Roland TB-303 / Restauration / Austausch der Taster

Dieses Thema im Forum "Lötkunst" wurde erstellt von orange_hand, 10. Mai 2006.

  1. Vor einigen Wochen kam ich auf die Idee einen TB-303 Clone zu kaufen, nachdem ich mit der Audiorealism Bassline (Software Clone) schon einiges gemacht hatte. Einige von euch haben mir die Acidlab Bassline empfohlen, die jedoch erst einen Monat später lieferbar war. Also guckte ich von Zeit zu Zeit bei Ebäähh nach einer originalen TB-303 und wurde in UK fündig. Kurz entschlossen habe ich den Verkäufer angeschrieben und mich über den technischen sowie optischen Zustand informiert. Damals habe ich nachgefragt ob schon einmal Batteriesäure im Gerät ausgelaufen ist und ob alles funktioniert. Der Verkäufer bestätigte mir, dass das Batteriefach "clean" ist. Insgesamt sah die Kiste auf den Ebäähh Fotos gut aus und daher habe ich mit geboten. Letztendlich habe ich den Zuschlag erhalten. Danach habe ich das Geld überwiesen und gehofft, dass die kleine Silberkiste den Weg zu mir nach Hause findet. Nach ca. 2 Wochen war es soweit. Der Nachbar stand vor der Tür und drückte mir ein Paket mit einem englischen Post-Label in die Hand. Aufgeregt wie ein kleines Kind habe ich das Paket angenommen und gleich geöffnet. Die kleine Silberkiste war sehr gut verpackt und wurde nicht beschädigt. Alle vereinbarten Teile wurden vom Verkäufer geliefert. Als erstes nahm ich die kleine silberne Box und schloss sie an meine Anlage an, um mal zu hören was da so alles an "Presets" :) vorhanden ist. Noch vom geilen Sound völlig benebelt nahm ich dann die Batteriefachabdeckung heraus um mir das Batteriefach anzusehen. Dort befanden sich schon einige verdächtige braune Flecken, die Böses erahnen ließen. Eigentlich wollte ich diese teure Kiste nicht öffnen um sie nicht zu beschädigen, jedoch überwog meine Neugier. Also habe ich die Kiste aufgeschraubt und traute meinen Augen nicht. Das Batteriefach war voll mit Batteriesäure, die im Laufe der Jahre die Batteriespiralfeder stark angefressen hat. Außerdem lief die Batteriesäure am Gehäuserand entlang und hinterließ auch dort ihre Spuren. Doch seht selbst:

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    Da beschloss ich die Kiste erstmal komplett zu zerlegen und die Gehäuseteile gründlich zu reinigen. Das ist mir auch sehr gut gelungen, wie man auf den Fotos sehen kann. Insgesamt hat mich das Reinigen 3-4 Stunden gekostet. Ich wollte einfach die komplette Säure entfernen und die war relativ schwer abzulösen. Nachdem ich dann eine saubere Kiste hatte, habe ich alles wieder zusammengesetzt. Die zerfressene Batteriespiralfeder habe ich erstmal nicht wieder eingebaut.

    Zwischenzeitlich habe ich mich auf die Suche gemacht eine neue Batteriespiralfeder zu bekommen. Ich habe wirklich alle Möglichkeiten bezüglich der Beschaffung überprüft. Keiner konnte diese verdammte Spiralfeder liefern. Als letzte Option habe ich mich dann an den Roland Service gewandt, der mir doch noch eine Spiralfeder beschaffen konnte, damit hatte ich nicht gerechnet. Die nachfolgenden Tage habe ich dann versucht mich in die Kiste einzuarbeiten, was soweit auch kein Problem war. Die einzige Schwierigkeit war das Programmieren der Notenlängen im "Time Mode". Die Kiste wollte das Pattern schon nach der Eingabe von 14 oder 15 von 16 Noten beenden. Außerdem blinkten die LED's der oberen Reihe unkontrolliert, was mich schon in Panik versetzte. Ich dachte: "Die Kiste ist defekt und der Verkäufer hat Dich richtig beschissen ! Jetzt sitzt der auch noch in England und Du kannst nicht mal vorbei fahren um Deinen Zorn freien lauf zu lassen :)". Ich habe dann im I-Net nach entsprechenden Seiten gesucht, auf denen über ähnliche Probleme berichtet wurde. Leider habe ich nicht viel gefunden. Am Ende hatte ich eine EMail Adresse von jemanden, der MIDI Interfaces in die Silberkisten einbaut. Den habe ich gefragt, was es mit dem unkontrollierten Flashen auf sich hat. Er meinte nur "Ja, das ist normal bei den alten Kisten.....". Also gab ich mich erstmal damit zufrieden und versuchte einige Tage später weitere Pattern einzuprogrammieren. Dabei merkte ich, dass die Taster das Problem sein müssen. Wenn ich die Taster nur ganz kurz betätigte, dann konnte ich tatsächlich ein vollständiges Pattern programmieren. Drückte ich den Taster jedoch etwas zu lange, dann hat die Kiste immer gleich mehrere Steps hintereinander bedient. Insgesamt habe ich manchmal 5-6 Anläufe gebraucht um ein Pattern zu definieren. Danach konnte ich beim Abspielen nicht in Echtzeit transponieren, weil auch der Pitch Taster nicht richtig funktionierte. Insgesamt waren bestimmt 50% der Taster nicht mehr in Ordnung. Das ganze hat mich so genervt, dass ich mich entschlossen habe die Taster auszuwechseln. Dazu habe ich mir dann erstmal einen kompletten Tastersatz beschafft.
    Auf den nachfolgenden Bildern habe ich versucht die einzelnen Schritte der Restauration der TB-303 einzufangen. Für erfahrene Bastler ist das sicherlich eine triviale Geschichte, aber ich denke für den unbedarften Musiker ist es schon mal interessant zu sehen, wie man mit einfachen Mitteln seine Geräte wieder in Ordnung bringen kann.

    Als erstes benötigt man das Werkzeug um die Reparaturen durchführen zu können:

    a) Lötkolben mit Lötzinn (hier 16 Watt)
    b) Lötabsaugpumpe
    c) Kreuzschlitzschraubendreher
    d) Zange
    e) Pinzette

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    Das Reinigen des Gehäuses habe ich hier nicht dargestellt. Ich habe dafür eine alte Zahnbürste, feines Schleifpapier sowie verschiedene Haushaltsreiniger verwendet.

    Zu Vorbereitung der ganzen Aktion gehört dann selbstverständlich noch das Prüfen des einzubauenden Materials. In meinem Fall ist es mit einer einfachen Durchgangsprüfung der Taster getan. Ich habe alle Taster vor dem Einbau überprüft, damit ich hinterher keine unangenehme Überraschung erlebe.

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    Der erste Arbeitsschritt ist also das Öffnen der Box, das mit insgesamt 6 Schrauben relativ einfach ist. Nachdem alle Schrauben gelöst wurden, kann man beide Gehäuseteile auseinander klappen. Aus dem Batteriefach muss dann noch die Klemme für den Pluspol (rechts) und die Spiralfeder (links) entfernt werden. Beide Teile können nach oben herausgezogen werden. Danach kann man das komplette Platinen-Sandwitch entnehmen.

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    Um nun das Switchboard bearbeiten zu können, muss man das Switchboard vom Mainboard abheben. Dabei ist zu beachten, dass man beim Abheben des Switchboards die drei weißen Klemmstifte zusammendrückt. Danach kann man das Switchboard etwas schräg nach oben klappen. So ist es möglich die Taster auszuwechseln, ohne weitere Kabel entfernen zu müssen. Ich habe mir dann einen Sortierbox als Auflage für das Switchboard hinzugeholt, damit ich das Switchboard vernünftig bearbeiten konnte.

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    Als nächster Schritt kommt dann das Herauslöten der alten Taster. Dazu benötigt man die Lötabsaugpumpe, die für das Absaugen des flüssigen Lötzinns an der Lötstelle zuständig ist. Da ich das vorher noch nicht gemacht hatte, habe ich erstmal an einer alten Platine geübt. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass man beim Absaugen evtl. nicht das gesamte Lötzinn erwischt. Dann muss man in mehreren Anläufen versuchen so viel wie möglich abzusaugen. Nach dem Absaugen des Lötzinns muss man nun die Taster aus der Platine entfernen, was nicht so einfach ist, da die Pins der Taster am Ende nach innen gebogen sind.

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    Ich habe mir damit beholfen, die Pins mit dem Lötkolben von hinten aus der Platine zu drücken.

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    Dabei muss man aufpassen, dass man mit dem Lötkolben nicht abrutscht und die Platine beschädigt. Wenn man nun alle Pins durchgedrückt hat, kann man die Platine umdrehen und den Taster mit einer Zange vorsichtig heraus ziehen.

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    Nach dem Ausbau des vierten Tasters, hat sich bereits eine gewisse Routine eingestellt, so dass die restlichen Taster dann auch zügig entfernt werden konnten.

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    Nach dem sauberen Entfernen der alten Taster werden die neuen Taster auf die Platine gesteckt. Das geht relativ einfach. Die Pins der Taster werden einfach durch die entsprechenden Löcher der Platine geschoben. Die Taster werden dann einfach gegen die Platine gedrückt bis sie einrasten. Ein falsches Einbauen der Taster ist nicht möglich, da sie mit Arretierstiften ausgestattet sind:

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    Nach dem Einstecken der Taster müssen diese auf der anderen Platinenseite sorgfältig verlötet werden. Dabei sollte man darauf achten, keine "kalten" Lötstellen zu erzeugen. Nach dem Einlöten werden die Silberkappen der Taster einfach wieder auf die Taster gesteckt. Danach sollte man noch mal die Ausrichtung der Taster-Kappen überprüfen.

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    Als letztes Element habe ich nun noch die neue Spiralfeder in das Gehäuse eingesetzt und das schwarze Kabel an diese angelötet.

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    Nachdem nun alle Arbeiten ausgeführt wurden, muss das Gehäuse wieder vorsichtig zusammengebaut werden.

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    Nach der ganzen Aktion kam dann noch der finale Check. Schnell noch ein Pattern programmiert und los ging es:

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    Nun strahlt die TB-303 wieder in alter Frische und ich habe auch wieder Spaß am Programmieren und Experimentieren mit diesem wundervollen Instrument !

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    Ich hoffe meine kurze Dokumentation hat euch auch etwas Freude gemacht.

    Gruß
    Orange Hand
     
  2. Jörg

    Jörg |

    Hui! :shock:
    Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Operation!!! :supi:

    Klasse Doku auch! :)
     
  3. Anonymous

    Anonymous Guest

    gratuliere, die TB sieht wieder wunderschön aus... :)
    da bekommt man gleich Lust auf eine.

    nennt man prellende Tasten und ist ein sehr verbreitetes Problem bei den 303's und 606's, vor allem bei Tasten die vielgebraucht werden, step etc...
     
  4. Anonymous

    Anonymous Guest

    Das ist bei allen Geräten (das sind einige!) die diese Omron-Taster verwenden ein Problem. Dafür kann man die immer noch kaufen.

    Schöner Bericht übrigens!
     
  5. tulle

    tulle aktiviert

    Jungejunge,
    dein Lötplatz ist sowas von Aufgeräumt...
    ;-)
     
  6. Anonymous

    Anonymous Guest

    schade das die pics verloren gegangen sind...
     
  7. saubere arbeit :supi:
     
  8. Towel

    Towel -

    Hey habe ich ja noch garnicht gesehen. Danke für den schönen Bericht, werde ich mir auch mal auf
    den Lernzettelschreiben meine Projekte ausführlich zu Fotomentieren. :supi:
    Bis jetzt habe ich immer nur Kabelverbindungen und Verlötungen zur Erinnerung festgehalten.
     

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