herausforderungen die ich umschiffen musste :
- Drum-Rolls klangen für mich auch nach einigen Updates immer noch falsch. Und ja, ich habe die Pattern-Einstellungen geprüft. Also: keine Rolls.
- Conditional Trigs? Ich brauche Fills, aber in dem Fall muss sie wieder zur Schule gehen und Mathe lernen, weil sie dann bei FIll-Einsatz durcheinander kommt. Also: keine Conditional Trigs.
- Morph Scenes? Nur eine, weil das Umschalten von Moirph-Scenes während des Spielens (ohne aufwendiges Editieren!) zwei Freezes verursachte. Also nein! Zu viel Risiko !
- Und ich musste mich ständig daran erinnern: Alles läuft durch die TR-1000. Ein Freeze bedeutet Neustart und etwa 30 Sekunden Stille = die Tomaten fliegen auf mich zu!
Die Zeit läuft.
KAPITEL 4 – MEIN BRUDER KOMMT DAZU
7 Tage vor dem Festival wurde der Timetable veröffentlicht.
Ich bekam den Closing-Slot von Tag 1 (zweitägiges Festival). 22:00 bis 00:00. Zwei Stunden!!! Der einzige Live-Act zwischen 20 DJs.
Uff.... !
Mein Kopf: „Was mache ich zwei Stunden lang? Im Moment kriege ich es nicht mal hin 20 Minuten interessant genug zu sein. Ich bin zu langsam, um schnell genug zu reagieren. Der Sound ist nicht konsistent genug. Die TR-1000-Lady hat oft schlechte Laune.
Muss ich absagen?"
"Nein. Das bin ich nicht. Es wird klappen, es klappt immer!"
„Aber du hast so etwas noch nie gemacht! Stell dir die Leute vor, die dafür bezahlt haben. Es ist die einzige Bühne und du vergraulst sie zwei Stunden lang. Und was werden die jungen DJs von dir denken, dem alten Loser, der stramm auf die 50 zugeht? Die werden über dich lachen, wenn du mit dem ganzen Equipment ankommst, und Du dann nur Grütze dabei rauskommt ! Du wirst das nie wieder machen und monatelang leise im Bett weinen!"
Aber das bin ich auch nicht! Wenn ich es nicht versuche, werde ich es immer bereuen. Lieber nach dem Versuch scheitern als es nie zu versuchen und für immer zu scheitern. Ich ziehe das durch!
"Zwei Stunden. Tomaten oder Blumen!"
Am Abend nach dem Timeslot-Release sprach ich mit meinem Bruder darüber. Er hat keine Ahnung von Techno, aber er ist Musiker. Klassisch am Klavier ausgebildet, spielt Bass in einer Jazzband, produziert Hip-Hop. Musikalisch hat es zwischen uns nie richtig geklickt, was immer ein bisschen traurig war. Es ist einfach nie passiert, ich weiß nicht warum.
Er sagte: „Ich komme rüber, ich helfe dir, wie ich kann."
Er kam mit seinem Sequential Pro 3, und dann fragte er, ob er mit auf die Bühne kommen könnte, mir etwas Luft verschaffen und hier und da ein paar Sachen spielen.
Ich war einverstanden. Was haben wir zu verlieren? Schlimmstenfalls fliegen nicht alle Tomaten auf mich alleine zu !
KAPITEL 5 – FÜNF TAGE BIS ZUM GIG
Tagsüber: voller IT-Job. Abends: ein bisschen Familienzeit. Dann rein in die Nacht, mit meinem Bruder am Live-Set arbeiten. Schlaf = eher weniger.
Ich hatte mein Konzept nicht fertig, zusammen hatten wir auch keins, und es gab immer noch viele technische Dinge, die nicht funktionierten. Also arbeiteten wir an vielen Baustellen gleichzeitig.
Der Pro 3 , den mein Bruder spielte ist ein großartiger Synth, aber irgendwie passte er nicht zu den Sounds, die ich im Kopf hatte. Wir probierten es zwei Tage, bis ich sagte: "Sorry Mann, ich weiß nicht. Es klingt einfach nicht nach Techno. Ich weiß, du wirst nicht begeistert sein, aber probier mal den Virus TI. Ich zeig dir ein paar Patches".
Er war nicht begeistert. Drei Tage vor dem Auftritt einen komplexen neuen Synth lernen. Aber ich habe ihn überzeugt, indem ich ihm was vorgespielt habe. Der Virus ist so ein großartiger Techno-Synth. Er willigte ein.
ABER : ...dann das nächste Problem: Der Pro 3 hatte einen Sequencer, der Virus nicht! Mein Bruder ist also ins Auto gestiegen und ist 300 km gefahren, um einen gebrauchten Hapax zu kaufen.
Die Zeit lief.
"Tomaten oder Blumen."
2 Tage noch bis zum GIg. Nichts funktioniert. Wir versuchen zu jammen, kriegen aber keinen Flow. Mein Bruder kämpft mit dem Virus im Multi-Modus. Die Pegel stimmen nicht, er kommt zu laut rein (das würde Leute auf dem Dancefloor an einer großen PA die Ohren killen). Der Hapax muss auch beherrscht und gelernt werden. Patches müssen am Virus angepasst werden und und und....
Ich suche außerdem nach Lösungen für Übergänge, baue Kits und Patterns und justiere immer wieder an den Basslines und Kicks. Die TR-1000 ist zwei Tage vorher eine doofe Zicke: Beim Kopieren von Kits (mit jeweils 4x 16 Slots für die Sample-Chains) laufe ich in Sample-Slot-Limits. Heißt also : Neu organisieren. Neues Projekt. Pegel anpassen. Backups machen, damit ich keinen Fortschritt verliere usw.
Das kostet alles Zeit. Zeit, die nicht in das Wichtigste fließt: jammen und einen Flow finden. Ich meine, verdammt – zwei Stunden! Und wir hatten nicht einen guten 10-Minuten-Jam!
Die Nerven sind auf dem absoluten Tiefpunkt. Mein Bruder geht plötzlich eine Stunde spazieren. Er fragt mich sogar, ob er überhaupt mit auf die Bühne soll. In dem Moment ergab das sogar Sinn.
Aber das bin ich nicht. Nein, nein, nein! Wir stecken jetzt zusammen drin. Wir gewinnen oder verlieren zusammen!
1 Tag bis zum Gig. Langsam bekomme ich Struktur in die TR-1000. Ich baue 12 Kits und ein paar Basis-Patterns als Startpunkte. Variation A ist Kick und Bass. Variation H ist leer für den vollen Breakdown. Die anderen sind komplette Kopien, damit ich Spuren löschen kann, wenn ich andere Kombinationen im Moment brauche. Die Morph Scene ist gebaut und ich habe ein paar Fills programmiert.
Die Pegel stimmen von Pattern zu Pattern immer noch nicht und ich bin mit dem Sound nicht super glücklich. Die Ohren werden müde. Mein Bruder kämpft weiter mit dem Virus und dem Hapax.
Aber wir setzen uns hin, um den Sound in den Griff zu bekommen, und ich entscheide, die Hälfte meiner Mixbus-Geräte mitzunehmen. Der Zähl EQ 1 strafft den Bassbereich extrem gut, der Bugbrand Stereo Compress klebt alles schön zusammen, und der Elysia xmax qube bringt die Lautheit. Ja, viel mehr zu schleppen (ursprünglich hatte ich nur den xmax geplant), aber es war keine Zeit mehr da und das Ergebnis war sofort hörbar.
Wir haben schließlich keine Erfahrung. Wir wissen nicht, was kommt. Verdammt, wir wissen nicht mal, ob wir genug Platz haben werden. Also nehmen wir Keyboardständer mit.
Dann, 28 Stunden vor dem Gig, mit allem irgendwie halbgar funktionierend, fangen wir an zu jammen, um einen Flow zu kriegen und Übergänge zu üben. Und dann: NÄCHSTER GROSSER SCHOCK!
Ich wusste vom Audio-Gap-Bug der TR-1000, hatte aber den etwas naiven Gedanken, dass er den externen Audioeingang nicht betrifft. Aber Patternwechsel mit Kits „audio-gappen" auch das externe Audio! Das hieß: kein Kaschieren mit meinem Modular und dem Virus in diesem Fall möglich !
Bedeutet : Kompletter Umbau und strukturelle Neuordnung. Vorher ging alles von den Synths in den Jellymix und dann in die TR-1000. Jetzt mussten wir auf dem Jellymix einen Kanal vom Virus meines Bruders rausnehmen, diesen für die TR-1000 nutzen. Hatte auch den Vorteil, dass wenn die TR-1000 mal "freezen" sollte, wir noch mit dem rest des Setups weiterspielen können.
Die Umstrukturierung hieß weitere stundenlange Arbeit, tief in die Nacht. Das bedeutete auch, Pegel und Kits wieder neu auszubalancieren. Ich habe außerdem einen leichten Kompressor (-2 dB) auf den internen Master-MFX aller Kits der TR-1000 gelegt, was auch noch einmal paar Prozente für den Sound brachte.
Wir haben bis 3 Uhr morgens gearbeitet. Das Festival startete um 14 Uhr – in 11 Stunden. Wir gingen mit absoluter Ungewissheit schlafen. Im Grunde hatten wir nicht einen einzigen funktionierenden Jam gespielt. Von Flow keine Spur !
Tomaten waren nun viel wahrscheinlicher als Blumen.
KAPITEL 6 – ANKUNFT UND AUFBAU
Nach ein bisschen Schlaf wurde der Morgen zum Packen genutzt. Das dauerte länger als geplant, aber die (sehr zu empfehlende) Thomann-Equipmenttasche war Gold wert – alles war transportsicher gepackt.

Wir kamen um 12:00 Uhr am Festival an. Die Bühne war in einem Zirkuszelt, in einem großen Käfig, der sicher war, und zum Glück hatten wir genug Platz für unser ganzes Zeug.
Wir fingen an, alles zu verkabeln. Ich hatte die meisten Kabel beschriftet, aber es dauerte trotzdem, weil uns die Erfahrung in so einer Situation fehlte. Das Festivalpersonal war super nett und sehr hilfsbereit. Ich spürte hohe Erwartungen, als sie sahen, was wir da so aufbauten.
Wir waren um 13:30 Uhr fertig, dann kam schon der erste DJ und wollte sich einspielen. Ich konnte etwas Zeit rausholen und wir hatten vielleicht 5 Minuten zum Testen.
Erstmal: großer Schock. Die Anlage war massiv und der Bass hat mich fast aus dem Zelt gehauen. Mein Bruder hat noch mit dem FOH-Mann die Anlage eingestellt und es war dann okay. Aber wir hatten im Grunde keinen richtigen Soundcheck für uns selber.

Und das Festival begann.
Ich verabredete mit meinem Bruder: Ich starte und spiele mich ein, er steht auf dem Dancefloor und korrigiert bei Bedarf den Sound mit dem Zähl EQ1. Das Monitoring in der Booth war top. Aber verdammt, war das laut. Die DJs haben die ordentlich aufgedreht.
Jetzt hatten wir 8 Stunden Zeit bis zum Gig. Ich nahm meine Kopfhörer und habe weiter an der TR-1000 gearbeitet, sogar Kits und Patterns gebaut, weil beim Zuhören der DJ-Sets Ideen aufkamen.
In einem Moment stand ich da und dachte: Was machst du hier eigentlich?! Kits und Patterns bauen? Aber was sollte ich schon tun ?
Aber irgendwie war ich auch seltsam entspannt. Das ist bei mir in Drucksituationen immer so. Ich lass es auf mich zukommen und bin ruhig & finde Lösungen. Ich bin sogar zwei Stunden mit dem Auto gefahren, um Gehörschutz für meinen Bruder, Kopfschmerztabletten und was zu essen zu besorgen.
Das Festival füllte sich. Das Tempo war hoch. Mein Plan war, 140 BPM zu spielen, aber die DJs davor gingen auf 145.
Ich dachte: Ich spüre Skepsis und die Intensität ist oft sehr hoch. Wir werden die Intensität sowieso von Zeit zu Zeit runternehmen, um eine Reise zu schaffen und Höhepunkte zu haben. Wenn ich auch noch im Tempo runtergehe, ist das vielleicht zu viel!?
Das Publikum ist eine Mischung aus jung und alt, aber trotzdem – vielleicht wäre das Tempo auch noch runterzunehmen ein Schritt zu weit. 145 BPM dann!
KAPITEL 7 – SHOWTIME
22:00 Uhr. Es ist soweit.
"Tomaten oder Blumen!?"
Das Publikum weiß nicht, was kommt. Ich auch nicht!
Ich starte mit einem Drone-Sound aus dem Modular und baue dann mit der TR-1000 langsam den Groove auf. Mein Bruder geht auf den Dancefloor um den Sound zu checken Der Bassbereich war schon bei den DJs sehr massiv. Er nimmt -2,5 dB bei 120 Hz raus und -1,5 dB bei 10k, um die Höhen etwas angenehmer zu machen.
Kick und Bass werden knackig!!! Der Sound ist hervorragend. Überraschend hervorragend! Die TR-1000 knallt! Ich justiere den xmax und kitzle den Softclipper. Der Sound ist sogar besser als bei den DJs vorher – und wir sind punchy und druckvoll !
Die Reise beginnt.
Wir hatten entschieden, dass ich mich die ersten 30 Minuten einspiele und er dann dazukommt, um mich zu unterstützen. Ich komme mehr und mehr rein. Die Leute sind überrascht, und man spürt es: Das hier ist anders.
Nach 30 Minuten : ich bin eins mit der TR-1000 und dem Modular. Ich spiele die Fader, haue Fills rein, erzeuge Sequenzen + Sounds auf dem Modular und der TR-1000 "on-the-fly". Eine Idee jagt die nächste. Ich habe meine DJ-Kopfhörer um den Hals zum Vorhören – und benutze sie kein einziges Mal. Keine Zeit! Live-Arrangement, Sounddesign und Sequencing gleichzeitig lassen kein Vorhören zeitlich zu. Ich würde dann auch ins Zweifeln kommen und müsste entscheiden. Also : Volles Risiko! Aber es funktioniert!
Die DJs und ihre Freunde kommen in die Booth, machen Videos, staunen. Das Publikum stürmt ins Zelt. Ich bin im Flow-Modus. Eine Idee nach der anderen kommt, und sie funktionieren. Die Stimmung ist super und die Crowd macht mit.
Mein Bruder kommt dazu und fängt an zu spielen, um mir Luft zu verschaffen. Wir kommunizieren: wann ich mich zurückziehe und er reinkommt, wann die Intensität hoch und wann runter geht. Er kommt auch in den Flow! Es ist, als hätten wir jahrelang zusammen gespielt!
Wir sind in einem totalen Tunnel. Am Ende frage ich meinen Bruder: Wie lange noch bis Schluss? Er sagt: 5 Minuten. Ich kann es nicht glauben. Es fühlt sich an wie maximal eine Stunde.
Finish !
Die Leute applaudieren. Personal und DJs kommen in die Booth, bedanken sich und geben unglaubliches Feedback.

KAPITEL 8 – DAS ENDE
Was für ein Ritt. Ich bin sprachlos. Wie hat das alles noch so hingehauen ? Ich weiß es nicht. Magisch.
Ich umarme meinen Bruder. Wir hatten nie so etwas zusammen erlebt. Wir sind total glücklich und total leer. Ich bin komplett nass geschwitzt. Der ganze Druck ist weg. Was für ein großartiger Moment.
Eine halbe Stunde lang stehen wir einfach sprachlos an der Bar, starren vor uns hin und verarbeiten, was gerade passiert ist. Leute kommen immer noch vorbei und geben "Props".
Wir sind glücklich.

Wir haben die Blumen bekommen!
… und die TR-1000 ist schuld – sie hat den Dancefloor zerlegt! Was für eine Maschine!
Recording :
