Polyphonie mit Mono-Synth?

Dieses Thema im Forum "Analog" wurde erstellt von PySeq, 28. Juli 2015.

  1. PySeq

    PySeq eingearbeitet

    Hallo,

    ich wollte mal mit mehreren Audio-Spuren ein schönes Juno-artiges Pad mit meiner Bass Station 2 spielen. Klingt auch wirklich gut! :P

    Da es nur ein Mono-Synth ist, werden aber leicht Noten abgeschnitten. :sad: Man müßte also erst mit einem Plugin einen Prototyp erstellen, also eine Midi-Spur mit der Musik, die man spielen will. Dann macht man das, was Polysynths auch machen (sie verteilen nacheinander gespielte Noten auf mehrere Stimmen): Man teilt die Noten der einen Midi-Spur also auf z.B. 8 Midi-Spuren auf, also
    Code:
    Note 1 geht auf Spur 1,
    Note 2 auf Spur 2, ...
    Note 8 auf Spur 8,
    Note 9 auf Spur 1,
    Note 10 auf Spur 2, usw..
    Dann nimmt man jede Midi-Spur mit dem Mono-Synth nacheinander auf jeweils eine Audio-Spur auf, so daß man dann 8 Audio-Spuren hat. Die mischt man dann zu einer zusammen. Et voila.

    Der Punkt ist, daß der gesamte Ablauf eigentlich auch durch ein Computer-Programm gesteuert werden könnte, so daß man nicht mühsam von Hand Noten auf die Midi-Spuren verteilen müßte und auch die Audio-Spuren automatisch erstellt und gemischt werden könnten, usw.. Gibt es dafür also eine Software-Lösung oder wäre es möglich, das durch eine Skriptsprache in einer DAW zu lösen (ich benutze bisher Cubase, da sehe ich im Moment leider kein Scripting)?

    Komfortabler wäre natürlich gleich ein analoger Polysynth: 5 Stimmen * BS2 = 5 * 365 EUR = 1.825,- EUR: Klingt machbar. Los, Novation! :P
     
  2. Moogulator

    Moogulator Admin

    Jupiter 6 liegt klanglich in der Nähe. 6 Stimmen.
    Für Mehrstimmigkeit gäbe es im analogen Bereich auch idR 4stimmige Verteilgeräte, MIDI CV Interfaces - zB das von Thomas Spangemacher oder Vermona oder Marienberg. Als Vorschaltgerät für MIDI ist mir da zzt nichts bekannt. Technisch aber eigentlich einfach. Vielleicht ein Job für Audiowerkstatt.
     
  3. Burt

    Burt -

    Die alten Meister in der Prä-Midi-Zeit haben den Umstand, daß sie Polyphonie nur durch
    Layering von mehreren Spuren hinbekommen, als Gelegenheit genutzt, um durch leichte
    Abweichungen von Spur zu Spur das Klangbild voller und lebendiger
    zu gestalten. Tomita z.Bsp.
    Deine Automatisierung würde Dich diesbezüglich einschränken, da alle Noten die gleiche Dauer, Velocity,..., hätten.
     
  4. Moogulator

    Moogulator Admin

  5. PySeq

    PySeq eingearbeitet

    Nicht unbedingt, denn entweder könnte man in so ein Programm eine Art Humanizer einbauen.
    Oder man läßt die Midispurverteilung automatisch machen, nimmt dann die leichten Änderungen von Hand vor und läßt dann wieder alles automatisch aufnehmen und mischen.
    Es gibt da schon nicht wenige Schritte, die man ohne Abstriche automatisieren könnte.
     
  6. Mit einem Delay kann man ebenfalls polyphon mogeln
     
  7. Horn

    Horn ||

    Es geht hier ja nicht darum, wie man mit einem Monosynth Polyphonie erzeugen kann. Das weiß PySeq nach seinem Eingangspost zu urteilen sicher sehr genau. Es geht darum, wie man verhindern kann, dass die Release-Phase einzelner Töne bei Pads abgeschnitten wird. Was unvermeidlich ist, wenn man einen Mono-Synth einfach nur mit Hilfe der herkömmlichen Multitrack- und "Mogel-"Methoden mehrstimmig einsetzt.

