Korg Polysix Tastatur wiederbeleben

Dieses Thema im Forum "Reparatur, Pflege, Modifikation" wurde erstellt von Nikolaus Riehm, 15. Januar 2017.

  1. Nachdem ein Polysix mit üblichem Akku-Problem bereits ein Quick-and-dirty RAM-Austausch bekommen hatte - siehe diese kongeniale Konstruktion: :twisted:

    [​IMG]

    ...wollte sein Keyboard immer noch nicht richtig funktionieren. Im ganzen gingen selbst nach mehreren Durchläufen mit immer härteren Reinigungsmitteln (Kontakt-60, Kontakt-WL, DeoxIT D5, Waschbenzin und am Ende Aceton) immer noch kaum mehr als 5 Tasten. Leitfähigkeit der Rubber-Contacts an sich zu erhöhen war also nicht mehr der Weg und weder Zeit noch Budget mehr vorhanden für noblere Lösungen, welche auch immer. Nun wurd's Quick-and-ingenious und die Lösung, entsprungen quasi aus der Not, ist so simpel und effektiv, dass ich sie zur Nachahmung empfehlen kann:

    Die Rubber-Domes, auf denen letztlich das Contact-Pad sitzt, können nicht genug Kraft übertragen, um bereits gealterte Kontakte hinreichend fest auf die Platine zu drücken. Ergo: Anpressdruck erhöhen! Der Zufall will's, dass für M3-Gewinde gemachte Polystyrol-Distanzbolzen vom Durchmesser her exakt in die Gummizylinder passen, ohne raus zu rutschen. Steckt man dort Bolzen in passender Höhe rein (4 oder 5 mm), erzeugt die Taste wieder genug Druck aufs Pad, um einen sicheren Kontakt auszulösen. Materialkosten von 2 Euro und alle Tasten funktionieren wieder einwandfrei! Das Spielgefühl ändert sich natürlich etwas, ich finde aber sogar eher zum Positiven hin; satterer Anschlag, etwas weniger Hub (kein Problem beim Polysix, da eh nicht Velocity-sensitiv) und das leichte Geklacker, das jetzt durch den Anschlag der Plastikttasten auf die Oberseite der Distanzbolzen entsteht, hört und fühlt sich fast etwas nach DX7-Tastatur an, wenn deren Federzungen aufeinander schlagen - sehr angenehm. ;-)

    Das sieht dann so aus:

    [​IMG]
     
  2. MacroDX

    MacroDX Hat ein Bild mit Robotern wo aufm Mond rumlaufen

    Guter Tipp, Danke! Wenn man sich ganz viel Mühe machen will, dann kann man ja kleine Filzpads aufbringen, um das Klackern wieder zu reduzieren...

    Ich habe im Übrigen auch sehr gute Erfahrung damit gemacht, nach dem Reinigen (mit genannten Mittelchen) auf die Stempel eine Schicht Graphit aufzutragen. Dazu Graphitspray in z.B. eine Verschlußkappe sprühen und dann wie Lack mit einem Pinsel auftragen.
     
  3. Feedback

    Feedback Individueller Benutzer

    Yep, klasse Idee. Hätte meinem Poly61 seinerzeit (immerhin auch schon 15 Jahre her) aber auch nicht geholfen, da sich dort die Gumminoppen aufgelöst haben. Sind einfach in Teile zerfallen...
    Einzige Lösung: Austausch. Habe sie damals nicht gefunden und das Ding dann verkauft.
     
  4. +1

    Das ist auch sicher die langebigere Reparatur.... :opa:


    :peace:
     
  5. Das habe ich damals auch gemacht und die Tastatur hat bis heute keine Aussetzer mehr. :supi:
     
  6. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Nur so als allgemeinen Kommentar (nicht um Nikos ziemlich coolen Kniff schlecht zu machen):

    Bei den Kontaktmatten aus Gummi gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Problemlagen, die unterschiedlich behandelt werden müssen:
    1.) Die leitende Grafitschicht auf dem Stempel ist zu dünn. Dadurch ist der Widerstand zu hoch und der Kontakt wird von der CPU nicht als geschlossen erkannt.

    2.) Der Gummi des Stempels wird spröde, dadurch entstehen Risse in der Kontaktschicht. Wenn diese Risse sich mit dem Trennschlitz der beiden Kontakthalbkreise auf der Platine decken, dann wird die Platine nicht mehr gebrückt. Wenn die Sprödigkeit immer schlimmer wird (und sie wird immer schlimmer), dann besteht die Oberfläche des Kontaktstempels aus lauter einzelnen Gummi-Krümeln, auf denen eine erstaunlich dicke Grafit schicht sitzt, die einzelnen Grafit-Pünktchen auf den einzelnen Krümeln haben untereinandern keine Kontakt mehr. Der Polysix ist normalerweise gegen das Problem der Risse gefeit, da er verzahnte Kontaktflächen auf der Platine hat. Aber im Fortgeschrittenen Stadium mit den "Krümeln" kann man da auch nichts mehr machen.

