Reproduktion

Dieses Thema im Forum "SyntheTisch" wurde erstellt von Wahnwitz, 15. März 2016.

  1. Hallo zusammen.

    Mich interessiert, wie ihr es mit der Reproduktion haltet.

    Als Bio-Musiker kenne ich Sessions, wo sich plötzlich gute Ideen entwickeln und man sie irgendwie versucht zu speichern/merken.
    Eine echte Reproduktion des "Moments" ist meistens nicht möglich weil das ganze eigene (der Basslauf) zu sehr im Kontext der Session steht - also den anderen Mitspielern.

    Bei Elektro habe ich das Problem dass ich vor einer unüberschaubaren Fülle an Parametern und Optionen stehe.
    Wenn ich für mich jamme und einen Sound finde, dann drehe ich so lange herum bis ich was höre von dem ich denke "yeah!". Jetzt ist es auch so, dass ich mein Equipment noch (wohl lange) nicht "beherrsche". Ich habe eine MD, MAM retro Bass und Microkorg zur Hand und alleine der Korg bietet Tonnenweise Sounds an.

    Jetzt würde ich mal gerne von euch hören, ob ihr euer Equipment so gut kennt, dass ihr relativ schnell und sicher den Sound einstellen koennt, der euch im Kopf vorschwebt und ob und wie ihr euch Soundkombinationen (aus allen Geräten) insgesamt merkt.

    Ich weiss, dass jeder Kopf anders tickt aber kann ja trotzdem interessant sein ;-)
     
  2. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich bitte um eine nähere Definition, danke
     
  3. Bernie

    Bernie ||||||||||||||||||||||

    Mir ist es nicht so wichtig, von allem und jedem einen Recall zu haben, ich mache dann einfach etwas Neues.
    Meine Sichtweise über Musik ist ähnlich, wie das gesprochene Wort.
    Beides ist für mich eine Art der Kommunikation und wenn ich mich mit jemanden unterhalte, werden die Gespräche ja auch nicht aufgezeichnet.
     
  4. ---

    --- Guest

    Je abstrakter die Musik, desto schweiriger ist die reproduzierbarkeit.
    Bei Musik mit klassischen Instrumenten kann man immerhin noch Noten
    schreiben, evtl die ganze Notation anpassen, aber der Song an sich bleibt
    ja erhalten.

    In Zeiten von Mehrspurrecording sollte es doch möglich sein im Sequenzer während der
    Session alles aufzuzeichnen. Für jede Maschine jeweils Midi und Audiospur(en),
    wenn man es denn will. So hast du auch alles im Kontext zu anderen Sessionspielern.
    Bräuchtest nur Midi- und Audiosplitter, um alles abzuzwacken.

    Bin gespannt auf andere Vorschläge, wäre für mich auch "bald" relevant
     
  5. oli

    oli |||||||

    Hallo Wahnwitz, ich hab manchmal ne Videokamera (nur für mich) mitlaufen, die über dem gesamten Setup montiert ist. So kann ich sehen, welche Tasten ich gedrückt habe, usw. ...
    Ansonsten hab ich ein Audio-Mehrspur-Setup, so dass ich gute Parts auch direkt mischen / finalisieren könnte. Pattern und Patches speichere ich pro Session ab.

    Grüße
     
  6. Bernie

    Bernie ||||||||||||||||||||||

    Kannst du das tatsächlich noch gut erkennen?
     
  7. Jörg

    Jörg |||||

    Wird überschätzt. ;-)
    Wenn man sich die Möglichkeit offen halten will, nachträglich was zu ändern, sollte man Einzelspuren aufnehmen. Ansonsten gilt, eine Session ist eine Session ist eine Session.

    Meistens ja.
    Für komplexere Sounds wird dann schon mal auf vorprogrammierte Sounds oder Presets zurückgegriffen und die dann schnell angepasst.
     
  8. Bernie

    Bernie ||||||||||||||||||||||


    :supi:
     
  9. NickLimegrove

    NickLimegrove MIDI for the masses

    Das, was mir zu reprodzieren wichtig ist, versuche ich, im Sequenzer (Renoise) zu automatisieren und reproduzierbar zu machen, per MIDI-CCs oder durch einigermaßen disziplinierte Patch-Verwaltung. Dort, wo es nicht wichtig ist oder nicht geht -- weil der Cutoff der xoxbox oder die EQs am Mischpult nicht midifiziert sind, oder der Federhall überhaupt kein MIDI hat --, dort geht's halt nicht. Dann entsteht, sofern ich zwischenzeitlich an den Reglern gedreht habe, bei jedem neuen Take, den ich aufnehme, eben was Neues. ...zusätzlich zu dem Neuen, das ohnehin schon dadurch entsteht, dass ich während des Mitschneidens einige der nicht-automatisierbaren Parameter mit der Hand moduliere.
     
  10. fanwander

    fanwander ||||||||||

    Ich habe mir abgewöhnt, etwas exakt reproduzieren zu wollen. Bei mir ist nur ein Mitschnitt üblich (wenn ich mit anderen zusammenspiele und das mitgeschnitten wird, dann habe ich trotzdem gerne noch einen Mitschnitt meiner eigenen Stereo-Summe). Aus dem höre ich mir heraus, was ich ungefähr gemacht habe. Mittlerweile stelle ich aber fest, dass es oft genügt, einfach sich zu erinnern, was ich im Prinzip gemacht habe. Sowas wie "Cutoff=76%, Decay=32, Aux-Send=12, Reverbtime=3,2s,..." bringt erfahrungsgemäß nix; die exakten Parameter sind nicht wichtig. Wichtig ist eher sowas: "die Chords im zweiten Teil klangen so gut im Hall, weil das Filter nicht ganz offen war".

    ERGÄNZ:
    Ja - ich stelle das meist sogar "blind", also ohne Vorhören ein, und muss danach meist nur geringfügig korrigieren. Ich benutze aber - nicht zuletzt deswegen - recht einfach strukturierte Synths und Drums. SH-101/Juno-6 mal so als Marke der maximalen Komplexität.
     
  11. oli

    oli |||||||

    Ich hab mein Setup so stark reduziert, dass fast alle Klangerzeuger auf eine Grundfläche von ca. 60x60 cm passen. Die HD-Kamera ist ca. 80 - 100 cm über der Tischfläche an einem Regal montiert. Mir reicht dieses Setup aus. Wenn man ne größere Grundfläche hat und es von oben aufnehmen möchte, bräuchte man vielleicht ne 4K-Kamera. Alternativ könnte man evtl. auch ne (weitwinklige) GoPro mit dem passenden Stirnbandzubehör kaufen, allerdings müsste man dann aber auch immer da hinschauen, wo man gerade spielt / schraubt... :D Oder mit nem Smartphone (die sind in der Regel auch eher weitwinklig) und ner passenden Stativhalterung könnte es auch gehen, wenn man das nicht zu hoch hängt...
     
  12. Bernie

    Bernie ||||||||||||||||||||||

    Ah, okay, wenn das alles so aufs Bild passt, dann gehts natürlich.

    In diesem ganzen Recall sehe ich (persönlich) keinen großen Sinn und halte es doch eher so wie Florian.
    Das wichtigste an Parametern kennt man ja und hat es schon mehrfach gespielt, da erübrigt sich vieles.

    Und was eben auch dazugehört und meiner Meinung nach noch viel wichtiger, als die totale Reproduktion erscheint, ist das Üben!
    Wenn man seine Maschinen und Songs gut kennt, dann kann man das auch ohne Dokumentation und Speicher wieder halbwegs hinbekommen und sehr oft klingt die nächste Variation sogar nochmal etwas besser.
    Das Feintuning, oder "Updaten" der eigenen Musik, bringt das Stück ein bischen weiter und wird immer wieder ein bischen besser, gefällt es einem mal nicht, spielt man wieder die vorhergehende Version.

    Schließlich kann die "handgemachte" Musik doch auch immer etwas anders klingen, will man immer ein exaktes Abbild, könnte man besser zur CD greifen. Ich gehe da immer ganz entspannt an die Sache heran.
     
  13. Noch NIE hatte ich das Bedürfnis einen Sound genau reproduzieren zu wollen.
     
  14. ... muss mich in Teilen korrigieren. Für Gesang und Gitarrensounds gilt diese Aussage nicht.
     
  15. oli

    oli |||||||

    @Bernie: ja genau, das Üben und Probieren, aus dem neue Versionen entstehen können, ist wichtig! Seh ich auch so.

    Da ich leider nicht so oft Zeit zum Musizieren hab, bringen mir solche "Videonotizen" einen schnelleren Wiedereinstieg. Mein Gehirn kann sich leider Melodien nicht so gut merken... :)
     
  16. Bernie

    Bernie ||||||||||||||||||||||

    für Melodien eigenen sich einfache Midisequencer, hat man früher gerne mal als Notizbuch mitlaufen lassen oder ein mitgeschnittenes WAV
     
  17. psicolor

    psicolor Busfahrer und Bademeister

    Das erinnert mich an meine Preset-Zeit. Ich hatte viele Jahre Angst vor Synths. Klanggestaltung hat sich bei mir darauf beschränkt, Presets durchzuhören, Sounds zu stacken und nur im schlimmsten Notfall mal ne kleine Änderung an nem vorhandenen Preset zu machen. Das ewige Presets-Durchklicken war immer sehr ermüdent und hat auch nicht wirklich Spass gemacht. Es war daher für mein Wohlbefinden und den Spass an der Musik schon gut, irgendwann vor etwa 8 Jahren den radikalen Vorsatz zu machen, dass ab Dato in jedem Synth nur ein elementarer Init-Sound gespeichert wird, und ansonsten keine Presets mehr verwendet werden. Der Hacken an der Sache ist, dass meine Aufnahmen dadurch nicht besser geworden sind. Sie sind seitdem anders. Positiv ausgedrückt würde ich sagen sowohl klanglich als auch musikalisch wesentlich simpler, ordentlicher, aufgeräumter, strukturierter, greifbarer und nachvollziehbarer. Negativ ausgedrückt ist die Musik banaler, weichgespülter, "kommerzieller" (zumindest hören sie sich so an) und charakterloser. Zusammengefasst könnte man sagen, dass ich vorher 1000000 Sounds (Presets) zur Verfügung hatte und inzwischen mit 10 Sounds arbeite, die ich mir halt zusammenpfusch, wenn ich sie brauch.
     
  18. Amds

    Amds Cats'n'Gear

    Also ich halte es so das ich Sachen (Sounds) die 100% so klingen müssen wie mal im Lied verwendet dann einfach als Sample geladen werden. Die geb ich dann so wieder wie sie waren. Bei "unwichtigen" Sounds wie Drums, Bass oder nem Pad nehm ich einfach einen Sound her der ähnlich klingt oder ich mach einfach nen neuen.
     
  19. Dnake für eure einblicke bisher :)

    Bei mir hat sich das alles mittlerweile etwas "gelichtet". Zu meiner Draummaschine kam mittlerweile ein 502 Spaceecho, Dark Time und Dark Energy und das ganze ist mir jetzt schon lange nicht mehr so fremd und beinahe "beherrschbar"!

    :supi:
    Ich stecke gerade genau in dieser Erfahrung - die Erkenntnis sich von dem "Vielen" zu lösen und sich trauen in eigenen Sounds zu denken.

    @Chain
    Du meinst wohl meine Aussage zum "Bio-Musiker" :) Ich habe es auf das spielen eines Instruments bezogen, welches völlig andere Anforderungen an den Musiker stellt. Also die "Bedienung". Kreativität und Ideen sind davon unberührt.