    Ein interessanter Ansatz, aber mir ist auch keine Software-Lösung bekannt, die einem da die Handarbeit abnehmen könnte.

    Ich komme im Moment allerdings für mich selbst auch immer mehr zu der Auffassung, dass es einiges für sich hat, hauptsächlich mit Monosynths zu arbeiten und Polyphonie eben auf dem arbeitsintensiveren Weg zu erreichen.
     
  8. Je nachdem, wie groß der Tonumfang der Meldie ist, könnte man auch für jeden vorkommenden Ton einen eigenen Midikanal verwenden. Das lässt sich ja in den Midifenstern der meisten DAWs recht schnell erledigen. Natürlich werden dann noch Noten abgeschnitten, wenn zweimal die gleichen Note aufeinander folgt - das dürfte aber nicht so auffallen wie bei zwei verschiedenen Noten.
    Kann sein, dass man mit dieser Methode recht viele Aufnahme-Durchgänge machen muss, dafür ist die Verteilung der Midikanäle aber extrem simpel.
     
  9. Anonymous

    Anonymous Guest

    sound samplen, mit stimmen um sich werfen wie man möchte :floet:
    gibt heute doch genug software die einem jede taste einzeln in x velocities absampelt und programme im gewünschten format erstellt :opa:
    oder war kompliziert und langwierig und steinzeitartig gewünscht? ;-)
     
  10. Horn

    Horn ||

    Der Nachteil beim Samplen ist die Sterilität des Klanges. Ein Pad wird m. E. überzeugender klingen, wenn man einfach einen polyphonen VA verwendet als wenn man einen analogen Monosynth sampled. Also, ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber "steinzeitartig" ist gewünscht. Denn Klänge aus Samplern sind lange schon langweilig geworden: Polyphonie mit Monosynths dagegen kann sehr lebendig klingen. Und da die neuen Analogen viel mehr Modulationsmöglichkeiten besitzen als die monophonen Klassiker, sehe ich da auch Potential für "neue", lebendigere Sounds.
     
  11. Anonymous

    Anonymous Guest

    modulationsmöglichkeiten, naja, 12 mal das gleiche Knöpfen drehen für einen, mit Verlaub langweiligen analog , sound mit 6 stimmen würd ich mir nicht antun, bis man damit fertig ist ist der kaffee kalt.
    und dann nachdem man dann ewig den "gleichen" quatsch aufgenommen hat fällt einem ein man hätte dann doch lieber andere voicings oder gleich ganz andere Akkorde... :roll: und müsste dann wieder mit dem ganzen quatsch von vorne anfangen ...
    Sampler die Voice detune pro stimme und ähnliche späße haben gibts auch ...
     
  12. Horn

    Horn ||

    Jeder Jeck is halt anders. Es ging PySeq aber wohl eher nicht um ein Für oder Wider dieser Arbeitsweise, sondern um eine ganz spezifische technische Frage. Jedenfalls habe ich das so verstanden.

    Man kann Kompositionen übrigens vorplanen.
     
  13. Anonymous

    Anonymous Guest

    ich bin da sehr entscheidungfreudig, wie kommt daß denn in ner anderen tonart ... mit echter Polyphonie hab ich daß ganz schnell ausprobiert und muss nicht nach Aufnahme von spur nr. 12 feststellen (für ein paar simple Akkorde !) ja ist alles für die tonne ...
    ich dachte es ging um praktikabele Lösungen und nicht darum 2015 wie Wendy Carlos in den 60gern steine den berg hochzuschieben. :kaffee:
     
  14. Anonymous

    Anonymous Guest

  15. PySeq

    PySeq eingearbeitet

    Wäre auch 'ne Idee, aber ich hab's dann doch so gemacht, wie beschrieben: Nun ist alles BS2 (siehe Anhang). Klingt doch schön. :P
    Ich mußte es in 8 Midi-Spuren teilen, 5 reichten nicht aus. Mit diesem Python-Modul kann ich eine Midi-Datei (direkt von Festplatte) einlesen, umschreiben und wieder speichern. Ich habe also ein Midi mit einer Spur aus Cubase exportiert und dann in 8 Spuren geteilt. Dafür hab' ich mir folgendes Skript geschrieben (was ganz schön lange gedauert hat, weil ich erst das mit den Midi-Ticks begreifen mußte):
    Code:
    #!/usr/bin/python
    # coding: iso-8859-1
    
    # splitmidi.py, GPL 2, keine Garantie, keine Haftung,
    # Benutzung auf eigene Gefahr.
    
    import os
    import sys
    import midi
    
    INFILE = "in.mid"
    OUTFILE = "out.mid"
    TRACKSNR = 3
    
    print 'Trying to read file "' + INFILE + '".'
    if os.path.isfile(INFILE):
        print "Ok, file found."
    else:
        print '"' + INFILE + '" not found. Nothing done.'
        sys.exit()
    inpattern = midi.read_midifile(INFILE)
    print "Processing ..."
    inmetadata = inpattern[0]
    for i in inmetadata:
        if i.name == 'Track Name':
            i.text = str(TRACKSNR)
            i.data = [ord(str(TRACKSNR))]
            break
    
    inevents = inpattern[1]
    tracks = []
    ticks = []
    for i in range(TRACKSNR):
        tracks.append(midi.Track())
        tracks[i].append(midi.TrackNameEvent(text = str(i + 1), data = [ord(str(i + 1))])) 
        ticks.append(0)
    
    tick = 0
    t = 0
    for i in inevents:
        tick += i.tick
        if i.name == 'Note On':
            i.tick = tick - ticks[t]
            tracks[t].append(i)
            ticks[t] = tick
            t += 1
            if t == TRACKSNR:
                t = 0
    
        if i.name == 'Note Off':
            x = 0
            noteison = -1
            for tracknr in range(len(tracks)):
                for event in tracks[tracknr]:
                    if event.name == 'Track Name':
                        continue
                    if event.get_pitch() == i.get_pitch() and event.name == 'Note On':
                        noteison = tracknr
                    if event.get_pitch() == i.get_pitch() and event.name == 'Note Off':
                        noteison = -1
            if noteison > -1:
                i.tick = tick - ticks[noteison]
                tracks[noteison].append(i)
                ticks[noteison] = tick
    
    for track in tracks:
        track.append(midi.EndOfTrackEvent())
    
    outpattern = midi.Pattern(format = inpattern.format, resolution = inpattern.resolution)
    outpattern.append(inmetadata)
    for track in tracks:
        outpattern.append(track)
    # print outpattern
    midi.write_midifile(OUTFILE, outpattern)
    print
    print 'Done. Output is in "' + OUTFILE + '".'
    print
    Achtung, das Skript schreibt eine Datei "out.mid" in das aktuelle Verzeichnis.
    Ist wohl nur was für Linux-Nerds, aber immerhin. Ist auch nur eine erste rohe Version, kann noch besser werden. Einige Noten wurden nicht umgewandelt, aber es waren welche, die ich schon als Audio hatte.

    Das mit dem Samplen werd' ich auch mal versuchen. Danke für den Vorschlag. Kann man ja entspannt angehen. Viele Wege führen nach Rom.
    Ich hatte das in dem Buch von fanwander wohl ein bißchen überlesen, da er den Weg mit den Einzelstimmen ausführlicher beschreibt. Aber Samplen wird schon auch erwähnt (Kapitel 16.3, "hat allerdings viele Nachteile", steht da ;-) ).
     

    Anhänge:

  16. Horn

    Horn ||

    Das klingt wunderbar. Ja. Aber sag mal selbst: war der Aufwand es jetzt wirklich wert?

    Ja, ja, der Herr Anwander. Er hat mit seinem Buch wirklich etwas bewegt, denke ich. Auch ich orientiere mich gedanklich oft an dem, was in diesem Buch so geschrieben steht. Ich glaube, das ist dem Autor dieses Buches selbst gar nicht so klar, denn auch er befindet sich - wie man hier im Forum immer wieder feststellen kann - natürlich ebenso auf der Suche wie wir alle.
     
  17. dbra

    dbra Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.

    Ich hab letztens in der Keys oder Beats einen Testbericht zu genau so einem Gerät gelesen. Fällt mir jetzt aber nicht mehr ein, was das war. Evtl. such ich es mal raus. Kostete allerdings 300 Tacken. Wär mir zu teuer für ein Teil, das sich mit ein paar Zeilen Skript nachprogrammieren ließe...
     
  18. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich mache mit Renoise gelegentlich Polysamples von meine monophonen Synthies und speichere die als ganzes XRNI-Instrument ab. Was ich allerdings schon wiederholt dabei fest gestellt habe, ist, dass dabei sehr schnell übelster Soundmatsch entsteht, weil das ursprüngliche Setup des Synths halt doch zu fett war. Für sich alleine klingen zwei oder drei Layers dann vielleicht noch gut, aber spätestens beim Einsatz von Drums wirds einfach nur noch schauerlich und der Masterkanal springt in den tiefroten Bereich...
     
  19. dbra

    dbra Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.

  20. Klingt tatsächlich sehr rolandmäßig. Gerade das Pad. Melodie hört sich an wie the KNife - Heartbeats.
     
  21. PySeq

    PySeq eingearbeitet

    Oh, Dankeschön!
    Wenn man das Skript erstmal hat, ging der Aufwand eigentlich. Man importiert das Midi mit den acht Spuren in die DAW und läßt es nur noch sozusagen auf Audiospuren durchlaufen. An der BS2 selbst muß man dabei gar nichts mehr machen, man muß noch nichtmal "Mithören" einschalten.
    Ein Problem ist, daß man eben nichts mehr verändern kann, wenn aufgenommen ist. Man kann den Polyklang mit dem Monosynth vorher nicht so gut abschätzen. Hier war die Attackzeit vielleicht ein bißchen lang. Dann hätte man die kürzen müssen und alles nochmal aufnehmen. Das wäre dann schon nervig geworden.
    Es kann also schon vorkommen, daß man mehrere Male alles aufnehmen muß, bevor man ein gutes Ergebnis hat. Insgesamt ist ein Polysynth also schon wesentlich praktischer.
    Mit ensemble-mäßigen Veränderungen an den Einzelstimmen hatte ich hier noch gar nichts versucht.

    Das alles soll mich auch davon ablenken, daß es meinem Vater gerade sehr schlecht geht (Krankenhaus), da war mir der Aufwand ausnahmsweise nicht so wichtig.
    So sollte es sein. ;-)
    Ach so, die Melodie ist von Jan Hammer, hier (dort zu langsam), hatte ich glaube ich im anderen Thread schon gesagt. Das Pad ist bei mir etwas verändert.
     
  22. dbra

    dbra Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.

    Hab jetzt auch mal ein Pattern in gerade und ungerade Noten gesplittet (allerdings von Hand) und getrennt recordet, damit die Noten jeweils ausklingen können.

    Klingt super! Da wird aus Gedudel plötzlich Tiefgang. :)

    Glaub, ich brauch nen zweiten Slim Phatty... Spenden werden gern angenommen.
     
  23. Drumfix

    Drumfix aktiviert

    Ich habe mir zu dem Zweck mal ein kleines MIDI VST Plugin geschrieben das bei jedem Loopdurchlauf jeweils einen Typ Note (z.B. im 1. Durchlauf alle C4, im 2. alle F4 usw) ausgibt.
     
  24. Ich grab mal den Thread aus. Wunderschönes Beispiel wie man mit einem Monosynth quasi mehrstimmiges spielen kann:

    src: https://youtu.be/KE3s91usbTc
     

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