    Bei Problem 1 gibt es drei verschiedene Abhilfe-Methoden:
    * die Graffitschicht wieder dicker machen
    * Die Pullup-Widerstände in der Datensendleitung der Matrix kleiner machen
    * Den Anpressdruck erhöhen (zB mit Nikolaus' Methode)

    Bei Problem 2 hilft letztlich nur der Austausch der Kontaktmatte. Man wird temporär wohl auch noch was mit erhöhtem Anpressdruck ausrichten können, und Grafit-Lack wird vermutlich den Kontakt sogar noch etwas längere Zeit funktionabel machen, aber irgendwann zerbröselt der Stempel, und dann ist einfach sense.
     

  7. :supi:

    :peace:
     
  8. tholan

    tholan ......

    ...ist ne gute Methode, den letzten Rest an leitfähigem Material von den Kontaktflächen
    zu schrubben und vlt. sogar die Kontakteinsätze zu "liqidieren".
    Benzin da draufzutun würde ich mich jedenfalls nicht trauen.
    Wenn dieser Gummi Plastikanteile hat, wird das gnadenlos angelöst.
    Wie sich Acerton mit Gummi oder Plastik verhält, weiß ich nicht.
    Mit "Isopropanol" als Dreck- und Fettlöser (gibts in der Apotheke) richtet man weniger Schaden an.

    Das mit dem Graphitlack kann ich voll unterstützen, hat bei meinem Siel Expander, nem Zoom ST-224
    und etlichen TV-Fernbedienungen Wunder vollbracht.
    Das Zeug trocknet sehr schnell und ich habe es bei kleinen Kontaktflächen vorsichtig mit nem Zahnstocher aufgetragen.
     
  9. Ich wasch' das am Ende immer mit einem Durchgang Kontakt WL aus, um alle Reste der härteren Mittel (und des gelösten Schmutzes) zu entfernen. Probleme haben sich dadurch nie ergeben.
    Mit den Distanzbolzen konnte ich diesen Poly wieder spielbar fit bekommen und er hat wie gesagt eh schon über die Kante viel Zeit gekostet. Nun lebt er weiter. :nihao:
     
  10. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Den Trick finde ich auch saugut. Deutlich besser als all diese "Pappschnipsel-unter-die-Taste-kleb" aktionen.
     
  11. Du hast nicht zufällig mal diese Kontakt-Pads, die Bob Weigel anbietet, ausprobiert?
    Hier zeigt er, wie er die Dinger einklebt.
     
  12. Besten Dank an diejenigen, denen man dann später das abkratzen dieser Pappschnipsel zu verdanken hat.
     
  13. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Nee, auf synth-diy und analogue-heaven wird das zeugs aber gelobt. Es sieht aber nach einen Scheißjob aus.
     
  14. tholan

    tholan ......

    Ich wollte nur darauf aufmerksam machen,
    daß Benzin Plastik oder Kunststoff an- oder auflöst .
    Daß das mit den Abstandhaltern funktioniert ist wirklich ein smarter Tip,
    aber sich das Waschbenzin lieber für verdreckte Fahrradketten vorzubehalten,
    statt kostbare Klangerzeuger damit zu maltraitieren könnte ja den ein-
    oder anderen vor Unheil bewahren. Das muß nicht immer gutgehen.
    Kontakt WL nutze ich auch, vorwiegend für unzugängliche Kontaktprobleme
    und erst dann, wenn bei kratzenden Potis z.B. Druckluft aus der Büchse nichts mehr ausrichtet.
    Mit dem Zeug habe ich jedenfalls bis jetzt nur die Unterseite einer TB303 ruiniert.
    Die Gehäuseschalen sind da aus weißem Plastik und nur mit Silbergrau lackiert.
    Die Farbe landete halt auch im Lappen, als ich versuchte mit der Waschlösung
    Klebereste von Gummifüßen an der Unterseite abzurubbeln. :)
     
  15. Ja, die Kombination aus Reinigungsmittel und zu reinigendem Objekt muss mitunter wohl bedacht werden. Hätte da ein aktuelles Beispiel zu Hand:

    [​IMG] :)

    Im Falle des Polysix war die Frustrationsgrenze einfach so weit überschritten, dass ich alles Ätzende aus dem Regal gezogen hab, was irgendwie reinigend wirken könnte. :twisted:
     
  16. Jenzz

    Jenzz |||

    Moin .-)

    So sieht das bei mir hier quasi jeden Tag aus.... ,-)

    Am besten war bisher ein Wurlitzer, in dem noch lebende Mottenlarven hausten.... Lecker!

    Jenzz
     
  17. Moin Jens, das kann ich mir vorstellen. ;-)
    Die Ernte aus dem Teil: eine Schraube, eine Einschlagmutter, drei Kieselsteine, zwei Plektren, der Rest einer Gitarrensaite, eine Reiszwecke und die Flachmutter einer Klinkenbuchse. Keine Ahnung, wo das alles herkam, will's auch lieber nicht wissen...
     
  18. Feedback

    Feedback Individueller Benutzer

    Na immerhin, alles tot, und offenbar ein von Männern benutztes Instrument. Ein Bekannter von mir war IT-Leiter einer Boutiquenkette, dort wurden schon ewig Computer an der Kasse eingesetzt. Häufigste Fehlerursache hier waren abgebrochene Fingernägel in der Tastatur.... :nihao: